Japan – 5 Städte in zwei Wochen. Teil 2

Da in Japan so viele Städte und Viertel erlebenswert sind, kommt hier der zweite Teilbericht von Gen-Z Redakteurin Lola, die für Marie Claire vor Ort war

Otorii Gate bei Ebbe: Zum Greifen nah – magisch, auch ohne Wasser. Foto: Lola Kossack

Hiroshima – Geschichte, Gänsehaut und ganz viel Gefühl (2 Nächte)

Zwei Nächte in Hiroshima, im

KIRO Hiroshima by THE SHARE HOTELS

ein Boutique Hotel, das mit stylischer Schlichtheit punktet. Die Bar und der Frühstücksbereich waren früher mal ein Pool (ja, wirklich), und das sieht nicht nur cool aus, sondern fühlt sich auch ziemlich besonders an. Die Lage? Direkt im City Center perfekt, um loszuziehen.

KIRO Hiroshima Hotel. Stylisch, schlicht und mitten in der City Foto: Lola Kossack

KIRO Hiroshima Hotel: Stylisch, schlicht und mitten in der City. Foto: Lola Kossack

Am ersten Morgen ging’s für uns direkt zum Hiroshima Peace Memorial Museum, so gegen 10 Uhr. Rückblickend war das die beste Entscheidung. Es war noch ruhig – was wichtig ist. Denn was einen dort erwartet, geht nah. Sehr nah.

Ich konnte mir vorher kaum vorstellen, was eine Atombombe wirklich anrichtet. Doch die Kombination aus persönlichen Geschichten, Gegenständen aus dem Alltag der Überlebenden und dieser eindringlichen Stille macht etwas mit einem. Wir hatten einen Audioguide, sehr empfehlenswert. Gegen 14 Uhr wurde es merklich voller, doch da waren wir bereits am Ende der Ausstellung angekommen. Timing war daher: perfekt.

Nach dem Museum liefen wir durch den angrenzenden Friedenspark, vorbei an Gedenkstätten, Brücken, Bäumen und schließlich zum berühmten Atomic Dome, dessen Ruine bis heute als Mahnmal stehen geblieben ist. Ein Ort, der schweigt und trotzdem alles sagt.

Peace Memorial Museum: Geschichten, die unter die Haut gehen. Foto: Lola Kossack

Am Nachmittag fuhren wir mit der Tram quer durch die Stadt, ca. 30 Minuten bis zur Station Hiroden-Miyajimaguchi. Von dort ging es mit der Fähre auf die Insel Itsukushima – bekannt für das ikonische Otorii Gate, das sonst mitten im Wasser steht. Wir hatten Ebbe. Bedeutet: kein Wasser, aber dafür konnten wir bis zum Gate laufen.

Die Insel selbst ist ein bisschen touristisch, ja- doch mit vielen kleinen Shops und süßen Cafés. Aber auch das darf sein. Und manchmal entdeckt man dort eben auch Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat:

Zum Beispiel Hiroshima Lemonade anscheinend die beste weit und breit. Ich bin in einem kleinen Laden darüber gestolpert und musste natürlich probieren. Das Besondere? Zitrone und Salz. Klingt wild, schmeckt aber unfassbar erfrischend vor allem nach einem langen Tag in der Sonne.

Die Limonade wird aus lokalen Hiroshima-Zitronen, Meersalz, Zucker und Sprudelwasser gemacht. Kein großer Zauber, aber die Zitronen dort haben eine milde Säure und eine feine Süße, die sich mit dem Salz fast wie ein isotonisches Wunder anfühlt.

Und dann gibt’s da noch diese völlig verrückte Tatsache: Auf ganz Itsukushima laufen Rehe frei herum. Kein Witz. Wie im Wildpark nur halt auf einer Insel in Japan. Und ja, diese versuche auch dein Essen zu klauen genau wie in Deutschland.

Otorii Gate bei Ebbe: Zum Greifen nah – magisch, auch ohne Wasser. Foto: Lola Kossack

Zurück in Hiroshima suchten wir abends noch etwas zu essen, was in Japan nie wirklich schwer ist. Ein paar Gassen weiter: Spielehallen, Karaoke Bars typisch Japan. Aber da es Montag war, war die Stimmung eher ruhig. Doch gerade, als wir dachten, es wird ein früher Abend, liefen wir an einem kleinen Restaurant vorbei. Warmes Licht, Lachen aus dem Inneren, wir gingen rein.

Aki heißt es. Und was soll ich sagen: Hier war alles da. Gutes Essen. Viel Sake. Noch mehr Herzlichkeit. Fremde, die plötzlich Freunde sind. Ein Abend, wie er besser nicht hätte enden können.

Osaka – Das beste Sushi meines Lebens (3 Nächte)

Am nächsten Morgen ging es für uns mit dem Shinkansen Richtung Osaka, rund eineinhalb Stunden, die wie im Flug vergingen. Spoiler vorweg: Osaka wurde meine Lieblingsstadt. Warum? Weil sie alles hat. Alles, was ich an Japan liebe, nur noch konzentrierter.

Essen? Unschlagbar.

Shopping? Next Level.

Vibe? Locker, offen, spannend.

Unsere Base für diese Stadt: das The Royal Park Hotel, gelegen im Geschäftsviertel Honmachi, eher ruhig, eher seriös, aber perfekt angebunden. Und gleich um die Ecke: Ourlog Coffee, ein TikTok-Fund, den ich unbedingt testen wollte. Minimalistisch, stylisch, sehr guter Kaffee und angeblich auch herorragende Backwaren (leider ausverkauft, als wir da waren). Trotzdem: absolut empfehlenswert, vor allem der Store in Honmachi.

Danach ging’s rein ins Herz der Stadt. Was ich an Osaka so mochte: Es gibt nicht wie in Tokyo viele verstreute Zentren – es fühlt sich an, als hätte es ein zentrales Zentrum. Ich habe es für mich so beschrieben:

Osaka ist wie München, Tokyo wie Berlin – nur eben… auf Japanisch.

Unser erstes Ziel: die legendäre Shinsaibashi-suji Shopping Street. Mit Abstand die längste Einkaufsstraße, die ich je gesehen habe. Überdacht, belebt, voll mit Shops, Cafés und Mode in allen Richtungen, von Vintage bis High Fashion. Und mittendrin: das PARCO Osaka, ein Shopping-Tempel mit Fashion, Beauty, Concept Stores, Kunstgalerien und ganz oben sogar einer kleinen Pokémon-Welt. Tipp: Im Untergeschoss versteckt sich oft ein Food Floor mit sehr guten und günstigen Snacks.

Shinsaibashi-suji Shopping Street: Endloses Bummeln, von Vintage bis High Fashion. Foto: Lola Kossack

Abends wurde es dann laut, bunt und köstlich, wie es sich für Osaka gehört. Ich hatte mir fest vorgenommen, ein Running Sushi Restaurant zu finden. Schließlich wurde das Konzept hier erfunden. Also: Social Media gezückt, recherchiert, losgelaufen. Und tatsächlich: Das berühmte Genrokuzushi Dotonbori war nicht weit. Als wir ankamen, natürlich eine lange Schlange. Wir wollten schon wieder umkehren, aber blieben. Und zum Glück: Nach nur zehn Minuten waren wir drin.

Das Konzept: Hinsetzen. Essen. Teller zählen. Gehen.

Und das Sushi? Ich sag’s euch: Atemberaubend.

Genrokuzushi Dotonbori: Running Sushi – schnell, laut, unvergesslich gut. Foto: Lola Kossack

Wir saßen direkt am Band, neben uns ein kleiner Wasserhahn für heißes Wasser, Matcha zum Selbermischen. Ich war im Himmel. Und ich weiß jetzt schon: Sushi in Deutschland wird es für mich nie wieder leicht haben.

Osaka Castle: Majestätisch auf dem Hügel über der Stadt. Foto: Lola Kossack

Sightseeing

Am nächsten Tag stand Sightseeing auf dem Plan, das Osaka Castle. Ich geb’s zu: Ich bin nicht der klassische Sehenswürdigkeiten-Mensch. Lieber lasse ich mich treiben, spaziere durch Viertel, beobachte, entdecke. Aber: Das Schloss steht auf einem kleinen Hügel, wirkt majestätisch, und der Ausblick von oben ist wunderschön. Es lohnt sich.

Danach? Klar: Zurück nach Dotonbori und Shinsaibashi. Shoppen, schauen, snacken – ein perfekter Osaka-Tag.

Am nächsten Morgen wollten wir etwas anderes erleben. Also buchten wir über GetYourGuide eine kleine Matcha-Zeremonie, inklusive Mochi-Workshop. Es hat richtig Spaß gemacht, war liebevoll organisiert, und man bekommt ein echtes Gefühl für die japanische Kultur.

Matcha Zeremonie & Mochi Workshop: Ritual, Genuss und kleine süße Meisterwerke. Foto: Lola Kossack

Tipp: Solche Experiences gibt’s viele – von Kalligraphie bis Kimono-Verleih.

Doch mein persönliches Highlight dieses Tages kam danach: Zufallsfund.

Mittags liefen wir an einem kleinen Ramen-Restaurant vorbei, hungrig und ohne Erwartungen. Der Laden heißt Tsujita Higobashi und ich weiß wirklich nicht, wie ich es sagen soll, aber:

Es waren die besten Ramen meines Lebens.

Tsujita Higobashi: Ramen, die alles übertreffen. Foto: Lola Kossack

So viel Tiefe im Geschmack, so viel Umami, so perfekt abgestimmt. Ich habe selten so leise gegessen, einfach weil ich jede Sekunde genießen wollte. Große Empfehlung!

Am Abend ließen wir den Tag entspannt ausklingen. Wir spazierten durch die Stadt, vorbei an Spielhallen, Karaokebars und kleinen Izakayas. Besonders spannend: das Viertel Nippombashi, auch bekannt als Osakas Elektronik- und Otaku-Viertel – ein bisschen wie Akihabara in Tokyo, nur etwas kleiner. Direkt daneben: Naniwa, ein traditionellerer Stadtteil mit engen Gassen, Streetfood-Ständen und jeder Menge Atmosphäre. Auch empfehlenswert für Foodies: Das Viertel Tennoji, dort liegt auch das berühmte Spa World und der Tsutenkaku Tower.

Naniwa Viertel: Enge Gassen, Streetfood und viel Atmosphäre. Foto: Lola Kossack

Tokyo – Zum Schluss noch einmal alles (2 Nächte)

Letzter Stopp unserer Reise: zurück nach Tokyo, aber diesmal nicht ins bekannte Terrain. Unser Hotel lag im Viertel Akasaka und es fühlte sich an, als wären wir in einer ganz anderen Stadt gelandet. Ruhiger, erwachsener, ein bisschen internationaler. Ganz anders als beim ersten Mal, wo wir zwischen Shibuya und Harajuku unterwegs waren.

Und genau das ist es, was ich an Tokyo so liebe: Diese Stadt hat unendlich viele Gesichter.

Wir hatten nur noch zwei Tage und ganz ehrlich: Die verbrachten wir damit, shoppen zu gehen.

Die Wochen davor hatten wir uns bewusst zurückgehalten, weil wir wussten: Alles, was wir kaufen, müssen wir auch schleppen. Aber jetzt? Jetzt war die Zeit.

Also ging’s zurück in meine liebste Ecke: Harajuku. Vintage-Läden, Streetwear, Süßkram, schräge Cafés – ein Vibe, der genau mein Ding ist.

Harajuku Shopping: Streetwear, Vintage und verrückte Cafés. Foto: Lola Kossack

Am Abend dann noch ein Dinner mit dem Gefühl, dass diese Reise viel zu schnell vorbei geht.

Am nächsten Morgen wachte ich auf, trank meinen Kaffee auf der Terrasse unseres Hotels und für einen Moment dachte ich, ich sei in New York. Hochhäuser, Glasfassaden, Business-Menschen in Bewegung. Nur eben: mitten in Tokyo. Und wieder ein neues Gesicht dieser Stadt.

Breakfast with a view: Café über Tokyo. Foto: Lola Kossack

Für unseren letzten Tag hatten wir noch ein Ziel: so viel sehen, wie noch reinpasst, aber vor allem einen Programmpunkt, den wir unbedingt erledigen wollten und zwar im Mega Don Quijote in Shibuya.

Doch vorher: Spaziergang.

Wir liefen von Kabukicho (mit einem kurzen Godzilla-Stopp natürlich – ikonisch!) bis zum Yoyogi Park.

Ein langer Weg? Nicht wirklich. Mit einem Zwischenstopp beim 7-Eleven (Onigiri & ICE Café – wie immer) war’s perfekt machbar. Und der Yoyogi Park? Riesig. Grün. Ruhig.

Ein Ort, an dem man plötzlich ganz vergisst, dass man mitten in einer 37-Millionen-Metropole steht. Und mittendrin: der Meiji-Schrein, umgeben von alten Bäumen, Kieswegen und dieser feierlichen, fast meditativen Atmosphäre. Es war der perfekte Ausgleich zur hektischen City drumherum.

Yoyogi Park & Meiji-Schrein: Ruhige Pfade und spirituelle Atmosphäre. Foto: Lola Kossack

Am späten Nachmittag ging’s dann los mit unserer letzten Mission: Souvenirs kaufen.

Der Mega Don Quijote ist wirklich alles, was man dazu braucht. Drei Etagen voll mit allem, von Beauty über Snacks bis zu schrägen Mitbringseln, die keiner braucht, aber alle lieben.

Wir verbrachten locker zwei bis drei Stunden darin und fanden für wirklich jede Person etwas – inklusive uns selbst.

Dann wurde es Abend. Die Sonne ging langsam unter, der Koffer war voll, und die Füße taten weh aber auf das letzte japanische Dinner wollten wir natürlich nicht verzichten.

Also machten wir uns ein letztes Mal auf die Suche. Kein großes Restaurant. Kein gehyptes TikTok-Lokal. Einfach ein kleiner Spot um die Ecke. Es war… perfekt.

Am nächsten Morgen hieß es: früh raus, Koffer rollen, Abschied nehmen.

Fünf Städte in zwei Wochen. Viel gesehen, viel geschmeckt, viel gefühlt.

War es manchmal zu viel? Vielleicht.

Habe ich den Überblick verloren, was wo war? Bestimmt.

Würde ich es anders machen? Nein.

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