Reise-Tipps Queensland: Ein Roadtrip von Brisbane bis zum Great Barrier Reef

Am anderen Ende der Welt hat unsere Autorin einen Ort entdeckt, der spektakuläre Natur, tropische Regenwälder, Korallenriffe und eine unvergleichlich entspannte Lebensart vereint. Kommen Sie mit auf einen Roadtrip entlang Australiens Ostküste.

Blick auf türkisfarbenes Meer und Strand
Vom "Gorge Walk" auf North Stradbroke Island nahe Brisbane hat man den schönsten Blick auf die Küste © Lucy Binder

Australien steht seit Jahren auf meiner Bucketlist, und trotzdem habe ich die Reise immer wieder aufgeschoben. Die weite Entfernung, die lange Anreise und all die Geschichten über giftige Tiere klangen für mich nie besonders einladend. Und doch war da immer eine Sehnsucht nach diesem Land, das so groß ist, dass man unmöglich in einem regulären Urlaub alles sehen kann. Ich wollte verstehen, warum so viele Menschen (allein in meinem Freundeskreis sind es vier) nach Australien reisen und nie wieder kommen. “Das kann man nicht beschreiben” sagen sie immer, also wollte ich es selbst erleben. Spoiler: Wenn mich heute jemand fragt, warum mich Australien so begeistert hat, sage ich: “das kann man nicht beschreiben”. Man muss es einfach selbst erlebt haben…

Zwei Pied Currawongs Vögel sitzen auf Palmen
Pied Currawongs sind typisch für die australische Ostküste und ihr Ruf klingt manchmal wie eine Alarmanlage © Lucy Binder

Australien ist der sechstgrößte Staat der Welt, fast 22 Mal so groß wie Deutschland, und Queensland nimmt dabei eine ganz besondere Rolle ein. Der Bundesstaat im Nordosten steht für tropisches Klima, kilometerlange Küsten mit weißen Sandstränden, Regenwälder, Inseln und eine sehr entspannte Art zu leben. Schon am Flughafen stehen Menschen barfuß am Terminal, um ihre Liebsten abzuholen. “Komisch”, denke ich mir, stehe aber schon ein paar Tage später selbst barfuß im Supermarkt, weil das einfach zum australischen Lifestyle dazu gehört.

Von Deutschland nach Brisbane: Der weite Weg nach Queensland

Der Weg nach Queensland ist lang, aber machbar, wenn man ihn gut plant. Ich fliege von München mit Qatar Airways und nur einem Zwischenstopp in Doha nach Brisbane. Nach rund 24 Stunden Reise komme ich in Brisbane an und lande neun Stunden in der Zukunft. Mein Tipp: Einen Nachtflug buchen, um zumindest ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, und ausreichend Zeit für den Umstieg einplanen. Falls Sie etwas mehr Zeit haben, können Sie den Aufenthalt in Doha um ein paar Stunden verlängern und sich noch die Stadt ansehen. Die Airline hat nämlich spezielle Angebote, um Tourist:innen Doha näher zu bringen – zum Beispiel in Form von City-Touren, die einen direkt am Flughafen abholen oder vergünstigte Hotels, wenn man eine Nacht bleiben möchte, um die lange Anreise zu unterbrechen.

Wichtig vorab ist das ETA Visum für Australien, das online beantragt wird und in der Regel schnell genehmigt ist.

Die Skyline von Brisbane mit Brücke im Vordergrund
Die Story Bridge ist eines der größten Wahrzeichen von Brisbane und prägt die Skyline entlang des Flusses © Lucy Binder

Angekommen in Brisbane

Australiens drittgrößte Stadt liegt eingebettet entlang des Brisbane River an der Ostküste des Kontinents und war lange Zeit vor allem eines: eine funktionale Stadt ohne großes Image, oft im Schatten von Sydney und Melbourne. Auch Brisbanes Geschichte begann vergleichsweise düster, denn die Stadt wurde 1824 als Strafkolonie gegründet, ein abgelegener Ort für die sogenannten „secondary offenders“, die als besonders schwer erziehbar galten. Erst Jahrzehnte später entwickelte sich daraus eine freie Siedlung, und dieses Kapitel prägt das Selbstverständnis der Stadt bis heute: unprätentiös, bodenständig und ohne den Drang, sich permanent beweisen zu müssen.

Von der Rooftop-Bar des Crystalbrook Vincent Hotel genießt man mit den schönsten Blick auf Stadt und Fluss © Lucy Binder

Heute ist Brisbane das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum von Queensland, eine junge, schnell wachsende Stadt mit vielen Studierenden, Kreativen und Start-ups, die von ihrer Lage zwischen Küste, Hinterland und tropischem Norden profitiert. Die Stadt ist offen, grün und extrem entspannt. Das subtropische Klima sorgt dafür, dass sich das Leben größtenteils draußen abspielt, in Cafés, Parks und entlang des Wassers.

Ich übernachte im Crystalbrook Vincent, direkt an der Story Bridge, einem der Wahrzeichen der Stadt, und könnte mir kaum einen besseren Ausgangspunkt vorstellen. Das Viertel rund um die Brücke ist lebendig, mit einer großen Auswahl an Restaurants, Cafés und Bars, und gleichzeitig so zentral, dass sich Brisbane von hier aus mühelos entdecken lässt. Entweder zu Fuß, mit dem Boot oder per E-Scooter.

Reise-Tipps Queensland: Meine Highlights in Brisbane

Innerhalb der nächsten drei Tage, die ich in Brisbane verbringe, sauge ich die Stadt auf und versuche alles zu sehen, was geht. Was ich schon mal verraten kann: am Ende meiner Reise werde ich ungeplanterweise noch einmal zurückkehren, weil ich die Stadt ein letztes Mal erleben wollte, bevor ich das Land wieder verlasse. 

Geführte Stadttour mit einem Local

Mein wichtigster Tipp für Brisbane ist eine geführte Walking Tour am ersten Tag. Ich entscheide mich für Local Sauce Tours, und mein Guide Tom zeigt mir seine Stadt jenseits der klassischen Sehenswürdigkeiten. Wir landen in versteckten Underground-Bars, entdecken einen der ältesten Buchläden der Stadt, probieren lokale Macadamia-Nüsse und trinken Kaffee in einem kleinen Café, das sich in einer Tiefgarage versteckt und zu den besten der Stadt gehört. Nach dieser Tour fühlt sich Brisbane sofort vertraut an und mit den besten Tipps eines Einheimischen in der Tasche, sehe ich die Stadt in den nächsten Tagen mit anderen Augen. Und habe ganz nebenbei schon den perfekten Überblick, wo was ist. Übrigens ein Tipp, den ich auf jeder Städte-Reise geben würde: Gleich an Tag eins eine geführte Walking-Tour machen.

Café mit Blick auf eine Tiefgarage
Das Café John Mills Himself gehört zu den besten der Stadt und versteckt sich in einem Parkhaus © Lucy Binder

Mit der Fähre durch die Stadt

In Brisbane ist die Fähre kein touristisches Extra, sondern fester Bestandteil des Alltags. Die CityCat Ferry fährt den ganzen Tag entlang des Brisbane River, und für wenig Geld kann man hier jederzeit ein und aussteigen, was die Fortbewegung nicht nur günstig, sondern super einfach macht. Vom Wasser aus lassen sich viele der spannendsten Viertel der Stadt erreichen. Ein besonders schöner erster Stopp ist South Bank, das kulturelle Herz der Stadt mit Galerien, Museen, Restaurants und dem berühmten Streets Beach, einem öffentlichen Pool mit Sandstrand mitten in der Stadt, der an warmen Tagen schnell zum Treffpunkt für Einheimische wird. Direkt daneben liegen die Queensland Art Gallery und die Gallery of Modern Art, ideal für eine kulturelle Pause zwischen zwei Fähren.

Weiter flussaufwärts lohnt sich ein Halt bei Howard Smith Wharves, einem ehemaligen Hafengelände unter der Story Bridge, das heute eines der lebendigsten Viertel der Stadt ist. Hier reihen sich Restaurants, Bars und Brauereien direkt am Wasser aneinander, perfekt für einen Drink bei Sonnenuntergang mit Blick auf die Skyline. Hier liegt auch mein Hotel und ich würde immer wieder genau hier wohnen.

Auch New Farm und Teneriffe sind bequem per Fähre erreichbar, zwei Viertel, die besonders bei Locals beliebt sind. In New Farm laden weitläufige Parks direkt am Fluss zum Spazieren oder Picknick ein, während Teneriffe mit umgebauten Lagerhäusern, kleinen Boutiquen und Cafés einen guten Eindruck davon vermittelt, wie kreativ und urban Brisbane heute ist. 

skyline von brisbane bei sonnenuntergang
Für umgerechnet 50 Cent kann man mit dem Boot durch die Stadt fahren und kommt überall hin © Lucy Binder

Tagesausflug nach North Stradbroke Island

Nach ein paar Tagen in Brisbane zieht es mich raus aus der Stadt, und genau dafür ist North Stradbroke Island, von Locals meist nur „Straddie“ genannt, perfekt geeignet. Die Insel liegt nur rund 30 Kilometer vor der Küste und ist von Brisbane aus einfach zu erreichen. Entweder mit dem eigenen Mietwagen, per Bus oder Uber. Ich würde immer das eigene Auto vorziehen, denn so kann man sich auf der Insel, die man per Autofähre erreicht, frei bewegen und ist nicht, wie ich bei meinem Besuch, auf den öffentlichen Bus angewiesen.

North Stradbroke Island, oder traditionell Minjerribah, ist die zweitgrößte Sandinsel der Welt und Teil des traditionellen Landes der Quandamooka People, deren Geschichte und Kultur bis heute eng mit der Insel verbunden sind. Lange war Straddie auch für Sandabbau bekannt, ein Kapitel, das inzwischen geschlossen ist, wodurch sich die Insel stark auf nachhaltigen Tourismus und Naturschutz konzentriert.

Ein absolutes Highlight ist der Gorge Walk, ein spektakulärer Küstenwanderweg entlang der Klippen, von dem aus man je nach Jahreszeit Delfine, Mantarochen oder sogar vorbeiziehende Wale beobachten kann. Hier sehe ich mein erstes Känguru in freier Wildbahn, seelenruhig grasend direkt am Wegesrand. Ein Moment, der sich unausweichlich einprägt und der Australien plötzlich sehr real macht.

Neben dem Gorge Walk lohnt sich ein Abstecher zum Cylinder Beach, einem der beliebtesten Surfstrände der Insel, oder zum ruhigeren Frenchman’s Beach, ideal für ein Bad im klaren Wasser. Auch der Blue Lake, ein Süßwassersee im Inselinneren, gilt den Quandamooka People als heiliger Ort und ist perfekt für eine kurze Pause abseits der Küste.

Von Brisbane an die Gold Coast: Burleigh Heads statt Hochhäuser

Nach vier Tagen in Brisbane nehme ich mir einen Mietwagen und fahre etwa eineinhalb Stunden Richtung Süden an die Gold Coast. Statt Surfers Paradise entscheide ich mich bewusst für Burleigh Heads, einen entspannten Küstenort mit Surfer-Vibe und deutlich mehr Lebensqualität.

Ich übernachte im neu eröffneten Mondrian Gold Coast, das zu den modernsten und stylischsten Hotels in der Gegend gehört und direkt am Strand liegt. Die Gold Coast steht für endlose Strände, eine lebendige Surfkultur und eine Mischung aus urbanem Leben und Natur. Mein persönliches Highlight ist eine SUP-Tour mit All Coast Paddle Board Hire durch den Tallebudgera Creek. Bei Flut ist das Wasser hier tief genug, um durch die Mangrovenwälder zu paddeln und Stachelrochen im Wasser zu beobachten. Für die kurze Fahrt zur SUP-Vermietung nehme ich mir ein Uber, um anschließend zu Fuß zurück nach Burleigh Heads laufen zu können. Denn der einstündige Spaziergang entlang der Küste durch den Burleigh Head National Park lohnt sich allemal.

Vogelperspektive einer SUP-Tour durch den Tallebudgera Creek
Bei einer SUP-Tour durch den Tallebudgera Creek sieht man u.a. Stachelrochen © Lucy Binder

Ab ins Hinterland: Tamborine Mountain als ruhiger Gegenpol

Nach einer Nacht an der Küste fahre ich etwa eine Stunde ins Hinterland Richtung Tamborine Mountain. Plötzlich keine Spur mehr von Wellen, Surfer:innen und Beach-Vibes. Stattdessen warten hier tiefster Regenwald, Wasserfälle, kleine Galerien und Weingüter. Ein wundervoller Kontrast, der mir sofort das Gefühl gibt, wieder etwas ganz Neues von Australien entdeckt zu haben. Ich übernachte im The Tamborine, einem neuen Boutique-Hotel, das sich wie ein kleines Refugium anfühlt. Tamborine Mountain eignet sich hervorragend für Wanderungen, Spaziergänge durch den Regenwald und einen ganz ruhigen Lifestyle, bevor es zurück an die Küste geht.

Mein Tipp: Früh morgens oder am späten Nachmittag einen Ausflug zu den Cedar Creek Falls machen. Hier kann man in den Becken eines kleinen Wasserfalls baden, was gerade bei den hohen Temperaturen im Sommer toll ist.

Achja, und als kleines Update: Bis hierhin habe ich weder eine Schlange, noch eine einzige Spinne gesehen.

Noosa: Lässiger Lifestyle zwischen Surfboards und Cafés

Nach zwei Tagen geht es weiter Richtung Norden, etwa drei Stunden Fahrt zurück an die Küste nach Noosa. Noosa ist einer dieser Orte, an denen alles irgendwie lässig wirkt – so wie ich mir Australien immer vorgestellt habe. Surfer:innen auf dem Weg zum Strand, stylische Cafés, kleine Boutiquen und der Noosa National Park direkt am Meer. Ich bleibe nur eine Nacht, viel zu kurz, und merke sofort, dass Noosa ein Ort ist, an dem ich mich problemlos länger verlieren könnte. Learning bis hier her: In Queensland gibt es immer und überall guten Kaffee. Selbst auf der Fähre gibt es eine Siebträgermaschine, was mein Kaffeeherz sehr glücklich macht.

K’gari: Die Insel mit Seele

Von Noosa aus fahre ich weiter Richtung Norden nach K’gari, ehemals Fraser Island.

Die Insel ist mit rund 120 Kilometern Länge die größte Sandinsel der Welt – und besteht tatsächlich vollständig aus Sand. Über Jahrtausende haben sich daraus Dünen, kristallklare Süßwasserseen und sogar Regenwald gebildet. Dass auf K’gari dichter Regenwald auf reinem Sand wächst, gilt als einzigartig. Möglich wird das durch ein komplexes Ökosystem aus Pilzen, organischem Material und Feuchtigkeit, das Nährstoffe speichert und den Wald überhaupt erst entstehen lässt.

Ein geologisches Wunder, das man so kein zweites Mal findet. Mein Auto lasse ich am Check-in des Hotels auf dem Festland stehen, eines von nur zwei Hotels auf der Insel, und setze mit der Fähre über. Schon bei der Ankunft fallen mir die vielen Warnschilder auf, die an den respektvollen Umgang mit Dingos erinnern und daran, dass hier die Natur die Regeln bestimmt.

Auf K’gari bewegt man sich ausschließlich mit Allradfahrzeugen fort, denn es gibt keine befestigten Straßen, sondern nur Sandpisten, Strände und ausgefahrene Tracks, die je nach Wetter, Gezeiten und Tageszeit extrem anspruchsvoll sein können. Genau deshalb würde ich immer empfehlen, die Insel im Rahmen einer geführten Tour zu entdecken, statt selbst mit einem gemieteten Allradfahrzeug zu fahren. Das Fahren auf Sand erfordert Erfahrung und Wissen über Gezeiten und Routen. Selbst erfahrene Fahrer bleiben hier regelmäßig stecken oder werden von der Flut überrascht, die den berühmten 75 Mile Beach, eine Art Insel-Autobahn direkt am Strand, unpassierbar macht. Eine Tour nimmt einem nicht nur den Stress, sondern eröffnet vor allem einen ganz anderen Zugang zur Insel.

Ein Strand auf K'Gari bei Sonnenuntergang
K'Gari, ehemals Fraser Island, ist die größte Sandinsel der Welt © Lucy Binder

Am nächsten Tag erlebe ich eines der absoluten Highlights der gesamten Reise. Eine Tour mit K’gari Cultural Tours, geführt von Conway und Chantel, beide Butchulla People und Ranger auf der Insel. Für die Butchulla ist K’gari eine weibliche Insel, ein lebendiges Wesen, das geschützt, respektiert und verstanden werden muss, und genau dieses Verständnis vermitteln die beiden auf ganz besondere Weise während unseres Tagesausflugs.

Wir besuchen einige der bekanntesten Orte der Insel, allen voran Lake McKenzie, einen kristallklaren Süßwassersee mit schneeweißem Sand, der ausschließlich durch Regen gespeist wird und für die Butchulla People eine besondere spirituelle Bedeutung hat. Weiter geht es zu Eli Creek, einer der größten Süßwasserquellen der Insel, in der täglich Millionen Liter klares Wasser Richtung Ozean fließen, so rein, dass es traditionell als Trinkwasser genutzt wurde.

Schiffswrack am Strand von K'Gari
Das Wrack der Maheno liegt seit eines Sturms 1935 an der Küste von K'Gari und versinkt immer mehr im Sand © Lucy Binder

Wir fahren entlang des legendären 75 Mile Beach, der gleichzeitig Strand, Hauptverkehrsader und in Notfällen sogar Landebahn ist, und lernen, warum dieser scheinbar endlose Küstenstreifen für die Butchulla weit mehr ist als nur ein Weg von A nach B. Am Wrack der Maheno, das seit 1935 vom Sand umschlossen am Strand liegt, erzählt Conway von den Geschichten, die sich hier über Generationen gehalten haben. Von Schiffen, die kamen und blieben, und von der Kraft der Natur, die auf K’gari immer das letzte Wort hat.

Zwischen all diesen Stopps zeigt er uns Pflanzen und erklärt ihre traditionelle Nutzung, weist uns auf Orte hin, die früher ausschließlich Frauen oder Männern vorbehalten waren, und macht immer wieder deutlich, dass diese Insel kein Ort ist, den man einfach konsumiert. Diese Tour verändert meinen Blick auf K’gari und ihre Ureinwohner nachhaltig und macht die Insel zu einem der besondersten Orte, die ich je besucht habe. Conway und Chantel haben mir mal wieder gezeigt, wie respektvolles Reisen geht und wie man Orte bewusster wahrnimmt.

Weiter in den Norden: Die Whitsundays und Hamilton Island

Nach K’gari liegt eine lange Strecke vor mir. Ich fahre mit dem Auto mehrere Stunden weiter Richtung Norden durch Queensland, vorbei an kleinen Küstenorten, Zuckerrohrfeldern und endlosen Straßen, bis ich meinen Mietwagen abgebe und mit der Fähre nach Hamilton Island übersetze. Spätestens hier wird mir klar, wie gewaltig dieses Land ist und wie sehr sich das Reisen in Queensland wie ein ständiger Perspektivwechsel anfühlt. Ich bin seit fast zwei Wochen unterwegs und habe gerade mal einen winzigen Teil dieses gigantischen Landes gesehen.

Die Whitsundays bestehen aus insgesamt 74 Inseln und liegen am südlichsten Ende des Great Barrier Reefs, einem der größten Naturwunder der Erde. Das Wasser schimmert hier in allen denkbaren Türkistönen, die Strände sind hell, fast weiß, und die Inseln wirken wie verstreut in einen Ozean gelegt, der ständig seine Farbe wechselt. Viele der Inseln sind unbewohnt oder nur per Boot erreichbar, was der Region trotz ihrer Bekanntheit eine erstaunliche Ruhe verleiht.

Vogelperspektive von Hamilton Island und dem Hafen
Hamilton Island ist eine der wenigen Inseln der Whitsundays mit Hotels, Restaurants und eigenem Flughafen © Lucy Binder

Hamilton Island ist eine der wenigen Inseln der Whitsundays mit eigener Infrastruktur, Flughafen, Restaurants, Stränden und Wanderwegen, und eignet sich perfekt als letzter Stopp einer Reise, wenn man noch einmal entschleunigen möchte. Ich buche mir ein Airbnb und entscheide mich bewusst für eines, das ein Golfcart im Preis enthält. Denn auf der Insel sind diese kleinen Fahrzeuge nicht nur das wichtigste, sondern auch das einzige Fortbewegungsmittel.

Ein besonders empfehlenswerter Tipp ist eine geführte Inseltour, idealerweise mit kulturellem Fokus, um Hamilton Island nicht nur als Postkartenmotiv wahrzunehmen. Die Einblicke in die Geschichte der Ngaro People geben, der traditionellen Besitzer:innen der Whitsundays, und die erklären, welche Bedeutung die Inseln und das Meer seit Jahrtausenden für sie haben. Im Rahmen der Tour kann man zum Beispiel Jahrtausend alte Höhlenzeichnungen aus nächster Nähe sehen, die aufgrund ihrer geschützten Lage immer noch so aussehen, als seien sie erst gestern entstanden.

Luftaufnahme von den Whitsunday Islands mit türkisblauem Wasser
Die Whitsunday Islands schimmern in den schönsten Blautönen © Lucy Binder

Abschied von Queensland und die Gewissheit, zurückzukommen

Vom kleinen Flughafen auf Hamilton Island fliege ich zurück nach Brisbane. Eigentlich nur, um ein paar Stunden auf meinen Weiterflug nach Doha zu warten. Doch kaum bin ich gelandet, merke ich, dass ich noch nicht bereit bin, Queensland zu verlassen. Statt die Stunden im Terminal zu verbringen, steige ich spontan ins Taxi und fahre ich noch einmal in die Stadt. Für ein letztes Dinner am Fluss in South Bank. Während ich da so sitze und aufs Wasser schaue, weiß ich jetzt, was Australien für viele so besonders macht. Ich verstehe jetzt jede und jeden, der einmal hierher reist und nie wieder weg möchte. Es ist nicht nur die Weite, nicht nur die Natur oder die Menschen, sondern die Art, wie sich das Leben hier anfühlt. Weniger getrieben, weniger laut und irgendwie entspannter.

Vielleicht ist es genau das, was den Abschied so schwer macht. Die Erkenntnis, dass dieser Ort theoretisch auch für mich das Zeug zu einem Zuhause hätte, wenn er nicht so weit entfernt wäre. Noch bevor ich überhaupt einen Fuß in den Flieger nach Hause setze, schaue ich schon wieder nach einer Flugverbindung, um bald wieder zu kommen und den nächsten kleinen Teil dieses großen Landes zu erkunden.

Ein Waran klettert auf einem Baum
In Queensland kommt es schon mal vor, dass man beim Spaziergang einem harmlosen Waran begegnet © Lucy Binder

Meistgelesen in Travel

  1. TravelEine Reise für ein gesünderes Leben
  2. TravelToronto entdecken: 10 Highlights, die Kanadas größte Stadt so besonders machen
  3. TravelGeheimtipp für ein außergewöhnliches Wochenende
  4. TravelTage, die uns gehören: Sechs Frauen-Retreats für Sommer und Herbst 2026
  5. TravelStilvoll kuratiert: 7 schöne Concept Stores in Europa

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions