Justine Henin: „Wir sind nicht hier, um allen zu gefallen, wir sind hier, um unsere Arbeit zu machen“

Tennis-Star Justine Henin über Selbstvertrauen, das Neinsagen und positives Denken – zum Auftakt von „Her Voice, Her Game“, der ersten gemeinsamen Sendung von Eurosport und Marie Claire.

Justine Henin in dunklem Blazer und Jeans lächelt im Studio vor einer Kamera, im Hintergrund der Schriftzug „Her Voice, Her Game“
Justine Henin beim Dreh von „Her Voice, Her Game“. Foto: Chloé Hautier

Zum ersten Mal haben Eurosport und Marie Claire gemeinsam eine Sendung entwickelt: „Her Voice, Her Game“. Jede Folge ist ein Gespräch mit einer inspirierenden Sportlerin, das über Karriere und sportliche Erfolge hinausgeht und die Frau dahinter in all ihrer Authentizität zeigt: ihre Verletzlichkeit, ihre Hoffnungen und das, was sie weitergeben möchte.

In der ersten Folge spricht Tennisstar Justine Henin offen mit unseren Journalistinnen. Die Sendung läuft ab dem 26. Oktober auf Eurosport und ist auf HBO Max abrufbar.

Drei Frauen sitzen in Sesseln im Studio und sprechen miteinander, im Vordergrund eine Kamera, an der Wand der Schriftzug „Her Voice, Her Game“
Justine Henin (r.) im Gespräch für „Her Voice, Her Game“. Foto: Chloé Hautier

Wenn eine Frau Nein sagt, gilt sie oft als schwierig. Die belgische Tennischampionin und Gründerin einer Tennisakademie Justine Henin weiß, wovon ich spreche. „Während meiner Karriere wurde ich als ziemlich kühl wahrgenommen. Wenn ich Nein gesagt habe, meinte ich Nein. Aber wir sind nicht hier, um allen zu gefallen, wir sind hier, um unsere Arbeit zu machen. (…) Wenn man Ziele hat, muss man auf sich achten, und das heißt manchmal auch, nicht gemocht zu werden und Nein sagen zu lernen.“

Justine Henin sitzt in einem hellen Sessel im Studio, im Vordergrund unscharf eine Kamera
Selbstvertrauen hat Justine Henin von ihrer Mutter gelernt. Foto: Chloé Hautier

Meiner Erfahrung nach fällt das Neinsagen mit dem Alter leichter. Doch Justine war gerade einmal 21, als sie ihr Ziel erreichte, die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste zu werden. Angetrieben hat die heute 44-Jährige ihr Selbstvertrauen – ein Selbstvertrauen, das ihr ihre Mutter mitgegeben hat. Françoise, Lehrerin, war ihrer Zeit voraus: Sie half Schülerinnen und Schülern, vor allem Mädchen, an ihrem Selbstvertrauen zu arbeiten. Für Justine war das „eine Inspiration“.

Wenn sie gegen starke Rivalinnen wie Serena Williams antrat, dachte Justine, mit 1,67 Metern vergleichsweise klein, an ihr erstes Turnierfinale zurück, das sie mit sechs Jahren spielte. Ihre Gegnerin war größer und älter – an ihren vollständigen Namen erinnert sich Justine noch heute! Trotzdem gewann Justine. „Ich habe immer gedacht: Okay, vielleicht ist sie größer als ich, aber ich habe andere Qualitäten, andere Waffen.“

Heute freut sich Justine, dass immer mehr Frauen auf der Tour selbstbewusst genug sind, es anzusprechen, wenn etwas nicht stimmt. „Elina Svitolina hat letztes Jahr gesagt: ‚Ich muss wieder zu mir selbst finden‘, und das hat ein paar Monate gedauert (…). Dann kam sie dieses Jahr so stark zurück, das finde ich großartig.“ Für Justine selbst war eine Pause keine Option, damals sei das schlicht undenkbar gewesen. Stattdessen beendete sie ihre Karriere. Zweimal. Zuerst mit 25, als ihre Schwester eine schwere Zeit durchmachte. Und ein paar Jahre später noch einmal wegen einer Verletzung. Da hatte sie bereits ihre Akademie eröffnet – dort schöpft sie heute Kraft, ebenso wie beim Großziehen ihrer Kinder.

Justine gibt zu, dass es ihr schwerfällt, wenn ihre Arbeit sie von zu Hause wegführt. Doch sie ist überzeugt, damit ein gutes Vorbild zu sein. „(Meine Kinder) sehen, dass ich etwas tue, das ich liebe (…). Wenn wir dort sind, wo wir sein wollen, senden wir, glaube ich, eine gute Botschaft.“ Justine teilt ihre Erfahrung und Leidenschaft gern – mit dem Fernsehpublikum, wenn sie als Kommentatorin arbeitet, und mit den Spielerinnen und Spielern ihrer Akademie. Eine positive Denkweise zu trainieren, ist für sie entscheidend. „Ängste waren immer da, Zweifel waren immer da, aber ich habe gelernt (…), mir einen positiven Ausgang vorzustellen. Das habe ich intensiv trainiert und daran gearbeitet (…), und das versuche ich weiterzugeben.“

Regiemonitor mit mehreren Kamerabildern vom Interview im Studio
Blick auf die Regie: Mehrere Kameras halten das Gespräch fest. Foto: Chloé Hautier

Ihre „optimistische Seite“ entdeckte Justine nach der größten Tragödie ihres Lebens: Ihre Mutter starb an Krebs, als Justine gerade einmal zwölf Jahre alt war. Eine Zeit lang verlor sie die Liebe zum Tennis. Doch die Liebe zum Tennis kehrte mit voller Wucht zurück, und Justine war entschlossen, ihren Verlust „in eine Chance“ zu verwandeln. Genau diese Widerstandskraft möchte sie heute ihren Kindern und jungen Tennisspielerinnen und -spielern mitgeben.

Hart arbeiten. Selbstbewusst sein. Positiv denken. Das sind Justines zentrale Botschaften. Und das Entscheidende: Scheitern ist für Justine ebenfalls in Ordnung, solange man daraus lernt. Sie ist „besessen“ davon, voranzukommen und zu lernen. Erst vor relativ kurzer Zeit hat Justine gelernt zu delegieren. Und loszulassen. Sie hat nicht mehr das Bedürfnis, in allem herausragend zu sein. Das verdankt sie zum Teil „jahrelanger Therapie“, aber auch ihren Kindern. „Ich habe meine Kinder bekommen, Lalie und Victor, und mir wurde klar: Ich werde einfach tun, was alle tun – mein Bestes.“

Kurz gefragt

Lieblingsgericht?
„Fleischbällchen aus Lüttich, wo ich geboren bin.“

Guilty Pleasure?
„Ein Glas Champagner. Heute feiere ich alles, was es wert ist, gefeiert zu werden, mit Champagner!“

Drei Dinge, die die Leute nicht über Sie wissen?
„Ich bin sehr neugierig, ziemlich abergläubisch, und ich reise sehr gern mit meiner Familie, vor allem auf Roadtrips.“

Wie entspannen Sie am besten?
„Ein einfaches Abendessen, Zeit mit meinen Kindern, mit meinen Freunden (…), Padel spielen, laufen, lesen und mit meinem Mann ins Kino gehen.“

Claire Pryde hat Justine Henin gemeinsam mit Lesly Boitrelle von Eurosport für die neue Reihe „Her Voice, Her Game“ interviewt, in der sie mit Spitzensportlerinnen sprechen. Einen Ausschnitt gibt es auf der Marie-Claire-Website, das vollständige Interview auf Eurosport.

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