Ras Al Khaimah: Von Natur, Kultur und einer der letzten Perlenfarmen der Emirate

Ras Al Khaimah, das nördlichste Emirat der Vereinigten Arabischen Emirate, war einst durch seinen florierenden Perlenhandel eine Quelle des Reichtums. Heute gilt es als eine der noch weniger bekannten Urlaubs-Destinationen, die es zu entdecken lohnt

Blick auf die Landschaft von Ras Al Khaimah
Ras Al Khaimah ist eines der ältesten bewohnten Gebiete der Welt, mit einer Geschichte, die über 7.000 Jahre zurückreicht © Lucy Binder

Nach sechs Stunden Flugzeit landen wir auf dem Flughafen von Dubai, einem der verkehrsreichsten internationalen Flughäfen der Welt. Die hektische Metropole, die für ihre Skyline mit ikonischen Gebäuden wie dem Burj Khalifa, das pulsierende Nachtleben und die vielen Beachclubs bekannt ist, lassen wir aber schnell hinter uns. Per Auto geht es 40 Minuten Richtung Norden in das Nachbar-Emirat Ras Al Khaimah. Während die Hochhäuser im Rückspiegel immer kleiner werden, taucht vor uns das Hajar-Gebirge auf, das sich entlang der Grenze zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman erstreckt. Plötzlich wird alles etwas ruhiger, die Autos weniger und die Landschaft unberührter. Hier und da stehen Kamele am Straßenrand, die in Ras Al Khaimah nicht in freier Wildbahn leben, sondern alle in Privatbesitz sind.

Herde Kamele mit einem Mann, der darauf reitet
Ras Al Khaimah ist bekannt für seine Kamelrennen und eine lange Geschichte der Kamelzucht © Lucy Binder

Das weniger bekannte Juwel der Emirate

Ras Al Khaimah gilt als das weniger bekannte Juwel der Vereinigten Arabischen Emirate und ist mit einer Größe von 2.478 Quadratkilometern im Vergleich zu Dubai oder Abu Dhabi deutlich kleiner. Vielleicht ist das der Grund, warum die Uhren hier langsamer ticken und man das Gefühl hat, in der Zeit zurückgeworfen zu sein. Nicht, weil die Infrastruktur in der Vergangenheit stehen geblieben ist, das Gegenteil ist der Fall, sondern weil hier noch viel Wert auf Traditionen und Handwerk gelegt wird. Am Straßenrand ziehen kleine Nähereien an uns vorbei, in denen aus bunten Stoffen Decken für Kamele gewoben werden. Unter Sonnenschirmen verstecken sich Marktstände, die bis oben hin mit den unterschiedlichsten Dattelsorten gefüllt sind. Aber noch etwas hat seit Jahrhunderten in Ras Al Khaimah Tradition, wenn auch nicht mehr in dem Maße wie früher: Der Handel mit Perlen, der den Vereinigten Arabischen Emiraten einst ihren Reichtum brachte.

Mann sitzt vor einer Nähmaschine mit bunten Decken im Hintergrund
In Ras Al Khaimah werden traditionell Decken für Kamele in kleinen Nähereien handgefertigt © Lucy Binder

Die letzten Perlenfarmen von Ras Al Khaimah

Wer nach Ras Al Khaimah kommt, kann viel erleben. Von der zweitlängsten Zipline der Welt, über Jeep-Safaris durch die Wüste bis zu einem Besuch der verlassenen Geisterstadt Al Jazirah Al Hamra. Schaut man ein paar Jahrhunderte zurück, war aber vor allem der Perlenhandel eine der wichtigsten Einnahmequellen der Region, bevor in den 50er-Jahren der Öl-Boom kam. Heute ist Suwaidi eine der letzten Perlenfarmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die noch Perlen züchtet und Besucher*innen den gesamten Prozess – von der Aufzucht der Austern bis zur Ernte der Perlen – näher bringt.

Das möchten wir uns nicht entgehen lassen und steigen in das kleine Holzboot, das uns von der Strandpromenade El Rams an der Nordküste von Ras Al Khaimah auf die Farm bringt, die in einer Bucht vor der Küste schwimmt. Die Fahrt dauert rund zwanzig Minuten, führt uns an Mangrovenwäldern vorbei und schon von weitem erkennen wir ein Dhaus, eines der traditionellen arabischen Segelschiffe, die seit Jahrhunderten in den Gewässern des Arabischen Golfs zum Einsatz kommen. Die Boote sind bekannt für ihre charakteristische Form mit einem hohen, gebogenen Rumpf und einem großen, schrägen Segel. Früher wurden Dhaus vor allem für den Perlenhandel, den Fischfang und den Transport von Waren über das Meer genutzt. Ein Überbleibsel der Farm als noch traditionell nach Austern getaucht wurde, wie wir gleich erfahren werden.

Blick auf die Perlenfarm Suwaidi
Überfahrt zur Perlenfarm Suwaidi an der Nordküste von Ras Al Khaimah © Lucy Binder

Die Suche nach dem wertvollsten Schatz des Arabischen Golfs

Zwar gibt es in Ras Al Khaimah heute keine traditionellen Perlentaucher mehr, aber ihr Erbe lebt in moderner Form weiter. In Ras Al Khaimah werden inzwischen nachhaltige Perlenfarmen wie Suwaidi betrieben, die ursprüngliche Techniken mit moderner Zucht kombinieren. Statt riskanter Tauchgänge setzen die Farmen heute auf die kontrollierte Kultivierung von Perlen in Austern-Farmen. Während Austern heute nachhaltig und ohne großen Aufwand gezüchtet werden können, sah das früher ganz anders aus, wie wir auf dem Hausboot der Perlenfarm lernen, das wir gerade betreten haben. Die Tauchsaison dauerte in der Regel von Juni bis September, wenn das Wasser am wärmsten war. Ohne moderne Ausrüstung verbrachten die Männer wochenlang auf dem Meer und tauchten mit Nasenklammern und schweren Steinen, die sie schneller in die Tiefe zogen, bis zu 30 Meter tief, um Austern vom Meeresboden zu sammeln. Der Beruf war hart, gefährlich und entbehrungsreich – doch die Aussicht auf eine wertvolle Perle war Antrieb genug. 

Netz mit frischen Austern
Die Austern kommen frisch aus dem Wasser und verraten vorerst noch nicht, ob in ihnen eine Perle steckt © Lucy Binder

Die Chance, in den Gewässern des Arabischen Golfs eine Auster zu finden, die eine Perle trägt, lag allerdings bei nur einem Prozent. Die Taucher mussten also täglich bis zu hundert Tauchgänge absolvieren, um überhaupt etwas zu finden. Immerhin liegt die Chance auf Erfolg bei gezüchteten Austern heute bei rund 60 Prozent. Auch wir dürfen während unseres Besuches eine frische Auster aus dem Meer angeln und mit Spannung dabei zusehen, wie sie geöffnet wird und ob sich darin eine kleine Perle versteckt. Wir haben Glück und verbringen noch ein paar Stunden auf dem Hausboot, um den Geschichten von früher zu lauschen, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Festland machen.

Hand, die eine geöffnete Auster mit einer Perle hält
Bei der Perlenzucht tragen 60 Prozent der Austern eine Perle und wir haben Glück © Lucy Binder

239 Stufen Richtung Sonnenuntergang

Vom Leben unter Wasser geht es nun hoch hinaus. Auf die Dhayah-Fort, eine Festung aus dem 16. Jahrhundert etwas außerhalb des Stadtzentrums. Ursprünglich als Verteidigungsanlage gebaut, gehört sie heute zu den historischsten Stätten des Vereinigten Arabischen Emirate. Nicht nur aufgrund des atemberaubenden Panoramablicks über grüne Dattelpalmenhaine, die zerklüftete Landschaft des Hajar-Gebirges und den Arabischen Golf. Wir kämpfen uns die 239 Stufen hinauf. Kurz vor Sonnenuntergang, als das goldfarbene Licht die Landschaft wie in einem Disney-Film erscheinen lässt. Um diese Uhrzeit ist hier nichts mehr los und wir haben den magischen Ort ganz für uns alleine.
Blick auf die Dhayah Fort bei Sonnenuntergang
Nach 239 Stufen werden wir auf der Dhayah Fort mit dem schönsten Ausblick belohnt © Lucy Binder

Abenteuer am Jebel Jais

Der Jebel Jais ist mit knapp 2000 Metern der höchste Berg der Vereinigten Arabischen Emirate. Auch wenn das Gebirge wenig bewachsen ist und dadurch etwas karg wirkt, hält es die größten Abenteuer bereit. Wanderwege führen einen von Gipfel zu Gipfel und von Ras Al Khaimah kann man zu Fuß sogar bis in den Oman laufen. Alternativ kann man sich aber auch mit 150 km/h per Zipline auf den Weg zurück ins Tal machen oder sich bei einer etwas entspannteren Tour von Hügel zu Hügel seilen, die Berge dabei immer im Blick und Schluchten unter sich. Für seine Zipline ist Ras Al Khaimah über die Grenzen hinaus bekannt, da sie mit 2,8 Kilometern Länge zu den längsten der Welt gehört. Ein ziemliches Kontrastprogramm zu unserem Ausflug auf die Perlenfarm, aber ein Highlight für alle Abenteuer-Fans.

Blick auf das Hajar Gebirge
Der Jebel Jais ist der höchste Berg der Vereinigten Arabischen Emirate © Canva

Spaziergang durch die Vergangenheit

Nach dem Abenteuer in den Bergen zieht es uns zurück in die Geschichte. Unser Ziel: Al Jazirah Al Hamra, die berühmte Geisterstadt von Ras Al Khaimah. Einst eine blühende Perlenfischer-Siedlung, wurde sie in den 1960er-Jahren plötzlich verlassen – und wirkt heute wie eine Geisterstadt oder ein Freilichtmuseum vergangener Zeiten. Während wir durch die engen Gänge schlendern, vorbei an verfallenen Lehmhäusern und alten Windtürmen, spüren wir die Magie dieses Ortes. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben. Wer genau hinhört, kann sich vorstellen, wie hier einst Händler mit lauten Rufen ihre Waren austauschten, Karren über den sandigen Boden gezogen wurden und wie Kinder in den Gassen spielten. Die Ruinen aus Korallenstein, Muschelkalk und Lehm geben heute einen Einblick in das traditionelle Leben vor der Öl-Ära. Übrigens findet hier jährlich das Ras Al Khaimah Fine Arts Festival statt, bei dem Künstler*innen ihre Werke inmitten der historischen Ruinen ausstellen.

Ein alter Turm in Sonnenuntergang in Al Jazirah Al Hamra
Ein alter Turm in der verlassenen Stadt Al Jazirah Al Hamra © Canva

Wohnen zwischen Mangroven und Meer

Nach Tagen voller Abenteuer sehnen wir uns nach Ruhe, die wir im neu eröffneten Anantara Mina Al Arab Ras Al Khaimah Resort finden. Gelegen auf einer privaten Halbinsel im Süden von Ras Al Khaimah hat das Resort vor allem eine Besonderheit: die ersten Wasser-Villen der Vereinigten Arabischen Emirate. Zwar kann man von hier nicht direkt ins Wasser springen, aber Schildkröten beobachten und den Blick über die Mangrovenwälder schweifen lassen, durch die man auch mit dem Kajak paddeln kann. Auf unserem Ausflug im Kajak entdecken wir sogar Flamingos, die in Ras Al Khaimah typischerweise in großen Gruppen zwischen den Mangrovenwäldern im seichten Wasser stehen. 

Blick auf die Overwater Villen des Anantara Ras Al Khaimah
Alle Overwater-Villen im Anantara Mina Ras Al Khaimah Resort haben einen eigenen Pool © Lucy Binder

Bevor es in eines der drei Restaurants zum Abendessen geht, statten wir dem Spa-Bereich einen Besuch ab, wo thailändische Heil- und Wellness-Programme angeboten werden. Beim Interior des Anantara Mina Al Arab Ras Al Khaimah Resort erkennt man den Mix aus arabischer Welt und Asien. Wer die prunkvollen Hotels in Dubai kennt, die teils bis in die Wolken ragen, wird überrascht sein, wie ruhig es hier zugeht und wie weitläufig das Hotel ist. Keine Spur von Großstadt und Hektik. Stattdessen ein privater Sandstrand, der nur den Hotelgästen vorbehalten ist und demnach völlige Ruhe bietet. 

Eingangsbereich Overwater Villa von außen
Overwater-Villen im Anantara Mina Ras Al Khaimah Resort © Lucy Binder
Ras Al Khaimah ist eine vielseitige Destination mit authentischer Kultur, beeindruckender Natur und spannender Geschichte – ein Emirat, das bewusst abseits des Trubels seinen ganz eigenen Charme hat. Da man von Dubai nur rund 40 Minuten braucht und auch die Grenze zum Oman nicht weit weg ist, bietet sich Ras Al Khaimah übrigens auch hervorragend als Zwischenstop auf einem Roadtrip an.
Arabische Sandgazellen in der Wüste
Auf einer Wüstensafari kann man Sandgazellen sehen, die typisch für die Dünen-Gebiete rund um Ras Al Khaimah sind © Lucy Binder

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