Sie haben gesagt, dass Ihre Songs miteinander verbunden sind. Wie knüpft Ihre kommende Single „Miyazaki“, die sich gegen den Einsatz von KI in der Kunst richtet, an einen Song wie „labour“ an?
Beide Songs entspringen einem Geist des Widerstands. Es gibt Menschen, die Künstler:innen nicht für ihre Arbeit bezahlen wollen. Für diese sehr unkreativen Personen, die Zugang zu Kreativität möchten, ohne sie wertzuschätzen, ist KI eine bequeme Lösung. Dazu habe ich eine sehr klare Haltung. Kunst war in meinem Leben transformativ – sie hat mir eine Stimme gegeben, einen Sinn, eine Gemeinschaft. Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie sie als austauschbar behandelt wird.
Der Song ist vom japanischen Filmemacher und Gründer des Studio Ghibli Hayao Miyazaki inspiriert.
Ich habe ihn aus zwei Gründen nach ihm benannt. Erstens geht es in dem Song um das dringliche, beinahe verzweifelte Bedürfnis, etwas zu erschaffen. Ich habe schon immer Kunst gemacht. Bevor ich zur Musik kam, habe ich Bildende Kunst und Kunstgeschichte studiert, und ich male und zeichne noch immer – das ist essenziell für mein Wohlbefinden. Auch Hayao Miyazaki ist jemand, der nicht aufhören kann, Kunst zu schaffen. Er hat mehrfach seinen Ruhestand angekündigt, nur um dann doch wieder einen weiteren Film zu machen. Selbst jetzt, mit über 80, erschafft er weiterhin atemberaubende, zutiefst menschliche Werke – oft mit einer klaren Anti-Kriegs- und Anti-Klima-Zerstörungs-Haltung.
Zweitens habe ich eine Dokumentation gesehen, in der Animationsstudierende ihm KI-generierte Bilder präsentierten – und Miyazaki war zutiefst entsetzt. Er nannte es eine Beleidigung des Lebens selbst. Ich habe den Song nach ihm benannt, weil er versteht, was es wirklich bedeutet, Künstler:in zu sein: die Mühe, die Erschöpfung – aber auch die menschliche Notwendigkeit dahinter.
Sie posten häufig Ausschnitte unveröffentlichter Songs auf Social Media und spielen „Miyazaki“ bereits live, obwohl der Song erst nächste Woche erscheint. Viele würden dieses Vorgehen als antiklimaktisch bezeichnen.
Ich langweile mich, wenn ich Dinge immer auf dieselbe Weise mache – ich halte das für überschätzt. Lieber versuche ich, jedes Mal neue Wege zu finden, meine Fans zu überraschen und neugierig zu machen. Einen Song bis zur Veröffentlichung komplett geheim zu halten, kann absolut sinnvoll sein, und es wird auch Songs geben, bei denen ich das weiterhin so handhabe. Aber meine Musik ist mehr als bloß ein kommerzielles Unterfangen.
Als ich „Good Boy“ offiziell veröffentlichte, hatte ich ihn bereits fast ein Jahr lang live gespielt. In diesem politischen Klima fühlte sich das notwendig an. Ich hatte das Gefühl: Das muss ich jetzt sagen. Ich wollte, dass Menschen darin Trost finden oder vielleicht ihre Meinung ändern oder zumindest ins Gespräch kommen. „Good Girl“ hingegen habe ich kaum angeteasert oder live gespielt, bis er fertig war – das passte besser zu diesem Song. Und bei „Miyazaki“, einem Song über die Dringlichkeit des Schaffens, fühlt es sich ebenfalls stimmig an, ihn unmittelbarer zu teilen.
Gibt es für Sie eine Art goldenen Schnitt, wann ein Song veröffentlicht werden sollte? Woran merken Sie, dass er fertig ist?
Wenn es ein guter Song ist, bin ich meistens unglaublich ungeduldig – ich möchte, dass er am liebsten schon gestern erschienen wäre. Daran erkenne ich es in der Regel. Und das gilt auch für meine kommende Musik. Es fühlt sich nicht so an, als würde ich mich jedes Mal neu erfinden – eher, als würde ich neue Bereiche auf einer Landkarte freilegen. Ich sehe die Landschaft klar vor mir, und ich möchte, dass alle anderen sie ebenfalls sehen. Aber solange die Musik nicht draußen ist, können sie das nicht.
Ich glaube, es war David Bowie, der einmal sagte, dass Musik zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung widerspiegelt, wo man vor Jahren stand, weil Schreiben und Herausbringen eines Projekts so lange dauern kann. Das ist eine meiner größten Frustrationen als Künstlerin. Wenn ich also dieses Kribbeln spüre – diese Ungeduld, dass Menschen einen Song hören und ihn mit dem verbinden, wer ich jetzt gerade bin –, dann weiß ich, dass er fertig ist.