Da geht was – gemeinsam einkaufen

Beim täglichen Einkauf haben wir die Auswahl unter den Produkten, die in den Supermarktregalen zu finden sind. Welche das sind und wieviel sie kosten, bestimmen die Lebensmittelkonzerne und Handelsketten. Doch es gibt spannende Projekte, die uns Konsumenten mehr Einfluss und den Produzenten mehr Unabhängigkeit ermöglichen. Zum Beispiel Einkaufsgemeinschaften wie den Foodhub in München, der nach Vorbildern in New York und Paris aufgebaut ist.

Abendlicher Blick von außen durchs Schaufenster eines erleuchteten Supermarkts, im Vordergrund stehen geparkte Fahrräder.

Entspannter Feierabendeinkauf im Foodhub in der Deisenhofener Straße im Münchener Stadtteil Giesing. Foto: Foodhub München

Food Coop: mitmachen statt nur konsumieren

„Ist die Gurke aus Bayern oder Italien?“, fragt Sonja, die an der Kasse sitzt. Auf dem Display sucht sie nach dem richtigen Preis und wählt ihn aus. Im normalen Leben ist Sonja Lehrerin. Alle vier Wochen arbeitet sie für drei Stunden beim Foodhub im Münchner Stadtteil Giesing mit. Das ist Voraussetzung, um beim Mitmachsupermarkt einkaufen zu können.

Außerdem muss jeder, der dabei sein will, Genossenschaftsanteile kaufen, im Normalfall in Höhe von 180 Euro. Damit gehört einem sozusagen ein winziges Stück des Ladens. Tritt man irgendwann wieder aus, erhält man die Anteile zurück.

Die Einkaufsgemeinschaft bezieht möglichst viele Produkte ohne Zwischenhändler direkt vom Erzeuger und ist nicht renditeorientiert. So kann sie ihren Mitgliedern regionale und nachhaltig produzierte Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen anbieten. Darüber hinaus rundet sie das Sortiment mit Waren aus dem Großhandel ab.

Diesen Sommer feierte der Foodhub in München sein dreijähriges Bestehen. Er hat bereits über 2.000 Mitglieder, ist aber noch in der Wachstumsphase.

Blick auf das ansprechend präsentierte Obstangebot einer Foodcoop.

Das Angebot regionaler Obst- und Gemüseproduzenten wird mit Ware aus dem Biogroßhandel vervollständigt. Foto: Foodhub München

Vorbilder aus aller Welt

Die Idee von Lebensmittelkooperativen ist nicht neu. Schon seit Jahrzehnten schließen sich Menschen zusammen, um die Kontrolle über ihren Einkauf zurückzugewinnen. Das Spektrum reicht von Bestellgemeinschaften bis zu Genossenschaften mit angestelltem Personal.

Vorbild für die Organisation des Foodhub ist die Park Slope Food Coop in New York, eine der ältesten und größten aktiven Lebensmittelkooperativen in den USA mit über 17.000 Mitgliedern. Sie besteht seit 1973. Ähnlich funktioniert La Louve in Paris mit über 7.000 Mitgliedern, gegründet im Jahr 2016. Die Initiativen setzen auf drei zentrale Prinzipien: Mitwirkung, Miteigentum und Transparenz.

Nach diesem Modell sind in den letzten Jahren viele Projekte entstanden – über 25 in Frankreich und viele weitere in Belgien, Spanien, der Schweiz und Italien. Es gibt Netzwerktreffen und Austausch unter den verschiedenen Initiativen.

Blick auf das Getränkeangebot einer Foodcoop, im Vordergrund stehen Einkaufswagen.

Wem im Foodhub trotz der großen Auswahl ein Getränk fehlen sollte, der schreibt es ins Wunschbuch. Foto: Foodhub München

Foodhub: mehr als ein Supermarkt

Wer den Foodhub in München betritt, könnte sich auf den ersten Blick in einem normalen Bio-Supermarkt wähnen – abgesehen davon, dass die meisten der schürzentragenden Helfer im Laden gleichzeitig auch Kunden und Miteigentümer sind. Die Regale sind gut gefüllt: Obst, Gemüse, Brot, Milchprodukte, Tiefkühlkost, Kosmetikartikel – alles, was man für den Alltag braucht, ist da. Auch Weitgereistes wie Avocados oder Mangos sind hier zu haben.

Doch wer genauer hinschaut, entdeckt Besonderheiten. Hier gibt es beispielsweise „mafiafrei“ gehandelte Zitronen aus Sizilien, Kaffee einer kleinen Rösterei aus München oder handwerklich hergestellten Wein eines so kleinen Weinguts, dass es ihn außer beim Winzer selbst nur in einem einzigen Laden geben kann.

Innenansicht eines Biosupermarkts mit Cerealien und Tees in den Regalreihen.

Die Wandverkleidung im Foodhub München haben Mitglieder selbst gebaut. Foto: Foodhub München

Fairer Handel leicht gemacht

Einkaufsgemeinschaften wie der Foodhub bieten eine alternative Form des Wirtschaftens an, die es den Menschen leicht macht, zu ökologischen und gesellschaftlichen Veränderungen beizutragen. Dazu gehört, Erzeuger fair zu entlohnen und damit den Druck auf die Produktionsbedingungen zu minimieren.

Beim Foodhub finden auch kleine Landwirte, die nicht genug produzieren, um vom Großhandel gelistet zu werden, Absatzmöglichkeiten. Zum Beispiel Bauern mit Streuobstwiesen. Ab dem Spätsommer werden die aromatischen Äpfel gesammelt und stehen wenig später in einer Steige im Foodhub zum Verkauf, ähnlich wie auf einem Bauernmarkt.

Wichtig ist auch die Transparenz für alle Beteiligten. Die Preise im Foodhub zeigen die wahren Preise – nicht die Mischkalkulation einer Handelskette –, denn es werden immer genau 30 Prozent auf den Einkaufspreis aufgeschlagen. Diese Marge deckt Fixkosten wie Ladenmiete, Versicherungen oder die Gehälter der vier Festangestellten.

Jeder nach seinem Gusto

Jedes Mitglied kann sich einbringen, auch was das Sortiment betrifft. Ob man einfach gern seine Lieblingsschokolade hier kaufen können will oder ob man einen besonderen kleinen Produzenten kennt, der hier vertreten sein sollte: Die Wege sind kurz, die Hauptverantwortlichen nah- und ansprechbar. Überhaupt geht es hier entspannt und offen zu.

Es gibt unterschiedliche Beweggründe, beim Foodhub mitzumachen. Manch einer möchte vielleicht nur hohe Qualität zum guten Preis kaufen können. Mitglieder wie Sonja finden hier Gleichgesinnte, die nicht den bestehenden Strukturen ausgeliefert sein wollen, sondern aktiv Einfluss darauf nehmen möchten, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie hergestellt werden.

Lebensmittelkooperativen: ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Gemeinschaft

Food Coops sind mehr als Einkaufsgemeinschaften – sie sind Teil einer Bewegung. Sie zeigen, dass es möglich ist, ökologisch und sozial verantwortlich einzukaufen, ohne auf Vielfalt und Genuss verzichten zu müssen. In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und fairer Handel immer wichtiger werden, bieten sie eine echte Alternative zum herkömmlichen Supermarkt. Und sie beweisen: Wir alle haben Einfluss darauf, was in unserem Einkaufskorb landet – und damit auf die Welt, in der wir leben.

Wer selbst aktiv werden möchte, findet in vielen deutschen Städten Initiativen. In Berlin gibt es seit 2020 die Supercoop mit ähnlichem Modell. In anderen Städten formieren sich Projekte, haben aber noch nicht eröffnet, zum Beispiel in Hamburg und Köln.

Der Foodhub in München zeigt, wie erfolgreich dieses Modell sein kann – für Konsumenten, Produzenten und die Gesellschaft.

Foodhub München

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