Prisma der Perfektion: Chanel Haute Couture zeigt im Frühjahr/Sommer 2025 das schönste Spektrum des Savoir-faire

Défilé Dégradé: Die Chanel Haute Couture Show für Frühjahr/Sommer 2025 zelebrierte das 110-jährige Jubiläum der Maison mit Handwerkskunst in ihren schillerndsten Nuancen und ließ – als Zeichen der ewigen Transformation – einen kreativen Fluss aus Farbe und Zeit entstehen.

Zwei Model aus dem Runway der Chanel Haute Couture Frühjahr/Sommer 2025 Show. Eines der Models trägt eine gold funkelnde Pailletten-Robe mit einem Tweed-Mantel. Das andere Model ein Spitzenkleid mit Volants an Brust und Taille.
Meisterwerke aus Tweed, Spitze und Pailletten – Chanel präsentierte im Grand Palais die hohe Schule der Schneiderkunst. Foto: © CHANEL

Eine unendliche Geschichte

Für Chanel gibt es wohl keinen besseren Ort als das legendäre Grand Palais, um ins 110. Jubiläumsjahr zu starten. Immerhin dient das imposante Belle-Époque-Bauwerk bereits seit 2005 als Kulisse für die Schauen der Maison und öffnete nun, nach vier Jahren Renovierungspause, erstmals wieder für eine Couture-Show seine Türen. Bühnenbildner Willo Perron entwarf für das Setting zwei geschwungene Brücken – geformt wie das ikonische Doppel-C und so ineinander verschlungen, dass sie das Unendlichkeitssymbol nachbildeten. Seine Inspiration: die Idee unendlicher Bewegung. Schließlich zeichnet sich Chanel seit 1915, dem Jahr, in dem Gabrielle Chanel ihr Couture-Haus eröffnete, durch konstante Erneuerung aus.

Wie schon die letzte Prêt-à-porter-Kollektion wurde auch diese Haute-Couture-Linie wieder vom „Creation Studio“, einem Kreativ-Team des Hauses, entworfen. Dieses übernahm die künstlerische Leitung, nachdem Lagerfelds Nachfolgerin Virginie Viard im Juni vergangenen Jahres die Maison überraschend verlassen hatte. Das Team wird noch zwei weitere Kollektionen – die kommende Ready-to-Wear-Linie für Herbst/Winter 2025/2026 sowie die folgende Cruise Collection  – verantworten. Danach übernimmt dann der neue Creative Director Matthieu Blazy das Ruder bei Chanel.

Video: © CHANEL

Farben im Verlauf der Zeit

Wie das Setting spielte auch die Kollektion mit der Symbolik der ewigen Transformation und den kreativen Codes der Maison. So zelebriert die Linie Gabrielle Chanels Liebe zur Farbe. Diese Facette ist zwar weniger bekannt als ihre Vorliebe für klassisches Schwarz, wirkte aber ebenso stilprägend. Dabei diente als Inspiration für die Farbpalette der Chanel Haute Couture Kollektion für Frühjahr/Sommer 2025 der stetige Wechsel von Tag und Nacht – ein Sinnbild für fortwährende Erneuerung. Schließlich begann die Show mit zarten Pastelltönen, die an den Morgenhimmel erinnern. Als Zeichen des Neuanfangs eröffnete das Kreativ-Team mit einem Ensemble, dessen Jacke ein handgemaltes Ombré-Dessin zierte. Es folgten ein luftiges Kostüm in Mintgrün sowie ein hellgelbes Pyjama-Set aus feinem Seiden-Crêpe.

Ein leuchtend gelbes Tweed-Kostüm ließ schließlich die Sonne aufgehen. Danach setzten kräftige Farben Akzente, wie zum Beispiel in Form eines orange-rosa Mantels über einem violetten Jacquard-Kleid. Mit der Dämmerung wandelte sich die Farbpalette erneut – von Mint über tiefes Nachtblau bis hin zu Schwarz. Den Abschluss bildeten goldschimmernde Roben, die an das Funkeln des Sternenhimmels erinnerten. Das Défilé endete schließlich – wie jede Chanel Haute Couture Show – mit einem Brautkleid. Für diese Saison zeigte das Creation Studio einen asymmetrischen Entwurf mit kurzem Rock und langer Schleppe aus mehreren Lagen hauchzartem, fein plissierten Stoff. Getragen wurde das Dress von Topmodel Lulu Tenney.

 

„Komfort hat Formen. Liebe hat Farben.“

GABRIELLE CHANEL

© Edmonde Charles-Roux, Le Temps Chanel © Éditions de la Martinière

Fotos: © CHANEL

Stilvolle Reise durch die Dekaden bei der Chanel Haute Couture Show für Frühjahr/Sommer 2025

Tweed – das Signature-Material der Maison – stand auch bei dieser Haute Couture Linie im Fokus. Dabei holte das hauseigene Kreativ-Team das Chanel-Kostüm der 1960er Jahre gekonnt in die Gegenwart. Im Mix mit Tüll, Chiffon und feinen Plissees erhielt das Material eine neue Leichtigkeit. Zudem endeten die Röcke durchweg oberhalb des Knies und bekamen durch geschickt platzierte Falten eine moderne Dynamik. Passend dazu wurde auch die ikonische Chanel-Jacke neu interpretiert – mit glänzendem Satin-Futter in sattem Grün, Gelb oder Königsblau. Eine stilvolle Hommage an die textile Signatur des Hauses zeigte sich zudem in handbemalter Spitze im Trompe-l’Œil-Stil, die eine perfekte Illusion von Tweed erzeugte.

Die Silhouetten der Kollektion waren von Referenzen an vergangene Dekaden geprägt und zelebrierten so die 110-jährige Tradition des Hauses. Opulente Gigot-Ärmel erinnerten an die Jahrhundertwende. Das Kreativ-Team übersetzte sie in die legere Stilsprache von Chanel, indem es die Ärmelansätze im sportlichen, amerikanischen Stil arbeiten ließ. Tiefsitzende Taillen, die Coco Chanel in den 1920er Jahren populär machte, zogen sich wie ein roter Faden durch die Kollektion. Auch die Signaturen der 1970er Jahre fanden sich wieder – etwa in bodenlangen, fließenden Kleidern mit romantischen Poet Sleeves, die das Archiv des Hauses zitierten.

Fotos: © CHANEL

Perfektion en détail

Alle Nuancen des Savoir-faire offenbarten sich im filigranen Dekor der Entwürfe. So spiegelte sich das Tag-Nacht-Thema der Kollektion etwa in handgefertigten Knöpfen in Form von Monden und Sonnen aus Bergkristall, Metall und Strass wieder. Zudem fanden sich Kamelienblüten als weiteres typisches Element der Chanel-DNA in zarten Organza-Applikationen oder als florale Paillettenstickereien. Auch die ikonischen Ketten, die Coco Chanel einst nutzte, um den Saum ihrer Jacken zu beschweren und so deren Fall zu optimieren, erschienen in filigraner Form – als Lurexfäden mit Ketteneffekt.

Seit jeher spielt zudem die Flechtkunst eine große Rolle in den Couture-Kollektionen von Chanel, die das hauseigene Atelier zur Perfektion gebracht hat. Daher zierte eine große Variation an kunstvoll geflochtene Borten die ikonischen Tweed-Ensembles. Schillernde Paillettenstickereien und hauchzarte Federn verliehen den Looks zudem eine glamouröse Leichtigkeit. Abgerundet wurde die Kollektion durch schmale, schwarze Taillengürtel mit goldenen Schnallen und Verzierungen. Sie erinnerten an die Bedeutung der Farbe Schwarz für das Pariser Modehaus und symbolisierten gleichzeitig die fortwährende Verbindung zwischen Tradition und Moderne.

Fotos: © CHANEL

Savoir-faire par excellence

Haute Couture ist weit mehr als nur das Sichtbare. Immerhin stehen hinter jedem Look Hunderte Stunden aufwendiger Handarbeit. Das Herzstück des Savoir-faire von Chanel bilden die berühmten Ateliers in der Pariser Rue Cambon 31, wo hochqualifizierte Kuntshandwerker:innen an den Kreationen feilen. Ergänzt wird deren Arbeit durch die kreativen Werkstätten der Modemanufaktur 19M. Seit Januar 2022 vereint diese im 19. Arrondissement von Paris elf traditionelle Handwerksbetriebe, die Chanel in den vergangenen Jahrzehnten übernommen hat. Ihr Ziel: das mit der Modebrache verbundene Kunsthandwerk zu bewahren und das einzigartige Savoir-faire auch in Zukunft von Generation zu Generation weiterzugeben.

Zu 19M gehört zum Beispiel das Goldschmiedeatelier Goossens. Hier entstehen nicht nur die Schmuckstücke der Maison, sondern auch die kunstvollen Knöpfe für die Haute Couture Designs. Ebenso hat hier das Stickerei-Atelier Lesage, das sich für die aufwendigen Verzierungen der Haute Couture Entwürfe verantwortlich zeichnet, ein neues Zuhause gefunden. Zudem fertigt das berühmte Atelier Lemarié als Teil von 19M edle Federn und Blumenschmuck, während die Expert:innen von Lognon für außergewöhnliche Plissees zuständig sind. Auch die Schuhmacher von Massaro, die seit Jahrzehnten ikonische Modelle für Chanel anfertigen, gehören zur 19M-Familie. Für die aktuelle Kollektion kreierten sie edle Riemchenschuhe und Slipper im typischen Two-Tone-Design.

Video: © CHANEL; Regie: Thierry Demaizière und Alban Teurla 

Connaisseur:innen bei der Chanel Haute Couture Show für Frühjahr/Sommer 2025

Der Einladung zu einer modischen Reise in Chanels Vergangenheit und Zukunft folgten zahlreiche prominente Botschafter:innen und Freund:innen des Hauses. Ein Mix aus jungen Talenten und bekannten Gesichtern stand auch hier symbolisch für die Tradition, Generationen zu verbinden. So wurde zum Beispiel Schauspielerin Vanessa Paradis von ihrer Tochter Lily-Rose Depp begleitet und schwärmte: „Chanel Haute Couture ist für dich gemacht. Es ist eine Maßanfertigung, wie eine zweite Haut, aber eine absolut prächtige.“

Auch Filmstar Marion Cotillard, die koreanische Sängerin Jennie Kim, Social-Media-Ikone Kylie Jenner, Schauspielerin Pamela Anderson oder Model Caroline de Maigret kamen ins Grand Palais, um die Haute Couture zu feiern – eine Kunst, die nicht nur zeitlos schön ist, sondern bei Chanel auch stets am Puls der Zeit bleibt.

„110 Jahre sind wirklich etwas Besonderes! Das ist bemerkenswert! Die Weitergabe des Know-hows durch all diejenigen, die das Haus ins Leben gerufen haben, ist eine Facette Frankreichs, auf die wir alle stolz sein können.“

MARION COTILLARD

Fotos: © CHANEL

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