Als zurückhaltende Muslima Yagmur in der ARD-Sitcom „Türkisch für Anfänger“ wurde Pegah Ferydoni 2006 berühmt. Nun liest sie die feministische Neuerzählung der Artus-Sage Morgan ist mein Name – der erste Band einer Hörbuchreihe von Autorin Sophie Keetch.
Bekannt wurde sie 2006 an der Seite von Elyas m’Barek und Josefine Preuß in der Familienkomödie „Türkisch für Anfänger“, die unter anderem mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Seitdem war die Schauspielerin in zahlreichen deutschen Fernsehproduktionen wie der Serie „Almania“, oder Filmen wie „Feste Freunde“ und dem „Tatort“ zu sehen.
Mittlerweile hat sich die 41-Jährige allerdings ein zweites Standbein als Sprecherin von Hörbüchern aufgebaut. Anfang Februar ist ihr neustes Projekt, Morgan ist mein Name, erschienen, eine feministische Neuerzählung der Artussage. Im Interview mit Marie Claire spricht die Künstlerin über die aktuelle Relevanz des Buches, über weibliche Stärke, und über eine mögliche „Türkisch für Anfänger“-Reunion.
Morgan ist mein Name wird aus der Perspektive von Morgan Le Fay erzählt, die in der Sage von König Artus traditionell als dessen Gegenspielerin dargestellt wird. Sophie Keetchs Roman wirft jedoch ein neues Licht auf die Geschichte um Camelot, Merlin, die Tafelrunde und König Artus. Das Hörbuch erzählt, wie Morgan erwachsen wird und darum kämpft, sich in einer Welt zu behaupten, die sie zu kontrollieren versucht. Als sie ihr eigenes magisches Potenzial entdeckt, wird klar, dass sie irgendwie mit dem Jungen verbunden ist, der gerade das Schwert aus dem Stein gezogen hat, und beide begeben sich auf eine gefährliche Reise, die in der Legende weiterleben wird.
Pegah Ferydoni war als Kind von der Artussage fasziniert. Bild: Audible / Dirk Mathesius
Marie Claire: Liebe Pegah Ferydoni, Morgan ist mein Name ist nicht Ihr erstes Hörbuch. Was gefällt Ihnen an der Arbeit als Sprecherin am meisten?
Pegah Ferydoni: Wenn man ein Hörbuch liest, arbeitet man sehr konzentriert und entschleunigt. Wir sind ein kleines Team, meistens nur aus drei Personen, daher ist die Atmosphäre sehr entspannt – vor allem im Gegensatz zu einem Filmset, wo alles sehr schnell gehen muss und man punktgenau liefern muss. Im Tonstudio fühle ich mich selbstbestimmter, das gefällt mir sehr gut.
Marie Claire: Wie bereitet man sich denn auf eine reine Sprechrolle vor?
Pegah Ferydoni: Ich beginne immer damit, dass ich das Buch lese und mir Gedanken mache, was für Persönlichkeiten die Figuren haben, was ihre Ziele sind, und wie sie wohl klingen. An Aufnahmetagen sehe ich außerdem zu, dass ich mich möglichst viel bewege und meinen Körper aktiviere. Und natürlich spreche ich mich schon einmal warm, damit meine Stimme präsent ist, sobald es losgeht.
Marie Claire: Hilft es Ihnen in gewisser Weise, dass Sie früher im Chor gesungen haben?
Pegah Ferydoni: Manchmal schon! Wenn ich auf dem Weg ins Studio allein im Auto sitze, singe ich zum Beispiel gerne. Oder ich rege mich lauthals über die Nachrichten auf; auch das hilft, um sich aufzuwärmen.
Marie Claire: In Morgan ist mein Name sprechen Sie Morgan le Fay, eine der berühmtesten Figuren der Artussage. Was bewundern Sie an ihr?
Pegah Ferydoni: Dass sie zwar als Prinzessin aufwächst, aber für sich beschließt, dass sie eigentlich etwas ganz anderes will, als das Leben, das man ihr vorgeschrieben hat – nämlich einen Platz am Tisch von König Arthur, um ihr Land und seine Politik mitgestalten zu können. Gleichzeitig will sie als Heilerin wirksam sein, sich mit anderen Frauen austauschen, unterprivilegierten Menschen helfen und sich um Kinder kümmern. Kurz gesagt: Sie träumt davon, ein ganzer, komplexer Mensch zu sein.
Pegah Ferydoni hat Morgan ist mein Name für Audible gelesen. Bild: Audible / Dirk Mathesius
Marie Claire: Welche Märchen, Mythen und Sagen haben Sie in ihren Bann gezogen?
Pegah Ferydoni: Tatsächlich hat mich die Artussage als Kind sehr fasziniert, ebenso wie die Niebelungen, oder Rittergeschichten wie El Cid und Don Quijote aus Spanien. Außerdem fand ich die antike Mythologie sehr spannend, sowohl die griechische als auch die römische.
Marie Claire: Feministische Neuerzählungen dieser klassischen Mythen liegen im Trend, wie der Erfolg von Romanen wie Madeline Millers Circe oder Sophie Keetchs Morgan ist mein Name zeigen. Wieso ist dieser Perspektivwechsel so wichtig?
Pegah Ferydoni: Weil es an der Zeit ist, dass man solche Geschichten erzählt. Frauen, die früher als Hexen denunziert wurden, haben in Wahrheit nichts Böses im Schilde geführt. Sie waren lediglich eigensinnig und unabhängig. Sie wollten sich nicht in die Welt der Männer fügen und wurden dafür ausgegrenzt. Das ist leider auch heute noch aktuell.
Marie Claire: Frauen haben das Potenzial Großes zu tun, wenn man sie denn lässt.
Pegah Ferydoni: So ist es. Wir sind mit den Geschichten des Patriarchats aufgewachsen, die uns erzählen, dass Männer den Lauf der Geschichte geprägt hätten. Dabei zeigt moderne Forschung immer öfter, dass das nicht stimmt. Im Jahr 2019 hat eine DNA-Untersuchung zum Beispiel ergeben, dass in einem Wikingergrab, das vor mehr als Tausend Jahren in Schweden entdeckt wurde, gar kein Mann begraben liegt, sondern eine Frau. Sie wurde mit allen Ehren begraben, die eines Königs würdig sind, was klar zeigt, was für eine Kraft und was für einen Einfluss Frauen bereits in der Antike hatten. Aber an solchen weiblichen Vorbildern hat es mir als Kind und Jugendliche gefehlt.
In der Rolle der Yagmur Öztürk in „Türkisch für Anfänger“ wurde Pegah Ferydoni 2006 bekannt. Bild: ARD / Richard Hübner
Marie Claire: Ihren Durchbruch als Schauspielerin haben sie vor fast 20 Jahren in der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ gefeiert, die bis heute eine große und treue Fangemeinde hat. Was glauben Sie macht die Faszination aus?
Pegah Ferydoni: Vermutlich dass sie sich auf sehr humorvolle Art mit vielen alltäglichen Fragen und Ängsten befasst. Es geht unter anderem darum, dass man sich seine Familie nicht aussuchen kann, dass man in Rollen gedrängt wird, die einem missfallen, und um den Druck, seinem Umfeld gerecht werden zu wollen. Das hat etwas Zeitloses.
Marie Claire: Besteht die Chance, dass es nächstes Jahr zum 20-jährigen Jubiläum eine Reunion gibt, wie damals mit dem Cast von „Friends“?
Pegah Ferydoni: Ich weiß, dass die Fans schon lange auf eine Fortsetzung lauern. Aber das müssen die Macher:innen der Serie entscheiden. An mir wird es jedenfalls nicht scheitern: Wenn es zu einer Reunion kommt, bin ich gerne dabei!
Marie Claire: Wir möchten starken Frauen eine Stimme geben. Welche Botschaft möchten Sie unseren Leser:innen mitgeben?
Pegah Ferydoni: Wenn man sich von der Meinung anderer abhängig macht, wird man es im Leben sehr schwer haben. Aber wenn man in sich hinein hört, wenn man sich traut, man selbst zu sein, kann man alles schaffen und alles überwinden.
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