Norwegen mit dem Schiff: Eine Reise entlang der Küste unter der Mitternachtssonne

Sechs Tage, ein Schiff und eine der spektakulärsten Küsten Europas. Unsere Autorin war auf ihrer ersten Kreuzfahrt und hat Norwegen von seiner stillsten, wildesten und schönsten Seite kennengelernt – unter der Sonne, die nie untergeht
Blick vom Schiff auf die Küste
Båtsfjord ist ein kleines Fischerdorf im Norden von Norwegen und der dritte Stopp entlang der Route © Lucy Binder

Norwegen ist ein Land der Extreme. Vom eisigen Polarmeer im Norden bis zu den grünen Fjordlandschaften im Süden erstreckt sich das Land über mehr als 2.600 Kilometer. Würde man diese Strecke mit dem Auto zurücklegen, bräuchte man Tage – und Wochen, um all die Naturspektakel, kleinen Orte und wechselnden Landschaften wirklich zu erleben. Von der Finnmark bis nach Bergen, von den Lofoten bis zum Geirangerfjord: Wer Norwegen ganz sehen will, braucht Geduld.

Oder eine schnellere Alternative. Zum Beispiel, indem man die norwegische Küste mit dem Schiff bereist. Wir waren eine Woche an Bord der Havila Castor und sind von den kargen Weiten im hohen Norden bis in die milden, bunten Hafenstädte im Süden gefahren. Alles unter dem Licht der Mitternachtssonne, die von Mitte Mai bis Ende Juli in Nordnorwegen die Nacht zum Tag macht.

Norwegen Kreuzfahrt unter der Mitternachtssonne

Schon beim Anflug auf Kirkenes zeigt sich Norwegen von seiner dramatischsten Seite. Die karge, weite Landschaft mit glitzernden Seen und letzten Schneefeldern, die noch vom Winter übrig sind, breitet sich unter dem Flugzeugfenster aus. Der Himmel liegt schwer über dem Land, als wüsste er, dass hier oben keine Requisiten nötig sind. Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte jemand die Sättigung heruntergedreht. Von Deutschland aus fliegt man zunächst nach Oslo, von dort geht es in rund zwei Stunden weiter nach Kirkenes – einer der nördlichsten Flughäfen Europas, nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Hier oben beginnt unsere Reise. Doch bevor wir an Bord unseres Schiffes gehen, steht noch etwas auf dem Programm, wofür Kirkenes berühmt ist: das Königskrabbenfischen. Die Krustentiere gehören zu den kulinarischen Spezialitäten Norwegens und gelten in der Region gleichzeitig als invasive Art, die sich seit ihrer Einschleppung aus Russland rasant entlang der Küste ausgebreitet hat. Ihr Fang wird nicht nur erlaubt, sondern sogar aktiv gefördert, was uns die Gelegenheit bietet, eine der begehrtesten Delikatessen des Nordens direkt vor Ort aus dem Meer zu holen.

Frau auf einem Boot mit Fangkorb in der Hand
Frisch aus dem arktischen Wasser: In Nordnorwegen gilt das Königskrabbenfischen als Delikatesse – und Abenteuer zugleich © Lucy Binder

Am Nachmittag unternehmen wir noch einen Ausflug zur nahen russischen Grenze. Nur wenige Kilometer von Kirkenes entfernt steht man plötzlich an einem der östlichsten Punkte des Schengen-Raums – die andere Seite beginnt bereits mit Russland.

Einschiffung in Kirkenes und Start meiner Küstenreise

Am nächsten Morgen geht es los. Ich war noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff und im Vergleich zu den anderen hier im Terminal bin ich eindeutig die Anfängerin. Während um mich herum alle scheinbar genau wissen, wo sie hinmüssen und mit ihren Koffern im Rumpf des Schiffes verschwinden, bleibe ich erstmal stehen. Mit 179 Kabinen und Platz für rund 640 Passagiere gehört die Havila Castor eher zu den kleinen Kreuzfahrt-Schiffen und trotzdem kommt sie mir wie ein Gigant vor, während ich meinen Kopf in den Nacken lege und nach oben starre.

„Madame?“, ruft einer der Mitarbeitenden und winkt mir von der riesigen Ladeluke entgegen. Achja, ich muss an Bord, sonst fährt mir mein Hotelzimmer davon.

Kaum habe ich das Schiff betreten, habe ich schon wieder vergessen, dass ich auf dem Wasser bin. Kein Schaukeln, keine runden Bullaugen oder knallrote Rettungsringe – stattdessen sieht es hier aus wie in einem Hotel. An der Rezeption bekomme ich meine Zimmerkarte, fahre mit dem Aufzug auf Deck 5 und laufe den Gang entlang zu meinem Zimmer. Von meiner Kabine aus sehe ich, wie sich das Dock, auf dem ich gerade noch stand, immer weiter entfernt und merke erst jetzt, dass wir schon unterwegs sind. 

Und plötzlich erkenne ich, was Menschen an Kreuzfahrten so schätzen: Ich werde in den nächsten Tagen fast die gesamte Westküste Norwegens sehen, ohne, dass ich meinen Koffer packen, von A nach B fahren oder das Hotel wechseln muss. Ich verlasse meine Kabine und erkunde das Schiff, um ein schönes Plätzchen zu finden, von wo aus ich die Landschaft beobachten kann.

Unterwegs durch Norwegens arktische Wildnis

Trotz Juni ist es hier oben im Norden kalt. Kein Wunder, schließlich befinden wir uns auf über 71 Grad nördlicher Breite – näher am Nordpol als an Oslo – und mitten in einer Landschaft, die mehr nach Mond als nach Mitteleuropa aussieht. So schön die frische Luft auch ist, ich mache es mir nicht auf dem Außendeck, sondern in der Lounge gemütlich und sehe mir auf der Karte die restliche Route an. Kurz nach Kirkenes halten wir in Vardø, einem kleinen Fischerort am östlichsten Punkt Norwegens. Die Tatsache, dass hier jedes Jahr der einzige Baum der Stadt warm eingepackt und vor dem Winter geschützt wird, zeigt, welche Temperaturen herrschen und wie wenig Vegetation es gibt.

Blick von einem Hügel auf das verschneite Vardø
Selbst im Sommer lässt das ewige Eis das Örtchen Vardø nie ganz los © Canva

Wir bleiben nur eine Stunde. Wer möchte, kann das Schiff kurz verlassen, um sich die Beine zu vertreten oder sich im Schnellgang die Stadt anzusehen. Die wichtigste Regel: 15 Minuten vor Abfahrt müssen alle wieder zurück sein und sich über ihre personalisierte Zimmerkarte einchecken. Wer zu spät kommt, bleibt zurück und kann seinem Gepäck hinterher winken. Da die Route auf dem Landweg über Berge, durch Täler und um Fjorde geht, hat man keine Chance, mit einem Taxi hinterherzukommen und beim nächsten Hafen wieder einzusteigen.

Entlang der Route von Kirkenes nach Bergen werden wir insgesamt 34 Häfen anfahren, in vielen davon aber nur wenige Minuten halten. Zum Beispiel, um neuen Proviant zu laden oder Einheimische an Bord zu nehmen, die die Schiffe entlang der alten Postroute nicht zum Urlaub machen, sondern als ganz normales Verkehrsmittel nutzen. Die sogenannte Postroute wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingerichtet, um die abgelegenen Küstenorte schneller und zuverlässiger mit Post, Waren und Passagieren zu versorgen, und ist bis heute eine der wichtigsten Lebensadern Norwegens geblieben.

Zwischen Rentieren und Schneefeldern: Das Nordkap

Schon an Tag zwei wartet ein Höhepunkt: das Nordkap. Um 5.45 Uhr legen wir in Honningsvåg an und tauschen das Schiff gegen einen Bus. Das frühe Aufstehen fällt nicht schwer, schließlich wird es dank der Mitternachtssonne niemals dunkel. Mit dem Bus fahren wir über die kahle Insel Magerøya. Vorbei ziehen Schneefelder, die Ende Mai langsam tauen, aber bis zum nächsten Winter nie ganz verschwinden werden. Dazwischen moosige Ebenen und Rentiere, die hier oben so normal sind wie Kühe bei uns. Als wir das Nordkap erreichen, liegt das Nordmeer grau und unendlich vor uns, während der Wind an meiner Jacke zerrt. Die Weltkugel-Skulptur am Aussichtspunkt wirkt hier nicht wie ein Fotospot, sondern wie ein Denkmal für alle, die bis ans Ende wollen. Schon seit dem 17. Jahrhundert gilt das Nordkap als nördlichster erreichbarer Punkt Europas und als mythisches Ziel für Seefahrer, Könige und heute Polarforscher. Nur Spitzbergen liegt auf der Karte noch weiter oben und ist damit offiziell der nördlichste Punkt Europas.

Während wir am Nordkap die Aussicht und ein Frühstück genießen, fährt die Havila Castor schon mal ohne uns weiter und gabelt uns in Hammerfest, drei Stunden weiter südlich, wieder auf. Der Ausflug ans Kapp ist einer von vielen, den man direkt an Bord des Schiffes buchen kann.

Tromsø: Nachtspaziergang bei Tageslicht

Um kurz vor Mitternacht fährt das Schiff lautlos durch den Tromsøysund – dem Meeresarm zwischen der Insel Tromsø und dem Festland, bevor es wenig später im Hafen hält. Eigentlich bin ich bereit ins Bett zu gehen, schließlich begann mein Tag heute schon so früh, aber Tromsø möchte ich mir nicht entgehen lassen. Dank Mitternachtssonne weiß mein Körper nicht, wie spät es ist und ich bin hellwach, als ich gegen 0 Uhr von Bord spaziere. Viel Zeit bleibt nicht, in einer Stunde fahren wir schon weiter, aber genug, um sich den Ort anzusehen. Wäre ich nicht mit einem Kreuzfahrtschiff hier, würde ich mir mehr Zeit nehmen, um mir die Wahrzeichen von Tromsø anzusehen. Zum Beispiel die berühmte Eismeerkathedrale oder das arktische Erlebniszentrum Polaria. Die Tatsache, dass ich innerhalb eines Tages das Nordkap und Tromsø sehe, die normalerweise knapp 9 Auto-Stunden voneinander entfernt liegen, macht den Reiz der Schiffsreise aus. Aber es bleibt eben auch wenig Zeit, sich die Orte länger anzusehen. Die Eismeerkathedrale sehe ich diesmal nicht von innen, dafür aber in voller Pracht vom Wasser aus, während die Havila Castor unter der ikonischen Tromsøbrua hindurchgleitet und die Stadt, getaucht in warmes Licht der Mitternachtssonne, langsam hinter sich lässt. Ich falle ins Bett und weiß gar nicht, welches Abenteuer ich zuerst in meinen Träumen verarbeiten soll.

Bei der Einfahrt in den Hafen von Tromsø leuchten die Eismeerkathedrale und die Tromsøbrua in der Mitternachtssonne © Lucy Binder

Hardstad: Auf den Spuren der Winkinger

Es ist kurz nach acht, als ich wieder die Gangway hinuntersteige und den kleinen Hafen von Harstad entlanglaufe. Der Ort liegt ruhig zwischen Meer und Bergen, die Straßen sind noch leer und ich suche mir ein Café. Das Kaffeeangebot an Bord lässt zu wünschen übrig, weshalb ich die kurzen Stopps nutze, um mir einen Cappuccino zu holen. Harstad liegt auf der Insel Hinnøya, der größten Insel Norwegens, und ist mit rund 25.000 Einwohnern die größte Stadt der Region Troms. Historisch war Harstad ein wichtiger Siedlungsort zur Zeit der Wikinger. Auf der Halbinsel Trondenes, nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt, befand sich einst ein mächtiger Häuptlingssitz. Heute kann man dort das Trondenes Historiske Senter besuchen, ein Museum, das neben der Wikingergeschichte auch die deutsche Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg thematisiert. Gleich daneben steht die Trondenes Kirche, die nördlichste mittelalterliche Steinkirche der Welt. Wer länger Zeit hat, kann von hier aus auch Ausflüge ins Inselinnere starten.
Das Wetter schlägt um und taucht die Landschaft in mystischen Nebel © Lucy Binder

Lofoten & Trollfjord: Theater der Natur

Die Sonne haben wir gestern scheinbar in Tromsø vergessen, denn es regnet in Strömen. Gerade jetzt, wo wir auf dem Weg zu einem Ort sind, der schon so lange auf meiner Bucketlist steht. Die Felswände links und rechts kommen immer näher und ich renne trotz Regen bis ganz nach vorne auf den Bug-Aussichtspunkt. Wie Kate und Jack stehe ich an der Spitze des Schiffes und sehe nach vorne. Vor mir liegt der Trollfjord – ein schmaler Seitenarm, der als einer der spektakulärsten Fjorde Norwegens gilt. Kurz bevor wir einfahren, schaltet das Schiff in den geräuschlosen Batteriebetrieb. Plötzlich ist es still. Kein Brummen, kein Vibrieren unter den Füßen, nur das leise Prasseln des Regens und das Rufen der Möwen. Havila Voyages setzt auf modernste Antriebstechnologie, die es ermöglicht, besonders sensible Naturgebiete wie diesen Fjord emissionsfrei und geräuschlos zu durchqueren, um die Umwelt zu schützen. Die steilen Felswände lassen kaum Raum für Wege, weshalb man hier zu Fuß oder mit dem Auto nicht hinkommt. Wer den Fjord sehen will, muss also aufs Wasser. Nicht unbedingt an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, denn von Svolvær aus, unserem nächsten Stop, kann man das auch mit kleineren Ausflugsbooten tun. In Svolvær haben wir aber etwas ganz anderes vor.

Abgeschieden vom Rest der Welt, haben diese roten Häuschen wohl den schönsten Ausblick in ganz Norwegen @ Lucy Binder

Kurzstopp in Svolvær: Auf Seeadler-Safari in den Lofoten

Svolvær ist das Tor zu den Lofoten – eine kleine Stadt mit Fischerflair, Galerien, Hafenleben und dramatischer Kulisse aus spitzen Berggipfeln. Unser Stopp hier ist kurz, nur zwei Stunden, aber mehr als genug für einen Abstecher in die Wildnis. Schon vor zwei Tagen haben wir den Ausflug vom Schiff aus gebucht und steigen jetzt in ein RIB-Boot, das uns aus dem Hafen bringt. Warm und vor allem regendicht eingepackt geht es auf eine Seeadler-Safari. Kaum sind wir auf dem Wasser, kreisen sie schon über uns. Die Vögel sind hier keine Seltenheit – rund um die Lofoten finden sie mit ihren unzähligen Schären und der fischreichen See ideale Lebensbedingungen. Die Bootsführer kennen ihre Reviere genau, und sobald ein Fisch ins Wasser fliegt, stürzt sich ein Adler mit voller Wucht hinab. Zurück in Svolvær bleibt gerade noch Zeit für einen kurzen Bummel durch den Hafen, bevor das Schiff weiterzieht und unser Tisch in einem der zwei Bordrestaurants für das Abendessen auf uns wartet. Es gibt frischen Skrei, den die Havila Castor gerade fangfrisch eingeladen hat. Svolvær gilt als inoffizielle Hauptstadt der norwegischen Fischerei. Vor allem im Winter, wenn der Skrei – der arktische Kabeljau – aus der Barentssee an die Küste zieht, herrscht hier Hochbetrieb.

Die Fjorde rund um Svolvær sind ein ideales Revier für Seeadler und ein Paradies für Naturbeobachter © Lucy Binder

Zwischen Fjord und Felsentor: Wandern in Brønnøysund

Am Nachmittag erreichen wir Brønnøysund – ein kleiner, freundlicher Küstenort auf halber Strecke zwischen den Lofoten und Trondheim. So schnell wie der Regen gekommen ist, ist er auch wieder verschwunden und plötzlich ist es richtig warm. In Brønnøysund steigen wir für einen kurzen Ausflug in den Bus, der uns zum bekanntesten Wahrzeichen der Region bringt: dem Torghatten. Der markante Berg mit dem Loch in der Mitte sieht aus, als hätte jemand mit übernatürlicher Kraft ein Stück herausgebrochen. Tatsächlich entstand die rund 35 Meter hohe und 160 Meter lange Felsöffnung durch geologische Erosion während der Eiszeit oder, wie die Legende erzählt, durch einen Pfeil, den ein Troll auf eine fliehende Jungfrau schoss. Ein anderer Troll warf seinen Hut dazwischen, um sie zu retten. Der Pfeil durchbohrte den Hut, der versteinert zu Boden fiel und so entstand der Torghatten.

Die kleine Wanderung hinauf zur Höhle dauert etwa 20 Minuten, der Pfad ist gut begehbar, und der Ausblick durch das „Felsfenster“ auf das vorgelagerte Inselreich lohnt sich allemal. Es tut gut, sich nach Tagen an Bord mal wieder richtig zu bewegen, auch wenn das Fitnessstudio auf der Havila Castor mit Rudergerät, Laufband und Aussicht auf die See durchaus motivierend ist. Auf dem Weg zurück zum Schiff, blicke ich müde aus dem Busfenster und stelle fest, wie stark sich die Landschaft über die letzten Stunden verändert hat. Statt grauer Felsen und schneebedeckter Ebenen sehe ich jetzt grüne Wiesen, bunte Blumen und rote Häuschen, wie ich sie aus Bullerbü kenne. Die Vegetation ist dichter, das Klima spürbar milder. Hier wirkt Norwegen plötzlich nicht mehr wild und abenteuerlich, sondern freundlich und vertraut.

Der Torghatten ist berühmt für sein großes Felsloch. Der Ausflug kann direkt an Bord gebucht werden © Lucy Binder

Frühstück in Trondheim: Ein Stopp in Norwegens historischer Hauptstadt

Um 6.30 Uhr legt unser Schiff in Trondheim an, weshalb ich beschließe, mein Frühstück nicht an Bord der Havila Castor, sondern in einem der vielen, kleinen Cafés der Stadt zu genießen. Die Stadt erwacht gerade erst, die Straßen sind ruhig und viele Cafés noch nicht mal geöffnet. Also mache ich mich erstmal zu Fuß auf den Weg in die Stadt, um mich etwas umzusehen.

In den letzten Tagen habe ich gelernt, dass Zeit an Land kostbar ist und man nicht erst mit Betreten des Hafens anfangen sollte, seine kurzen Aufenthalte zu planen. Also lasse ich mir schon vorher von ChatGPT einen genauen Zeitplan erstellen. Für Trondheim sind meine Angaben klar: 6.30 Uhr Ankunft, zu Fuß oder mit dem Leihrad die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abklappern und den besten Kaffee der Stadt trinken. Und schon stehe ich vor dem Nidarosdom, eine der bedeutendsten gotischen Kathedralen Skandinaviens und Wahrzeichen von Trondheim. Leider hat auch der Dom noch geschlossen, weshalb ich wieder auf meinen Plan schaue, zu Fuß weiterziehe und einen Kaffee mit Blick auf die alten Speicherhäuser am Fluss trinke. Langsam erwacht die Stadt und ich muss mich schon wieder Richtung Schiff machen, obwohl ich hier noch etwas länger bleiben könnte.

Die alten Speicherhäuser am Fluss Nidelva gehören zu den bekanntesten Fotomotiven in Trondheim © Lucy Binder

Ein pünktliches Ende in Bergen

Um 14.45 Uhr am nächsten Tag laufen wir in Bergen ein – der letzte Hafen auf meiner Reise entlang der norwegischen Küste. Eigentlich hätte ich diesen Moment gerne noch mehr ausgekostet, aber mein Rückflug geht schon um 17 Uhr. Der Flughafen von Bergen ist zum Glück nur eine halbe Stunde vom Hafen entfernt, trotzdem muss ich mich beeilen. Was mich wirklich überrascht: Die Havila Castor kommt – wie schon die ganzen letzten Tage – fast immer auf die Minute pünktlich in jedem Hafen an. Vielleicht liegt es daran, dass auf dem Meer weniger los ist als auf norwegischen Landstraßen.

Leider bleibt mir keine Zeit, um Bergen zu entdecken. Kein Fløibanen, kein Fischmarkt, kein Bummel durch die engen Gassen von Bryggen. Aber ich weiß jetzt schon: Ich komme zurück.

Der Nidarosdom in Trondheim ist das wichtigste gotische Bauwerk Norwegens und jahrhundertelang Ziel von Pilgerreisen © Lucy Binder

Fazit: Warum diese Reise bleibt

Ich verstehe jetzt, warum so viele Menschen Kreuzfahrten lieben. Man sieht in kurzer Zeit so viele Orte und hat sein Hotelzimmer immer dabei. Obwohl ich nur fünf Tage an Bord war, habe ich das Gefühl, ganz Norwegen gesehen zu haben. Die Vielfalt der Landschaften, das Licht, die Luft, das Meer – all das hat mich sehr beeindruckt. Beim nächsten Mal nehme ich mir aber mehr Zeit. Vielleicht mit dem Auto durchs Landesinnere, in Richtung Norden und mit dem Schiff entlang der Küste zurück.

Trotzdem bleibe ich skeptisch gegenüber Kreuzfahrtschiffen. Auf die mit Megarutschen, Animateuren und 14-stöckigen Sonnendecks voller Poolanlagen bekommen mich keine zehn Pferde – so viel steht fest. Auf der Havila Castor geht es aber nicht um den nächsten Programmpunkt an Bord, sondern um das, was draußen passiert. Um das Meer, die Fjorde, die Dörfer, die Stille. Es geht ums Unterwegssein und nicht ums Bespaßtwerden (obwohl ich beim Musik-Quiz alle abgezogen habe).

Ein Grund, warum mich die Reise mit Havila Voyages neugierig gemacht hat, war die innovative Technik, denn die Flotte gehört zu den umweltfreundlichsten der Welt. An Bord befinden sich die größten Batteriepakete, die je auf einem Passagierschiff installiert wurden. Sie ermöglichen bis zu vier Stunden rein elektrisches, emissionsfreies Fahren. Geladen wird mit sauberer norwegischer Wasserkraft. Wenn die Batterien nicht im Einsatz sind, läuft das Schiff mit Flüssigerdgas, was den CO₂-Ausstoß im Vergleich zu herkömmlichem Schiffsdiesel um etwa 35 Prozent reduziert. Die NOx-Emissionen sinken sogar um bis zu 90 Prozent. Auch das Rumpfdesign ist auf Energieeffizienz ausgelegt, und die Abwärme des Schiffs wird an Bord weiterverwendet. All das ist sicher nicht perfekt, aber ein Schritt in die richtige Richtung und eine kleine Vorschau, wie die Zukunft der Kreuzfahrt aussehen könnte.

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions