Ihre Bücher werden heute in vielen Ländern gelesen und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Was glauben Sie, machen Geschichten, die so stark in Argentinien verwurzelt sind, für Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt zugänglich?
Meine Bücher werden in verschiedenen Ländern unterschiedlich gelesen, und das ist oft überraschend. Zum Beispiel werden in Frankreich sehr viel gelesen, in Italien dagegen weniger – und es gibt keinen wirklich klaren Grund dafür.
Gibt es universelle Ängste?
Meiner Meinung nach gehören Ängste zu den wenigen wirklich universellen Dingen. Wir alle haben Angst vor dem Tod, vor Gewalt, vor Wahnsinn, vor Verlust, vor dem Ende, vor Bedrohungen. Die Gefahr kann sich in unterschiedlichen Formen zeigen, aber auf die Gefahr reagieren wir alle.
Wovor haben Sie heute am meisten Angst – nicht als Schriftstellerin, sondern als Mensch?
Vor Krankheit und vor dem Alter.
Die Welt scheint derzeit von großer Unsicherheit geprägt zu sein: Kriege, politische Krisen, Gewalt, Angst vor der Zukunft. Haben Sie das Gefühl, dass wir in einer besonders „dunklen“ Zeit leben?
Nein. Ich glaube, jede Epoche war dunkel. Ich denke nicht, dass unsere Zeit dunkler ist als etwa die stalinistischen Säuberungen, der Zweite Weltkrieg mit der Bombardierung von Hiroshima, der Sklavenhandel nach Amerika oder die Massaker an indigenen Bevölkerungen.
Was ich allerdings für wirklich anders halte, ist das Internet. Es geht dabei nicht mehr nur darum, dass wir alles sehen können, sondern auch um die Unfähigkeit, dem zu glauben, was wir sehen – zusammen mit einer gewissen Apathie oder absolutistischen Diskursen. Ich denke, das Netz hat alles verändert, sogar unsere Wahrnehmung.