Barcelona, Livorno und eine Reise dazwischen, auf der das Schiff selbst zum eigentlichen Reiseziel wird
Die Explora I liegt im Hafen von Barcelona fast unauffällig zwischen anderen, deutlich größeren Schiffen. Schlank, ruhig in den Linien, eher Yacht als Liner. Wer hier einsteigt, betritt nicht das Bild, das man von Kreuzfahrt im Kopf hat — keinen Themenabend, kein Buffet, an das man sich anstellt, kein Trubel. Stattdessen den ersten Eindruck eines Hauses, das sich verhält wie ein gut geführtes Luxushotel — nur mit dem Meer als Grundriss. Explora Journeys nennt sich die Marke, eine noch junge Adresse im Luxus-Reisesegment, deren erstes Schiff seit 2023 unterwegs ist. Was auf der Strecke zwischen Barcelona und Livorno passiert, lässt sich vorab schwer ahnen — und genau das macht diese erste Begegnung mit dem Wasser interessant.
Foto: Jacob Elwood
Was vom Hafen sichtbar ist, setzt sich an Bord fort. Wer die Explora I entworfen hat, hat sein Leben lang Yachten gebaut, und das merkt man, sobald man die ersten Räume betritt. Auch in der Bewegung bleibt sie ruhig — was viele Reisende vor einer ersten Kreuzfahrt zögern lässt, etwa die Sorge vor Seekrankheit, erübrigt sich auf der ersten Etappe. Es gibt vergleichsweise wenige Kabinen für die Größe des Schiffes; das Verhältnis von Gast zu Crew ist klein genug, dass man am dritten Tag den Concierge an der Bar mit Vornamen anspricht — und er einen ebenso.
Wer engen Schiffskabinen mit Skepsis begegnet, kann diese Sorge schon beim Einsteigen vergessen. Schon die Einstiegskategorie ist deutlich großzügiger als jedes Stadthotel. Was aber wirklich bleibt, ist die Terrasse. Nicht der Balkon eines Hotels, sondern ein eigenes Stück Mittelmeer für sich allein: bodentiefes Fenster, Tagesbett, ein kleiner Frühstückstisch, das Geräusch des Wassers, das nie ganz aufhört. Eine Tasse Espresso an einem Morgen auf dieser Terrasse — und es vergeht mehr Zeit als zu Hause an einem ganzen Wochenende für ein Frühstück. Manchmal genügt das, um zu merken, dass man im Alltag etwas einfach nicht zulässt: die Pause, die nicht produktiv sein muss.
Wer mit dem Pausieren nicht ganz so geduldig ist, findet an Bord trotzdem reichlich Möglichkeiten. Vier beheizte Pools — einer davon nur für Erwachsene —, ein Sportcourt für Pickleball, ein Open-Air-Fitness-Pavillon mit Blick aufs Meer. Wer die morgendliche Trainingsstunde lieber mit Begleitung verbringen möchte, kann sich einen Personal Trainer dazubuchen. Und wer wieder ruhig werden will, geht in den Wellness-Bereich: eine Sauna, eine Salzgrotte, ein Jacuzzi. Dazu Behandlungsräume, in denen Massagen und Gesichtsbehandlungen stattfinden, die auch in einem guten Stadt-Spa Bestand hätten — nur mit dem Unterschied, dass danach nicht der Heimweg wartet, sondern wieder die eigene Terrasse.
Foto: Toby Mitchell
Was sich schwer beschreiben lässt, ist die Art des Services an Bord. Drei oder vier Tage braucht es, um zu merken: Die Crew arbeitet nicht nach Drehbuch. Niemand steht mit aufgesetztem Grinsen am Eingang, niemand fragt zur Begrüßung nach der Postleitzahl. Stattdessen: eine junge Frau aus Mexiko, die am dritten Abend einen Mojito an den Liegestuhl bringt, ohne dass er bestellt wurde — weil sie ihren Gast am Vortag mit demselben in der Hand gesehen hat. Ein Kellner aus Italien, der den Tisch noch vor dem ersten Gang wechselt, weil die Abendsonne anfängt zu blenden. Eine Souschefin, die wissen will, welche Pasta gewünscht ist, bevor die Karte überhaupt aufgeschlagen wird. Die Art von Aufmerksamkeit, die man aus den besten Hotels der Welt kennt — und die auf dem Wasser noch ein bisschen mehr trägt, weil man nirgends sonst hingehen kann.
Foto: Joe Howard
Über das Essen auf Schiffen lässt sich oft wenig Schmeichelhaftes sagen. Zu oft entspricht das, was vorab beworben wird, nicht dem, was nachher auf dem Teller liegt. Auf der Explora I ist das anders. Es gibt elf kulinarische Stationen an Bord, die meisten ohne Aufpreis. Die Auswahl reicht vom italienischen Fine-Dining bis zur japanischen Küche, vom europäischen Steakhouse bis zum lockeren mediterranen Ort am Pool. Was alle Restaurants verbindet: frische, regionale Zutaten und Köche, die ihre Klassiker mit ruhiger Hand neu denken — ohne Show. An Bord schmeckt es ausgesprochen gut, und das nicht in einem Restaurant, sondern in allen.
Fotos: Toby Mitchell, Rupert Peace
Am Ende der Reise, in Livorno, wird klar, was die Explora I anders macht. Es ist nicht eine einzelne Sache, sondern die Mischung. Der Raum, der hier überall ist — in den Suiten, an den Pools, in den Restaurants, im Wellness-Bereich. Die Stille, die weniger das Fehlen von Geräuschen meint als das Fehlen von Hektik. Die Aufmerksamkeit der Crew, die man so dicht aus keinem Hotel an Land kennt. Und über all dem die stille Erlaubnis, ein paar Tage einfach mal nichts zu tun zu haben. Auf der Explora I tritt die Kreuzfahrt in den Hintergrund. Was bleibt, ist eine Reise — und das ist ein Unterschied.
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