„Corpus Delicti“ ist der Must-See-Film im Oktober

Wie viel Freiheit sind wir bereit aufzugeben, um uns sicher zu fühlen? Das ist die zentrale Frage in „Corpus Delicti“, einer neuen Science-Fiction-Dystopie mit Damian Hardung und Hannah Herzsprung in den Hauptrollen. Warum man die Romanverfilmung auf keinen Fall verpassen sollte. 

hannah herzsprung in corpus delicti
Hannah Herzsprung in "Corpus Delicti", ab 1. Oktober im Kino. Bild: Leonine

Darum muss "Corpus Delicti" auf Ihre Watchlist

Juli Zehs dystopischer Science-Fiction-Roman „Corpus Delicti“ gehört mit über einer Million verkaufter Exemplare zu den meistgelesenen deutschsprachigen Büchern der Gegenwart. Nun dient der Bestseller als Vorlage für einen hochspannenden Spielfilm von Regisseurin Lena Stahl, die den Stoff nach ihrem eigenen Drehbuch für die Leinwand adaptiert – als packendes Krimirätsel mit einer hochaktuellen Auseinandersetzung über Freiheit, Wahrheit und die Macht technologischer Systeme.

Davon handelt "Corpus Delicti"

In einer nahen Zukunft verspricht die sogenannte „Methode“ Gesundheit, Sicherheit und ein optimiertes Leben für alle. Grundlage dieses Systems ist die lückenlose Erfassung und Auswertung sämtlicher Daten – ein Konzept, das den Anspruch erhebt, unfehlbar zu sein. Doch als ein Mord die Gesellschaft erschüttert, gerät dieses scheinbar perfekte System ins Wanken. Die DNA-Beweise scheinen den Täter zweifelsfrei zu überführen, doch dessen Schwester Mia Holl (Hannah Herzsprung) glaubt unbeirrt an seine Unschuld.

Für die Wissenschaftlerin beginnt damit ein gefährlicher Kampf gegen ein System, das keine Zweifel zulässt. Während ihr Bruder Moritz (Damian Hardung) des Mordes angeklagt wird, sucht Mia verzweifelt nach der Wahrheit. Wem kann sie noch vertrauen? Ihrer Kollegin Christiane (Haley Louise Jones), dem Pflichtverteidiger ihres Bruders (Christian Friedel) oder dem charismatischen Journalisten Kramer (Alexander Fehling)? Je tiefer sie gräbt, desto mehr gerät sie selbst ins Visier der Behörden. So wird aus der Suche nach Gerechtigkeit bald ein erbitterter Kampf gegen eine Gesellschaft, in der Kontrolle über Freiheit steht und Individualität zur Bedrohung wird.

damian hardung in corpus delicti

Hauptdarsteller Damian Hardung studiert selbst Medizin. Bild: Leonine

Das macht den Film so relevant

Die Geschichte von „Corpus Delicti“ mag dystopisch sein, doch das faszinierende Zukunftsbild, das Juli Zeh und Lena Stahl entwerfen, ist gerade deshalb so beklemmend, weil es viele Fragen berührt, mit denen wir uns bereits in der Gegenwart befassen. Wie sehr können, wollen oder sollten wir Entscheidungen, die unser Leben betreffen, in die Hände von Dritten geben, sei es in die Hände einer Regierung oder in die Hände einer Technologie. Wie viel persönliche Freiheit sind Menschen bereit aufzugeben, wenn ihnen dafür Sicherheit und Gesundheit versprochen werden? Und wie sehr sind wir vielleicht auch bereit, unser Ego zum Wohle der Gemeinschaft zurückzustellen?

Mehr noch: In der Welt von „Corpus Delicti“ sind allen Menschen Chips implantiert worden, auf denen hochsensible und persönliche Daten gespeichert sind, von Bewegungsprofilen über Ernährung und Blutwerte bis hin zu Bankdaten – eine Zukunftsvision, von der wir heute dank Smartphones, Fitnessuhren und Gesundheitsapps gar nicht so weit entfernt sind. 

Diese Stars sind mit dabei

Hannah Herzsprung („Traumfrauen“) als Mia Holl

Mia arbeitet als Neurologin für die Methode, die als unfehlbar gilt und den Menschen ein Leben ohne Krankheit und eine sichere und gewaltfreie Welt beschert. Die Kehrseite der Medaille ist eine mithilfe eines implantierten Chips eingeforderte Rundumüberwachung des psychischen und physischen Zustands eines jeden einzelnen und ein von Drohnen überwachter Alltag auf den Straßen. Als ihr Bruder festgenommen wird und die Beweislage aufgrund von DNA-Spuren eindeutig erscheint, kommen Mia jedoch Zweifel an der Unfehlbarkeit des Systems.

Damian Hardung („Maxton Hall“) spielt Moritz Holl

Hardung, der seit 2018 Medizin studiert, hat die Rolle bereits 2022 auf der Theaterbühne in Köln verkörpert. Moritz lebt als Freigeist, der die Regeln der Methode missachtet. Er verlässt regelmäßig die staatlich vorgegebene Hygienezone und will Mia etwas von diesem freien Leben zeigen. Als er der Vergewaltigung und des Mordes an einer jungen Frau beschuldigt wird, erweist sich diese Systemrebellion jedoch als fatal.

Haley Louise Jones („KRANK Berlin“) spielt Christiane Bülow

Christiane Bülow arbeitet mit Mia Holl am Projekt „Braincore“, mit dessen Hilfe man die Gedanken von  Menschen auslesen kann. Weil Mia das System mit ihren Zweifeln direkt angreift, und sie damit in Gefahr bringt, nimmt sie jedoch Abstand von ihrer Kollegin.

Christian Friedel („The Zone of Interest“) als Lutz Rosentreter

Lutz Rosentreter ist der Pflichtverteidiger von Moritz Holl. Obwohl er als Beamter im direkten Dienst des Überwachungsstaats steht, scheint er kein wirklicher Befürworter dessen zu sein. Kann der resignierte Jurist angesichts von Mias Kampfgeist neuen Mut fassen, am System zu rütteln?

Alexander Fehling („Goethe!“) spielt Heinrich Kramer

Heinrich Kramer ist Herausgeber der Methoden-eigenen Publikation Der gesunde Menschenverstand. Er tritt in Mias Leben, weil er über den Fall Moritz Holl schreiben will, der das ganze Land beschäftigt. Aufgrund seiner sehr persönlichen Verbindungen zur Methode bleibt er jedoch lange Zeit undurchsichtig. 

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Wieviel Freiheit sind wir bereit für absolute Sicherheit aufzugeben? Bild: Leonine

Die Hintergründe von "Corpus Delicti"

„Corpus Delicti“ ist ein philosophisch und politisch komplexes Gedankenspiel und das nicht zuletzt aufgrund der Haltung von Julie Zeh, die die Romanvorlage bereits 2009 veröffentlichte. 

Zeh ist nämlich nicht nur Autorin, sondern auch ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht Brandenburg. Obwohl sie nicht grundsätzlich gegen staatliche Ordnung oder Gesundheitsschutz argumentiert, hat sie als Richterin diverse Entscheidungen der Bundesregierung kritisiert, die ihrer Meinung nach zu sehr in die individuelle Freiheit des Menschen eingreifen – darunter die Einführung des biometrischen Reisepasses. 

Des Weiteren sprach sie sich gegen die Lockdowns während der COVID-19-Pandemie sowie eine allgemeine Impfpflicht aus und zog Parallelen zu den Themen ihres Romans. Mehrere Wissenschaftler:innen und Verfassungsrechtler:innen kritisierten Zeh für diese Haltung scharf.

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