Paris Paloma im Interview: „Ich lebe nicht, um ein schönes Objekt zu sein, das betrachtet wird.“

Paris Paloma stand im März 2026 kurz davor, ihr zweites Album zu veröffentlichen. Marie Claire hat die britische Singer-Songwriterin zum Interview getroffen und mit ihr über ihre neue Musik, Selbstliebe und die Nutzung von KI in der Kunst gesprochen.

sängerin paris paloma im marie claire interview
Die 26-jährige Paris Paloma rechnet in ihren Songs mit dem Patriarchat ab. Bild: Phoebe Fox

Update Oktober 2026: Was seitdem passiert ist. Das zweite Album von Paris Paloma ist da: „The Fatal Flaw“ ist am 4. September 2026 erschienen und enthält zwölf Songs, darunter „Miyazaki“, „Good Girl“ und „Good Boy“. Im Dezember kommt die Sängerin mit ihrer „The Fatal Flaw Tour“ für drei Konzerte nach Deutschland: am 3. Dezember nach München (Backstage Werk), am 6. Dezember nach Frankfurt (Zoom) und am 8. Dezember nach Berlin (Astra Kulturhaus).

Paris Paloma ist eine der großen Stimmen ihrer Generation

Mythos, Trauer, Wut und Weiblichkeit verbinden sich in ihren Folk- und Dark-Pop-Songs zu feministischen Hymnen. Insbesondere ihre Debütsingle „labour”, die sich gegen die emotionale Arbeit von Frauen in heterosexuellen Beziehungen ausspricht, wurde zu einem kulturellen Phänomen – allein auf Spotify hat sie über 380 Millionen Streams erzielt. Doch der wahre Einfluss des Songs zeigt sich in den sozialen Medien: „labour” ist längst von einem viralen Sound zum Titelsong feministischer Bewegungen gewachsen – darunter Kampagnen für reproduktive Rechte, die Unterstützung von Gisèle Pelicot und dem Tik-Tok-Trend „Run like a girl”.

Seitdem hat Paloma Systemkritik zu ihrem Markenzeichen gemacht. Während „labour“ eine mitreißende Hymne über die Ausbeutung von Frauen ist, beschäftigt sich „Good Boy“ mit der Art und Weise wie das Patriarchat auch Männer unterdrückt. In ihrer jüngsten Veröffentlichung „Good Girl“ hingegen betrauert sie die komplexe Beziehung, die viele Frauen zu ihrem Körper haben. Und in „Miyazaki“, der am 17. März veröffentlicht wird, spricht sie sich gegen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Kunst aus.

Alle drei Singles geben einen fesselnden Vorgeschmack auf das zweite Album, der 26-Jährigen, das vermutlich im Lauf des Jahres erscheint. Bis zum 9. März tourt sie aber erst einmal mit Florence + The Machine durch Europa – und erntet für ihre ausdrucksstarken Auftritte und ihre politische Haltung auch in Deutschland viel Jubel.

Marie Claire hat die Singer-Songwriterin aus dem englischen Derbyshire vor ihrem Auftritt in der Münchner Olympiahalle zum Interview getroffen. 

saengerin paris paloma

Singer-Songwriterin Paris Paloma arbeitete im Frühjahr 2026 an ihrem zweiten Album. Bild: Phoebe Fox

Paris Paloma über ihren viralen Erfolgssong "labour"

Marie Claire: Ihre Debütsingle „labour“ ist für viele wütende Feministinnen überall zur Hymne geworden. Welcher Song hat Sie politisiert?

Paris Paloma: Viele Songs von Joni Mitchell hatten diese Wirkung auf mich, besonders „Big Yellow Taxi“. Der Song übt eine scharfe, aber subtile Kritik daran, wie wir mit der Umwelt umgehen und wie der Kapitalismus in alles vordringt. Aber sie bringt das auf so künstlerische, poetische Weise zum Ausdruck, dass es sich nach mehr als nur einem Protestsong anfühlt. Ich habe Joni für mich entdeckt, als ich anfing, Gitarre zu lernen, und dieser Einfluss hat mich sehr geprägt. Dadurch habe ich erkannt, dass ich mit meiner Musik einen ähnlichen Zweck erfüllen möchte: die Welt begreifbar zu machen – und vielleicht sogar eine Form von Widerstand zu sein.

Stimmt es, dass „labour“ von Madeline Millers Roman Circe inspiriert wurde?

Ja, das stimmt. Ich habe griechische Mythologie immer geliebt, weil sie menschlichen Geschichten ein solches Gewicht verleiht – diese Mythen fühlen sich wie Archetypen menschlicher Erfahrungen an. Als ich Circe gelesen habe, hat mich besonders die Passage fasziniert, in der Circe die Insel, auf die sie verbannt wurde, zähmt, lernt, sie zu kultivieren und ihre Früchte zu ernten. Für mich war das eine Allegorie auf das häusliche Paradies, das Frauen erschaffen können. Natürlich zeigt „labour“, wie sie das für einen Partner tun, während Circe davon handelt, etwas Schönes nur für sich selbst aufzubauen. Diesen Kontrast fand ich sehr spannend.

Welche anderen Mythen finden Sie spannend?

Seit ich Die Stimme der Frauen gelesen habe, fasziniert mich Pyrrhus, der Sohn von Achilles besonders. Pat Barker schreibt ihn wie einen dieser Teenager, die von Andrew Tate besessen sind. Er versucht, in die Fußstapfen seines Vaters Achilles zu treten, der als Inbegriff des Heldentums gilt, aber auch für eine zutiefst toxische und gewalttätige Männlichkeit steht. Und so wächst auch Pyrrhus zu einem sehr gewalttätigen jungen Mann heran. Seine zwei größten „Triumphe“ bestehen darin, dass er Hektors Baby und den alten trojanischen König Priamos tötet – das sind nicht gerade edle Taten. Es ist eine zutiefst verstörende Auseinandersetzung mit Männlichkeit.

Welche Strategien haben Sie entwickelt, um das Patriarchat in Ihrem Alltag zu hinterfragen oder zu demontieren?

Eine Sache, die ich bewusst kultiviere, ist ein Freundeskreis mit null Toleranz gegenüber Misogynie. In meinem engen Kreis muss ich sehr selten mit sexistischen Einstellungen umgehen. Natürlich begegne ich solchen Verhaltensweisen in der weiteren Welt, aber nicht unter den Menschen, denen ich vertraue. Ich habe das Glück, viele sanfte, einfühlsame männliche Freunde zu haben. Das beweist, dass es möglich ist, nachdenklich und emotional bewusst zu sein, ohne dass einem jemand beibringen muss, empathisch zu sein.

Über ihre komplexe Beziehung zu ihrem Körper

Wann spüren Sie, wie sich patriarchale Denkmuster in Ihr eigenes Denken einschleichen?

Vor allem in Bezug auf meinen Selbstwert. Der Grund, warum ich meine neueste Single „Good Girl“ geschrieben habe, war die Erkenntnis, wie tief das Patriarchat die eigene Innenwelt kolonisieren kann. Es prägt, wie man sich selbst in Isolation wahrnimmt – und wie man sich mit anderen Frauen vergleicht. Das Patriarchat lebt davon, Konkurrenz zwischen Frauen zu erzeugen. In der Musikindustrie sieht man das besonders deutlich. Als Künstlerin fällt es mir leicht, andere Musikerinnen – meine Kolleginnen – anzusehen und mich unzulänglich zu fühlen, wenn ich nicht denselben Weg einschlage oder dieselben Entscheidungen treffe. Männer hingegen werden selten auf diese Weise miteinander verglichen. Ihnen wird Raum gegeben, ihren eigenen Weg zu gehen.

Ich bemerke es also darin, wie ich mich selbst bewerte: meine Entscheidungen, meine Fähigkeiten, sogar mein Aussehen – meinen Körper, mein Alter. Auf Frauen lastet ein enormer Druck, bestimmte Dinge bis zu einem gewissen Alter erreicht zu haben, weil Jugend so stark idealisiert wird. Als ich 20 war, dachte ich ernsthaft, ich sei vielleicht schon zu alt, um Musik wirklich konsequent zu verfolgen. Viele der Künstlerinnen, die ich bewundert habe, wurden bereits in ihrer Jugend berühmt. Heute erscheint mir das absurd – aber genau dieses Narrativ wird uns immer wieder erzählt.

Praktizieren Sie eher Body Neutrality oder Body Positivity?

Ganz klar eher Neutralität. Ich denke, der Trend zur Body Positivity vor einigen Jahren war ein Schritt nach vorn. Aber für mich bedeutet das immer noch, dass ich mein Aussehen bewerten muss, um es lieben zu können. Body Neutrality hingegen heißt eher: Mein Körper sieht an einem Tag so aus, in einem Monat anders, auf Tour wieder anders. Mein Körper – wie der vieler Menschen – verändert sich ständig. Natürlich ist das nicht leicht. Ich merke, dass ich oft Angst in Bezug auf meinen Körper verspüre, aber ich halte das für eine unglaubliche Zeitverschwendung. Und wenn ich Gedanken oder Gefühle zu meinem Körper habe, langweile ich mich irgendwann darüber. Es langweilt mich einfach.

Wie gelingt es Ihnen, sich von solchen Gedanken zu lösen?

Ich versuche, mich daran zu erinnern, dass wir eigentlich nicht dafür gemacht sind, uns ständig selbst zu betrachten. Das wurde konstruiert, um Frauen zu beschäftigen und zu vereinnahmen. Zudem verschieben sich die Maßstäbe permanent. Vor zehn Jahren galt ein kurviger Körper wie der der Kardashians als Ideal. Doch sobald Implantate, Operationen und Fettabsaugungen breiter zugänglich wurden, gewann Ozempic an Bedeutung – und plötzlich ist das neue Ideal ein extrem schlanker Körper.

Ich glaube außerdem, dass Attraktivität keine Rolle dabei spielen sollte, ob man mit seinem Körper zufrieden ist. Ich lebe nicht, um ein schönes Objekt zu sein, das betrachtet wird. Ich bin dazu da, ein schönes Leben zu führen.

Über ihren neuen Song "Miyazaki" und den Einsatz von KI in der Kunst

Sie haben gesagt, dass Ihre Songs miteinander verbunden sind. Wie knüpft Ihre kommende Single „Miyazaki“, die sich gegen den Einsatz von KI in der Kunst richtet, an einen Song wie „labour“ an?

Beide Songs entspringen einem Geist des Widerstands. Es gibt Menschen, die Künstler:innen nicht für ihre Arbeit bezahlen wollen. Für diese sehr unkreativen Personen, die Zugang zu Kreativität möchten, ohne sie wertzuschätzen, ist KI eine bequeme Lösung. Dazu habe ich eine sehr klare Haltung. Kunst war in meinem Leben transformativ – sie hat mir eine Stimme gegeben, einen Sinn, eine Gemeinschaft. Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie sie als austauschbar behandelt wird.

Der Song ist vom japanischen Filmemacher und Gründer des Studio Ghibli Hayao Miyazaki inspiriert.

Ich habe ihn aus zwei Gründen nach ihm benannt. Erstens geht es in dem Song um das dringliche, beinahe verzweifelte Bedürfnis, etwas zu erschaffen. Ich habe schon immer Kunst gemacht. Bevor ich zur Musik kam, habe ich Bildende Kunst und Kunstgeschichte studiert, und ich male und zeichne noch immer – das ist essenziell für mein Wohlbefinden. Auch Hayao Miyazaki ist jemand, der nicht aufhören kann, Kunst zu schaffen. Er hat mehrfach seinen Ruhestand angekündigt, nur um dann doch wieder einen weiteren Film zu machen. Selbst jetzt, mit über 80, erschafft er weiterhin atemberaubende, zutiefst menschliche Werke – oft mit einer klaren Anti-Kriegs- und Anti-Klima-Zerstörungs-Haltung.

Zweitens habe ich eine Dokumentation gesehen, in der Animationsstudierende ihm KI-generierte Bilder präsentierten – und Miyazaki war zutiefst entsetzt. Er nannte es eine Beleidigung des Lebens selbst. Ich habe den Song nach ihm benannt, weil er versteht, was es wirklich bedeutet, Künstler:in zu sein: die Mühe, die Erschöpfung – aber auch die menschliche Notwendigkeit dahinter.

Sie posten häufig Ausschnitte unveröffentlichter Songs auf Social Media und spielen „Miyazaki“ bereits live, obwohl der Song erst nächste Woche erscheint. Viele würden dieses Vorgehen als antiklimaktisch bezeichnen.

Ich langweile mich, wenn ich Dinge immer auf dieselbe Weise mache – ich halte das für überschätzt. Lieber versuche ich, jedes Mal neue Wege zu finden, meine Fans zu überraschen und neugierig zu machen. Einen Song bis zur Veröffentlichung komplett geheim zu halten, kann absolut sinnvoll sein, und es wird auch Songs geben, bei denen ich das weiterhin so handhabe. Aber meine Musik ist mehr als bloß ein kommerzielles Unterfangen.

Als ich „Good Boy“ offiziell veröffentlichte, hatte ich ihn bereits fast ein Jahr lang live gespielt. In diesem politischen Klima fühlte sich das notwendig an. Ich hatte das Gefühl: Das muss ich jetzt sagen. Ich wollte, dass Menschen darin Trost finden oder vielleicht ihre Meinung ändern oder zumindest ins Gespräch kommen. „Good Girl“ hingegen habe ich kaum angeteasert oder live gespielt, bis er fertig war – das passte besser zu diesem Song. Und bei „Miyazaki“, einem Song über die Dringlichkeit des Schaffens, fühlt es sich ebenfalls stimmig an, ihn unmittelbarer zu teilen.

Gibt es für Sie eine Art goldenen Schnitt, wann ein Song veröffentlicht werden sollte? Woran merken Sie, dass er fertig ist?

Wenn es ein guter Song ist, bin ich meistens unglaublich ungeduldig – ich möchte, dass er am liebsten schon gestern erschienen wäre. Daran erkenne ich es in der Regel. Und das gilt auch für meine kommende Musik. Es fühlt sich nicht so an, als würde ich mich jedes Mal neu erfinden – eher, als würde ich neue Bereiche auf einer Landkarte freilegen. Ich sehe die Landschaft klar vor mir, und ich möchte, dass alle anderen sie ebenfalls sehen. Aber solange die Musik nicht draußen ist, können sie das nicht.

Ich glaube, es war David Bowie, der einmal sagte, dass Musik zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung widerspiegelt, wo man vor Jahren stand, weil Schreiben und Herausbringen eines Projekts so lange dauern kann. Das ist eine meiner größten Frustrationen als Künstlerin. Wenn ich also dieses Kribbeln spüre – diese Ungeduld, dass Menschen einen Song hören und ihn mit dem verbinden, wer ich jetzt gerade bin –, dann weiß ich, dass er fertig ist.

Single "Good Girl" von Paris Paloma

In „Good Girl“ betrauert Paris Paloma das komplexe Verhältnis, das viele Frauen zu ihrem Körper haben. Bild: Phoebe Fox

"Meine Konzerte sollen einen Schutzraum gegen Hass und Gewalt bieten"

Sie sind derzeit mit Florence + The Machine auf Tour, die Sie als einen Ihrer größten Einflüsse bezeichnet haben. Hat Sie diese Erfahrung zu neuer Musik inspiriert?

Vieles von meiner neuen Musik war bereits geschrieben, bevor wir mit dieser Tour begonnen haben. Aber ich bin mir sicher, dass diese Tour beeinflussen wird, was ich als Nächstes schreibe – und auch, wie ich auftrete. Ich habe ihre Show inzwischen etwa sechs Mal gesehen, und es ist unmöglich, sich nicht von ihr inspiriert zu fühlen. Sie wird zu dieser mythischen, fast überirdischen Figur und bleibt gleichzeitig unglaublich verletzlich und menschlich. Diese Balance ist außergewöhnlich. Ich möchte eines Tages gern eine ebenso kraftvolle Präsenz für Menschen werden, diese emotionale Verbindung schaffen und eine Gemeinschaft aufbauen, so wie sie es getan hat.

Die Tanzkreise am Ende Ihrer Shows scheinen ein erster Schritt dahin zu sein.

Ich nenne es das „Moss Pit“ – in Anlehnung an das „Mosh Pit“ und weil meine Fans sich selbst Feen nennen. Aber die Idee kam nicht von mir. Es ist ganz spontan unter den Fans entstanden. Das erste Mal passierte es in Paris, beim Auftakt meiner ersten Headliner-Tour vor etwa anderthalb Jahren. Ich war gerade von der Bühne gegangen und zog meine Schuhe aus, als ich hörte, dass Menschen im Publikum begonnen hatten, sich an den Händen zu halten und zu der Musik zu tanzen, die nach der Show im Saal lief – da bin ich sofort zurückgerannt und habe mitgemacht. Seitdem ist es Tradition. Und ehrlich? Ich hätte mir selbst nichts Besseres ausdenken können. Ich wünsche mir, dass meine Konzerte einen Schutzraum bieten vor dem Hass und der Gewalt, denen viele meiner Fans – besonders Frauen und queere Menschen – so oft ausgesetzt sind.

Apropos Bühnenauftritt: Sie haben Ihren Stil einmal als „grungemother“ beschrieben. Wie ist dieser Begriff entstanden?

Das ist ein liebevoller Spitzname, den mir mein Gitarrist und Bassist George gegeben hat. Wir haben uns bei meinem allerersten Auftritt in einem kleinen Club in Hoxton kennengelernt. Damals habe ich mich selbst gestylt – meine Outfits waren sehr locker, etwas düster und stark von Fantasy-Elementen geprägt. Ich trug einen weißen, gestuften Rock und ein Korsett. Darüber hatte ich jedoch ein ziemlich zerschlissenes T-Shirt mit Dornenmotiv an. Als George mich sah, sagte er: „Oh, die siehst aus wie die Fairy Grungemother.“ Und deshalb nennen sich meine Fans heute auch Feen.

Wo finden Sie all die wunderschönen Kleider, die Sie heute auf der Bühne tragen?

Mittlerweile werde ich von der wunderbaren Leith Clark gestylt. Wir haben uns vor einigen Jahren kennengelernt, nachdem sie mitbekommen hatte, was rund um „labour“ passierte, und sich bei mir meldete. Leith setzt sich leidenschaftlich für Frauenstimmen und Frauenrechte ein – insbesondere für das Recht auf Abtreibung in den USA – und sagte: „Wie kann ich helfen? Ich möchte Teil davon sein.“ Von da an haben wir zusammen an einer Bühnenpersona für mich gearbeitet – denn wenn man auf der Bühne steht, muss man zu einer größeren Version seiner selbst werden, um Raum einzunehmen. Wir arbeiten bei jedem Look sehr eng zusammen und entwickeln kleine Geschichten rund um jede Tour. Als ich zum Beispiel durch Australien tourte, schlug sie vor, etwas leicht Psychedelisches aufzugreifen – eine verträumte, fantastische Energie. Für die Tour mit Florence + The Machine haben wir uns für fließende Kleider, große Röcke und dramatische Silhouetten entschieden – Stücke, die sich wunderschön bewegen.

Und diese Kleider kommen besonders gut zur Geltung, wenn Sie auf der Bühne tanzen. Haben Sie eine formelle Tanzausbildung?

Das nicht, aber ich habe von meinem sechsten bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr Ballett getanzt und auch etwas Modern Dance gemacht. Das ist eine wichtige Grundlage, um ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen. Ich kann ziemlich schüchtern sein und war früher deshalb eine sehr statische Performerin. Ich habe mich gewissermaßen hinter der Gitarre versteckt. Aber eigentlich möchte ich mich auf der Bühne bewegen, weil ich die Musik so tief fühle und eine fast transzendente Freude erlebe. Und es macht so viel Spaß – besonders in großen, fließenden Kostümen –, mit ihnen zu spielen, Formen zu bilden und sich auf diese Weise auszudehnen. Ich fühle mich dann wie eine sich bewegende Pflanze oder ein Baum oder eine Blume, die sich immer dem Sonnenlicht entgegenstreckt.

Sängerin, Paris Paloma, Konzert, München

Paris Paloma Anfang März bei ihrem Auftritt in München. Bild: Phoebe Fox

Paris Paloma über ihren Grund zur Hoffnung

Die aktuelle Nachrichtenlage kann sehr beängstigend wirken. Was gibt Ihnen derzeit Hoffnung?

Hoffnung geben mir öffentliche Persönlichkeiten, die aufrichtig von Empathie und dem Wunsch nach positiver Veränderung motiviert zu sein scheinen. Politiker wie der neue Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani, der Londoner Abgeordnete Zack Polanski und die neu gewählte Green-Party-Abgeordnete Hannah Spencer.

Aber vor allem finde ich Hoffnung in Graswurzelbewegungen: Menschen, die Wege des Widerstands finden und dabei Freude, Hoffnung und Gemeinschaft ins Zentrum stellen. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der Resistance Revival Chorus, ein Protestchor, der überwiegend aus Aktivistinnen besteht. Ich hatte das Privileg, im vergangenen Jahr in der The Late Show with Stephen Colbert mit ihnen aufzutreten – sie begleiteten mich bei „labour“. Es ist eine großartige Gruppe von Frauen, die regelmäßig bei Protesten und Gemeinschaftsveranstaltungen auftreten.

Während etwa die US-Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement in Teilen der Vereinigten Staaten aggressive Razzien durchführt, organisieren sie Protestlied-Treffen und gemeinschaftliche Singveranstaltungen in Gemeindehäusern – sie schaffen Räume, in denen Menschen durch Musik zusammenkommen können. Für mich ist das echte gemeinschaftliche Führung. Menschen wie sie geben mir Hoffnung durch ihren Mut. Denn letztlich ist es das, was uns voranbringt – und was Hass Einhalt gebieten kann.

 

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