Ich habe Freundschaft einen Monat lang wie eine Wellness-Routine behandelt – das ist passiert

Es ist offiziell: Freundschaften machen uns gesünder. Körperlich, emotional und in jeder Hinsicht kann ein guter Freundeskreis uns – ganz buchstäblich – das Leben retten. Glaubt mir: Ich habe das auf die harte Tour gelernt.

Drei Frauen sitzen von hinten eng beieinander und blicken aufs Meer
Gute Freundschaften tun gut. Foto: Melanie Kanzler/Unsplash

Als ich jünger war, bin ich mit meinen Freundschaften, das muss ich zugeben, eher nachlässig umgegangen. Das passiert schnell, wenn man glaubt, dass die anderen sowieso immer da sein werden. Ich habe die Zeit mit meinen Leuten zwar immer genossen, aber erst nach einem traumatischen Freundschaftsbruch Mitte zwanzig (wer das kennt, weiß Bescheid – der Schmerz ist echt) habe ich angefangen, meine Beziehungen zu den Menschen um mich herum wirklich zu überdenken. Und mir einzugestehen, wie selbstverständlich ich sie genommen hatte.

Ich kann mit Sicherheit sagen: Ich habe meine Lektion gelernt. Heute habe ich das Glück, die allerbesten Freundinnen und Freunde zu haben, die ich mir je hätte wünschen können. Manche kenne ich, seit wir als Knirpse zusammen in der Schule waren, andere habe ich über die Jahre bei der Arbeit, im Fitnessstudio oder vor dem Schultor kennengelernt, um nur ein paar Orte zu nennen. Ich habe meine treuen Ride-or-Dies, die keine Fragen stellen und mir helfen würden, eine Leiche zu verbuddeln (natürlich nur im übertragenen Sinne) – Menschen, die immer für mich da sind. Und ich nehme sie nie als selbstverständlich hin.

Trotzdem gibt es natürlich Phasen, in denen der Alltag übernimmt und ich meine Besties nicht so oft – oder nicht so intensiv – sehe, wie wir uns das alle wünschen würden. Die geplanten Abende kommen nie über den Gruppenchat hinaus, und die Chance, dass wir alle vor 2030 am selben Wochenende Zeit haben? Praktisch null. Kommen dann noch Kinder und Schulferien dazu, sind ehe man sich’s versieht Monate vergangen, ohne dass wir uns wirklich nah waren.

Wenn man es aber irgendwie hinbekommt, gibt es ziemlich solide wissenschaftliche Gründe, Freundschaften an die erste Stelle zu setzen. Studien zeigen, dass Freundschaften im Erwachsenenalter positiv mit dem Wohlbefinden zusammenhängen – und dass auch die Mühe zählt, die wir in den Erhalt unserer Freundschaften stecken (siehe diese Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 im Fachjournal Frontiers in Psychology). Faszinierend ist aber, dass die Vorteile damit noch nicht enden: Weitere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen starken Freundschaften und einem geringeren Sterberisiko, gesünderem Verhalten und einem niedrigeren Schlaganfallrisiko (siehe diese Studie im Fachjournal Epidemiology and Psychiatric Sciences).

Als ich also gebeten wurde, meine Freundschaften ein paar Monate lang wie eine Wellness-Routine zu behandeln, war ich sofort dabei. Wenn ich mir Zeit fürs Training, für nahrhaftes Essen und für erholsamen Schlaf nehmen kann (daran arbeite ich noch), warum sollte ich dann nicht auch die Zeit mit meinen Freunden ganz oben auf meine Wellness-Liste setzen?

Würde es mir spürbar etwas bringen, meine Freundschaften einen Monat lang wie eine Wellness-Routine zu behandeln? Scrollt weiter, um es herauszufinden. Und wenn ihr schon hier seid: Schaut euch die fünf wichtigsten Wellness-Lektionen an, die Em the Nutritionist gern früher gelernt hätte, lest, wie eine Gesundheitsredakteurin mit ihrer Gesundheitsangst kämpft, und entdeckt die einfachen Alltagsgewohnheiten, auf die Longevity-Forscher für gesundes Altern setzen.

Drei Frauen von hinten strecken vor einem Sonnenuntergang jubelnd die Arme in die Luft
Freundschaften werden zunehmend als Schutzfaktor für die Gesundheit diskutiert. Foto: Simon Maage/Unsplash

Wie hängen Freundschaft, Gesundheit und Wohlbefinden zusammen?

Es ist gut belegt, dass Einsamkeit eine der Hauptursachen für gesundheitliche Probleme ist. Studien zeigen, dass soziale Isolation sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit erheblich beeinträchtigt. Interessanterweise ist das auch tief in unserer Evolution verwurzelt.

„Aus evolutionärer Sicht ist der Mensch grundlegend ein soziales Wesen“, erklärt die beratende Psychologin Dr. Louise Goddard Crawley. „Den größten Teil unserer Geschichte über war die Zugehörigkeit zu einer Gruppe nicht einfach nur schön, sondern überlebenswichtig. Unser Gehirn und unser Nervensystem haben sich in diesem Kontext entwickelt. Das erklärt zum Teil, warum Verbundenheit so regulierend wirken kann – und warum Isolation wirklich schmerzhaft sein kann.“

Daraus folgt, dass Freundschaft das perfekte (wenn auch nicht das einzige) Gegenmittel ist. Freundschaft wird zunehmend als Schutzfaktor für die emotionale wie körperliche Gesundheit diskutiert – und auch Expertinnen und Experten unterstützen das voll und ganz.

„Die positiven Effekte von Freundschaft auf die Psyche haben wir alle schon erlebt“, sagt die psychiatrische Pflegefachkraft und Coachin Rosie Drage. „Ich fühle mich nach ein paar Stunden Quatschen mit meinen besten Freundinnen zehnmal besser. Aber es geht um mehr als nur das seelische Wohlbefinden. Ohne Freundschaften laufen wir Gefahr, sozial isolierter zu sein, was auch zu schlechteren gesundheitlichen Ergebnissen führen kann.“

Was bringt es, Freundschaften zur Priorität zu machen?

Freundschaften sind also eindeutig gut für uns alle. Aber woran merken wir, dass es uns guttut, Zeit, Gefühle und Erlebnisse mit Gleichgesinnten zu teilen? Ein Überblick.

1. Sie erden uns

Nichts geht über ein Wiedersehen mit alten Freunden – mit denen, die dich in all deinen Versionen und Lebensphasen gekannt und geliebt haben. Wer das Glück hat, langjährige Freundschaften zu haben, kennt dieses Gefühl, zutiefst verstanden und angenommen zu werden. Es erdet ungemein.

„Langjährige Freundschaft bietet etwas, das ich für ziemlich tiefgreifend halte“, sagt Dr. Goddard Crawley. „Jemand, der dich seit Jahrzehnten kennt, wird zur Hüterin oder zum Hüter deiner Geschichte. Diese Menschen erinnern sich an Versionen von dir, an die du dich selbst kaum noch erinnerst. An die Person, die du warst vor dem Job, der Beziehung, den Kindern, den schweren Jahren oder was auch immer danach kam. Es hat etwas enorm Erdendes, über all diese verschiedenen Versionen deiner selbst hinweg gekannt zu werden.“

2. Sie helfen uns, uns selbst zu regulieren

„Wir wissen, dass unser körperliches und emotionales Wohlbefinden eng miteinander verbunden sind“, sagt die Psychotherapeutin und Beraterin Georgina Sturmer. „Ein soziales Netz kann uns helfen, ruhiger zu werden, und uns dabei unterstützen, auf unser körperliches Wohlbefinden zu achten, wenn das Leben schwierig wird. Emotionale und körperliche Regulation ist nicht nur ein innerer Vorgang. Wir co-regulieren unser Nervensystem mit den Menschen um uns herum – das heißt, die Anwesenheit anderer kann uns auch helfen, uns selbst zu beruhigen.“

3. Sie unterstützen gesunde körperliche Funktionen

Ja, wirklich. Die meisten Vorteile von Freundschaft sind zwar psychologischer Natur, aber Freunde zu haben bringt auch physiologische Vorteile.

„Sichere, positive Beziehungen können Isolation verringern und unser Zugehörigkeitsgefühl stärken. Sie helfen aber auch, unsere emotionalen und körperlichen Reaktionen auf Stress zu regulieren“, sagt die Psychotherapeutin und Trauma-Coachin Hannah McKimm. „Unser Nervensystem nimmt ständig Signale von anderen auf und reagiert darauf, oft noch bevor wir bewusst darüber nachgedacht haben. Mit jemandem zusammen zu sein, dem wir vertrauen, kann unserem Nervensystem helfen, zur Ruhe zu kommen: Vielleicht merken wir, dass unser Atem langsamer wird, die Schultern sinken oder der Körper weicher wird. Das kann die körperliche und emotionale Energie verringern, die wir aufwenden, um auf mögliche Bedrohungen zu reagieren – und lässt mehr Kapazität für Ruhe, Erholung und den Alltag.“

4. Sie helfen uns, ein Selbstbild zu entwickeln

Die Menschen, mit denen wir uns umgeben, prägen in vieler Hinsicht, wer wir sind. Die besten Freunde unterstützen uns nicht nur in guten Zeiten, sondern fordern uns (hoffentlich) auch in schwierigeren Zeiten heraus und stellen uns Fragen.

„Vom Moment unserer Geburt an suchen wir bei unseren Bezugspersonen nach Sicherheit und Geborgenheit – und auch danach, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wer wir als Mensch sind“, sagt Sturmer. „Und das setzt sich das ganze Leben fort: Unsere Freundschaften helfen uns, uns gekannt und verstanden zu fühlen und unser Selbstbild zu entwickeln.“

5. Freundschaften begleiten uns durch gute und schlechte Zeiten

„Freundschaft ist nicht nur dann wichtig, wenn es uns schlecht geht“, sagt McKimm. „Freude, Lachen, Spiel, Perspektive und gemeinsame Erlebnisse sind ebenfalls wichtige Bestandteile des Wohlbefindens. Und wenn das Leben schwer ist, geben uns gute Freundschaften einen Ort, an dem wir die emotionale Last teilen können.“

Schwarz-Weiß-Foto: Zwei Frauen umarmen sich herzlich in einer Bar
Gemeinsame Erlebnisse gehören zum Wohlbefinden dazu. Foto: Melih Bakir/Unsplash

Ich habe Freundschaft zwei Monate lang wie eine Wellness-Routine behandelt – mein ehrliches Fazit

Monat eins

Ehrlich gesagt war das für mich weniger eine Herausforderung als ein Geschenk. Wie oben erwähnt, setze ich schon lange Prioritäten bei meinen Freundschaften und ernte jetzt voll und ganz die Früchte davon.

Trotzdem war es eine kleine Umstellung, bewusster darauf zu achten, dass meine Freunde ganz oben auf meiner Liste stehen. Als vielbeschäftigte Mutter stelle ich die Bedürfnisse meiner Kinder ständig an erste Stelle. Und ich will nicht lügen: Mir Zeit zu nehmen, um auch für meine Freundschaften da zu sein, bedeutet, dass ich in manchen Momenten abwägen muss, wer mich gerade wirklich dringender braucht. Das ist anfangs ein bisschen unangenehm für mich.

Zu wissen, wie gut es einem tut, hilft allerdings – und schon bald lasse ich mich darauf ein, meine Freunde etwas öfter zu sehen und mich ihnen gegenüber mehr zu öffnen. Wie sich herausstellt, erzeugt Ehrlichkeit Ehrlichkeit, und über unsere verschiedenen Probleme zu reden, hilft mehr, als ich erwartet hätte. Normalerweise warte ich, bis etwas schiefgelaufen ist, bevor ich wirklich ins Detail gehe, was in meinem Leben los ist – schließlich hat jede von uns ihre eigenen Baustellen. Aber zu wissen, dass es uns so guttut, gibt mir genau den Anstoß, den ich brauche.

Dabei geht es aber nicht nur um tiefe Gespräche. Spontanen Unternehmungen sage ich nicht gern zu, aber ich versuche, meine Komfortzone zu verlassen. Ich sage sogar zu einem spontanen Treffen mit einer Nachbarin zu – und es wird einer der schönsten Abende des bisherigen Sommers.

Ich habe auch ein paar größere Abende geplant: Einige enge Freundinnen hatten diesen Monat runde Geburtstage, also war es noch besonderer als sonst, sie zu feiern. Und wenn zur Feier ein Konzert von Harry Styles auf seiner Tour gehört, sagen wir einfach: Das würde ich um nichts in der Welt verpassen! So sehr ich die Zeit mit meiner kleinen Familie liebe, hat es etwas ganz Besonderes, solche Erinnerungen auch mit meinen Freunden zu schaffen.

Monat zwei

Als der zweite Monat beginnt, genieße ich dieses Experiment ehrlich gesagt sehr. Bisher gab es Abendessen, Drinks, Kaffees, Spaziergänge und mehr – und ich fühle mich rundum erfüllt. Es ist ein so schönes Gefühl zu wissen, dass ich mich entscheiden kann, meine Zeit mit den tollsten Menschen zu verbringen, und dass sie sich umgekehrt auch für mich entscheiden. Kann ich nur empfehlen.

Ein Hinweis allerdings: Es bedeutet, zu ein paar mehr Dingen Ja zu sagen, als ich es normalerweise getan hätte. Aber rückblickend kann ich ehrlich sagen, dass genau die Gelegenheiten, bei denen ich unentschlossen war, im Nachhinein diejenigen waren, für die ich so froh bin, mich aufgerafft zu haben.

Als introvertierter Mensch muss ich mich dazu überwinden, mich nicht zu verkriechen, wenn ich müde, überfordert oder gestresst bin. Ich brauche (und sehne mich nach) Zeit für mich allein, das steht fest. Aber insgesamt würde ich keinen einzigen Moment ändern, den ich in diesen zwei Monaten mit meinen Freunden verbracht habe. Ich habe gespürt, wie unsere Beziehungen tiefer geworden sind, und jetzt habe ich für den Rest des Jahres auch jede Menge schöne Pläne, auf die ich mich freuen kann. Wie sich herausstellt, verschafft es mir täglich einen kleinen Dopamin-Kick, Dinge schon ein paar Monate im Voraus in den Kalender einzutragen.

Zu körperlichen Gesundheitseffekten kann ich nur so viel sagen: Mein Oura-Ring hat meine Resilienz von „stark“ (also schon ziemlich gut) auf „außergewöhnlich“ hochgestuft – und das Einzige, worauf ich das zurückführen kann, ist, dass ich meine Freundschaften wie eine Wellness-Routine behandelt habe. Ja, ich musste verletzlicher sein und meine Deckung ein wenig fallen lassen – aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass es sich absolut gelohnt hat.

Braucht man viele Freunde, um davon zu profitieren?

Ganz und gar nicht, sagen alle Expertinnen – hier gilt eindeutig Qualität vor Quantität.

„Bei gesunder Freundschaft geht es nicht darum, viele Freunde zu haben oder jemanden, der immer das Richtige sagt“, versichert McKimm. „Es geht um Beziehungen, in denen genug Sicherheit und Gegenseitigkeit herrscht, damit wir wir selbst sein können; in denen wir geben und nehmen, Grenzen setzen, anderer Meinung sein, uns verletzlich zeigen und trotzdem verbunden bleiben können.“

Dieser Artikel wurde ursprünglich unter https://www.marieclaire.co.uk/health-fitness/wellbeing/friendship-mental-health-benefits veröffentlicht.

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