Empowerment statt Ego: Clara Crombach über den Führungsstil der Zukunft

Business as usual? Nein, danke! Die zertifizierte Trainerin Clara Crombach bietet mit ihrem Buch „New Leadership to go – Warum Führung ein Update braucht“ einen Leitfaden für moderne Führungsskills. Im Interview mit Marie Claire verrät sie, was gute Chef:innen ausmacht, wie man es an die Spitze schafft und warum dabei Empathie wichtiger ist als Erfahrung.

Porträtfoto von Coachin und Organisationsentwicklerin Clara Crombach im fliederfarbenen Blazer
Ihr umfangreiches Praxis- und Fachwissen gibt Business-Expertin Clara Crombach in ihrem neuen Buch weiter. Foto: © PR

Take-aways für innovatives Leadership

Was bedeutet moderne Führung wirklich? Clara Crombach weiß, woran viele Führungskräfte scheitern – und wie es besser geht. Schließlich zählt die zertifizierte Coachin, Organisationsentwicklerin, Speakerin und Gründerin der Beratungsagentur cc.creation zu den gefragtesten Stimmen, wenn es um moderne, empowernde Führung geht. Über 43.000 Menschen folgen ihr bereits auf LinkedIn, sie tritt in Podcasts, Panels und TV-Beiträgen auf und begleitet mit ihrem Team sowohl mittelständische Betriebe als auch große Konzerne in Transformationsprozessen. Ihr Ziel: Leadership neu denken – als Hebel für Motivation, Innovationskraft und nachhaltigen Erfolg.

Mit ihrem ersten Buch „New Leadership to go – Warum Führung ein Update braucht“ liefert sie praxisnahe Impulse für den Führungsalltag – von Generationenmanagement über Veränderungsprozesse bis hin zu Teamführung und Unternehmenskultur. Dabei ist Führung auf Augenhöhe für Clara Crombach ein zentraler Erfolgsfaktor. Im Interview mit Marie Claire spricht sie über die Skills, die für Führungskräfte heute entscheidend sind, über die Kraft der Kommunikation und den Mut, den eigenen Stuhl selbstbewusst am Tisch der Chefetage zu platzieren.

Clara Crombach im Gespräch mit Marie Claire

Marie Claire: Was hat Ihnen den Anstoß dazu gegeben, Ihr Buch „New Leadership to go“ zu schreiben, und welche Lücke möchten Sie damit in der vorhandenen Literatur schließen?

Clara Crombach: Ich bin viel im Bereich der Führungskräfteentwicklung unterwegs und habe dementsprechend auch schon einige Bücher gekauft und gelesen. Aber tatsächlich war es bisher immer so, dass ich die meisten Bücher überfordernd fand. Für mich, die sich täglich mit dem Thema beschäftigt, waren natürlich spannende Inhalte drin. Aber für diejenigen, die das eigentlich mal so nebenbei lesen sollten, fand ich es viel zu tief und zu lang. Ich habe mir gedacht: Es braucht etwas, das eher zum Querlesen einlädt, das inspiriert, ohne belehrend zu sein. Ich wollte ein Buch schreiben, das man nicht von der ersten bis zur letzten Seite lesen muss, um es komplett zu verstehen. Eines, bei dem man sich einzelne Teile rauspicken darf und sagen kann: Das ist gerade spannend für mich. So ist das Buch entstanden.

Cover von Clara Crombachs Buch „New Leadership to go – Warum Führung ein Update braucht“
Clara Crombachs Buch „New Leadership to go – Warum Führung ein Update braucht“ ist im BusinessVillage Verlag erschienen. Foto: © PR

Führung als Schlüssel zum Erfolg

Marie Claire: Was war Ihr ganz persönlicher Grund dafür, sich in Ihrer Arbeit als Autorin, aber auch als Coachin so intensiv mit dem Thema moderne Führung auseinanderzusetzen?

Clara Crombach: Wir alle wissen, dass Führung auf der einen Seite ein echter Positivhebel sein kann. Man geht gerne zur Arbeit, ist motiviert. Man kennt es aber auch von der anderen Seite – auch das haben wir wahrscheinlich alle schon mal erlebt: dass man eher mit Bauchschmerzen zur Arbeit geht, dass man das Gefühl hat, irgendwas stimmt nicht, irgendwas passt nicht, man ist nicht motiviert. Und leider ist dafür dann auch häufig die Führungskraft ein Teil des Grundes.

"Auf der einen Seite sind viele Führungskräfte davon überzeugt, dass sie eine super Arbeit machen, gleichzeitig kündigen viele wegen der Führungskraft."

Ich fand es spannend, dass immer noch so viele Menschen wegen ihrer Führungskraft kündigen – in einer Welt, in der wir einen demografischen Wandel erleben, in der es viel zu wenige Menschen gibt, die auf die offenen Stellen passen. Viele Führungskräfte sind davon überzeugt, dass sie eine super Arbeit machen, gleichzeitig kündigen viele wegen der Führungskraft. Das passt einfach nicht zusammen. Und ich sehe hier moderne Führung als Antwort: dass man sich auf Augenhöhe begegnet, dass alle Lust haben mitzuarbeiten, dass man bessere Ergebnisse erzielt. Das war der Grund, warum ich gesagt habe: Diesen Positivhebel muss man doch in viel mehr Unternehmen bringen, den müssen mehr Leute nutzen, um all diese Probleme, die sonst entstehen, ein Stück weit zu umschiffen.

Die Kunst, Leadership neu zu gestalten

Marie Claire: Sie zeigen in Ihrem Buch, dass gute Führung nicht kompliziert sein muss. Was sind für Sie die wichtigsten Grundpfeiler eines modernen Führungsstils?

Clara Crombach: Für mich ist es vor allem wichtig, authentisch zu sein. Also wirklich das mitzubringen, was man ohnehin schon in sich trägt – das ist das Wichtigste, um sich auf Augenhöhe zu begegnen. Ganz zentral ist für mich, dass Führung nicht aus Macht heraus passiert, nicht aus Statusdenken oder vielleicht wegen eines neuen Firmenwagens, den man im Zweifel bekommt. Das sollten nicht die Gründe sein. Führung ist für mich vielmehr eine Haltung – ein Mindset, das man verinnerlicht – und nicht in erster Linie irgendwelche Tools. Wenn man diese Haltung mitbringt, schafft man es, authentisch zu bleiben, auf Augenhöhe zu führen und die Menschen wirklich zu motivieren und zu empowern.

Natürlich spielen auch Kompetenzen wie Kommunikation, Empathie und andere Fähigkeiten eine wichtige Rolle. Aber entscheidend ist für mich: Man sollte die Führungskraft sein, die man sich vielleicht selbst einmal gewünscht hätte. Was dabei meiner Meinung nach ebenfalls sehr relevant ist, ist sich regelmäßig zu reflektieren. Die Führungskräfte, mit denen wir arbeiten, bekommen immer wieder Reflexionsfragen. Sich auch mal die unangenehmen Fragen zu stellen, macht in meinen Augen richtig gute Führungskräfte aus.

Clara Crombach plädiert für Teamplayer statt Einzelgänger

Marie Claire: Was sind die größten Fehler, die Führungskräfte machen können?

Clara Crombach: Man muss das vorher Gesagte eigentlich nur umdrehen. Wenn man Führung mehr für sich macht als für das Team, ist das für mich schon der erste Punkt, an dem man merkt, dass man wieder in diesem Machtgefühl drin ist. Klar, Führung ist eine Position, die in der Regel mit einem neuen Titel einhergeht, oft auch mit etwas mehr Gehalt. Das ist auch alles schön und gut – und soll auch so bleiben, denn es ist eine verantwortungsvolle Position. Aber es nur aus Statusgründen zu machen, ist in meinen Augen der falsche Anreiz.

Es gilt also, sich wirklich mal zu fragen: Aus welchen Gründen bin ich in einer Führungsposition? Und wenn man da schon für sich erkennt – das sind Macht- oder Statusgründe –, dann ist das ein Warnsignal. Schwierig wird es auch, wenn Menschen gar keine Empathie mitbringen und nicht wirklich Lust haben, sich auf ihr Gegenüber einzulassen. Denn am Ende ist Führung ein People-Business.

Challenges im Change-Management

Marie Claire: Mit Ihrer Agentur cc.creation beraten Sie Unternehmen und Einzelpersonen auf dem Weg zu einer modernen Führungskultur. Was sind dabei die Herausforderungen, die Ihnen am häufigsten begegnen?

Clara Crombach: Der demografische Wandel ist natürlich etwas, das man inzwischen auch sehr gut an Zahlen ablesen kann. Es wird einfach immer schwieriger, neue Talente zu finden. Und das ist meist der Auslöser, warum Unternehmen sagen: Wir müssen uns vielleicht doch mal das Thema Führung anschauen – denn bei uns kündigen so viele, und wir bekommen keine neuen Leute mehr. Das ist dann oft der erste Ansatzpunkt, warum wir überhaupt ins Unternehmen geholt werden. Und dort stoßen wir dann sehr häufig auf stark veraltete Muster, Führungsstrukturen, die sich über viele Jahre mitgezogen haben – die es heute eigentlich gar nicht mehr braucht, sehr autoritäre Führung, die überhaupt nicht mehr zu modernen Arbeitswelten passt.

Diese Muster sind tief in den Köpfen verankert, was dazu führt, dass junge Menschen dort nicht arbeiten wollen, dass viele kündigen – und letztlich auch dazu, dass dort niemand mehr führen möchte. Denn kein junger Mensch hat Lust, in so einer Kultur Führung zu übernehmen. Diese alten Muster aufzubrechen, ist dann natürlich nicht so einfach und erfordert Fingerspitzengefühl – denn letztlich braucht es einen umfassenden Change. Diesen versuchen wir dann peu à peu herunterzubrechen – in kleine, „snackable“ Einheiten, wie wir immer sagen –, damit die Menschen Lust darauf haben. Veränderung braucht Motivation. Und genau das ist meist mit die größte Herausforderung.

Clara Krombach geht unter die Oberfläche

Marie Claire: Welches Umdenken und welche konkreten Maßnahmen sind aus Ihrer Erfahrung erforderlich, um eine veraltete Führungskultur zu modernisieren?

Clara Crombach: In der Regel braucht es erstmal eine Analyse dieser alten Muster. Sind Macht- und Statusdenken vorhanden? Gibt es eine Kommunikation von oben herab, die überhaupt nicht auf Augenhöhe stattfindet, oder findet vielleicht sogar gar keine Kommunikation statt? Das sind die Symptome, die spürbar werden. Dann geht es im ersten Schritt darum, zu analysieren: Was ist eigentlich die Wurzel dahinter? Wir merken ganz häufig, dass viele Menschen, die auch im Bereich der Führungskräfteentwicklung unterwegs sind, erstmal versuchen, da irgendein vorgefertigtes Konzept zu moderner Führung oben draufzusetzen. Unserer Meinung nach, ist das allerdings überhaupt nicht nachhaltig. Denn wir sagen: Man muss am Kern ansetzt und die Wurzeln erkennen – und die sind nun mal sehr individuell.

Das heißt, wir analysieren zuerst sehr ausführlich. Wir führen Feedbackgespräche mit Führungskräften und Mitarbeitenden – vor allem mit den Mitarbeitenden, denn am Ende betrifft es sie am meisten. Sie können auch den wichtigsten Input geben. Daraufhin schauen wir dann ganz gezielt: Wie kann ein sehr individueller Fahrplan aussehen? Meist beginnt das damit, sich die Führungskräftekultur insgesamt anzuschauen, Feedbackkulturen zu beleuchten, Kommunikation zu hinterfragen, die Art und Weise von Führung insgesamt. Dabei tauchen in der Regel immer wieder ähnliche Themen auf – aber wir schauen ganz individuell: Was braucht es jetzt wirklich auf Basis dessen, was wir in der Analyse herausgefunden haben?

Porträtfoto von Coachin und Organisationsentwicklerin Clara Crombach im Rollkragen-Pullover
Mit ihrer Expertise hilft Clara Crombach Unternehmen dabei, eine zukunftsfähige Führungskultur aufzubauen. Foto: © PR

Persönliche Learnings der Leadership-Expertin

Marie Claire: Sie selbst haben sehr jung, mit Mitte 20 Ihre erste Führungsrolle übernommen. Welche Learnings haben Sie aus dieser Zeit für sich mitgenommen und welches Wissen von heute hätte Ihnen damals geholfen?

Clara Crombach: Ich glaube, mir hätte es damals geholfen zu wissen, dass ich sowieso nicht alles richtig machen kann – denn genau das probiert man ja oft. Heute weiß ich: Niemand kann perfekt führen. Und ich glaube, das hätte mir damals viel Ärger – auch mit mir selbst, viel Stress und vor allem Druck erspart. Was ich jungen Führungskräften immer mitgebe, ist: Probiert es einfach mal aus. Wenn ihr dabei authentisch bleibt, wenn ihr Empathie mitbringt und aus der richtigen Haltung, dem richtigen Mindset heraus führt, dann passt das schon. Alles andere kann man on top lernen – auch gemeinsam mit dem Team. Man darf ruhig sagen, dass man nicht alles perfekt kann.

Genau das habe ich auch in meiner ersten Führungsrolle sehr schnell lernen dürfen. Ich habe ein Team geführt, in dem einige deutlich älter waren als ich. Wie gesagt, ich war Mitte 20 – und für manche war es erst einmal schwierig, von einer deutlich jüngeren Person geführt zu werden. Ich glaube, ich hätte damals viel offener damit umgehen dürfen, das Thema mehr ansprechen können. Und genau das habe ich in der Rolle dann auch gelernt: zu sagen, ich bin vielleicht noch nicht so erfahren wie andere – und das ist völlig okay. Ich möchte niemandem die Welt erklären, aber das, was ich mitbringe, kann uns gerade bei den aktuellen Herausforderungen weiterhelfen. Diese Offenheit – auch im Umgang mit vermeintlichen Schwächen – und einfach auch das Team mit einzubinden, das habe ich aus dieser Zeit sehr stark mitgenommen.

So geht’s auf der Karriereleiter nach oben

Marie Claire: Welche Tipps würden Sie jungen Talenten geben, die gerne in eine Führungsposition aufsteigen möchten? Wie geht man den Karriereschritt am besten an?

Clara Crombach: Ich finde, das Wichtigste ist, es erst mal für sich selbst zu erkennen. Es ist ja häufig so, dass man das Gefühl hat: Ich möchte führen. Dabei gebe ich den Leuten immer mit, sich zuerst zu fragen: Warum möchtest du eigentlich führen? Was genau steckt als Kern dahinter? Warum sagen Menschen: Das ist für mich eine spannende Rolle? Haben sie es bei den Eltern mitbekommen, sehen sie es bei Bekannten, bei Freund:innen? Das ist erstmal die Basis, für sich zu analysieren – warum möchte ich führen? Dann kann man schauen: Wo ist die passende Rolle dafür? Und ist Führung wirklich so, wie man sie sich vorstellt? Wenn man das alles für sich herausgefunden hat, sich vielleicht auch noch mal ausgetauscht hat, finde ich es ganz wichtig, dann auch mit der eigenen Führungskraft zu sprechen: Wie kann ich mich hier in der Rolle entwickeln? Welche Möglichkeiten habe ich?

„Wenn ihr Lust auf eine Führungsrolle habt, dann sagt es, sprecht es an und geht diesen Weg.“

Immer mehr Unternehmen – auch die, die wir begleiten – haben Young Leadership Programme, für die man sich auch schon vor der ersten Führungsrolle anmelden oder bewerben kann. So lernt man schon vorab einiges, was ich sehr wichtig finde – einfach um ein bisschen Sicherheit zu haben, bevor man in der Rolle ist. Einige Unternehmen, die wir begleiten, bieten auch so etwas wie eine Leadership-Rolle auf Probe an. Da gibt es die Möglichkeit, das einfach mal auszutesten. 

Aber wenn man das Thema nicht anspricht, nicht nachfragt, entstehen diese Chancen in der Regel auch nicht. Das heißt: mutig sein, das Thema ansprechen und dann einfach austesten. Denn egal, wie viel man vorher reflektiert – man findet erst in der Rolle heraus, ob man es kann oder nicht. Also ich gebe jungen Talenten immer mit: Wenn ihr Lust auf eine Führungsrolle habt, dann sagt es, sprecht es an und geht diesen Weg. Ihr lernt sowieso „on the job“ noch all das, was es dann wirklich dafür braucht.

Schlüsselqualifikationen für die Führungsetage

Marie Claire: Junge Mitarbeitende werden wegen Mangels an Erfahrung oft bei den Beförderungen in eine leitende Position übergangen. Welche Eigenschaften oder Skills zählen Ihrer Meinung nach mehr als Erfahrung für den Einstieg in die Führungsebene?

Clara Crombach: Für mich sind Empathie und die Authentizität, über die ich ja schon gesprochen habe, wirklich mit das Wichtigste. Denn das sind am Ende Dinge, die bringt man mit – oder eben nicht. Es gibt Menschen, denen fällt es super schwer, authentisch zu sein, und es gibt Menschen, denen fällt es leicht. Und die Menschen, denen es leichtfällt, sind in meinen Augen in der Regel auch die besseren Führungskräfte. Bei Empathie ist es genauso: Empathie können wir nur zu einem gewissen Teil lernen. Im besten Fall bringen wir sie schon mit. Deshalb ist das für mich viel wichtiger als irgendeine Erfahrung, die ich gesammelt habe. Wenn ich keine Empathie mitbringe, kann ich sie nicht lernen, egal wie viel Erfahrung ich schon habe.

„Kommunikation wird häufig unterschätzt, ist aber in meinen Augen wahnsinnig wichtig.“

Dann gibt es natürlich noch andere Themen, die gerade in unserer agilen Arbeitswelt extrem wichtig sind – wie gute, transparente Kommunikation. Unsere Welt ist so schnelllebig, und wenn wir da nicht klar, auf den Punkt und – auch hier wieder – empathisch kommunizieren können, geht die Menschlichkeit verloren, aber auch die Effizienz. Kommunikation wird häufig unterschätzt, ist aber in meinen Augen wahnsinnig wichtig. Ich bin auch der Meinung: Kommunikation kann man lernen – aber viele Menschen bringen das schon in jungen Jahren gut mit. Auch das ist also nicht unbedingt vom Alter abhängig.

Ein letzter Punkt, der in unserer agilen Arbeitswelt super wichtig ist: Innovationsfähigkeit. Wie bereit bin ich als Führungskraft, innovative Wege zu gehen? Mein Team dazu zu bringen, neue Themen auszuprobieren? Ihm dabei ein gutes Gefühl zu geben? Auch das ist etwas, das jungen Menschen oft leichter fällt, weil sie noch mit einer frischeren Brille auf die Dinge schauen. Das bedeutet nicht, dass erfahrene Menschen das nicht genauso gut können. Aber manchmal fällt es Jüngeren eben ein Stück leichter, wenn sie frischer in die Führungsrolle reinkommen.

Clara Crombach über Hürden und Herausforderungen

Marie Claire: Gibt es typische Glaubenssätze oder Sorgen, die Mitarbeitende davon abhalten, in eine Führungslaufbahn einzusteigen?

Clara Crombach: Ich glaube, für viele sind es tatsächlich noch die alten Muster, die im Kopf verankert sind. Fragen wie: Kann ich hart genug auf den Tisch hauen? Kann ich Gehaltsgespräche führen? Das ist tatsächlich ein ganz häufiges Thema, was ich vorher nie gedacht hätte. Eine Frage, die ich oft höre, ist: Wie kann ich meinen Mitarbeitenden deutlich machen, dass sie keine Gehaltserhöhung bekommen? Manchmal sind es wirklich solche kleinen Dinge – schwierige Gespräche zu führen, kritische Themen anzusprechen, generell Kritik zu äußern, negatives Feedback zu geben. All das macht vielen Leuten Sorgen. Da sind wir wieder beim Thema Kommunikation, weil man das alles wunderbar durch gute Kommunikation lösen kann.

Aber für viele ist es auch so, dass sie in den Mustern, die es in einigen Unternehmen rund ums Thema Führung gibt, nicht führen wollen. Das heißt, wenn eine Führung vorgelebt wird, die überhaupt nicht zu den eigenen Werten oder zum eigenen Führungsverständnis passt. Das sind dann vielleicht nicht direkt Glaubenssätze, aber dennoch ganz klare Gründe, weshalb Menschen sagen: „Zumindest hier möchte ich keine Führungskraft sein.“ Deshalb ist es ganz wichtig zu verstehen, dass Führung nicht zwangsläufig so aussehen muss, wie sie aktuell im eigenen Unternehmen gelebt wird, sondern dass moderne Führung eigentlich das Schönste ist, was es geben kann, und super viel Spaß bringt – aber das ist natürlich etwas, das man erst einmal ein Stück weit selbst erleben muss.

Female Leadership im Fokus

Marie Claire: Welches Umdenken braucht es Ihrer Meinung nach, damit mehr Frauen den Sprung in die Führungsebene schaffen, und inwiefern können weibliche Perspektiven die Führungskultur von morgen bereichern?

Clara Crombach: Ich glaube, es braucht viel mehr Flexibilität und viel mehr Offenheit. Wenn wir uns die Unternehmensstrukturen anschauen, wer dort führt, dann sind das eben oft Männer, weil es so aus der Zeit heraus gewachsen ist. Unsere Gesellschaft funktioniert eher so, dass der Mann Zeit hat, im Zweifel auch mal über 40 Stunden die Woche zu arbeiten – und die Frau vielleicht eher nicht. Wenn wir jetzt mal stark die Schubladen aufmachen, ist das leider noch immer das Denken, das einige haben.

Wenn wir aber anfangen, andersherum zu denken und sagen: Wir wollen es diverser gestalten – auch im Hinblick auf Geschlechter –, dann gibt es wahnsinnig viele Studien, die belegen, dass Teams umso effektiver, erfolgreicher und innovativer sind, je diverser sie auch auf Führungsebene aufgestellt sind. Das bedeutet: Es braucht mehr Flexibilität – zum Beispiel, dass sich eine Frau nicht immer zwischen Kind oder Karriere entscheiden muss. Diese klassische Frage halte ich für völligen Quatsch. Natürlich kann genauso gut beides funktionieren.

„Die Frauen selbst wissen am besten, was sie brauchen, um gut führen zu können.“

Es geht darum, zu schauen: Wie kann ich Eltern – und da bewusst immer Mütter und Väter mitgedacht – ermöglichen, auch in Teilzeit oder mit weniger Stunden eine Führungsrolle zu übernehmen? Was ich immer problematisch finde, ist, wenn man sagt: Wir trennen Frauen und Männer komplett und fördern jetzt nur noch „Female Leadership“. Das macht das Thema oft noch größer, weil das bei den Männern nicht gut ankommt. Das heißt, man sollte immer beide Elternteile mitdenken und schauen, wie kriegen wir das gemeinsam gut hin. Denn wir haben nichts davon, wenn eine Frau besonders flexibel sein muss, der Mann aber weiterhin 60 Stunden pro Woche arbeitet. Alle müssen mitgedacht werden.

Und wichtig ist auch, mit den Menschen zu reden. Das ist doch das Spannendste. Die Frauen selbst wissen immerhin am besten, was sie brauchen, um gut führen zu können. Die Muster, die es heute in der Führung oft noch gibt, sind in der Regel männlich geprägt. Und bei dem, wie es manchmal in Meetings zugeht, wenn dort überwiegend Männer als Führungskräfte sitzen – kann ich gut verstehen, dass viele Frauen schlicht keine Lust haben, daran teilzunehmen. Auch da gilt es, Strukturen anzupassen, die Art und Weise, wie miteinander umgegangen wird, zu hinterfragen und offener zu werden. Und dann zeigen sich die Vorteile, die diverse Führung mit sich bringt, oft ganz von allein.

Clara Crombach macht Mut zum Vorangehen

Marie Claire: Wir bei Marie Claire wollen Frauen und ihnen Themen eine Plattform bieten. Was möchten Sie unseren Leser:innen zum Schluss gerne mit auf den Weg geben?

Clara Crombach: Wenn das Thema Führung für die Leser:innen spannend ist – oder wenn sie vielleicht sogar schon in einer Führungsrolle sind –, dann möchte ich auf jeden Fall eine große Portion Mut mitgeben. Denn ich weiß, dass Führung als junge Person, aber auch als Frau – und als junge Frau sowieso – nicht immer leicht ist. Es ist eben ein Bereich, der leider immer noch sehr männerdominiert ist.

Aber ich glaube, wir haben es selbst mit in der Hand, das umzugestalten – und gerade dieser teilweise noch sehr männerlastigen Welt zu zeigen, wie schön das Leben ist, wenn es ein bisschen diverser wird. Dafür muss man sich aber manchmal auch selbst den Stuhl mit an den Tisch ranziehen – und das braucht eben ein bisschen Mut. Das heißt: Auch wenn die Tür vielleicht mal bewusst geschlossen wird hinter den Männern – einfach mit reingehen, sich selber den Stuhl dazuholen. Mutig zu sein ist, glaube ich, das Beste, was ich mitgeben kann – und es ist auf jeden Fall auch das, was mich auf dahin gebracht hat, wo ich heute bin. Es macht am Ende auch einfach total viel Spaß, wenn man mit am Tisch sitzen kann.

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