Workation – Leben und Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Meetings mit Meerblick, Mails zwischen Palmen, Brainstorming mit Blick auf den Sonnenuntergang – das klingt wie ein Pinterest-Traum, oder? Willkommen in der Realität der Workation! Der aus den Wörtern „work“ (Arbeit) und „vacation“ (Urlaub) gebildete Kunstbegriff Workation steht längst nicht mehr nur für digitale Nomaden und Influencer mit Laptop. Es ist zum Sinnbild einer neuen Arbeitskultur geworden, die Freiheit, Selbstverantwortung und Lebensqualität vereint.

 

Frau mit Sonnenhut und Laptop am Strand
Nehmen Sie Ihr Büro doch einfach mit an den Strand. Workation heißt die Zauberformel. Foto: Adobe Stock

Was bedeutet eigentlich Workation?

Workation – das klingt nach „Out of Office“, meint aber genau das Gegenteil. Bei Workation arbeitet man – nur eben nicht vom heimischen Schreibtisch, sondern an einem Ort, der normalerweise Urlaubsgefühle weckt. Ob Finca auf Mallorca, Apartment in Lissabon oder Hütte in den Alpen: Hauptsache, es gibt WLAN und Platz für den Laptop. Der Clou? Man bleibt produktiv und holt sich gleichzeitig frische Impulse aus neuen Umgebungen.

Dieses Modell ist nicht nur etwas für Selbstständige. Immer mehr Unternehmen öffnen sich für ortsunabhängiges Arbeiten, wenn auch unter bestimmten Bedingungen.

Sonnenschirm und zwei Sonnenliegen an Strand mit türkisblauem Wasser und blauem Himmel
Das Meer kann deutlich inspirierender sein als Büroräume in Deutschland. Foto: PR Bucuti

Warum immer mehr Menschen auf Workation setzen

Das Homeoffice hat gezeigt, dass Produktivität kein Büro braucht. Für viele ist die Workation der nächste logische Schritt. Sie ermöglicht einen Perspektivwechsel, mehr Motivation durch den Ortswechsel, eine bessere Work-Life-Balance und kulturellen Austausch. Vor allem kreative Berufe profitieren davon. Ein neues Umfeld kann Blockaden lösen, die Kreativität fördern und die Konzentration stärken. Wer zwischen den Videocalls ein paar Minuten barfuß am Strand spaziert, kehrt mit frischem Kopf an den Schreibtisch zurück.

Bin ich bereit für eine Workation?

Nicht jeder Mensch ist für das mobile Arbeiten im Ausland geeignet – und nicht jede Lebensphase eignet sich dafür. Wer sich jedoch selbst gut organisieren kann, diszipliniert genug ist, auch bei schönstem Wetter zu arbeiten, mit dem Arbeitgeber klare Vereinbarungen getroffen hat und sich selbst vertraut, auch ohne Team im selben Raum zu funktionieren, darf die Koffer schon fast packen. Wenn sie wissen, wann sie stummschalten müssen und wann sie das Wellenrauschen mit dem Team teilen dürfen, sind sie auf dem richtigen Weg.

Frau verschränkt die Arme und steht vor Skyline.
Fernweh nach einer Großstadt? Verbinden Sie es einfach mit Ihrem Job. Foto: Adobe Stock

Was muss ich mit dem Arbeitgeber klären?

Für Angestellte ist eine Workation nur mit Rückendeckung des Arbeitgebers möglich. Dabei sollten die wichtigsten Punkte schriftlich vereinbart werden: Arbeitszeiten und Erreichbarkeit – vor allem bei Zeitverschiebung – der Zeitraum der Workation (zum Beispiel zwei Wochen bis drei Monate), genutzte Kommunikationskanäle, der Umgang mit Firmen-Hardware und eine klare Rückkehrregelung. Wichtig ist auch, ob es sich rechtlich wirklich um eine Workation handelt oder um eine Entsendung ins Ausland. Letzteres hat arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Strand meets Steuerrecht: Was sie wissen müssen

So schön das Leben als digitaler Nomade klingt: Die Steuer denkt mit. Ob sie während ihrer Workation Steuern im Ausland zahlen müssen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören vor allem die Dauer des Aufenthalts – ab etwa 183 Tagen kann im Gastland eine Steuerpflicht entstehen – die Art der Tätigkeit und bestehende Doppelbesteuerungsabkommen. Kurzurlaube mit Laptop sind in der Regel unproblematisch. Wer aber plant, länger zu bleiben oder regelmäßig Workations durchzuführen, sollte sich rechtzeitig steuerlich beraten lassen – oder den Arbeitgeber ins Boot holen. Für Selbstständige gilt dasselbe: Bei einer Betriebsstätte im Ausland ist Vorsicht geboten.

Und was ist mit der Sozialversicherung?

Auch die Sozialversicherung darf nicht vergessen werden. Denn wer im EU-Ausland arbeitet, bleibt in der Regel in Deutschland versichert – sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. Wichtig sind dabei vor allem die A1-Bescheinigung, die Rückmeldung an die Krankenkasse und die Klärung mit der Rentenversicherung bei längeren Aufenthalten. Fehlt die A1-Bescheinigung, kann das bei Kontrollen zu Bußgeldern führen, insbesondere für Arbeitgeber. Deshalb ist es besser, einmal mehr nachzufragen.

Die besten Orte für ihre erste Workation

Sie sind überzeugt und bereit, sich an das Abenteuer Workation zu wagen? Hier sind ein paar besonders beliebte Orte und ihre Gründe:

Lissabon, Portugal
Hier trifft mediterranes Flair auf eine moderne Start-up-Mentalität. Lissabon bietet schnelles Internet, zahlreiche Coworking-Spaces und eine wachsende Community von Remote Workern. Zudem ist die Stadt günstig, freundlich und voller Kultur.

Wenn sie mehr über die portugiesische Hauptstadt und ihre Besonderheiten erfahren möchten: In unserem Beitrag zu Lissabon Geheimtipps zeigen wir ihnen, welche Ecken abseits der touristischen Pfade besonders inspirierend für ihre Workation sein können.

Madeira, Portugal
Eine Insel, die wie gemacht ist für Workation-Fans. Das Klima ist mild, die Landschaft atemberaubend und die Infrastruktur erstaunlich gut ausgebaut. Zudem sind viele Unterkünfte auf Langzeitaufenthalte spezialisiert.

Bali, Indonesien
Das ist ein Klassiker unter den digitalen Nomaden. Coworking-Spaces wie „Dojo” oder „Outpost” bieten nicht nur schnelle Verbindungen, sondern auch tägliche Networking-Möglichkeiten. Vorsicht: Bali kann süchtig machen!

Toskana, Italien
Zwischen Olivenhainen und Weinreben fällt die Arbeit leicht. Die kleinen Dörfer der Region verfügen über ein stabiles Netz, viel Ruhe und italienische Gastfreundschaft und sind somit perfekt für produktive Rückzüge geeignet.

Workation als Lebensmodell – oder doch nur Zwischenspiel?

Nicht alle möchten dauerhaft unterwegs sein. Für viele ist die Workation ein wertvoller Zwischenstopp, um neue Kraft zu tanken, die Perspektive zu wechseln oder den grauen Alltag hinter sich zu lassen. Doch selbst wenn sie nur wenige Wochen dauert, kann der Effekt nachhaltig sein. Es entstehen neue Kontakte, neue Ideen und ein neues Verhältnis zur Arbeit.

Die Welt ist zu schön, um sie nur in zwei Wochen Urlaub im Jahr zu erleben. Wer die Möglichkeit hat, sollte sie nutzen – mit Laptop, Neugier und einer Prise Fernweh.

Denn manchmal beginnt das nächste Kapitel des Berufslebens genau dort, wo andere Urlaub machen

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