Wir können ja Freunde bleiben?!

Ein Satz, der so oft nach einem Beziehungsende im Raum steht. Tröstlich, hoffnungsvoll oder einfach nur ein Versuch, den Abschied weniger schmerzhaft zu machen? Und: Geht das überhaupt? Kann zwei Menschen, die sich geküsst, gestritten, geliebt und verletzt haben, wirklich eine Freundschaft gelingen? Bestseller-Autorin Katja Lewina hat Antworten.

Kann aus Ex-Partnerschaft eine Freundschaft entstehen? Foto: unsplash.com
Kann aus Ex-Partnerschaft eine Freundschaft entstehen? Foto: unsplash.com

Freundschaft nach der Trennung: Realität oder Illusion?

„Wir können ja Freunde bleiben.“ Kaum ein Satz klingt so hoffnungsvoll und tut im selben Moment so weh. Er schenkt das Gefühl von Nähe, wo gerade alles auseinanderbricht und schiebt die endgültige Trennung noch einmal auf später. Doch was steckt wirklich dahinter? Ist es ein ehrlicher Wunsch nach Verbundenheit oder die Angst, ganz loszulassen?

Katja Lewina Foto: (c) Julija Goyd

Katja Lewina Foto: (c) Julija Goyd

Das ist Katja Lewina

Bekannt ist Katja Lewina unter anderem für die SPIEGEL-Bestseller „Sie hat Bock“ (2020), „Bock. Männer und Sex“ (2021), „EX“(2022) und „Was ist schon für immer“ (2024). Im Oktober 2025 erschien ihr fünftes Buch „Wir können doch Freunde bleiben: Trennungsgeschichten aus der Hölle“ im DuMont Verlag. Darin versammelt sie Geschichten über das Ende der Liebe, Schlussmachen, (vermeintliche) Freundebleiben und allem dazwischen. Wir haben sie zum Gespräch getroffen und gefragt: Können wir Freunde bleiben?

(Wie) Können wir Freunde bleiben?

Marie Claire: Ihr Buch trägt den Titel „Wir können doch Freunde bleiben“. Was sagen Sie: Wie realistisch ist das wirklich?

Katja Lewina: Während einer Trennung sollte man diesen Satz wirklich niemandem an den Kopf knallen – da klingt das fast schon höhnisch. Aber zwei, die sich getrennt haben, können in jedem Fall Freunde werden, wenn die Verletzungen abgeklungen sind und sie sich wieder als Menschen sehen können. Freundschaften mit Ex-Partnern sind etwas ganz Besonderes, schließlich kommen wir selten jemandem so nah wie in der Liebe.

MC: Wie gelingt es, ehrlich anzusprechen, dass man für Freundschaft (noch) nicht bereit ist – besonders dann, wenn die Angst, ohne Kontakt den anderen für immer zu verlieren, mitschwingt?

Lewina: Genau so – geraderaus: „Ich schaffe es nicht, und gleichzeitig habe ich Angst, dich zu verlieren.“ Ambivalenzen auszusprechen (und auszuhalten!) ist nicht leicht, schließlich machen wir uns damit verdammt verletzlich. Aber wenn wir authentische Beziehungen führen wollen, ist das der einzige Weg. Dazu gehört auch, offen dafür zu bleiben, wenn sich die Dinge nochmal ändern sollten. Vielleicht kann man sich ja in drei (oder sechs) Monaten noch einmal drüber unterhalten?

Über gesellschaftliche Erwartungen

MC: Wird der Versuch einer Freundschaft vielleicht auch dadurch erschwert, dass das Umfeld die Ex-Partnerschaft hinterfragt und vermutet, dass noch Gefühle im Spiel sind?

Lewina: Wenn aus einer Freundschaft romantische Liebe wird, finden das alle toll. Wenn aus einer Liebe Freundschaft wird, sind die meisten erstmal skeptisch. Dabei sind Beziehungen niemals statisch! Waschen Sie den Tratschern den Kopf, und wenn sie danach immer noch Zweifel an ihrer Freundschaft haben, dann sagt das mehr über sie selbst aus als über die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Ex.

MC: Brauchen wir eine offenere Gesprächskultur über Trennungen? Wenn ja, weshalb?

Lewina: Trennungen passieren andauernd. Sie gehören zu den einschneidendsten Ereignissen, die uns in unserem Leben passieren können. Trotzdem sind sie oft schambehaftet, man hat „es“ schließlich nicht geschafft. Dabei sind Trennungen kein Scheitern, sondern im Gegenteil meist überfällig. Würden wir mehr übers Schlussmachen reden, würde es ganz sicher an Dramatik verlieren. Und wir hätten viel weniger Trennungen, die in Schlammschlachten enden.

Katja Lewinas Message an andere Frauen

MC: Welche Botschaft möchten Sie Frauen mitgeben, die sich gerade mitten in dieser Situation befinden?

Lewina: Das Leben geht weiter. Egal, wie sinnlos und verzweifelt sich das Leben jetzt gerade auch anfühlen mag: Es geht vorbei. Das kann man sich selbst immer wieder sagen, wenn man meint, davongeschwemmt zu werden. Das hilft, den eigenen Gefühlen einerseits Raum zu geben, aber andererseits, eine gesunde Distanz zu ihnen aufzubauen. Generell gilt: Sich selbst bemuttern is key. Blumen kaufen, schönes Essen kochen, verreisen … Konsequent angewendet, kommt schnell die Erkenntnis: Es gibt nichts, was ohne Kerl nicht mindestens genau so schön wäre wie mit.

Buchtipp der Redaktion

In ihrem Buch „Wir können doch Freunde bleiben: Trennungsgeschichten aus der Hölle“ erzählt Katja Lewina humorvoll, offen und clever über eine gekonnt kurios kuratierte Auswahl an Geschichten übers Trennen, Schlussmachen und Freunschaft schließen.

Lewina_Wir können doch Freunde bleiben

Das Buch „Wir können doch Freunde bleiben: Trennungsgeschichten aus der Hölle“ von Katja Lewina ist am 10. Oktober 2025 im DuMont Verlag erschienen. Foto: DuMont Verlag

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