MC: Sie haben die Gemeinschaft angesprochen. Diese Verbundenheit gilt als Schlüssel für nachhaltigen Wandel. Gemeinschaft und Verbündete gelten als Schlüssel für nachhaltigen Wandel. Warum setzen Sie besonders auf Allianzen zwischen Frauen?
Malkani: Isolation ist eine der wirkungsvollsten Waffen gegen Frauen. In vielen Konfliktgebieten werden Frauen räumlich, sozial und psychologisch bewusst voneinander getrennt. Wenn wir geschützte Räume schaffen, in denen sie sich austauschen, entsteht etwas zutiefst Mächtiges: gemeinsame Erkenntnis, gegenseitige Stärke, praktische gegenseitige Hilfe. Viele Frauen werden zu Mentorinnen füreinander, gründen zusammen Unternehmen oder bauen langfristige Netzwerke auf, die weit über unser Programm hinaus Bestand haben. Jede Frau, die wir stärken, gibt ihr Wissen im Schnitt an fünf weitere weiter. Der Ripple-Effekt ist also enorm groß.
MC: Die Organisation ist heute in rund 15 Krisenregionen aktiv. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird?
Malkani: Wir konzentrieren uns ausschließlich auf Konflikt- und Krisengebiete. Dabei prüfen wir: Wo ist die Not am größten? Wo gibt es schon andere NGOs? Wo erreichen wir Frauen, die sonst keine Unterstützung bekommen? Welche lokalen Organisationen gibt es bereits, mit denen wir partnerschaftlich arbeiten können? Kriegen wir die Männer dazu mitzuziehen? Wir wollen niemals paternalistisch agieren, sondern Programme ergänzen, Lücken schließen und gemeinsam wirken. Erst wenn wir sehen, dass unsere Methode greift, und Sicherheit für unsere Teams gegeben ist, bauen wir eigene Strukturen vor Ort auf. Veränderung soll von unten wachsen, nicht von oben verordnet werden.
MC: Wir haben viel über Frauen geredet, sie haben aber auch die Männer angesprochen. Welche Rolle spielen sie innerhalb der Programme?
Malkani: Ich freue mich, dass auch viele Männer an den Veranstaltungen teilnehmen. Sie sollen sich bitte nicht von dem Namen abschrecken lassen. Wir laden Ehemänner, Brüder und lokale Autoritäten zu sogenannten Male Engagement Workshops ein, in denen wir über Geschlechterrollen, toxische Männlichkeit und die Vorteile gleichberechtigter Partnerschaften sprechen. Viele Männer reagieren anfangs skeptisch bis sie sehen, wie sehr ihre Frauen durch das Programm aufblühen und zum Familieneinkommen beitragen. Wenn sie sehen, dass Gleichberechtigung eben keine Bedrohung ist, werden sie oft zu aktiven Unterstützern.
MC: Ist echter Fortschritt überhaupt denkbar, wenn Männer nicht aktiv Teil der Lösung werden?
Malkani: Nachhaltiger Wandel ist nicht ohne Männer möglich, er entsteht nur gemeinsam. Frauen zu stärken, während patriarchale Strukturen unangetastet bleiben, gleicht dem Versuch, durch eine Steinwand zu laufen. In den meisten Gesellschaften halten Männer nun mal die politische, soziale und wirtschaftliche Macht. Wenn wir sie nicht erreichen, bleibt Unterdrückung bestehen. Ich versuche dabei immer alle Seiten zu betrachten. Auch Männer leiden unter starren Rollenbildern. Erst wenn wir neue Narrative von Männlichkeit schaffen, die nicht auf Dominanz beruhen, entsteht Raum für echte Gleichberechtigung.