Weibliche Kreativität ist kraftvoll, intuitiv und visionär

Arianna Lelli Mami, Mitgründerin des Mailänder Designstudios Studiopepe, und Giusi Tacchini, CEO des italienischen Möbelhauses Tacchini, gehören zu den einflussreichsten Frauen der internationalen Designszene. In Düsseldorf präsentierten sie ihre neuesten Stücke im Showroom von Patrick Treutlein

Foto: Andrea Ferrari
Foto: Andrea Ferrari

Architektur, Design und Kunst trafen sich bei Patrick Treutlein in Düsseldorf. Warum? Arianna Lelli Mami vom Mailänder Studio Studiopepe und Giusi Tacchini, CEO des italienischen Möbelhauses Tacchini, waren im Flagshipstore zu Gast, um ihre neue Zusammenarbeit zu präsentieren.

Das Ergebnis heißt Gian & Pan – ein Ensemble aus niedrigen, organisch geformten Tischen, das beispielhaft für die Verbindung der handwerklichen Exzellenz von Tacchini mit der kreativen Vision von Studiopepe steht.

Mit den beiden Italienerinnen und Unternehmerinnen sprachen wir über deutsches und italienisches Design, Female Empowerment und Nachhaltigkeit.

Giusi Tacchini. Foto: Paul Maffi

Giusi Tacchini. Foto: Paul Maffi

Marie Claire: Was bedeutet es für Sie, hier in Düsseldorf zu sein, und was bedeutet diese Zusammenarbeit mit Treutlein?

Giusi Tacchini: Für uns ist es sehr wichtig, heute hier zu sein. Unser Team hat sehr intensiv an diesem Event gearbeitet und viel Energie hineingesteckt. Es ist ein Händler, mit dem wir schon lange zusammenarbeiten wollen, und wir freuen uns sehr, dass unsere Produkte hier in diesem Raum präsentiert werden.

Marie Claire: Sie sind zwei Frauen in einem sehr bekannten und wichtigen Unternehmen. Wie ist es, in einer Branche eine führende Rolle zu haben, die in vielen Ländern von Männern dominiert wird?

Arianna Lelli Mami: Sicherlich ist es eine große Herausforderung, als Frau in dieser Branche zu arbeiten. Frauen mögen Herausforderungen und sind fähig, sie zu meistern. Wir machen es mit Inspiration und einem klaren Blick in die Zukunft. Historisch war diese Welt sehr männlich geprägt – besonders in Regionen wie der Brianza oder in Mailand (woher beide kommen)– aber heute gibt es eine neue Generation von Frauen, die den Ton angeben und mit einer offenen, inklusiven Haltung arbeiten.

Giusi Tacchini: Ich möchte hinzufügen, dass wir diese Gelegenheit als Chance sehen, die Sprache der Gestaltung weicher und anspruchsvoller zu machen und die Beziehungen sorgfältiger zu pflegen – auf eine Weise, die zum weiblichen Universum gehört.

MC: Wie arbeiten Sie zusammen? Welche Rolle hat jede von Ihnen im Unternehmen?

GT: Zuerst einmal sind wir beide Mütter. Neben der Arbeit haben wir also ein ganz anderes Universum – unsere Kinder. Unsere Söhne sind ungefähr im gleichen Alter, also tauschen wir uns auch über diese Themen aus. In unserem Unternehmen machen wir vieles selbst – jeder Tag bringt neue Herausforderungen.

ALM: Mein Bereich ist Architektur und Design. Neben der kreativen Arbeit ist mein Fokus die Art Direction – die gemeinsame Vision, die hinter jedem Stück steht. Das ist etwas, das Giusi und ich teilen.

Studiopepe. Foto: Andrea Ferrari

MC: Warum glauben Sie, dass Ihre Zusammenarbeit so gut funktioniert?

ATL: Weil wir dieselbe Vision teilen. Wir verstehen uns leicht, wir haben eine gemeinsame Sprache. Wenn Arianna ein Detail erwähnt, weiß ich sofort, was sie meint – das erleichtert alles.

GT: Es gibt gegenseitigen Respekt. Ich schätze die Arbeit von Studiopepe sehr, und wir sprechen dieselbe ästhetische Sprache. Das macht alles einfach und natürlich.

MC: Wie verbinden Sie Funktionalität und Seele in Ihren Entwürfen?

GT: Funktionalität ist der erste Schritt. Danach kommt die Ästhetik, aber beides ist untrennbar. Unsere Produkte sollen nicht nur nützlich sein, sondern Emotionen wecken. Die Menschen sollen sich in sie verlieben – durch Form, Material, Farbe, Berührung.

ATL: Genau, der Tastsinn spielt eine große Rolle. Wir denken an Farben, Oberflächen, Glanz, Dicke – alles Details, die wesentlich für das Erlebnis sind.

Foto: Andrea Ferrari

TACCHINI Studiopepe Equinox. Foto: Andrea Ferrari

MC: Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart im Design?

ATL: Wir arbeiten mit Klassikern und zeitgenössischen Stücken. Die Vergangenheit lehrt uns viel – von den großen italienischen Meistern – aber wir suchen auch neue Codes für das heutige Wohnen. Wichtig ist, dass alle Stücke zeitlos sind, damit sie aus verschiedenen Epochen harmonisch zusammenleben können.

MC: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Arbeit?

ATL: Eine zentrale. Qualität und Langlebigkeit machen ein Produkt nachhaltig. Wenn man Stücke entwirft, die weitergegeben werden – von Generation zu Generation – entsteht wahre Nachhaltigkeit.

GT: Auch die Arbeit mit lokalen Handwerkern in der Brianza gehört dazu. Diese Region ist voller Meister ihres Fachs, und ihre Erfahrung ist ein wesentlicher Teil unserer Produktion.

MC: Was ist das Schwierigste und das Schönste an Ihrer Arbeit?

GT: Schwierig ist nichts – aber anstrengend, ja. Wir tragen viel Verantwortung, und manchmal ist das Tempo sehr hoch. Trotzdem lieben wir, was wir tun.

ATL: Ich stimme zu. Es erfordert Konzentration und Energie, aber die Leidenschaft gleicht alles aus.

MC: Made in Italy ist seit Jahren eine richtige Marke, was bedeutet sie heute?

ATL: Es steht für Handwerkskunst, Industrie und Ästhetik. Es ist kein nostalgisches Label, sondern eine Kombination aus Tradition und Innovation. Italien verbindet eine kreative Vision, industrielle Stärke und ein ausgeprägtes Gespür für Stil.

MC: Was denken Sie über deutsches Design?

ATL: Wir bewundern die Meister – die Bauhaus-Schule, ihre Strenge, die formale Klarheit. Das hat auch uns geprägt. Italienisches Design ist ähnlich klar, aber weicher. Es gibt einen lebendigen Dialog zwischen Italien und Deutschland.

TACCHINI Studiopepe Five to Nine. Foto: Andrea Ferrari

TACCHINI Studiopepe Five to Nine. Foto: Andrea Ferrari

MC: Welche Frauen im Design inspirieren Sie?

ATL: Gae Aulenti – eine starke Frau mit bedeutenden Projekten. Auch Gabriella Crespi, wegen ihrer künstlerischen Freiheit und modernen Vision. Und natürlich die Frauen des Bauhauses, besonders in der Textilkunst – ihre Arbeit bleibt eine große Inspiration.

GT: Ja, sie haben allen gezeigt, dass weibliche Kreativität kraftvoll, intuitiv und visionär ist. Ihre Projekte sind heute aktueller denn je.

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