Sie ist Tänzerin, Model, Schauspielerin, und ab dem 6. Januar mit der Serie „Der Palast“ im ZDF zu sehen. Marie Claire hat Multitalent Taynara Silva-Wolf zum Interview getroffen.
Mit Castings war Taynara Silva-Wolf bestens vertraut, als sie sich für die Rolle der Showtänzerin Karla in „Der Palast“ bewarb. Schließlich hatte sie es 2016 in einer von Deutschlands berühmtesten Casting-Sendungen unter die besten 5 geschafft und seitdem viele Jahre gemodelt. Doch diesmal kam es nicht darauf an, wie gut sie in High-heels laufen konnte; es kam darauf an, wie gut sie darin tanzen konnte – zum Glück kann sie es ziemlich gut.
Wobei ihre Technik dem Publikum wahrscheinlich sowieso erst beim zweiten oder dritten Blick auffallen dürfte. Denn wenn die 28-jährige Halbbrasilianerin vor der Kamera steht, strahlt sie eine solche Freude und Sorglosigkeit aus, dass man kaum den Blick abwenden kann. Und genau diese Präsenz ist essenziell, wenn man auf einer Bühne wie der des Berliner Friedrichsstadtpalastes glänzen will.
Auf dieser weltberühmten Bühne, sowie hinter ihren Kulissen, spielt die ZDF-Event-Serie „Der Palast“. Mit durchschnittlich 6,5 Mio. Zuschauer:innen wurde die erste Staffel 2022 zum Hit. Von 6.-8. Januar zeigt das ZDF die zweite Staffel der Serie nun als Dreiteiler, jeweils um 20:15 Uhr.
Im Interview mit Marie Claire verrät Hauptdarstellerin Taynara Silva-Wolf, wie sie sich die Rolle erkämpft hat und warum ihr die Dreharbeiten so viel bedeutet haben.
Berlin 1990. Die Mauer ist gefallen und für einen kurzen Moment wird die ehemals geteilte Stadt zu einem Ort der unbegrenzten Möglichkeiten. Eine neue Generation ambitionierter junger Tanz-Stars betritt die Bretter, die die Welt bedeuten: Luise (Lary Müller), Lukas (Lukas Brandl) und Karla (Taynara Silva-Wolf) schaffen es unter der strengen Leitung der Ballettdirektorin Regina Feldmann (Jeanette Hain) ins Palast-Ensemble. Im Friedrichstadtpalast tanzt das Ensemble jedoch vor halb leerem Zuschauerraum.
Couragiert versucht Regina die legendäre „Kickline“ wieder aufzustellen und gleichzeitig den Plänen des westdeutschen Intendanten Gerd Kolberg (Benno Fürmann) zu trotzen. Während Karla mühelos glänzt, muss Luise hart trainieren, um unter den strengen Augen der Ballettdirektorin zu bestehen. Ihr Bruder Lukas hingegen sieht sich mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert. In einer Zeit des Umbruchs muss sich der Palast – einst die größte Showbühne der Welt – neu beweisen.
„Der Palast“ spielt zur Wendezeit im Berliner Friedrichsstadtpalast und begleitet die Tänzer:innen einer Revue. Bild: Nadja Klier / ZDF
Marie Claire: Sie sind im Westmünsterland aufgewachsen – war Ihnen der Friedrichsstadtpalast vor dem Casting ein Begriff? Was wussten Sie über seine Geschichte?
Taynara Silva-Wolf: Ich wusste nichts über die Geschichte des Hauses, aber jedes Mal wenn ich in Berlin war, habe ich die Werbeposter für die Shows gesehen und die Frauen in ihren Kostümen sehr bewundert. Dass ich selbst einmal mit den Tänzerinnen des Friedrichstadtpalastes auf der Bühne stehen würde und eine von ihnen spielen würde, hätte ich natürlich nicht gedacht.
Marie Claire: Inwieweit hat Ihnen Ihre Erfahrung als Samba-Tänzerin bei der Vorbereitung geholfen?
Taynara Silva-Wolf: Was ich mitbringen konnte, war die Ausstrahlung und den Spaß am Tanzen, aber was die Technik angeht, musste ich mich komplett umstellen. Um mit den Show-Choreografien der Serie mitzuhalten, musste ich mehrere Monate lang richtig Gas geben und mich in Ballett und Showtanz einarbeiten. Vor allem die Kickline war eine große Herausforderung. Ich kann auf jeden Fall sagen: Ich war noch nie so fit, wie während der Dreharbeiten.
Marie Claire: Das Tanzen haben Sie mit Ihrer Figur, Karla, gemeinsam. Welche Unterschiede zwischen ihnen, haben Sie an ihr gereizt?
Taynara Silva-Wolf: Karla hat eine Unbeschwertheit, die ich sehr bewundere. Sie macht sich keine Sorgen darüber, was andere von ihr halten und spricht aus, was sie denkt. Für eine Zeit in die Rolle einer so coolen Socke schlüpfen zu können, hatte für mich etwas sehr befreiendes, denn ich bemühe mich schon sehr, nicht anzuecken.
Entscheiden sich für Freundschaft statt Rivalität: Karla (Taynara Silva-Wolf, l.) und Luise (Lary Müller, r.). Bild: Hannes Hubach / ZDF
Marie Claire: „Der Palast“ ist ein historisches Drama. Gibt es eine Epoche, die Sie besonders interessiert?
Taynara Silva-Wolf: Das Mittelalter und die Kolonialzeit faszinieren mich sehr, allerdings weniger aus historischer Perspektive als aus ästhetischer. Wenn ich könnte, würde ich wahnsinnig gerne mal ein Projekt drehen, das im 17. Jahrhundert spielt – am liebsten etwas in Richtung „Fluch der Karibik“.
Marie Claire: Sie sind Tänzerin, Schauspielerin und Model – was war das anspruchsvollste Casting Ihrer bisherigen Laufbahn?
Taynara Silva-Wolf: Definitiv „Der Palast“. Wir mussten mehrere Runden durchlaufen, um uns sowohl spielerisch als auch tänzerisch beweisen. Und die Konkurrenz war extrem stark. Am härtesten fand ich das Casting im Palast selbst, zu dem viele professionell ausgebildete Tänzer erschienen sind – Balletttänzer und Musicaldarsteller auf der einen Seite, und ich Hobbytänzerin auf der anderen Seite. Als ich gesehen habe, wie sie angefangen haben, ihre schönen Figuren zu tanzen, dachte ich mir kurz: Was mache ich hier eigentlich? Da wusste ich, dass ich hart um diese Rolle kämpfen muss.
Marie Claire: Wie genau lief das Casting ab?
Taynara Silva-Wolf: Zum ersten Vortanzen mussten wir uns selbst eine Kür ausdenken. Da meine Mama Tanzlehrerin ist, hat sie zum Glück eine für mich entworfen, die am Ende sogar in die Serie eingebaut wurde – meine Mama hat sich so gefreut! Später haben wir dann eine Choreografie zum Einstudieren bekommen, die ich anhand von Videoaufnahmen gelernt habe; auch das war ziemlich knifflig. Und dann mussten wir auch noch mehrere Tänze improvisieren. Beim letzten Casting habe ich nochmal alles gegeben: Ich habe mich auf den Boden geschmissen und herumgerollt. Meine Beine waren am nächsten Tag blau und wund, aber der Einsatz hat sich gelohnt.
Zwischen Karla (Taynara Silva-Wolf) und Lukas (Lukas Brandl) knistert es nicht nur auf der Bühne. Bild: Nadja Klier / ZDF
Marie Claire: In allen Ihren Tätigkeitsbereichen spielt Bühnenpräsenz eine entscheidende Rolle. Haben Sie Tipps für Menschen, die ihren Ausdruck verbessern wollen?
Taynara Silva-Wolf: Lernt Tanzen! Im Ernst: Bevor ich mit dem Tanzen angefangen habe, war ich ein eher schüchternes Kind, aber der Tanzunterricht hat mich aus mir selbst rausgeholt und mich selbstbewusster gemacht. Meine Tanzlehrerin hat immer gesagt: „Brust raus, Nase hoch, Schulterblätter zusammen und Strahlen!“ Und auch abseits der Bühne kann es viel bewirken: Tanzen schult das Gefühl für den eigenen Körper und verbessert die Haltung.
Marie Claire: Man sagt, manche Menschen werden besser durch Kritik, andere durch Lob – wie sieht es bei Ihnen aus?
Taynara Silva-Wolf: Früher habe ich Kritik sehr persönlich genommen und sie oft als unfair empfunden. Heute sehe ich sie eher als Chance. Ich denke weiterentwickeln kann man sich nur durch Reibung und Feedback. Gleichzeitig freue ich mich sehr über Lob – gerade beim Drehen motiviert es mich, mein Niveau zu halten und hilft mir, mich zu konzentrieren.
Marie Claire: Sie haben 2016 an der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ teilgenommen. Wofür sind Sie dankbar, wenn Sie an diese Zeit zurückdenken?
Taynara Silva-Wolf: Für mich stand immer fest, dass ich Schauspielerin werden möchte und „GNTM“ hat mir in der Branche einige Türen geöffnet. Ich bin mir zwar sicher, dass ich meinen Weg so oder so gegangen wäre, aber „GNTM“ war eine willkommene Abkürzung. Außerdem habe ich durch die Sendung viel darüber gelernt, wie eine TV-Produktion funktioniert. Es war mir eine gute Film und Fernsehschule.
Als der Senat über die Schließung des Palastes abstimmen will, überrascht das Ensemble mit einer Performance im Ministerium. Bild: ZDF
Marie Claire: „Der Palast“ zeigt unter anderem, wie Ost-Berlin nach dem Mauerfall zum Hub für Künstler und Alternative wurde. Wo fühlen Sie sich besonders frei und kreativ?
Taynara Silva-Wolf: Als Kind vom Land dachte ich früher immer, in einer großen Stadt zu leben, bedeutet Freiheit. Dass man dort im Chaos des Alltags in Anonymität verschwinden kann. Aber je älter ich werde, desto wohler fühle ich mich auf dem Land. Ich brauche Kühe und Hühner um mich und der Anblick weiter Felder beruhigt mich wahnsinnig. Das ist für mich Freiheit. Dadurch, dass ich beruflich viel Zeit in Städten verbringe, kann ich glücklicherweise die Vorteile beider Welten genießen.
Marie Claire: Welche Mauern wollen Sie 2025 einreißen?
Taynara Silva-Wolf: Die gedanklichen Mauern in meinem Kopf. Ich möchte nicht für andere leben und mich verstellen, um gemocht zu werden, sondern mich frei bewegen und frei reden. Ich habe das Gefühl, dass ich in letzter Zeit immer mehr erkenne, was mir gefällt, was mir gut tut und wer ich eigentlich bin. Jetzt ist es Zeit, zu mir zu stehen. Ich schätze ich bin dabei, meine Seelenfrequenz zu finden.
Staffel 2 des historischen Dramas „Der Palast“ wird ab 6. Januar im ZDF ausgestrahlt. In der Mediathek sind alle Folgen bereits verfügbar.
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