Fès entdecken: Tipps für eine Reise in Marokkos Kulturstadt

Zwischen duftenden Gewürzen, jahrhundertealtem Handwerk und labyrinthartigen Gassen ist Fès eine Stadt, die als inspirierende und oft günstigere Alternative zu Marrakesch gilt. Was Sie in Fès gesehen und gemacht haben sollten, verraten wir hier.
Blick auf die Altstadt von Fès
Fès ist mit über 1.200 Jahren eine der ältesten Städte Marokkos und ein Labyrinth aus mehr als 9.000 Gassen © Lucy Binder

Die Luft ist warm und trocken als ich den Flughafen in Fès verlasse. Im Februar ist es hier tagsüber angenehm warm, im Hochsommer können die Temperaturen schon mal auf 40 Grad klettern. Vom Flughafen ist es knapp eine halbe Stunde bis ins Zentrum der alten Königsstadt und am Fenster meines Taxis ziehen staubige Gassen, alte Stadtmauern und Menschen in bunten Gewändern vorbei. Mein Hotel, ein traditionelles Riad, liegt ein paar Gehminuten außerhalb der Medina. Praktisch, denn hier komme ich direkt mit dem Auto hin und muss mein Gepäck nicht durch die engen Gassen der Medina tragen, wo Autos verboten sind.

Sonnenaufgang in Fès
Die alten Stadtmauern von Fès leuchten im Sonnenaufgang nahe der Medina © Lucy Binder

Die Geschichte von Fès reicht über 1.200 Jahre zurück und genau so fühlt es sich auch an, als ich nach meiner Ankunft durch die Medina schlendere. Es ist Ramadan und weniger trubelig als ich erwartet hätte. Die Einheimischen kommen erst abends nach Sonnenuntergang hierher, um für das Abendessen einzukaufen. Dann herrscht hier reges Treiben und es duftet nach frisch gebackenem Brot, orientalischen Gewürzen und Minze. Ich bleibe immer wieder stehen, weil es so viel zu sehen gibt. Kleine Läden reihen sich dicht aneinander, in denen handgemachte Keramik, bunt gemusterte Teppiche, Lederwaren und filigrane Laternen ausgestellt sind. Vor den Geschäften sitzen Händler und sind gemüht, Besucher in ihre Läden zu locken. Übrigens gehört Handeln in der Medina von Fès ganz selbstverständlich dazu.

Mann mit traditionellem Gewand spaziert durch die Medina
In der Medina von Fès gibt es keine Straßennamen, sondern nur Gassen, die sich nach Orientierungspunkten erschließen © Lucy Binder

Richtig handeln in der Medina

Handeln gehört in der Medina von Fès ganz selbstverständlich zum Einkauf dazu und ist weniger ein harter Preiswettbewerb als vielmehr ein kulturelles Ritual. Als grobe Orientierung gilt: Der erste genannte Preis ist meist deutlich höher angesetzt. Ein guter Einstieg ist es, etwa bei 40 Prozent dieses Preises anzusetzen und sich dann Schritt für Schritt anzunähern. Am Ende trifft man sich oft irgendwo in der Mitte. Dabei geht es nicht nur ums Feilschen, sondern auch um das Gespräch. Was ich gelernt habe: Wenn Ihnen ein Händler Minztee anbietet, sollten Sie ihn annehmen. Das ist Teil der marokkanischen Gastfreundschaft und macht die Situation persönlicher. Wichtig ist auch, nur dann zu verhandeln, wenn Sie wirklich Interesse haben. Wer handelt, signalisiert Kaufabsicht. Wenn der Preis am Ende nicht passt, ist es völlig in Ordnung, freundlich zu lächeln und weiterzugehen – oft folgt dann noch ein besseres Angebot.

Bunte Säcke gefüllt mit Gewürzen und Getreide
Gewürze und Getreide werden traditionell offen in Säcken verkauft – beurteilt wird hier nach Duft, Farbe und Qualität © Lucy Binder

Die älteste Universität der Welt besichtigen

Mitten im Gewirr der Medina stoße ich auf die al-Qarawīyīn, gegründet im Jahr 859 und damit eine der ältesten Universitäten der Welt. Die größten Schätze der Altstadt von Fès verstecken sich oft hinter hohen Mauern, es lohnt sich also, die Augen offen zu halten. Von der Gasse aus fällt mein Blick in einen Innenhof mit filigranen Mosaiken, kunstvoll geschnitztem Holz und symmetrischen Bögen. Viel mehr als diesen Blick von außen bekommt man als Besucher:in meist nicht, denn die Moschee und große Teile der Universität sind Nicht-Muslim:innen nicht zugänglich. Die al-Qarawīyīn ist nicht nur ein historisches Denkmal, sondern weiterhin ein religiöses und akademisches Zentrum. Studierende lernen hier vor allem islamische Theologie, Recht und klassische Wissenschaften. Die angrenzende Bibliothek, die als eine der ältesten der Welt gilt, wurde aufwendig restauriert und beherbergt jahrhundertealte Manuskripte.

Blick in den Innenhof mit hellem Mamor und Mosaikboden
Die al-Qarawīyīn in Fès gilt als die älteste noch bestehende Universität der Welt – gegründet im Jahr 859 © Lucy Binder

Eine geführte Walking Tour durch die Medina machen

Die Medina von Fès gehört zu den größten autofreien Altstädten der Welt und ist mit ihren tausenden Gassen entsprechend unübersichtlich. Genau deshalb lohnt sich eine geführte Walking Tour, vor allem zu Beginn der Reise. Lokale Guides führen dabei durch die wichtigsten Viertel und Sehenswürdigkeiten und geben gleichzeitig Einblicke in Geschichte, Architektur und das alltägliche Leben. Typische Stopps sind unter anderem der Königspalast mit seinen prächtigen Toren, das historische jüdische Viertel Mellah, religiöse Schulen wie die Bou Inania oder Al Attarine Madrasa sowie die al-Qarawīyīn. Auch die berühmten Gerbereien sind Teil der Route. Neben den bekannten Highlights geht es immer wieder durch kleine Gassen, vorbei an Handwerksläden und lokalen Märkten. Dadurch bekommt man nicht nur einen Überblick, sondern auch ein besseres Gefühl für die Struktur der Medina. Tipp: Die Walking Tour über GetYourGuide buchen. Der Vorteil: geprüfte Anbieter, flexible Zeiten und die Möglichkeit, sich vorab über Inhalte und Dauer zu informieren. Gerade in einer Stadt wie Fès ist eine solche Tour eine sinnvolle Investition, um sich schneller zurechtzufinden und die wichtigsten Orte nicht zu verpassen.

Eine geführte Walking Tour hilft dabei, das Labyrinth aus Gassen zu verstehen und versteckte Orte zu entdecken © Lucy Binder

Die berühmten Gerbereien besuchen

Noch bevor ich die Gerbereien überhaupt sehe, nehme ich sie wahr. Der Geruch ist intensiv und am Eingang wird mir ein Strauch frischer Minze gereicht. Ein paar Minuten später weiß ich, warum. Im Rahmen der Walking Tour führt mich unser Guide auf eine Terrasse, von der aus man einen Blick auf die berühmten Farbbecken hat. Die runden Steinwannen sind mit unterschiedlichen Flüssigkeiten gefüllt. In den weißen Becken wird das Rohleder zunächst eingeweicht und von Haaren befreit. Dafür kommen unter anderem Kalk, Wasser und eine Mischung aus natürlichen Stoffen wie Taubenmist zum Einsatz – letzterer enthält Ammoniak, das die Häute weich macht. Genau diese Mischung ist auch der Grund für den strengen Geruch, der den Ort prägt. Anschließend wandert das Leder in die farbigen Wannen. Hier kommen ausschließlich natürliche Farbstoffe zum Einsatz: Safran für Gelbtöne, Mohn für Rot, Indigo für Blau oder Minze für grünliche Nuancen. Die Arbeiter stehen oft knietief in den Becken und bewegen die Häute von Hand, damit die Farben gleichmäßig einziehen. Danach wird das Leder getrocknet und weiterverarbeitet – zu Taschen, Schuhen oder Jacken, die später in den Souks verkauft werden. Trotz moderner Alternativen hat sich dieser Prozess über Jahrhunderte kaum verändert.
Blcik von oben auf die Wasserbecken der Gerberei
In den Gerbereien von Fès wird Leder mit einer Mischung aus Kalk, Wasser und Taubenmist behandelt © Lucy Binder

In einer Keramikwerkstatt selbst kreativ werden

Nach all den Eindrücken suche ich mir einen etwas ruhigeren Ort und finde ihn in einer der großen Keramikwerkstätten von Fès. Hier lässt sich der gesamte Herstellungsprozess der Keramik- und Mosaikarbeiten beobachten, die später in der Medina verkauft werden – von den ersten Tonformen bis zu den fertigen, kunstvoll verzierten Stücken. Aus rohem Ton entstehen hier Schalen, Teller oder Vasen, die nach dem Trocknen gebrannt und anschließend von Hand bemalt werden. In einem anderen Bereich werden kleine Fliesenstücke präzise zurechtgeschlagen und zu den typischen Zellige-Mustern zusammengesetzt. Für Besucher:innen ist das mehr als nur Zuschauen. Viele Werkstätten bieten die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden – etwa beim Bemalen von Keramik oder beim Ausprobieren einfacher Mosaiktechniken. Dabei wird schnell klar, wie viel Geduld und handwerkliches Können hinter jedem einzelnen Stück steckt. Gleichzeitig ist der Besuch eine wohltuende Pause vom Trubel der Medina. Statt enger Gassen und lauter Geräusche herrscht hier eine ruhige, fast meditative Stimmung.
In den Keramikwerkstätten wird jedes Stück von Hand bemalt – mit Mustern, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden © Lucy Binder

In einem traditionellen Riad übernachten

Nach einem langen Tag in der Medina freue ich mich auf die Rückkehr in mein Riad – das Maison Bleue. Sobald sich die Tür hinter mir schließt, wird es still. Die Luft ist kühler und Wasser plätschert im Innenhof. Es ist, als würde die Stadt draußen plötzlich ganz weit weg sein. Riads haben in Marokko eine lange Tradition. Ursprünglich waren sie die Stadthäuser wohlhabender Familien, gebaut rund um einen geschützten Innenhof. Der Name leitet sich vom arabischen Wort für „Garten“ ab und genau so sind sie konzipiert: als private, grüne Rückzugsorte mitten in der Stadt. Die Architektur folgt dabei einem klaren Prinzip: Nach außen hin schlicht und verschlossen, nach innen hin offen, kunstvoll und oft überraschend großzügig. Auf diese Weise bieten Riads nicht nur Schutz vor der Hitze, sondern auch Privatsphäre. Heute sind viele dieser historischen Häuser liebevoll restauriert und zu kleinen Boutiquehotels umgebaut worden.

Innenhof eines Riads am Abend mit Beleuchtung und Pool in der Mitte
Das Riad Maison Bleue liegt direkt neben der Medina von Fès und ist der perfekte Rückzugsort © Lucy Binder

Einen traditionellen Kochkurs machen

Ein Kochkurs gehört zu den authentischsten Erlebnissen in Fès. Nicht nur, um die marokkanische Küche kennenzulernen, sondern auch, um den Alltag vor Ort besser zu verstehen. Typischerweise beginnt ein solcher Kurs nicht in der Küche, sondern auf dem Markt. Gemeinsam mit dem Gastgeber oder Guide geht es zu kleinen Ständen in der Nähe, wo frische Zutaten eingekauft werden. Dabei lernt man ganz nebenbei, worauf es bei Gewürzen, Gemüse und Fleisch ankommt und wie Einheimische ihre Einkäufe erledigen. Tipp: Ein Kochkurs im Gästehaus „Dar Sunrise“. Nach einer Tasse traditionellem Minztee sucht man sich unterschiedliche Gerichte aus der marokkanischen Küche aus – von Tajine mit Hähnchen und eingelegter Zitrone über Fleischbällchen in Tomatensauce bis hin zu vegetarischen Varianten oder süßer Pastilla. Anschließend geht es auf den Markt und danach an die Zubereitung. Am Ende wird gemeinsam gegessen – typisch marrokanisch an einem großen Tisch.

Ein Kochkurs beginnt oft mit einem Einkauf in der Medina – wo frische Zutaten direkt von Händler:innen gekauft werden © Lucy Binder

Weitere Tipps für Ihre Reise nach Fès

Die beste Reisezeit für Fès ist das Frühjahr (März bis Mai) und der Herbst (September bis November), wenn die Temperaturen angenehm zwischen 20 und 30 Grad liegen. Im Sommer kann es sehr heiß werden, während die Wintermonate mild, aber teilweise überraschend kühl sind. Gezahlt wird in marokkanischen Dirham, Bargeld ist vor allem in der Medina unerlässlich, da Karten oft nicht akzeptiert werden.

In der Altstadt gilt: bequeme, geschlossene Schuhe tragen und sich Zeit nehmen – die Gassen sind uneben und verwinkelt. Respektvolle Kleidung (bedeckte Schultern und Knie) ist empfehlenswert, besonders in religiösen Vierteln. Orientierung ist nicht immer einfach, daher kann eine geführte Tour zu Beginn hilfreich sein. Außerdem wichtig: Handeln gehört zum Alltag dazu, ebenso wie ein freundlicher Umgangston – ein Lächeln und ein „Salam“ öffnen hier oft mehr Türen als alles andere.

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