Berlin Fashion Week Frühling/Sommer 2026: Das waren die Highlights

Die Berlin Fashion Week zeigte mit den Frühling/Sommer 2026 Kollektionen: Sie kann Club-Kultur genauso wie Eleganz,  sommerliche Leichte wie weiblichen Widerstand und stille Rebellion. Plus: Mit international bekannten Brands wie Marc Cain, Ottolinger, David Koma und ioannes macht  die deutsche Modewoche wieder mehr von sich reden. Hier kommen die Highlights.

Romee Strijd bei Marc Cain, Frühjahr/Sommer 2026
Bei Marc Cain lief Supermodel Romee Strijd für die Frühjahr/Sommer 2026 Kollektion über den Runway. Foto: launchmetrics.com/spotlight

Berlin Fashion Week: Zwischen politischer Message, modischer Handwerkskunst und sommerlicher Nostalgie

Darüber, ob Mode politisch ist, scheiden sich die Geister genauso wie darüber, ob sie es überhaupt sein sollte. In Berlin scheint sie es in vieler Hinsicht zu sein. Bereits in der letzten Saison nutzten viele der Designer:innen die Berlin Fashion Week als Plattform für eine politische Message. Und auch bei den Präsentationen und Schauen für die kommende Frühjahr/Sommer 2026 Saison mischten sich politische Botschaften zwischen luxuriöse Stoffe, raffinierte Schnitte und ein immer internationaler werdendes Modepublikum. Während Kilian Kerner auf die Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR aufmerksam machte, legten Clara Colette Miramon und die CollectiveFour (das sind Danny Reinke, Marcel Ostertag und Kilian Kerner) ihren Fokus auf unsere leider so häufig übersehenen Pflegekräfte. GmbH gedachte mit einer Schweigeminute vor der Show der in Palästina getöteten Menschen. Aber erstmal auf Anfang. Und so lassen wir unsere Eindrücke Revue passieren.

Denn: Der Sommer 2026 ist nicht nur politisch. Es geht auch um das Gefühl der Freiheit: Schlichtes Make-up, fließende Stoffe, vielseitige Farbnuancen, Minilängen (in Berlin könnten wir gar Micro sagen) und pure Lebensfreude. Wann fühlen wir uns so frei wie im Sommer?

Marc Cain

Unter dem Motto „A Quiet Rebellion“ zeigte Marc Cain stillen Maximalismus mit fließenden Silhouetten, feinen Pudertönen und eleganten Farben. Kräftige Gelb- und Rottöne setzten Kontraste, während florale und maritime Prints sowie relaxte Schnitte eine sommerliche Brise bescherten. Marc Cain ohne Stargast? Quasi unmöglich. Und so beobachtete Supermodel Candice Swanepoel ihre ehemalige Victoria’s Secret Kollegin Romee Strijd beim spektakulären Opening und Finale aus der Front Row.

Fotos: Courtesy of Marc Cain

Ottolinger

Eröffnet von keiner geringeren als Kim Petras präsentierte Ottolinger zu den Klängen von Pop-Ikone Lady Gaga zum ersten Mal in Berlin (eigentlich zeigen Christa Bösch und Cosima Gadient in Paris). Die Resort-Kollektion? Eine Hommage an weibliche Widerstandskraft jenseits von Perfektion. Inspiriert von der Idee der „coolen großen Schwester“ treffen zarte Netzstoffe und feinsinnig geschnittene Kleider auf Dekonstruktion, verbrannte Jeans, Latex und Straps. Tiefsitzende Hotpants und Röhrenjeans, Sneaker Wedges und transparente Zehenstege erinnern an ein 2010 zwischen Grunge-Poesie, Airport-Outfit und Club-Etiquette.

Fotos: launchmetrics.com/spotlight/Stefania Danese

Haderlump

Die raffinierten Cut-Outs, kunstvoll drapierten Kleider, Kapuzen und fließenden Lagenlooks aus Leinen, Leder sowie (Baum-)Wolle wirken zugleich schützend und aufdeckend. Dropped-Waist-Kleider, geöffnete Hosen und ausgestellte Volumenröcke setzen einen Fokus auf die Hüfte, während feine Drucke und dekorative, kontrastierende Nähte wie kleine Kunstwerke anmuten und der Kollektion den Namen „The Exilibris“ geben. Haderlumps urbane Handschrift trifft im Frühjhar/Sommer 2026 wieder die feine Linie zwischen Berliner Streetstyle und meisterhafter Handwerkskunst. Die Runway-Looks wurden durch Taschen von Liebeskind ergänzt.

Fotos: launchmetrics.com/spotlight/Stefania Danese

ioannes

Die Frühjahr/Sommer 2026 Kollektion mit dem Titel „Better Grow Thorns Than Thicker Skin“ übersetzt das Spannungsfeld zwischen Verletzlichkeit als Stärke in eng anliegenden Silhouetten, zarten Rüschen, Pastelltönen und transparenten Stoffen zu Oversized Blazern, bodenlangen Fransenkleidern und Mäntel in tiefem Schwarz sowie spitz zulaufenden Heels. Auch nicht zu vergessen: Ein langer Tisch mit kunstvoll gestapelten Gläsern (die alle bis zum Ende heil blieben). Mit diesem Debüt bewies Johannes Boehl Cronau, weshalb Prominente wie Kylie Jenner und Rihanna zu seinen Fans zählen.

Fotos: launchmetrics.com/spotlight/Paolo Lanzi

Laura Gerte

Laura Gertes Kollektion „Desire/Chaos“ erforscht die Komplexität des Frauseins zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit in unserer heutigen Gesellschaft. Zum Einsatz kommen dafür neben upgecycelten Materialien und kontrastreichen Silhouetten auch transparente Meshstoffe, dekonstruiertes Jersey und florale Seidenmotive. Livebilder der Show projizierten Laura Gertes Berliner Chic simultan in den Raum.

Fotos: launchmetrics.com/spotlight/Stefania Danese

Kilian Kerner

Im Zentrum der Kollektion „DDR. Die gestohlenen Kinder“? Ein kaum aufgearbeitetes Kapitel deutscher Geschichte. Die Kollektion setzt sich mit den Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren auseinander – ein Thema, das bis heute viele Familien betrifft. Kerner nähert sich dem Schmerz, der Erinnerung und der bis heute fehlenden gesellschaftlichen Aufarbeitung mit modischer Sensibilität und emotionaler Tiefe.

Fotos: launchmetrics.com/spotlight/Paolo Lanzi

Marcel Ostertag

Brokat und Spitze erinnern an barocken Prunk, Schlaghosen und Minikleider zu kniehohen Stiefeln an 70er-Jahre-Glamour und Lack sowie starke Schultern an die rebellische Rave-Kultur der 90er-Jahre. Zwischen floralen Mustern, Pailletten, Rüschen, Spitze, Lack und Oversized Blazern zeigt Marcel Ostertag im Frühjahr/Sommer 2026 in gekonntem Farbspiel so die Vielseitigkeit unserer Feminität.

Fotos: ©Matt Jelonek Getty Images

Rebekka Ruétz

Der Sommer 2026 ist jenseits von Erwartungen, Masken und Rollen. Das meint Rebekka Ruétz. Sie lädt uns ein, der Welt als das zu begegnen, was wir sind. Wie sich das modisch äußert? Neuinterpretationen von Klassikern finden sich als langes weißes Hemdkleid oder cremefarbenes Trenchcoat-Kleid, Natur-Prints auf Kleidern bis Röcken und breite Plateau-Sneaker zu femininen Looks.

Fotos: Chelsea Claire

William Fan

Designer William Fan entschied sich in dieser Saison seine Kollektion als Pop-Up im Boutique-Hotel Château Royal Berlin zu präsentieren. Die Kollektion „Postcard“ fängt die Atmosphäre vergangener Urlaubsmomente ein. Und so konnten die Besucher:innen passenderweise von Fan designte Postkarten vor Ort verschicken. Und die Kollektion selbst? Ist luftig, unbeschwert und reiselustig: Pastelltöne treffen auf strukturierte Stoffe wie Plissee oder Denim. Auch nur schwer zu übersehen sind die bunten Pealbags – das Accessoire des Sommers 2026.

Fotos: Courtesy of William Fan

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