Laut den Expertinnen sollten Sie – unabhängig von Ihrem Alter – diese einfachen Marker für funktionelle Kraft in den Fokus rücken:
1. Sich auf den Boden setzen und wieder aufstehen
Sowohl Corrigall als auch Bossick halten viel von dieser Übung, für Corrigall zählt sie zu den Favoriten. „Sie erfordert Kraft in mehreren Muskelgruppen sowie Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination“, erklärt sie. „Schließlich wollen wir, wenn wir stürzen, auch wieder aufstehen können.“
So geht’s: Üben Sie zunächst, aus dem Stand in den Halbkniestand und wieder zurück zu kommen – mit einem stabilen Stuhl oder einer Wand als Stütze. Versuchen Sie mit der Zeit, sich immer weniger mit den Händen abzustützen.
2. Auf einem Bein balancieren
Wenn Sie in Ihren 20ern oder 30ern sind, empfiehlt Cubbins, 40 Sekunden auf einem Bein stehen zu können.
„Das zeigt, dass Ihr Gleichgewichtsorgan im Ohr, Ihr Sehvermögen und Ihre Muskulatur gut zusammenarbeiten“, sagt sie. „Außerdem beweist es, dass Sie eine kräftige Rumpfmuskulatur und eine gute Stabilität im Unterkörper haben.“
Auch dafür gibt es wissenschaftliche Belege. Eine im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie ergab, dass die Fähigkeit, zehn Sekunden oder länger auf einem Bein zu stehen, bei Erwachsenen mittleren und höheren Alters mit einer besseren Langzeit-Überlebensrate verbunden war.
So geht’s: „Wenn Sie das nächste Mal Zähne putzen oder darauf warten, dass der Wasserkocher kocht, üben Sie, jeweils zehn Sekunden auf einem Bein zu stehen, und steigern Sie die Dauer nach und nach“, rät Cubbins.
3. Ohne Hände von einem Stuhl aufstehen
„Ohne Hände von einem Stuhl aufstehen zu können, ist ein einfacher, aber aussagekräftiger Indikator für die Kraft in Beinen und Gesäß sowie für Gleichgewicht und Koordination“, sagt Corrigall.
Und wie Sie sich wieder hinsetzen, ist genauso wichtig. „Wenn Sie sich quasi in den Stuhl fallen lassen, kann das darauf hindeuten, dass Ihnen die Kraft oder Kontrolle fehlt, sich langsam abzusenken – daran sollten Sie arbeiten“, ergänzt sie.
So geht’s: Beginnen Sie bei Bedarf mit einer höheren Sitzfläche (etwa einem Barhocker oder der Bettkante), arbeiten Sie sich dann zu einem niedrigeren Stuhl vor und führen Sie die Bewegung schließlich ganz ohne Hände aus.
4. Schwere Einkaufstaschen tragen
„Schwere Einkaufstaschen zu tragen, ist vielleicht mein liebster Marker für funktionelle Fitness, weil die meisten von uns das täglich tun müssen“, sagt Cubbins. „Schwere Taschen fordern Ihre Rumpf- und Oberkörperkraft, insbesondere Ihre Griffkraft.“
So geht’s: Halten Sie zunächst in jeder Hand ein gut zu bewältigendes Gewicht und gehen Sie eine kurze Strecke – mit entspannten Schultern und aufrechtem Oberkörper. Steigern Sie dann nach und nach Gewicht oder Strecke.
5. Sich von einer Fläche wegdrücken
Gute Nachricht für alle, die Liegestütze fürchten: Sie müssen keine 20 davon schaffen. „Ich halte nichts davon zu sagen: ‚Man muss x Liegestütze schaffen, um als gesund zu gelten‘ – das finde ich ziemlich willkürlich“, sagt Corrigall.
Wichtiger ist, dass Sie genug Kraft im Oberkörper haben, um sich von einer Fläche wegzudrücken – ob von einer schweren Tür oder vom Boden.
So geht’s: Beginnen Sie mit Liegestützen an der Wand, dann an der Küchenarbeitsplatte, und arbeiten Sie sich von dort aus weiter nach unten.
6. Etwas vom Boden aufheben und über den Kopf heben
Ob Sie einen Koffer in die Gepäckablage im Flugzeug hieven oder ein Kind in den Hochstuhl setzen: Laut Corrigall ist das ein hervorragender Test für Ganzkörperkraft und Koordination.
„Sie verlangen von mehreren Muskelgruppen, zusammenzuarbeiten, um eine Last zu bewegen und zu kontrollieren“, erklärt sie.
So geht’s: Corrigall empfiehlt, die Bewegung in zwei Teile zu zerlegen. Üben Sie zunächst, einen leichten Gegenstand von einer erhöhten Fläche aufzuheben, und üben Sie separat, ein leichtes Gewicht von Schulterhöhe über den Kopf zu drücken – bevor Sie beide Bewegungen kombinieren.
7. Vier Stockwerke ohne Pause hochsteigen
„Wer vier Stockwerke ohne Pause in unter einer Minute hochsteigt, hat eine gute Herz-Kreislauf-Funktion“, sagt Bossick. „Fällt es schwer, deutet das meist auf schwache Beine, eine schlechte Kondition oder beides hin.“
Und vergessen Sie Ihre Waden nicht – laut Corrigall gehören sie zu den am meisten vernachlässigten Muskeln im Krafttraining.
So geht’s: Beginnen Sie mit beidbeinigem Wadenheben, halten Sie sich dabei an einer Wand fest und senken Sie sich langsam ab, bevor Sie zum einbeinigen Wadenheben übergehen.