Was ist Clean Beauty? Ein Ratgeber für schadstofffreie Kosmetik
Gekommen, um zu bleiben: Clean Beauty hat sich vom Trend zum festen Bestandteil der Beauty-Welt entwickelt. Aber was steckt eigentlich genau dahinter? Wir erklären, warum Clean Beauty auch weiterhin relevant bleiben wird und wie Sie die besten Produkte erkennen können
Der Begriff „Clean Beauty” bedeutet übersetzt so viel wie „saubere Kosmetik”. Dabei handelt es sich um Produkte, die komplett auf hautreizende oder potenziell gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe verzichten. Der Trend ist vor etwa drei Jahren aus USA zu uns gekommen – dazu muss man aber wissen, dass in Amerika mehr Inhaltsstoffe für Kosmetika zugelassen sind als hier in Europa. Das gestiegene Interesse an Hautgesundheit und Umweltbewusstsein hat aber dazu geführt, dass das Konzept von Clean Beauty auch in Deutschland begeistert aufgenommen wurde. Unsere Expertin, die Ärztin Dr. Julia Czechner mit eigener Praxis in München fügt hinzu: „Clean Beauty kann auch bedeuten, dass z.B. die Verpackungen der Produkte umweltbewusst hergestellt werden oder bei der Herstellung generell auf ethische Werte geachtet wird. Der Begriff ist nicht rechtlich geschützt und es gibt kein einheitliches Siegel, das macht es gar nicht so einfach herauszufinden, wie ´sauber´ oder schadstoffarm diese Produkte auch wirklich sind”. Strenge EU-Richtlinien verhindern aber generell, dass in Europa schädliche Beautyprodukte auf den Markt kommen können. „Brands können heute viel Transparenz zeigen,” so Dr. Julia Czechner. „Handelt es sich um natürlich oder synthetisch hergestellte Wirkstoffe, wo wird das Produkt hergestellt, woher kommt die Verpackung? Grundsätzlich ist es also gut, dass viele Firmen sich aktuell mit der Clean Beauty Philosophie auseinandersetzen”.
„Clean” bedeutet hier nicht nur „sauber”, sondern eher „frei von”. Damit sind vor allem Inhaltsstoffe gemeint, die gesundheitsschädlich, nicht besonders hautverträglich oder nicht umweltfreundlich sind. Auch ohne Siegel wäre es also ungerecht, Clean Beauty Produkte ihre gesundheitlichen Vorteile abzusprechen – chemie- und schadstofffreie Cremes sind eine gute Sache. Für Verbraucher:innen ist es aber oft schwierig zu erkennen, was wirklich in dem Tiegel drinnen steckt, den sie im Laden gerade in der Hand halten. Auf jeder Verpackung findet sich daher die sogenannte INCI-Liste, auf der alle Inhaltsstoffe aufgelistet sein müssen. Einfache Regel: Je kürzer diese Liste ausfällt, umso „cleaner” scheint das Produkt, was aber nicht wirklich ausschlaggebend ist. Auch wenn nicht festgelegt ist, wie nachhaltig ein Clean Beauty Produkt wirklich sein muss, bestehen sie doch meistens aus umweltfreundlichen Verpackungen und werden ressourcenschonend produziert. So hat die Umwelt auch etwas vom Beauty-Trend.
In Clean Beauty Produkten stecken Inhaltsstoffe, die für gesunde Haut bekannt sind wie z.B. Hyaluronsäure, Antioxidantien, Peptide, Aminosäuren, Ceramide oder Squalane. Inhaltsstoffe, die in Clean Beauty-Produkten gemieden werden sind z. B. Parabene, Sulfate oder PEGs (Polyethylenglykole): PEGs sorgen dafür, dass die Haut durchlässiger wird und so Wirkstoffe, aber eben auch Schadstoffe, besser aufnehmen kann. Parabene sind Konservierungsstoffe, die im Körper wie Hormone wirken können. Auch Alkohol, allergene Duftstoffe wie z.B. ätherische Öle, Farbstoffe, Mikroplastik oder Silikon sind No-Go´s in Clean Beauty Produkten.
Ärztin Dr. Julia Czechner klärt auf: „Clean Beauty bedeutet, dass die Produkte keine schädlichen oder kontroversen Inhaltsstoffe beinhalten, umweltfreundlich hergestellt werden und die Labels sich sozial engagieren, z.B. für jedes gekaufte Produkt einen Baum pflanzen oder ähnliches. Dafür gibt es aber keine offiziellen Standards. In Clean Beauty Produkten können nicht nur nachhaltige, sondern auch im Labor synthetisch hergestellte Wirkstoffe stecken. Bei Naturkosmetik geht es nicht um die Verträglichkeit von Produkten, sondern darum, wie die Produkte hergestellt, woher die natürlichen Inhaltsstoffe kommen und wie sie gewonnen werden. Die Standards hier sind festgelegt und wer sie erfüllt, bekommt Zertifikate oder Siegel – bekannte Siegel sind z.B. Natrue, Cosmos Ecocert oder Demeter – es gibt aber noch viele mehr. Nur wer zertifiziert ist, darf seine Produkte als Naturkosmetik betiteln. Bei Bio-Naturkosmetik hängt die Messlatte da sogar noch etwas höher, diese Produkte enthalten einen besonders hohen, festgelegten Bio-Anteil an Inhaltsstoffen. Dass Naturkosmetik für die Haut gesünder ist, kann man so aber nicht sagen. Naturkosmetik kann irritierende Inhaltsstoffe für die Haut enthalten, viele reagieren z.B. gereizt auf ätherische Öle”. Übrigens: Weder Clean Beauty noch Naturkosmetik sind automatisch tierversuchsfrei. Wer das unbedingt ausschließen will, muss auf die Siegel mit dem Hasen, dem „Leaping Bunny” oder PETA Cruelty-Free achten. Das gilt auch für die Bezeichnung „vegan”: von Tieren gewonnene Inhaltsstoffe können in beiden stecken, solange es kein Zertifikat kennzeichnet.
So etwas wie „echte” Clean Beauty gibt es nicht. Es gibt eben keine festgelegten Standards, keine Zertifikate, keinen rechtlich geschützten Begriff. Jeder Hersteller kann frei definieren, ob sein Produkt ein Clean Beauty Produkt ist. Noch einmal als Richtlinie: je weniger Inhaltsstoffe auf der INCI-Liste, desto „sauberer” das Produkt. Hier gibt es zwar Normen, die eingehalten werden müssen – der Spielraum für das sogenannte Greenwashing ist aber leider immer noch groß genug. Die „frei von“ – Mentalität ist grundsätzlich eine gute Sache für die Haut, die Gesundheit, den Planeten und hinter den meisten Marken stecken auch nur positive Absichten. Solange es aber kein Siegel für Clean Beauty gibt, sollte man jede Brand und ihre Philosophie vorm Kauf checken. Übrigens sollte auch ein allzu billiger Preis die Alarmglocken schrillen lassen. „Hochwertige Inhaltsstoffe und eine gute Verarbeitung kosten viel Geld. Besonders gut ist es z.B., wenn ein chemiefreies Produkt in einem Airless-Spender steckt. So kommen weder Luft noch Bakterien in die Verpackung, was bedeutet, dass wenig Konservierungsstoffe benötigt werden. Solche Verpackungen sind aber aufwändiger in der Produktion und folglich auch teurer”, so die Ärztin. Der Verzicht auf bedenkliche Stoffe und eine umweltfreundliche Herstellung haben eben ihren Preis. Auch Slogans wie „zu 100 Prozent natürlich” beruhen eher auf Marketing als auf der Realität, da lohnt es sich, nachzuforschen.
Grundsätzlich sind Clean Beauty Produkte für alle Hautzustände geeignet, egal, ob normal, trocken, empfindlich oder ölig. Am besten achtet man auf Wirkstoffe, die auch in der Haut vorkommen, wie z.B. Ceramide. Dr. Julia Czechner: „Es liegt aber auf der Hand, dass sensible Hauttypen am meisten von Clean Beauty Produkten profitieren können– je weniger Wirk- und Duftstoffe schließlich in einer Creme oder einer Reinigung stecken, umso weniger besteht die Wahrscheinlichkeit, darauf mit Irritationen zu reagieren”.
Auch wenn Auslegungssache ist, wie „clean” die Produkte am Ende des Tages wirklich sind, ihre Benefits lassen sich nicht leugnen. Das heißt jetzt aber nicht, dass alle anderen Produkte für immer aus dem Badezimmer verbannt müssen – alles hängt von Ihren persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen ab, Clean Beauty Produkte sind nicht automatisch besser oder wirksamer. Egal, für welche Produkte Sie sich entscheiden: Es ist immer gut, sich vorm Kauf von Kosmetika über deren Marken-Hintergrund im Vorfeld schlau zu machen.