Berlin Fashion Week Herbst/Winter 2026/27: Das waren die Highlights

Von Jungdesigner:innen bis hin zu Top-Labels: Die Berlin Fashion Week Herbst/Winter 2026/27 zeigte sich in dieser Saison experimentierfreudig, international und vielseitig. Besondere Formate, große Namen, Comebacks und neue Stimmen machen deutlich, warum Berlin als progessive Modemetropole gehandelt wird. Hier kommen die Highlights.

Die Berlin Fashion Week fand vom 30. Januar bis 02. Februar 2026 statt. Das waren die Highlights (hier: Marc Cain, Haderlump Atelier Berlin, GmbH). Fotos: Courtesy of Marc Cain, James Cochrane for Berlin Fashion Week, Finnegan Koichi Godenschweger for GmbH
Die Berlin Fashion Week fand vom 30. Januar bis 02. Februar 2026 statt. Das waren die Highlights (hier: Marc Cain, Haderlump Atelier Berlin, GmbH). Fotos: Courtesy of Marc Cain, James Cochrane for Berlin Fashion Week, Finnegan Koichi Godenschweger for GmbH

Das war die Berlin Fashion Week Herbst/Winter 2026/26

Mit den Herbst/Winter 2026/27 Modenschauen bewies die Berlin Fashion Week einmal mehr ihre bemerkenswerte Fähigkeit zur ständigen Neuerfindung. Besonders deutlich wurde das in den vielfältigen, bewusst kuratierten Formaten, die Mode weit über den klassischen Laufsteg hinaus inszenierten. Den Auftakt machte das PLATTE NEXT Gen Pop-up, begleitet von einer von Sven Marquardt kuratierten Ausstellung. Gezeigt werden die Arbeiten fünf aufstrebender Designer:innen, die noch bis zum 14. Februar öffentlich zugänglich sind.

Im RAUM.Berlin des Fashion Council Germany präsentierten Designer:innen wie Marie Lueder, Maximilian Gedra und Selva Huygens ihre Kollektionen in Form einer Modeinszenierung. Auch Musik spielte eine große Rolle: Live-Acts begleiteten Shows wie die von Haderlump Atelier Berlin, Impari, Marc Cain und Danny Reinke.

Von Berlin in die weite Welt

Internationalität prägte die Woche ebenso deutlich: Einkäufer:innen, Redakteur:innen aus renommierten Modemagazinen weltweit, Hollywood-Stars Kelly Rutherford und Jerry Hall  sowie Content Creator:innen wie Dylan Kelly und Xenia Adonts sorgten für globale Aufmerksamkeit.  Gleichzeitig setzte die Berlin Fashion Week ihr Engagement für afrikanische Mode dort. In dieser Saison waren Orange Culture (Nigeria), BUZIGAHILL (Uganda) und Kenneth Ize (Nigeria) Teil des Programms.

Den Abschluss der viertägigen deutschen Modewoche bildete das „Intervention“-Showcase, welches (inter-)nationalen Top-Labels wie GmbH, Kenneth Ize, DAGGER, BUZIGAHILL und John Lawrence Sullivan, einen Laufsteg bot – in dieser Saison im ehemaligen Heizkraftwerk Berlins.

Frischer Wind in Berlin

Berlin gilt als besonders offen für neue Talente. Und so feierten auch in dieser Saison mehrere Labels ihr Laufstegdebüt im offiziellen Kalender der Berlin Fashion Week: Unvain, DAGGER, OBS, Sample030, Kenneth Ize und John Lawrence Sullivan. Für Thomas Hanisch war es ein Comeback: Nach längerer Auszeit meldete sich der Designer wieder zurück.

Hier kommen die Highlights der Berlin Fashion Week

Bei diesen Kollektionen lohnt es sich genauer hinzuschauen.

Haderlump Atelier Berlin

Seit der ersten Show im Rahmen der Berlin Fashion Week im Jahr 2023 steht Haderlump für eine avantgardistisch-urbane Ästhetik. Mit der Herbst/Winter 2026/27 Kollektion durchläuft das Berliner Label nun eine bewusste Weiterentwicklung hin zu einer neuen Ästhetik voller Raffinesse und Eleganz. Elegante Roben, drapierte Stoffe, präzises Tailoring und cleane Linien lassen erwachsene Streetwear entstehen. Auftritt: Madame und Monsieur Haderlump. Erstmals kommt Spitze zum Einsatz, kombiniert mit Leder, Denim und schwerer Wolle, ergänzt durch Taschen von Liebeskind. Schmuckstücke von Wempe setzen glanzvolle Akzente. Inspiriert von Marlene Dietrichs kompromissloser Unabhängigkeit entstehen kraftvolle Silhouetten im Spannungsfeld von Struktur und Bewegung. Dazu gehört auch die ikonische Marlene-Hose.

Fotos: James Cochrane

Ioannes

Die Herbst/Winter 2026/27 Kollektion markiert für Johannes Boehl Cronau das Ende einer Ära. Der Designer verabschiedet sich vom saisonalen Modekalender und denkt sein Label zukünftig als ganzheitliches Lifestyle-Projekt weiter (inklusive Möbel und Objekte). Für seine letzte klassische Kollektion greift er auf das eigene Archiv zurück und verwebt persönliche Erinnerungen mit Referenzen von seiner Mutter in Jil Sander der 90er bis hin zu Madonna. Bodycon-Dresses, Cut-outs, Drapierungen um die Taille und transparente Stoffe enthüllen die Form des Körpers, während strukturierte Mäntel, klares Tailoring und Leder Struktur geben. Die strengen Linien eines Zweiteileranzugs werden durch ein lässig über der Schulter drapiertes Cape aufgebrochen. Leder wird zu gebrannten floralen Motiven und handgefärbtem Kaschmir kombiniert, das Bralette zur Anzughose. Eine Ästhetk zwischen zurückhaltender Eleganz und leiser Provokation.

Fotos: James Cochrane

Marc Cain

Mit „Echo of Now“, dem Echo des Jetzt, brachte Marc Cain Mode und (Live-)Musik im Großen Aufnahmesaal des legendären Funkhauses Berlin auf dem Laufsteg zusammen. Die Looks der Herbst/Winter 2026/27 Kollektion reichten von hellen Designs à la Cloud Dancer (der Pantone-Farbe des Jahres) über Stricklooks im Ozelotmuster, erdigen Seventies-Vibes, mutige Farbmixe, Animal-Prints bis hin zum elegantem Marc Cain Glam Finale. Ergänzt wurden die Looks durch Pillbox-Hüte im Jackie-O-Stil, Krawatten, Tüchern, großen Sonnenbrillen, Fake Fur in elektrisierenden Nuancen und langen Handschuhen. Taschen werden im kommenden Herbst/Winter laut Marc Cain am besten doppelt getragen. Zu Gast waren in dieser Saison unter anderem Model-Ikone Jerry Hall, ihre Tochter Elizabeth Jagger, Hollywood-Schauspielerin Kelly Rutherford, Sylvie Meis, Frauke und Nele Ludowig.

Fotos: Courtesy of Marc Cain

William Fan

Der in Deutschland mit asiatischen Wurzeln aufgewachsene Designer verbindet europäische und chinesische Einflüsse zu einem zeitlosen, genderunabhängigen Look. Für Herbst/Winter 2026/27 verfeinert William Fan den Layering-Look und zeigt, wie sich selbst Minusgrade absolut stilvoll meistern lassen. Der Schlüssel liegt in wandelbaren Pieces, die flexibel kombinierbar sind. Pufferjacken und lange Mäntel funktionieren wunderbar über Blazern, schimmernde Mäntel über Utility-Jacken und Kleider über Hosen. Zentrales Keypiece bleibt dabei die Outerwear – aus Fell, auffälligen Mustern, schimmernden Materialien, ergänzt durch um den Hals gebundene Schals oder Seidentücher. Auf dem Laufsteg zu sehen waren Persönlichkeiten wie Podcasterin Pati Valpati, Künstlerin Moshtari Hilal, Journalistin Susie Lau sowie DJane und Aktivistin Tülin Tekkal.

Fotos: James Cochrane

Balletshofer

Balletshofer entschied sich auf der Berlin Fashion Week für eine Präsentation der anderen Art und stellte die neue Kollektion in Form eines Kurzfilms in Kooperation mit Timberland vor. Auch für Popcorn und Drinks von Johnnie Walker Black Ruby wurde gesorgt.  „The Perfect Candidate“ inszeniert ein Bewerbungsgespräch als moderne Metapher für den Konflikt zwischen persönlicher Authentizität und gesellschaftlichen Erwartungen. Monochromer Corporate Core prägt die Looks entsprechend, wird jedoch subtil aufgebrochen: durch weiche Blousons, Hosen mit Knittereffekt, lässig aufgestellte Mantelkragen und Hemden mit Umschlagmanschetten kontrastieren. So wird Individualität selbst innerhalb formaler Büro-Codes sichtbar. Auf der Premiere sprach Stefanie Giesinger darüber, wie es war als eine der Hauptdarstellerinnen in eine andere Rolle zu schlüpfen. Dabei habe sie sich auch mit ihren eigenen Unsicherheiten auseinandersetzen und tief nach innen schauen müssen.

Sia Arnika

Zwischen Druckergeräuschen und dem schrillen Klingeln eines Telefons zerlegt Sia Arnika im sechsten Stock eines Bürogebäudes für Herbst/Winter 2026/27 klassische Officewear in ihre Einzelteile. Strenge Silhouetten lösen sich auf und verwandeln sich in fließende Kleider oder opulente Details. Hemden und Blazer werden dekonstruiert, mit Cut-outs versehen, zu fließenden Jerseys oder zu Micro-Shorts getragen. Leder, Pailletten, Mesh und hautenge Kleider verweisen zugleich auf die Codes der Abendgarderobe. Geht es vom Office in die Nacht oder vom Club zum Meeting? Sia Arnikas Office Siren bewegt sich mühelos zwischen den beiden Welten. Kein Wunder, dass Stars wie Kylie Jenner, Charli xcx und Tyla die Designs der in Berlin lebenden Dänin lieben.

Fotos: James Cochrane

rebekka ruétz

Entworfen für die „moderne Amazone“ steht rebekka ruétz elegante und zugleich extravagante Mode mit konsequent nachhaltigem Anspruch. Zentrales Element der in Deutschland produzierten und Österreich designten Look ist im Herbst/Winter 2025/26 echtes Moos – lebendig genauso wie vergänglich. Es steht für Zeit, Verfall, Erneuerung. Widersprüche wie diese ziehen sich durch die gesamte Kollektion. Drapierungen verschieben sich, Schnitte formen sich neu, Materialien reagieren miteinander. Rabenschwarz, Blutrot und mystisches Purpur werden von kalkigem Weiß kontrastiert. Deadstock, Recyclingstoffe, Tencil, Denim aus Biobaumwolle, Tiroler Loden und nachhaltige Spitze machen die Kollektion „Lilith“ zu einem Manifest weiblicher Vielschichtigkeit.

Fotos: Marcus Hartelt

SF1OG

Im Herbst/Winter 2026/27 lässt SF1OG zwei scheinbar gegensätzliche Welten aufeinandertreffen: die strenge Zurückhaltung des viktorianischen Zeitalters mit der derben Indie-Sleaze-Ästhetik der 2010er. Inspiriert von viktorianischer Trauerkleidung und den ungeschönten Paparazzi-Bildern aus der Ära Lohan, Winehouse & Co. kreist die Kollektion um Sichtbarkeit, Schutz und Verletzlichkeit. Leinen, Kaschmir, Leder und Seide verbinden sich mit Rüschen, Fransen und Fell. Karo, Low-Waist-Jeans und taillierte Napoleon-Jacken schärfen die Silhouette, schwarzes Augen-Make-up macht den Look komplett. Layering legt den Körper mal frei, mal hüllt es ihn vollständig ein. Am Ende bleibt die zentrale Frage: Wer sind wir, wenn uns niemand beobachtet?

Fotos: Tom Funke

John Lawrence Sullivan

John Lawrence Sullivan wurde 2003 von dem ehemaligen Profiboxer Arashi Yanagawa in Tokio als reine Herrenmodemarke gegründet. Heute erforscht die Brand mit präzisen Schnitten, markanten Silhouetten und starken Bezügen zu Kunst, Musik und Politik neue Ausdrucksformen von Geschlecht, Identität und Stärke – für Männer ebenso wie für Frauen. Er gab in dieser Saison sein Debüt auf der Berlin Fashion Week. Yanagawas Handschrift übersetzt japanische Textiltradition in eine moderne, bewusst kontrastreiche Ästhetik. Im Herbst/Winter 2026/27 zeigt sich diese in Form von präzisem Tailoring, Nieten-, Fransen- und Fischnetzdetails sowie distressed Strickpieces.

Fotos: Finnegan Koichi-Godenschweger for BFW

BUZIGAHILL

Mit seiner zwölften „RETURN TO SENDER“-Kollektion (Deutsch: zurück zum Absender), blickt Designer Bobby Kolade auf Ostafrika in den 60ern und 70ern zurück – eine Zeit, in der viele ostafrikanische Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten. Ausgehend von Fotografien seiner Großeltern und der Nostalgie jüngerer Generationen verbindet die Kollektion Vergangenheit und Gegenwart. Ausschließlich aus upgecycelten Secondhand-Textilien gefertigt, treffen postkoloniale Aufbruchsstimmung und Streetkultur wie die der Bodaboda-Fahrer aufeinander und verschmelzen zu lässige Silhouetten, Patchwork-Designs und Statement-Accessoires. Westliche Einflüsse zeigen sich in Trenchcoats, Schleifen und cleanem Tailoring, während ostafrikanische Referenzen durch Farbwahl, Capes und Fransen bemerkbar werden.

Fotos: Finnegan Koichi-Godenschweger

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