Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben
CAREER_LEARNINGS

Career Learnings #48: Stefanie Haefele im Gespräch mit Jule Gölsdorf über ihren Weg nach oben

Dr. Stefanie Haefele, Co-Chief Pharma Officer WELEDA. Foto: Valeska Achenbach
Dr. Stefanie Haefele ist Co-Chief Pharma Officer bei WELEDA. Foto: Valeska Achenbach

Heute: Stefanie Haefele
Co-Chief Pharma Officer WELEDA

Learning 1: Es ist wichtig, sich mit anderen Frauen auszutauschen, ein Netzwerk aufzubauen. Dann bekommt man in schwierigen Situationen den Support, den man braucht.

Learning 2: Vertrauen in die Mitarbeiter ist wichtig – natürlich gebe ich als Führungskraft eine Leitlinie vor, will sie aber nur in die Lage versetzen, ihren Job dann gut zu machen.

Learning 3: Fehler müssen gemacht werden! Man darf auch mal gegen die Wand laufen – wenn man in der Lage ist, daraus zu lernen und es künftig besser zu machen.

Jule Gölsdorf: Viele kennen WELEDA vor allem durch die Hautpflege, was macht ihr im Bereich Pharma?

Stefanie Haefele: Eigentlich ist die WELEDA Pharma die DNA des Unternehmens, damit hat alles angefangen und wir sind in ganz vielen Bereichen unterwegs. Wenn jemand sagt, mein Hausmittel wirkt nicht mehr, bieten unsere Arzneimittel eine andere Möglichkeit, auf natürliche Arzneimittel zu setzen, egal in welchem Bereich – und das auch präventiv. Wir wollen doch alle gesund altern! Die Menschen beschäftigt die mentale Gesundheit, es geht um Stress, Verdauungsprobleme, man sitzt zu lange vor dem Computer, hat trockene Augen, diese Themen können wir mit unseren Arzneimitteln abdecken.

JG: Dass die Hautpflege bekannter ist als die medizinischen Produkte, liegt das an den Beschränkungen in der Werbung?

SH: Teilweise. Wir richten unseren Fokus heute stärker auf die Verbraucherkommunikation und nehmen viele Learnings aus der erfolgreichen Naturkosmetik mit. Der große Vorteil ist: WELEDA ist eine etablierte und vertrauenswürdige Marke. Darauf können wir aufbauen. Viele Menschen kennen uns bereits aus der Hautpflege, kennen aber noch nicht die ganze Bandbreite unserer Gesundheitskompetenz. Genau das möchten wir künftig stärker sichtbar machen.

JG: In der Tat versuchen die Menschen mittlerweile häufig, eine Selbstdiagnose zu stellen, bei Dr. Google und Co…

SH: Ja, deshalb ist es für uns umso wichtiger, jetzt auch in den sozialen Medien präsent zu sein – daher haben wir mit WELEDA Gesundheit jetzt auch einen Instagram-Kanal. Die Leute sind dort immer häufiger unterwegs und suchen sich ihre Informationen. Aber es gibt eben unfassbar viele Kanäle und ständig steht die Frage im Raum: Wem glaube ich? Da ist es wichtig, dass WELEDA als langjährige vertrauensvolle Partnerin mit über 100 Jahren Expertise auch an den Orten ist, an denen der Verbraucher sich bewegt, da haben wir auch eine Verantwortung. Wir möchten Menschen dabei unterstützen, informierte Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen.

JG: Du wolltest ja unbedingt zu WELEDA Pharma, warum?

SH: Ich bin ja Lebensmittelchemikerin und Pharmazeutin, komme aus dem wissenschaftlichen Bereich und fand es schon immer spannend, wie man Medizin einfach erklärt und an die Patienten bringt. Ich habe immer gesagt: Meine Uroma muss es verstehen! Deshalb bin ich nach der Doktorarbeit auch schnell in den kommerziellen Bereich gegangen. Und ich bin in der Nähe von WELEDA Deutschland aufgewachsen, war immer in Kontakt mit den Produkten. Ich habe schon früher Bekannten immer empfohlen: Probiere es doch erstmal auf die natürliche, die sanfte Art, je nach Situation können natürliche Arzneimittel und Gesundheitsprodukte eine sinnvolle Option sein. Ich bin überzeugt von unseren Produkten und sehe noch großes Potenzial, ihre Besonderheiten stärker sichtbar zu machen. Und genau dazu möchte ich beitragen.

JG: Muss man als Marketingmensch die Produkte auch wirklich toll finden, oder kann man im Grunde alles verkaufen?

SH: Marketing kann vieles sichtbar machen, aber glaubwürdig wird es nur, wenn man hinter einem Produkt steht. Für mich ist das nicht nur ein Job, es ist eine Passion. Ich wollte nicht irgendwas verkaufen, das wäre nicht mein Ding!

JG: Gibt es Produkte, die du persönlich richtig feierst – und aber auch Momente im Job, wo du merkst, da komme ich an meine Grenzen?

SH: Wir haben viele Hidden Champions in unserem Portfolio, gerade im Bereich mentale Gesundheit. Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen stehen heute unter hohem Druck, die ganze Welt ist immer schneller, alle haben Stress! Es gibt Medikamente, aber auch Handlungsempfehlungen, Rituale – es ist ein Zusammenspiel, ein holistischer Ansatz. Was die Grenzen angeht, ich würde gerne viel mehr über unser Sortiment sprechen oder über deren Forschung und Herstellung: Aber selbst sachliche Informationen über Arzneimittel unterliegen regulatorischen Vorgaben.

JG: Wie schwer ist das dann mit der Regulierung hierzulande?

SH: Also Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte darf man relativ leicht bewerben – bei Medikamenten gibt es dann den Unterschied, ob sie erstattungsfähig oder frei verkäuflich sind. Aber wenn man in der Werbung über ein Produkt spricht, ist es natürlich wichtig, dass du das Versprechen auch belegen kannst, dann darfst du es auch ansprechen. Ich komme aus der Forschung und ich stehe wirklich hinter unserer 100-jährigen Expertise.

JG: Was war eigentlich dein Berufswunsch, als du klein warst?

SH: Ich wollte Ärztin oder Lehrerin werden – weil ich Menschen helfen wollte und ich auch gerne Menschen etwas beigebracht habe. In der Medizin hast du aber Patienten, denen du nicht helfen kannst, das war für mich ein großes Problem. In der Pharmazie haben die Leute auch eine Diagnose gestellt bekommen und ich kann sie mit unseren Produkten und unserer Expertise unterstützen. Das hat mir dann besser gefallen. Aber mir war wichtig, in dem medizinischen Sektor zu bleiben. Nach der Doktorarbeit habe ich dann als Mädchen für alles angefangen, Post verschickt, bin durch alle Abteilungen gelaufen. Und irgendwann hat jemand gemerkt, die ist ja Naturwissenschaftlerin, die kann ja viel mehr! Und dann durfte ich die ersten Produktbeschreibungen schreiben, Patienten beraten, ich passte einfach gut ins Unternehmen – und dann wurde ich wirklich ins kalte Wasser geworfen. Ich hatte als Naturwissenschaftlerin nie BWL oder sowas, und dann hieß es: Bau mal in der Schweiz den medizinischen Außendienst und das Marketing auf. Mein damaliger Chef hat mir da viele Freiheiten gegeben. Herausforderungen reizen mich – also habe ich mir BWL und Marketing abends im Eigenstudium beigebracht. Und dann habe ich losgelegt, habe mir ein Netzwerk aufgebaut – ich habe das wirklich geliebt, obwohl es holprig war. Aber wenn jemand an dich glaubt, ist das einfach toll! Meine ganze Karriere war von Aufbauarbeit und neuen Herausforderungen geprägt – aber ich komme gerne aus der Komfortzone heraus und lerne neue Dinge! Das war der beste Einstieg.

JG: Woher hast du diese positive, offene Art – viele Menschen lehnen es eher ab, die Komfortzone zu verlassen.

SH: Ich bin mit jungen Eltern aufgewachsen, die immer gesagt haben, Männer und Frauen sind gleich, wir wollen modern sein. Dennoch hat der Rest der Umgebung gesagt: Es reicht doch, wenn du auf die Realschule gehst. Das war für mich ein Trigger! Ich habe immer gesagt, ich kann was, ich kämpfe darum, ich will zeigen, dass ich gut bin – und ich war immer neugierig darauf, neue Sachen zu lernen. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, keiner hatte Abitur – dass ich dann studiert und eine Doktorarbeit geschrieben habe, damit war ich der Sonderling in der Familie. Dadurch musste ich mir immer alles allein aneignen, das hat mich so geprägt.

JG: Hat es je eine Rolle gespielt, dass du eine Frau bist?

SH: Ganz ehrlich? Dauernd! Bei WELEDA hat es sich gedreht, aber in meiner beruflichen Karriere war es immer wieder Thema, dass ich eine Frau bin, dass ich anders agiere als Männer, dass es Ungleichgewichte gab – in jeder Station. Ich würde anderen jungen Frauen immer raten, mit anderen weiblichen Führungskräften zu netzwerken, sich schnell auszutauschen, dann hat man jemanden an der Seite, der einen unterstützt. Man darf sich nicht entmutigen lassen.

JG: Das Thema Frauenförderung und Diversität hat ein wenig an Fahrt verloren…

SH: Ja, definitiv – was sehr schade ist. Ich bin der Meinung, der Beste oder die Beste muss den Job kriegen. In einer Frauenquote sehe ich auch Nachteile. Ich habe immer gesagt: Man muss halt mehr kämpfen. Wenn ich das so geschafft habe, können das andere auch schaffen. Wir kommen trotzdem zum Ziel. Jetzt hat man Frauen mehr auf dem Schirm, es gibt ja auch einige sehr erfolgreiche Frauen – unsere CEO zum Beispiel.

JG: Du bist jetzt selbst Führungskraft – wie würdest du deinen Stil beschreiben?

SH: Mein Führungsstil ist aus meiner Historie herausgewachsen: Jemand hat mir von Anfang an das Vertrauen entgegengebracht, dass ich das bewältigen kann, dass ich meine Rolle ausfülle. Und das ist das Erste, was ich meinen Teams mitgeben möchte. Sie sollen in der Lage sein, ihren Job zu machen. Dazu braucht es dann auch eine klare Vorgabe, was ihre Rolle ist. Ich bin da sehr transparent, nehme meine Mitarbeiter mit. Sharing is caring – je mehr mein Team informiert ist, desto besser können wir vorankommen. Das ist hier keine One-Man-Show! Ich wäre nichts ohne mein Team, ich bin ja keine Expertin in sämtlichen Bereichen. Ich bin dafür da, dass die Leute in der Lage sind, ihren Job gut zu machen.

JG: Wie stehst du zu Fehlern?

SH: Fehler müssen gemacht werden – das sage ich schon meinen Kindern! Man muss auch mal gegen die Wand laufen, nur so weiß man, was man gemacht hat. Wichtig ist, man muss die Fehler thematisieren und herausfinden, was man besser machen kann. Nur aus Fehlern lernen wir. Gerade im Markenaufbau muss man die Möglichkeit haben, etwas auszuprobieren! Je früher man zu den Fehlern steht, desto schneller ist man in der Lage, sie wieder auszubügeln!

JG: Gibt es Entscheidungen, die du dir besser gespart hättest?

SH: Nein, jeder Fehler hat mich in einer bestimmten Art und Weise nach vorne gebracht.

JG: Wie wichtig ist dir denn beruflicher Erfolg? Du bist ja auch Mutter, wie hast du den Spagat gemeistert?

SH: Ich liebe meine Kinder, aber ich bin keine Mutter, die das Muttersein als einzige Aufgabe sieht. Wenn ich nicht zufrieden bin, sind es auch meine Kinder nicht. Ich bin sehr glücklich, meine Kinder zu haben, sie bereichern mich und ich versuche, viel Quality-Zeit mit ihnen zu haben. Wenn wir Zeit miteinander haben, wollen wir diese wirklich gut verbringen. Aber sie haben auch meine Begeisterung für den Beruf erlebt. Sie haben gesehen, dass ich damit glücklich bin. Das lässt sich schon gut vereinen – natürlich brauche ich Support, ich bin alleinerziehend – habe viel mit Au-pairs gearbeitet, habe eine Oma-Nanny. Das ist auch eine Chance, meine Kinder sind multikulturell aufgewachsen. Ich möchte meinen Kindern mitgeben, dass ein Beruf lebensergänzend, erfahrungserweiternd ist. Es ist wichtig, Verantwortung zu übernehmen und das zeige ich ihnen jeden Tag, weil ich in einer verantwortungsbewussten Position bin. Ich bin eine gute Planerin! Aber da kam auch Gegenwind von anderen Müttern, ich wurde als Rabenmutter bezeichnet – da muss man drüberstehen.

JG: Was war eine Prüfung, eine Strafe und ein Geschenk in deinem Leben?

SH: Eine Strafe für mich war, dass einer meiner Jungs immer basteln wollte. Ich bin wirklich eine Jungs-Mama – und Basteln, Malen und Backen ist wirklich gar nichts für mich! Der Test war, dass ich aus dem naturwissenschaftlichen Bereich kam und mich der Herausforderung stellen musste, im kommerziellen Bereich Fuß zu fassen. Das war ein Test, weil ich keine Ahnung hatte! Aber ich habe ihn bestanden, ich bin mittlerweile ja lange dabei. Für mich ist jeder Tag ein Geschenk, weil mein Leben sehr positiv ist, egal, um welche Schritte es ging, auch die Trennung, es hat immer wieder eine neue Tür gegeben, die sich geöffnet hat. Für mich hat jeder Tag etwas Gutes. Mit meiner Rolle bei WELEDA habe ich einen wichtigen beruflichen Meilenstein erreicht. Aufhören möchte ich aber auf keinen Fall! (lacht)

Meistgelesen in Career Learnings

  1. KOLUMNE · CAREER LEARNINGSCareer Learnings #04: Kira Alin im Gespräch mit Jule Gölsdorf über ihren Weg nach oben
  2. KOLUMNE · CAREER LEARNINGSCareer Learnings #39: Paulina Richter im Gespräch mit Jule Gölsdorf über ihren Weg nach oben
  3. KOLUMNE · CAREER LEARNINGSCareer Learnings #30: Johanna Krämer im Gespräch mit Jule Gölsdorf über ihren Weg nach oben
  4. KOLUMNE · CAREER LEARNINGSCareer Learnings #33: Patrycja Nowakowska im Gespräch mit Jule Gölsdorf über ihren Weg nach oben
  5. KOLUMNE · CAREER LEARNINGSCareer Learnings #03: Stav R. Martens im Gespräch mit Jule Gölsdorf über ihren Weg nach oben

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions