Schwimmerin Leonie Beck über Female Empowerment, mentale Stärke und das Leben nach dem Leistungssport

Die ehemalige Leistungsschwimmerin Leonie Beck spricht beim Open Water Cup von arena über Disziplin, mentale Belastung, den weiblichen Körper im Spitzensport – und darüber, warum Female Empowerment dort beginnt, worüber lange geschwiegen wurde.

Schwimmerin und Markenbotschafterin von arena Leonie Beck im Gespräch. Foto: PR
Schwimmerin Leonie Beck im Gespräch. Foto: PR

Die Schwimmerin Leonie Beck

Sie ist im Wasser groß geworden. Ihr älterer Bruder war im Schwimmverein, sie wollte als jüngere Schwester hinterher. Irgendwann schwamm auch der jüngere Bruder. „Wir sind alle drei, oder eigentlich unsere ganze Familie, im Schwimmbad aufgewachsen“, erzählt die deutsche Leistungsschwimmerin Leonie Beck.

Für Beck wurde der Schwimmspaß schnell zum Beruf. Ihren ersten Meistertitel gewann sie mit nur 15 Jahren. Während Gleichaltrige ihre Jugend zwischen Partys, spontanen Verabredungen und langen Nächten verbrachten, gab das Training Beck den Alltag vor. Schwimmbad, Training, Flughafen, Hotel, Wettkampf, Regeneration. Und wieder von vorn. Nach Verzicht klingt es, wenn man von außen darauf schaut. Sie selbst sieht es nicht so. „Ich habe wirklich nicht das Gefühl, dass ich irgendwas verpasst habe“, sagt die in Augsburg geborene Athletin. „Für mich war einfach der Sport immer an erster Stelle.“

Was nicht auf der Anzeigetafel steht

Hundertstelsekunden, Millimeter und Platzierungen: Leistung und Erfolg lassen sich im Schwimmen wunderbar messen. Die mentale Arbeit dahinter ist schwer zu erfassen. Auch die Olympia-Teilnehmerin glaubte lange, ohne mentales Training auszukommen. Sie sei mit sich im Reinen gewesen, erzählt Beck. Bis ihr Körper irgendwann zeigte, wie groß der Druck tatsächlich war. Vor Rennen wurde sie zeitweise so nervös, dass sie sich übergeben musste. „Vor vier, fünf Jahren habe ich dann meine Sportpsychologin aufgesucht“, so Leonie Beck weiter. Heute spricht sie anders über mentale Unterstützung als damals. „Irgendwann kommt man an den Punkt, da kann man einfach nicht mehr.“

Familie, Trainer:innen, die Trainingsgruppe, Sportpsycholog:innen – all das könne zum Auffangnetz werden. Denn Leistungssport bestehe nicht nur aus den erfolgreichen Momenten auf dem Treppchen. „Es gibt natürlich positive Momente, aber es gibt auch viele Rückschläge, mit denen du umgehen musst.“ Was dabei entsteht, ist Resilienz. Eine Eigenschaft, die sie auch in ihr Leben nach dem Spitzensport mitnimmt.

Leonie in Budapest, 2022. Foto: La Presse

Gleich im Wasser: Ein Sport als Vorreiter…

Schwimmen ist trotzdem in vielerlei Hinsicht ein Gegenbeispiel zu den Problemen und Ungleichheiten, die den Leistungssport bis heute beschäftigen. Denn in Fragen der Gleichstellung ist die Sportart vielen anderen Disziplinen weit voraus. Frauen und Männer teilen sich die großen internationalen Becken. Die Disziplinen sind weitgehend dieselben, die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf dieselben großen Meisterschaften, dieselben Distanzen. Frauen prägen den Sport genauso wie ihre männlichen Kollegen. Auch Leonie Beck selbst hat ihre Karriere genau so erlebt. Ihre Brüder schwammen, sie schwamm. Auf die Frage, ob sie anders behandelt worden sei als ihre männlichen Kollegen, antwortet sie ohne Zögern: „Ich habe mich tatsächlich nie anders gefühlt.“ Und doch bedeutet Gleichstellung nicht zwangsläufig, dass Frauen und Männer unter identischen körperlichen Voraussetzungen trainieren.

…und ein weiblicher Körper, der trotzdem anders funktioniert

„Ich habe es halt einfach so hingenommen, dass man eine Periode hat.“ Der Satz fällt beinahe beiläufig. Sie erzählt, dass trotzdem trainiert wurde. Auch mit Schmerzen, auch mit Beschwerden. „Du musst halt trotzdem deine Leistung abrufen.“

Heute sieht Beck das kritischer als damals: „Ich denke, es ist schon sehr, sehr wichtig, darüber zu reden“, sagt sie. Das leuchtet ein. Denn solange Menstruation im Leistungssport etwas ist, das man still mit sich selbst ausmacht, bleibt auch das Wissen darüber begrenzt. Sie spricht über perioden- und zyklusbasiertes Training, darüber, Training für den weiblichen Körper zu planen. „Wenn es so ein Tabuthema ist, dann ist es schwierig. Dann traut sich niemand, darüber zu reden.“

Leonie Beck
Leonie Beck arbeitet seit vielen Jahren als Markenbotschafterin mit dem Schwimmsport-Label arena zusammen. Foto: PR

Über weibliche Stärke und Zusammenhalt

Wenn Leonie Beck über Female Empowerment spricht, geht es ihr vor allem um gegenseitige Unterstützung. „Ich würde mich einfach freuen, wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen. In allen Hinsichten.“ Besonders beeindruckt sei sie von Athletinnen, die nach Schwangerschaft und Geburt in den Spitzensport zurückkehren. Frauen, die zeigen, dass Mutterschaft und sportlicher Ehrgeiz einander nicht ausschließen müssen. Gleichzeitig wünsche sie sich, dass Frauen aufhören, sich ständig miteinander zu vergleichen. Vor allem in sozialen Medien, wo vermeintlich perfekte Lebensentwürfe oft wenig mit der Realität zu tun haben.

Was macht man als Leistungssportlerin nach dem Karriereende?

Im August gab Leonie Beck das Ende ihrer Profikarriere bekannt. Nach Jahren, in denen sich beinahe jede Entscheidung um Trainingspläne, Wettkämpfe und die nächste Bestzeit drehte, beginnt für sie nun ein neuer Lebensabschnitt.

Was man als Leistungssportlerin nach dem Karriereende macht, frage ich sie. Sie baue sich ihre zweite Karriere auf, antwortet die 29-Jährige. Social Media, Content Creation, Interviews, Moderation. Sie mache eine Moderatorenausbildung, wolle in die Medien, vielleicht ins Fernsehen. Zum ersten Mal seit Langem dürfe sie außerdem Sport machen, einfach nur weil es ihr Spaß macht. Worauf sie sich besonders freut? „Andere Sportarten ausprobieren. Spontaner sein. Nicht immer überlegen, ob etwas ein Verletzungsrisiko darstellt.“

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