Liegt der Grund für deine mentalen Probleme in deiner Hosentasche?

Wir wachen mit ihm auf, wir schlafen mit ihm ein und zwischendrin begleitet es uns bei fast allem, was wir tun: unser Smartphone

Foto: Curated Lifestyle/unsplash
Foto: Curated Lifestyle/unsplash

Kaum ein anderes Gerät hat unser Leben so stark verändert. Es vereinfacht den Alltag, verbindet uns mit Freunden auf der ganzen Welt und sorgt dafür, dass wir ständig informiert sind. Und genau darin liegt auch das Problem

Denn das, was praktisch klingt, kann für unsere mentale Gesundheit einen hohen Preis haben. Zu viel Zeit am Handy kann Schlaf, Konzentration und Stimmung beeinträchtigen. Viele Menschen spüren: Eigentlich hatte ich Pause, aber warum bin ich trotzdem erschöpft?

Patricia Oleksiak, Business Health Coach und Gründerin von slows – dem ersten Fitnessstudio für mentale Gesundheit in Deutschland – beobachtet täglich, wie sehr dieses „always on“ und „always available“ unsere mentale Gesundheit belastet.

Immer erreichbar. Foto: unsplash/jakub zerdzicki.

Immer erreichbar. Foto: unsplash/jakub zerdzicki.

Stress im Minutentakt

Benachrichtigungen wirken harmlos, tatsächlich bringen sie uns oft in einen Zustand ständiger Erwartung. Was, wenn jetzt etwas Wichtiges kommt? Was, wenn ich etwas verpasse? Genau diese „What if’s“ halten unser Nervensystem aktiv – auch dann, wenn gar nichts Dringendes passiert.

Forschungen zeigen, dass schon die bloße Anwesenheit des Smartphones ausreicht, um Aufmerksamkeit und Konzentration zu verringern. Dauerhafte Erreichbarkeit verstärkt dieses Muster: Wir sind ständig ein bisschen angespannt, ohne es bewusst zu merken.

Wenn Technik zur Selbstoptimierung wird

Immer mehr Menschen tracken jeden Schritt, jede Stunde Schlaf, jede Herzfrequenz. Technik kann uns helfen, bewusster mit Gesundheit umzugehen. Doch sie birgt auch Risiken. Statt morgens in uns hineinzuspüren, wie wir geschlafen haben, schauen wir zuerst auf die Daten auf dem Smartphone. Wir analysieren, bevor wir überhaupt fühlen. Statt uns mitten am Tag zu fragen, ob wir Bewegung brauchen, verlassen wir uns auf den Schrittzähler.

Das Problem: Wir gewöhnen uns daran, Signale unseres Körpers nicht mehr selbst wahrzunehmen. Gleichzeitig erzeugt das ständige Messen und Optimieren Druck. Denn die Zahlen auf dem Display lassen sich nicht immer beeinflussen und fühlen sich manchmal wie eine Bewertung an.

Aus psychologischer Sicht spricht man hier vom „Quantified Self Paradox“: Wir suchen Kontrolle über unser Wohlbefinden, riskieren aber, genau dadurch Stress und Unzufriedenheit zu verstärken. Gerade am Morgen wäre es für unsere mentale Gesundheit oft hilfreicher, den Körper selbst zu spüren, statt sofort im Analyse-Modus zu sein.

Wenn Erholung keine Erholung ist

Viele Menschen greifen in Pausen oder am Abend automatisch zum Handy. Das wirkt kurzfristig wie Ablenkung, doch für das Gehirn ist es zusätzlicher Input. Unser Nervensystem bleibt im Aktivitätsmodus, anstatt in die nötige Regeneration zu gehen. Deshalb fühlen wir uns nach einer „Pause am Handy“ oft noch erschöpfter als zuvor.

slows – das ersten Fitnessstudio für mentale Gesundheit in Deutschland. Foto: Diana Dingi.

slows – das ersten Fitnessstudio für mentale Gesundheit in Deutschland. Foto: Diana Dingi.

Mentale Fitness trainieren - nicht nur körperliche

Genau deshalb habe ich slows gegründet – das erste Fitnessstudio für mentale Gesundheit in Deutschland. Wir alle wissen, dass wir unseren Körper trainieren müssen, wenn wir stark und gesund bleiben wollen. Doch kaum jemand überträgt dieses Prinzip auf den Kopf. Dabei ist mentale Fitness genauso entscheidend – und sie funktioniert nur, wenn wir regelmäßig üben.

Unser Ansatz bei slows ist ganzheitlich: Wir arbeiten mit dem Körper, mit Gedanken, mit Emotionen und mit sozialer Verbindung. Natürlich gehört auch digitale Achtsamkeit dazu, aber genauso Bewegungsübungen, Entspannungstechniken oder Austauschformate.

Denn mentale Gesundheit bedeutet nicht nur, im Akutfall zu reagieren, sondern präventiv zu trainieren: das Nervensystem zu stärken, Stress abzufangen, bevor er krank macht, und echte Pausenräume zu schaffen – ob offline vom Handy, im Körper, in Beziehungen oder im Kopf.

Sauna als Übung im Loslassen

Eine meiner Lieblingsübungen für Körper und Geist ist die Sauna. Sie unterstützt das Immunsystem und bringt den Kreislauf in Schwung und noch wichtiger: das Handy bleibt draußen.

Kein Bildschirm, keine Nachrichten, kein Vergleich. Wer schon einmal einen Nachmittag in einer Wellnesswelt wie z.B. iim vabali spa verbracht hat, kennt dieses Gefühl: Die Welt draußen wird leiser, die Gedanken klarer, der Körper entspannt. Diese Momente sind wie ein kleiner Reset für das Nervensystem.

Gerade weil slows nicht nur im Studio stattfinden, ist mir wichtig zu zeigen: Mentale Fitness heißt, Räume zu schaffen, in denen wir offline gehen dürfen, egal ob im Kursraum, zu Hause oder in der Sauna.

Patricia Oleksiak, Business Health Coach und Gründerin von slows – dem ersten Fitnessstudio für mentale Gesundheit in Deutschland. Foto: Diana Dingi.

Patricia Oleksiak, Business Health Coach und Gründerin von slows. Foto: Diana Dingi.

3 Tipps für echte mentale Pausen

  1. Handyfreie Zonen schaffen
    Leg dein Smartphone bewusst in einem anderen Raum ab – beim Essen, beim Spaziergang oder im Schlafzimmer. Schon kleine Rituale helfen, das Nervensystem herunterzufahren.
  1. Spüren statt tracken
    Frag dich morgens, wie du geschlafen hast, bevor du auf dein Display schaust. Oder hör in dich hinein, ob du Bewegung brauchst, statt direkt den Schrittzähler zu öffnen.
  1. Räume für echte Erholung nutzen
    Ob in der Natur, im Gespräch mit anderen oder in der Sauna. Momente ohne Display wirken wie ein Reset für Körper und Geist. Genau solche Pausen trainieren wir auch bei slows, dem ersten Fitnessstudio für mentale Gesundheit in Deutschland.

Fazit

Das Smartphone ist kein „Feind“. Aber es ist so gestaltet, dass es unsere Aufmerksamkeit maximal bindet. Wenn wir lernen, bewusster damit umzugehen und Pausen einzubauen, schützen wir nicht nur unsere mentale Gesundheit im Moment – wir investieren auch in unser langfristiges Wohlbefinden.

Über die Autorin

Patricia Oleksiak ist Wirtschaftsingenieurin, ehemalige Social-Media-Beraterin und Business Health Coach. 2024 gründete sie mit slows in Berlin das erste Fitnessstudio für mentale Gesundheit in Deutschland.

Ihr Ziel: mentale Fitness so selbstverständlich und zugänglich zu machen wie körperliches Training.

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