ILLIT im Interview: „Wir wollen der Welt zeigen, was wir alles können“

Die K-Pop Girlgoup ILLIT veröffentlicht am 26. Oktober ihr Minialbum BREAK EVEN. Marie Claire hat YUNAH, WONHEE, MINJU und IROHA zum Interview getroffen und mit ihnen über ihre neue Musik und ihren außergewöhnlichen Stil gesprochen.

YUNAH, WONHEE, MINJU und IROHA von ILLIT
YUNAH, MINJU, WONHEE und IROHA von ILLIT. Bild: BELIFT LAB (HYBE)

Man schließt die Girls von ILLIT sofort ins Herz.

Als wir uns über Zoom zum Interview treffen, ist es in Seoul bereits Nacht. Yunah, Minju, Wonhee und Iroha sitzen auf hohen Stühlen mit weißen Kuscheldecken auf dem Schoß. Sie tragen Prep-School-Outfits im Schichtenlook: Häkel-Crop-Tops oder Halbarm-Pullunder in Braun, Weiß, oder Bordeaux über Blusen, dazu kurze graue Faltenröcke und schwarze Mary Janes oder Plateau-Loafer. Als ich mich ihnen vorstelle, jubeln und klatschen sie begeistert. Für einen Moment fühle ich mich, als wäre ich zu einer Übernachtungsparty bei den coolsten Mädchen der Schule eingeladen worden – ganz so wie im Musikvideo zu ILLITs Debütsingle „Magnetic“. Ihre Ausstrahlung ist so entwaffnend niedlich, dass ich sie am liebsten knuddeln würde.

Aber auch wenn ILLIT diese cuteness aggression sicherlich bei vielen Menschen aller Altersgruppen auslöst, sollte man die K-Pop-Girlgroup nicht unterschätzen – jung und niedlich zu sein, bedeutet schließlich nicht, dass man kein badass sein kann. Die vier jungen Frauen durchlaufen gerade den Wandel vom Newcomer-Act zu einer Gruppe, die mehr emotionale Bandbreite und unterschiedliche Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen möchte. Yunah, Minju, Wonhee und Iroha sind hungrig auf einen Platz an der Spitze einer hart umkämpften Branche und arbeiten hart für ihren Erfolg – auch wenn sie es mühelos und spielerisch aussehen lassen.

Das muss man über ILLIT wissen

Seit Anfang 2024 wirbeln die Girls durch die internationale Musikwelt. Zusammengestellt wurde das Quintett in der TV-Show „R U Next?“. Die fünfte im Bunde, Moka, pausiert derzeit aus gesundheitlichen Gründen. Bereits ILLITs Debütsingle „Magnetic“ war ein Riesenhit, der mittlerweile mehr als 900 Millionen Streams auf Spotify hat und sich auch in den US-Billboard-Charts und den britischen Charts platzieren konnte.

Wie die meisten ihrer Songs versprüht „Magnetic“ eine nostalgische, beinahe traumartige Atmosphäre – Hyperpop trifft auf Soundeffekte aus Videospielen, die man als Kind mit seinen Freund:innen gespielt hat. Produziert werden die Hits der Girlgroup übrigens von Bang Si-hyuk, dem Gründer des K-Pop-Giganten HYBE und Mastermind hinter Boybands wie BTS und TXT.

K-Pop-Girlgroup ILLIT im Marie Claire Interview

Marie Claire: Wie erklärt ihr jemandem, der noch nie von euch gehört hat, was ILLIT ausmacht?

MINJU: Mir fallen sofort die Worte „direkt“, „frisch“ und „liebenswert“ ein.

WONHEE: Ja, wir sind sehr direkt und liebenswert. Ich würde uns außerdem als grenzenlos beschreiben.

YUNAH: Ich finde wir sind eine Überraschung.

IROHA: Und farbenfroh!

Was glaubt ihr, wissen die Menschen noch nicht über euch?

YUNAH: Auf der Bühne zeigen wir uns gerne von unserer niedlichen und süßen Seite, aber wir nehmen unsere Arbeit auch sehr ernst. Ich glaube, die Leute wären überrascht zu sehen, wie professionell wir im Proberaum sind.

ILLIT über ihr neues Album

„BREAK EVEN“ handelt davon, Situationen hinter sich zu lassen, die einem nicht mehr guttun. Welche tröstenden Worte möchtet ihr jemandem mit auf den Weg geben, dem kürzlich das Herz gebrochen wurde?

WONHEE: Ich möchte dieser Person sagen, dass sie sehr mutig ist, weil sie einen Schlussstrich zieht. Wenn du alles in eine Beziehung investiert hast, aber nur sehr wenig zurückbekommen hast, ist es völlig in Ordnung, auf dich selbst zu achten. Und ich hoffe, dass unsere neuen Songs dir ein wenig von der Last auf deinen Schultern nehmen können.

Im Musikvideo zur Single „You’re Under Arrest“ zieht ihr jemanden zur Rechenschaft, der euch Unrecht getan hat. Was war die größte Herausforderung beim Dreh dieses Musikvideos?

MINJU: Ich muss zugeben, dass es mir anfangs schwerfiel, während der Choreografie in die Trillerpfeife zu blasen. Gleichzeitig hat es aber auch richtig Spaß gemacht. Es war eine tolle Herausforderung.

Von Album zu Album probiert ihr viele verschiedene Konzepte aus. Mit welcher bestimmten Stimmung fühlt ihr euch am wohlsten und welches Konzept bringt euch aus eurer Komfortzone?

WONHEE: Bisher haben wir hauptsächlich niedliche, süße und coole Gesichtsausdrücke gezeigt. Für BREAK EVEN mussten wir jedoch negative Emotionen wie Frustration und Wut zum Ausdruck bringen. In dieser Hinsicht würde ich sagen, dass dieses Album unsere bisher größte Veränderung darstellt.

Welche Regieanweisung, die ihr während der Arbeit an diesem Album erhalten habt, war für das Endergebnis besonders entscheidend?

IROHA: Es gab ein Fotoshooting, bei dem wir Wut ausdrücken sollten. Um diese Emotion authentisch zu verkörpern, riet jemand aus unserem Team Minju, sich etwas vorzustellen, das sie wirklich sauer macht – zum Beispiel, dass unsere geliebten GLLITs Fans von jemand anderem werden. Das fand ich wirklich hilfreich.

WONHEE: Wir haben auch versucht, das Gefühl der Frustration in unserem Gesang einzufangen. Ein besonders wichtiger Ratschlag, den ich während der Aufnahmen bekommen habe, war, mich nicht zurückzuhalten und mich so frei und ungezwungen wie möglich auszudrücken.

Könnt ihr uns näher erläutern, wie „BREAK EVEN“ inhaltlich mit euren bisherigen Veröffentlichungen zusammenhängt?

YUNAH: In verschiedenen Textstellen werdet ihr Easter Eggs entdecken können. Es gibt kleine Anspielungen auf Gefühle und Erlebnisse, die wir bereits in unseren früheren Songs aufgegriffen haben. Zum Beispiel kommt die Stelle, in der „Eistee“ als das Lieblingsgetränk einer Person erwähnt wird, auch in „IYKYK“ vor. Und in „jellyous“ haben wir ebenfalls schon über DMs gesprochen. Ich glaube, wenn die Leute nach diesen Hinweisen suchen, können sie unsere Musik auf eine ganz neue Art genießen.

ILLIT über ihre Wünsche und Ziele als Performerinnen

Ihr seid nun seit fast drei Jahren als ILLIT aktiv. Welchen persönlichen Traum konntet ihr euch als Mitglied dieser Gruppe bereits erfüllen?

MINJU: Schon seit meiner Trainee-Zeit wollte ich unbedingt ein eigenes Konzert geben, und dieses Jahr wurde dieser Traum mit unserer „Press Start“-Tour wahr. Das war unglaublich erfüllend und bewegend.

IROHA: Ich habe schon immer davon geträumt, an den Jahresend-Awardshows teilzunehmen. Dort können wir nicht nur unsere eigenen Songs performen, sondern auch besondere Bühnenauftritte präsentieren. Deshalb freue ich mich immer riesig, wenn diese Zeit des Jahres näher rückt. Das macht mich sehr glücklich. Tatsächlich bereiten wir gerade einen weiteren großartigen Auftritt für das Ende dieses Jahres vor. Ihr könnt euch also schonmal darauf freuen.

Es gibt das koreanische Wort „yeoyu“, das ein Gefühl von Gelassenheit oder genügend Raum zum Durchatmen beschreibt. Habt ihr seit eurem Debüt mehr davon gefunden oder verspürt ihr immer noch den Druck, euch beweisen zu müssen?

YUNAH: Das haben wir definitiv. Da wir unsere erste Tour inzwischen fast abgeschlossen haben, konnten wir viel mehr Bühnenerfahrung sammeln. Wir sind deutlich entspannter und wissen besser, wie wir diese Momente genießen können. Gleichzeitig sind wir gespannt darauf, der Welt zu zeigen, was wir noch alles können. In Zukunft möchten wir weitere Facetten und Farben von ILLIT präsentieren. Ich würde aber nicht sagen, dass wir uns dadurch unter Druck gesetzt fühlen. Ich glaube, wir alle blicken voller Vorfreude in die Zukunft.

k-pop-girlgroup ILLIT

Die Mädels von ILLIT bringen frischen Wind in die internationale Pop-Branche. Bild: BELIFT LAB (HYBE)

ILLIT über ihre Stärken und ihre besondere Beziehung

In welchem Bereich des Popstar-Daseins seid ihr eurer Meinung nach besonders gut?

YUNAH: Wonhee ist sehr gut darin, mit ihrer Mimik Emotionen auszudrücken. Ich glaube, deshalb zieht sie die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich, sobald sie die Bühne betritt.

WONHEE: Minju hat eine wunderschöne Stimmfarbe und Stimmqualität. Wenn man sie einmal singen gehört hat, möchte man immer mehr davon hören.

MINJU: Iroha ist eine hervorragende Tänzerin. Was unsere Choreografien angeht, ist sie äußerst professionell. Ohne sie könnten wir das alles nicht schaffen.

IROHA: Oh, danke, wie lieb! Ich finde, Yunah ist ein echter Sonnenschein. Sie ist wirklich die Stimmungsmacherin unserer Gruppe, und das nicht nur hinter den Kulissen: Sie bringt eine unglaubliche Energie auf die Bühne, was bei unseren Konzerten besonders wichtig ist.

Man merkt, dass ihr einander sehr nahesteht, aber ihr zieht euch auch gerne gegenseitig auf. Woran merkt ihr, dass ein Scherz zu weit gegangen ist, und wie löst ihr mögliche Spannungen danach?

WONHEE: Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir jemals eine Grenze überschritten haben. Ich liebe es einfach, die Mädels aufzuziehen und mit ihnen herumzualbern. Wir haben immer unglaublich viel Spaß zusammen und versuchen einfach, so oft wie möglich gemeinsam zu lachen.

MINJU: Das sehe ich genauso. Wenn mich jemand aufzieht, necke ich immer etwas zurück, damit die Stimmung locker und spielerisch bleibt.

ILLIT verraten ihre Style-Vorlieben

Welchen aktuellen Modetrend habt ihr zuletzt für euch entdeckt?

IROHA: Ich stehe momentan total auf Utility-Jacken, weil es immer kälter wird. Auf dieses Kleidungsstück kann ich einfach nicht verzichten.

WONHEE: Bei mir sind es Tabi-Schuhe.

Wie würdet ihr euren persönlichen Stil beschreiben?

WONHEE: Ich liebe Outfits, die minimalistisch und gleichzeitig einzigartig sind.

YUNAH: Ich entscheide mich meistens für einen schicken, minimalistischen und lässigen Look.

MINJU: Mein Stil ist schlicht, schick und liebenswert.

IROHA: Ich würde meinen Look als Vintage, schick und lässig beschreiben.

Wenn ihr euch für einen Tag die Garderobe einer prominenten Person ausleihen könntet, für wen würdet ihr euch entscheiden?

MINJU: Hailey Bieber. Sie sieht in allem fantastisch aus, von lässigen Outfits bis hin zu glamourösen Looks auf dem roten Teppich. Ich finde, sie ist eine echte Modeikone.

WONHEE: Ich entscheide mich für Gracie Abrams, weil ich ihren mühelosen und zugleich einzigartigen, lässigen Stil einfach liebe.

ILLIT bei ihrer ersten Live-Performance von „You’re Under Arrest“. 

Wie geht es für ILLIT weiter?

Abgesehen von eurer Musik und euren Auftritten: Wenn die Menschen in zehn Jahren auf ILLIT zurückblicken, woran sollen sie sich im Idealfall erinnern?

MINJU: Wenn die Menschen in zehn Jahren unsere Songs hören, hoffe ich, dass sie ein Gefühl von Nostalgie für unsere heutige Zeit verspüren.

YUNAH: Außerdem hoffe ich, dass man sich an uns als eine Gruppe erinnern wird, die unsere Generation repräsentiert und geprägt hat.

Die Feiertage stehen vor der Tür. Welche Geschenke verschenkt ihr am liebsten?

WONHEE: Ich finde, dass Geschenke zu dieser Jahreszeit warm, gemütlich und kuschelig sein sollten. Deshalb verschenke ich zum Beispiel gerne Duftkerzen.

MINJU: Wenn ich an die Feiertage denke, muss ich sofort an heiße Schokolade mit Marshmallows denken. Damit würde ich anderen gerne eine Freude machen.

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