Heute: Patrycja Nowakowska
General Manager More Nutrition, The Quality Group
Learning 1: Als Führungskraft muss man eine Vision entwickeln, die Mitarbeiter begeistern und ihnen die nötigen Ressourcen geben, um den eigenen Weg mitzugehen.
Learning 2: Wenn man nicht in der Lage ist Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen, wird man nie ein Unternehmen von Grund auf neu bauen.
Learning 3: Hör auf deine innere Stimme, bleib zuversichtlich und steh für dich ein!
Jule Gölsdorf: Du bist nun seit einem Jahr General Manager bei More Nutrition – wie war dein erstes Jahr?
Patrycja Nowakowska: Es war toll und ging schnell rum! Und eine große Entdeckung. Ich bezeichne uns gerne als Netflix der Ernährungsbranche, das Unternehmen definiert die Standards, wie man über Ernährung spricht, wie Produkte zu den Kunden gelangen und wie Interaktivität mit einer Community aussieht. Ich habe in diesem Jahr extrem viel gelernt, von unserer Community, vom Gründer Christian Wolf, von einem Team, das die Brand gebildet und etabliert hat. Es war interessant, für eine Brand zu arbeiten, die mir wirklich am Herzen liegt. More Nutrition steht ja auch dafür, die Ernährungs-Branche herauszufordern. Ich liebe diese Mission! Es geht um einen geringeren Zuckeranteil, einen hohen Energiegehalt, Ballaststoffe, Gewichtsreduktion, Nahrungsergänzungsmittel, die uns helfen, einen Wandel in der Industrie zu erreichen. Wir schaffen das, ohne Abstriche beim Geschmack machen zu müssen. Sich gut zu fühlen, sollte aus unserer Sicht keine harte Arbeit sein! Außerdem ist es natürlich toll, für die Quality Group zu arbeiten, auch weil das Unternehmen so schnell wächst, eine große Vision hat und Trends setzt, um sie der breiten Masse zugänglich zu machen. Ich bin froh, hier zu sein und versuche, die Brand noch größer zu machen, mehr Kunden zu erreichen. Und ich bin so stolz auf das Team, das mit Leidenschaft und Engagement dabei ist! Es braucht viel Disziplin, harte Arbeit und Energie.
JG: Es gab Kritik an den Produkten, unter anderem, dass es sich um hochverarbeitete Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen handelt, die weniger gesund sind, als natürliche Lebensmittel?
PN: Wir setzen auf Transparenz und geprüfte Zutaten: Unsere Produkte reduzieren Zucker und Kalorien, liefern proteinreiche Sättigung und unterstützen so bei Prävention und Management von Übergewicht sowie Muskelaufbau und -erhalt. Unsere Community steht hinter uns, weil wir authentisch sind, wissenschaftlich fundiert arbeiten, echte Nutzer:innen aktiv einbinden — und weil die Produkte tatsächlich wirken und messbare Ergebnisse liefern.
JG: Wie ist es dazu gekommen, dass du den Job des General Managers übernommen hast?
PN: Ich habe zu dem Zeitpunkt für CVC Capital Partners gearbeitet, als sie in die Firma investieren wollten und habe in dem Zusammenhang die Gründer getroffen. Und ich war von Anfang an begeistert von More Nutrition und war in der Übergangszeit immer in Kontakt mit der Firma, habe bei ein paar Projekten geholfen. Und dann habe ich vor einem Jahr entschieden, voll einzusteigen und More Nutrition dabei zu helfen, das nächste Level zu erreichen.
JG: Als Führungskraft – Was bedeutet gute Führung für dich?
PN: Für mich bedeutet das, eine Vision zu haben und die Menschen dafür zu begeistern und zu befähigen, den eigenen Weg mitzugehen. Bei More Nutrition haben die Gründer diesbezüglich von Anfang an ganze Arbeit geleistet. Wir gehen diesen Weg jetzt weiter und setzen noch weitere Akzente – natürlich angepasst an aktuelle Entwicklungen und Trends. Wir sind quasi der Kompass, der Orientierung gibt und wollen das Team mitnehmen und sicherstellen, dass es die gleiche Leidenschaft entwickeln kann und an unsere Vision glaubt. Dazu muss man den Mitarbeitern die richtigen Ressourcen und Tools geben, um das Unternehmen nach vorne zu bringen. Kurz gefasst: Eine Vision entwickeln, die Mitarbeiter begeistern und die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Und es braucht natürlich auch Vertrauen, Klarheit und Empathie.
JG: Manchmal laufen die Dinge nicht so, wie man sich das vorstellt. Kannst du gut mit Druck und Kritik umgehen?
PN: Man lernt damit umzugehen – das Berufsleben bietet immer neue Herausforderungen, man arbeitet in unterschiedlichen Ländern und Kulturen, die Strukturen wechseln, das erfordert Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, zu lernen. Als Führungskraft gehört das dazu! Es ist ja nie besonders schön, kritisiert zu werden, aber es gibt einem auch die Möglichkeit, zu reflektieren. Ich glaube an ein „dynamisches Selbstbild“ und konstante Weiterentwicklung – und Feedback ist ein Geschenk! Manchmal befindet man sich in einem Tunnel, da ist es wichtig, auch wieder die Perspektive der anderen zuzulassen. Und es ist ein gutes Zeichen, wenn andere dich kritisieren, das bedeutet doch, dass es ihnen wichtig ist, was du tust. Natürlich sollte man seine Emotionen im Griff behalten, die helfen in solchen Situationen nicht, aber es ist wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die einem ein ehrliches Feedback geben, nur so kann man wachsen!
JG: Wie schlimm ist es, Fehler zu machen?
PN: Da gibt es einen großen Unterschied zwischen der Unternehmenswelt und der Gründerszene. Wenn man nicht in der Lage ist, Fehler zu machen und von ihnen zu lernen, dann wird man nie etwas von Grund auf neu bauen! Es braucht natürlich immer eine Balance – aber aus Fehlern kann man lernen. Dabei ist es natürlich super wichtig, zu reflektieren und sich zu fragen: Was ist schief gelaufen, was können wir anders machen, wie können wir Erkenntnisse gewinnen, damit wir dieselben Fehler nicht noch einmal machen? Aber das gehört zum Weg eines jeden Gründers dazu!
JG: Du arbeitest schon lange in der Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie, wie kam es dazu?
PN: Ich habe mich schon immer gerne mit den alltäglichen Entscheidungen beschäftigt und mir war der Demokratisierungsprozess dabei wichtig. Natürlich haben Nischenprodukte ihren Reiz, aber damit erreicht man nur eine kleine Gruppe von Menschen. Alltägliche Entscheidungen haben so viel Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Leben. Und Lebensmittel sind mit Emotionen verbunden, sie geben uns Vergnügen, Energie, ein gutes Gefühl. Lebensmittel haben so viel Einfluss auf unser Wohlbefinden. Das habe ich schon früh bemerkt und wollte immer für Brands arbeiten, die genau das mitbringen, um das Leben der Menschen positiv zu verändern. Lebensmittel sind wichtig, sie können die Lebensqualität verbessern, wenn wir kluge Entscheidungen treffen.
JG: Was waren die ersten Schritte in deiner Karriere und welchen Herausforderungen musstest du dich stellen – auch gerade als Frau?
PN: Ich habe in einer Werbeagentur begonnen und bin dann relativ schnell auf Kundenseite gewechselt, habe für große Unternehmen gearbeitet, zu Beginn als Junior Brand Manager, später dann als Führungskraft für große Marken. Als Frau in diesem Umfeld hat man verschiedene Herausforderungen zu meistern: Ernst genommen zu werden zum Beispiel. Was ich über die Zeit gelernt habe, ist, wenn deine Entscheidungen etwas bewirken, wenn du für dich einstehst, wenn du neugierig bleibst, deine Ideen einbringst und an deinen Wert glaubst, dann verändert das auch die Dynamik.
JG: Würdest du im Nachhinein betrachtet irgendetwas anders machen?
PN: Nein, weil ich von all meinen Erlebnissen etwas gelernt habe. Manchmal lernt man etwas, das man mag, manchmal etwas, das einem gar nicht gefällt oder was man vermeiden sollte. Aber jeder Schritt in meiner Karriere hat mich nach vorne gebracht und mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich bin dankbar für jede Erfahrung, natürlich war es nicht immer leicht und angenehm, hat mich aber auch gelehrt, mit Herausforderungen umzugehen. Man muss auch mal raus aus der Komfortzone!
JG: Gibt es Meilensteine und auch Hindernisse in deiner Karriere, die du hervorheben würdest?
PN: Ich hatte immer eine Leidenschaft dafür, Brands aufzubauen und viele Kunden davon zu begeistern. Ein Meilenstein war sicher, für große Laufmarken zu arbeiten, spannend war auch, länderübergreifend tätig zu sein, die Perspektiven zu erweitern, andere Kulturen zu entdecken und sicherzustellen, dass eine Marke auch in einer anderen Kultur funktioniert – auch, was das Storytelling angeht. Das ging ja auch immer damit einher, mit ganz unterschiedlichen Teams zu arbeiten, es macht ja einen Unterschied, ob du mit einem spanischen, einem schwedischen oder einem deutschen Team arbeitest. Das bereichert das Leben ungemein – man versteht die unterschiedlichen Kulturen, Führungsstile, wie man Menschen erreicht und sie begeistert. Ein wichtiger Step war auch meine Beratungsfirma, die Arbeit mit Private-Equity-Fonds, das war eine große Veränderung, von der etablierten Unternehmenswelt zur Selbständigkeit. Ressourcen zu schaffen, die richtigen Leute finden, Herausforderungen zu meistern. Und die auch die Quality Group jetzt ist wieder ein wichtiger Meilenstein, weil ich zum ersten Mal die Gelegenheit habe, in so einem schnell-wachsenden Umfeld zu arbeiten.
JG: Was würdest du jungen Frauen raten, die heutzutage ihre Karriere starten?
PN: Hör auf deine innere Stimme! Und bleib zuversichtlich, steh für dich ein! Es ist wichtig, auf sich selbst zu hören, sich auf die eigene Intuition zu verlassen. Und sich darüber klar zu werden, was man selber will und was die eigenen Stärken sind.
JG: Kann man eine große Karriere mit der Familie verbinden?
PN: Ich habe keine Kinder, aber ich habe viele weibliche Führungskräfte, die Kinder haben und das mit der Karriere kombinieren. Und ich verfolge mit großer Bewunderung, wie sie das schaffen. Denn natürlich ist das eine zusätzliche Ebene, die viel Aufmerksamkeit erfordert. Aber ich sehe, dass es möglich ist. Es gibt viele tolle Mütter, die gleichzeitig viel im Job erreicht haben. Was ich schade finde: Viele Mütter begrenzen sich selbst – wobei natürlich jeder selbst wissen muss, was er schafft und wann er eine Pause braucht. Da ist es wichtig, auf die innere Stimme zu hören. Es braucht Support für Mütter in Führungspositionen, aber die Frauen müssen auch für sich einstehen. Wenn du weißt, was du brauchst und das auch artikulieren kannst, funktioniert es auch. Denn Menschen können nur etwas verändern, wenn sie Unterstützung erfahren.
JG: Was möchtest du noch in deiner Karriere erreichen?
PN: Ich wollte immer mehr Verantwortung übernehmen – und ich bin noch nicht angekommen! Ich möchte etwas verändern, das Leben der Menschen verbessern, für Brands arbeiten, die einen Unterschied machen. Ich möchte weiter Brands aufbauen, meine Erfahrungen weitergeben. Und ich möchte stolz sein können auf meine Arbeit, das ist das Ziel!
JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?
PN: Ein Geschenk waren Begegnungen mit herausragenden Menschen, die mich herausgefordert, inspiriert und mir neue Perspektiven gezeigt haben. Eine Strafe ist schwer zu definieren, weil ich immer versuche, alles positiv zu interpretieren. Aber es gab natürlich auch Momente, in denen ich nicht erfolgreich war. Ich hatte immer den Traum in New York City zu arbeiten und bekam ein Job-Angebot. Aber bei damaliger Chef hat mich nicht gehen lassen. Das war hart, am Ende bekam ich aber eine noch spannende Aufgabe. Ich bin dann in Europa geblieben und habe meinen Mann kennengelernt, also war es am Ende gut! Der Test waren die unterschiedlichen kulturellen Umfelder, die Komfortzone zu verlassen, in unterschiedlichen Ländern zu leben, verschiedene Kulturen kennenzulernen.
Be the first to know about new arrivals and promotions