Super Flea Market: Toni Garrn im Interview über Vintage für den guten Zweck

Was passiert, wenn ein Givenchy-Kleid vom Laufsteg auf dem Abiball landet? Oder wenn ein Designertasche nicht nur eine neue Besitzerin findet, sondern gleichzeitig Bildungsprojekte finanziert? Mit Super Flea Market hat Toni Garrn eine Plattform geschaffen, die Mode, Nachhaltigkeit und soziales Engagement verbindet. Marie Claire hat mit ihr im Rahmen der Super Flea Market x Porsche Roadshow gesprochen.

Toni Garrn im Gespräch während der Super Flea Market x Porsche Roadshow Foto: PR
Toni Garrn im Gespräch während der Super Flea Market x Porsche Roadshow Foto: PR

Das ist Toni Garrn

Als international erfolgreiches Supermodel steht Toni Garrn seit ihrem 15. Lebensjahr für namhafte Marken wie Chanel, Dior, Calvin Klein oder Armani vor der Kamera. Mit Mitte 20 gründete sie die Toni Garrn Foundation. Die Stiftung unterstützt Bildungs- und Gesundheitsinitiativen für Mädchen und junge Frauen in Subsahara-Afrika. 2024 gründete Garrn gemeinsam mit Charlotte Richter-Kiewning und Coralie Baumgaertel Super Flea Market, ein for-profit-for-purpose-Unternehmen für pre-loved Celebrity-Fashion.

Karla Otto_Super Flea Market_Toni Garrn_004_Credit Denny Sachtleben
Foto: Denny Sachtleben

Vom Charity-Flohmarkt zur globalen Resale-Plattform

Was zunächst unter dem Namen „Supermodel Flea Market“ als Fundraiser für die Toni Garrn Foundation begann, hat sich inzwischen zu einer internationalen Resale-Plattform entwickelt, bei der je nach Produkt zwischen 50 und 90 Prozent der Erlöse an gemeinnützige Projekte fließen. Die ersten Flohmärkte in New York waren ein voller Erfolg und legten den Grundstein für weitere Pop-ups in Metropolen wie London, Paris und Cannes.

Die Anfänge waren dabei denkbar unkompliziert: „Meine Mutter hat gesteamt, meine damalige Agentin gelabelt und ich habe meine Celebrity Friends angerufen“, erinnert sich Garrn. Und so wurden bereits Pieces von Leonardo Di Caprio, Paris Hilton, Beyoncé oder Karlie Kloss verkauft. Die Liste ist lang. Vieles habe sich seitdem professionalisiert, der Spirit sei jedoch derselbe geblieben. Noch immer packt das gesamte Team mit an –  von Projektmanager:innen über Agent:innen bis hin zu den Mitarbeitenden der Toni Garrn Foundation. Doch so wie bei der Porsche Road Show war es noch nie. Es sei das erste Mal, dass sie nicht jedes einzelne Piece kenne, erzählt Garrn.

Super Flea Market_Toni Garrn_006_Credit Jeremy Moeller
Foto: Credit Jeremy Moeller

Jedes Label erzählt eine Geschichte

Genau diese persönliche Atmosphäre ist das Besondere: Hinter jedem Kleidungsstück stehen Menschen, Geschichten und ein guter Zweck. Sichtbar wird das auf den handbeschrifteten Preisschildern. Sie verraten, vom wem das Piece stammt (ob nun Gisele Bündchen, Caro Daur oder Toni Garrn selbst), wo es getragen wurde und welche der vier unterstützten Foundations von dem Verkauf profitiert.

Dass die Geschichten dahinter oft genauso wertvoll sind wie die Pieces selbst, zeigt eine Anekdote Garrns: Als Gisele Bündchen einmal ein beschädigtes Top spendete, überlegte das Team noch, ob man es reparieren sollte. Die Käuferin hatte eine andere Idee: „Maybe it happened at a big fashion party“, scherzte sie. „Might be what happened, I don’t know“, antwortete Garrn. Es sei schön, Fantasien hinter den Teilen zu entwickeln.

Zum Verkauf stehen unter anderem Pieces von Prominenten wie Gigi Hadid, Caro Daur, Ana Ivanović oder Joko Winterscheidt. Fotos: PR

Ein zweites Leben

Doch nicht nur die Vergangenheit der Kleidungsstücke zählt. Auch die zweite Liebe erzählt schöne Geschichten. So trug ein Mädchen zu ihrem Abiball ein Givenchy-Kleid, dass das Supermodel zuvor in der Front Row getragen hatte. „Und sie kann das richtig genießen, hat Spaß, erzählt all ihren Freunden, sie trägt ein wundervoll kleines Sample von Givenchy an und gleichzeitig hat sie 1.000 Euro gespendet an Frauen in Afrika. Also wie cool ist das?“, so Garrn. Das macht den Super Flea Market nicht nur zur Resale-Plattform, sondern zur besonders einfachen Form des Spendens: „Ich sage halt immer, it’s gifted.“

Manche kauften, weil sie Prada lieben, manche wegen Gisele Bündchen und manche einfach für den guten Zweck. „Es gibt auch Pieces, die schon drei Mal im Super Flea Market waren und eine Schule gebaut haben“.

Toni Garrn im Gespräch

Wir treffen Toni Garrn in Stuttgart im Rahmen der Super Flea Market x Porsche Roadshow „Driving Good. The Tour“. Der Cayenne Electric zieht die Airstream Boutique von Berlin über Cannes und Stuttgart bis nach Hamburg. Für jeden während der Tour gefahrenen Kilometer spendet Porsche an die NGO-Partner von Super Flea Market. Die Partnerschaft fühle sich ganz natürlich an, sie selbst fahre einen Porsche Cayenne E-Hybrid. Im Interview mit Marie Claire spricht Model und Unternehmerin Toni Garrn über ihre Lieblingsstücke, unvergessliche Fundstücke und die Idee, mit Mode etwas zurückzugeben.

Toni Garrn
Toni Garrn vor der Air Stream Boutique in Stuttgart. Foto: PR

Super Flea Market

Marie Claire: 2016 hast du deinen ersten Supermodel Flea Market in New York veranstaltet. Wie kam es dazu?

Toni Garrn: Ich wollte einfach Sachen für meine Foundation verkaufen. Ich hatte zu viele Klamotten, genauso wie auch viele meiner Modelkolleginnen. Also haben wir uns in New York zusammengetan und unsere Sachen verkauft. Es war eigentlich klar „it’s for Toni’s Foundation, we’re all selling our clothes for Africa.“ Es war keine verrückte Idee, einfach ein normaler Flohmarkt.

Marie Claire: Warum kam das Konzept so gut an?

Toni Garrn: Bei den ersten Flohmärkten haben viele Models von anderen Models gekauft. Man wusste zum Beispiel, dass ein bestimmtes Teil extra für jemanden angefertigt wurde oder eine besondere Geschichte hatte. Dadurch haben die Stücke einen ganz anderen Wert bekommen. Das war sehr authentisch und hat viel Spaß gemacht, weil wir wussten, wie viel Handarbeit, Kreativität und Geschichte hinter den Teilen steckte.

Marie Claire: Erinnerst du dich noch an das allererste Piece, das verkauft wurde? Und an die Person, die es kaufte?

Toni Garrn: Ehrlich gesagt nicht. Die ersten Flohmärkte waren eintägige Events und damals ging es vor allem darum, gemeinsam Spenden zu sammeln. Was mir aber in Erinnerung geblieben ist: Schon nach kurzer Zeit haben Menschen über Instagram gefragt, wann und wo der nächste Flohmarkt stattfindet. In New York bildeten sich Schlangen vor den Locations. Da habe ich gemerkt, dass das Interesse viel größer war, als wir ursprünglich gedacht hatten.

Toni Garrn
Foto: Florian Schüppel

Vintage für den guten Zweck

Marie Claire: Was als Pop-up in New York begann, ist mittlerweile eine große Resale-Online-Plattform. In diesem Jahr veranstaltet Super Flea Market eine Roadshow gemeinsam mit Porsche. Wenn du auf diese Entwicklung zurückblickst: Was macht dich besonders stolz?

Toni Garrn: Darauf, dass die Menschen heute mehr über die Toni Garrn Foundation wissen, aber auch über Re:wild, All Hands and Hearts und seit Neuestem auch The Or Foundation. Es geht nicht nur um ein schönes Kleid, sondern darum, was damit bewirkt wird – ob Bildung, Naturschutz oder andere Projekte. Und ich bin stolz darauf, dass Partner wie Porsche unsere Arbeit aktiv unterstützen und so etwas Besonderes, wie diese Roadshow erst möglich machen.

Marie Claire: Mit der Toni Garrn Foundation engagierst du dich seit Jahren für Mädchenbildung. Wie hängt diese Arbeit für dich inhaltlich mit Super Flea Market zusammen – oder bleiben das zwei getrennte Welten?

Toni Garrn: Überhaupt nicht. Für mich hängt das direkt zusammen. Bei den meisten Teilen werden bis zu 90 Prozent des Erlöses gespendet. Viele Menschen spenden ihre Stücke ganz bewusst, weil sie die Arbeit der Toni Garrn Foundation unterstützen möchten.

Der Super Flea Market ist für uns eine andere Form von Fundraising, aber eben auch eine Möglichkeit, die Geschichten hinter den Projekten sichtbar zu machen. Bei den Pop-ups stehen nicht einfach Verkäuferinnen und Verkäufer im Store, sondern die Menschen, die die Projekte organisieren, mit Celebrities zusammenarbeiten oder vor Ort in Afrika tätig sind. Dadurch können wir direkt erklären, was mit den Spenden passiert.

Marie Claire: Berlin, Cannes, Stuttgart, Hamburg: Die Roadshow hält an sehr unterschiedlichen Orten. Weshalb hast du die Orte ausgewählt?

Toni Garrn: Die Orte haben etwas gemeinsam: Dort gibt es Menschen, die Pre-loved lieben und die Geschichten hinter besonderen Stücken zu schätzen wissen. In Berlin haben wir bereits ähnliche Formate umgesetzt, während Hamburg für uns Neuland ist – und für mich als Heimatstadt natürlich ein Elfer. In Cannes und Stuttgart haben wir erlebt, wie groß die Begeisterung für Vintage mit Geschichte ist. Überall haben wir wahre Pre-Lover gefunden.

Toni Garrns Vintage-Schätze

Marie Claire: Bist du selbst auch eine Pre-Loverin?

Toni Garrn: Ja, total. Ich liebe bestimmte Stores im East Village in New York und in Paris. Es gibt Teile, die würde ich nie neu kaufen. Natürlich trage ich auch neue Sachen, es ist ja mein Job. Ich gebe sehr viele Sachen ab und kaufe deutlich weniger nach. Das ist sehr erleichternd.

Marie Claire: Gibt es Vintage-Stücke in deinem eigenen Kleiderschrank, die du nie hergeben würdest? Was macht sie unersetzbar?

Toni Garrn: Ich habe ein paar Jeans, in die ich wahrscheinlich nie wieder reinpasse, die ich aber trotzdem nicht hergeben kann. Generell gibt es einige Stücke, von denen ich mich nie trennen würde. So frei ich oft mit materiellen Dingen bin, so protective bin ich bei bestimmten Teilen geworden. Ich glaube, Kleidung hat einfach einen sentimentalen Wert, weil sie Erinnerungen trägt.

Marie Claire: Gibt es auch ein Teil, von dem du dich einmal getrennt hast und dem du bis heute ein wenig nachtrauerst?

Toni Garrn: Ja, eine Tasche. Ich habe mit Karl Lagerfeld eine Fendi-Kampagne geschossen und danach hat er mir eine Fendi Baguette geschenkt. Eine richtig schöne bunte. Sie war mir damals zu laut. Also habe ich sie beim ersten Flohmarkt verkauft. Ich habe heute noch manchmal Tagträume von ihr. Wenn man einmal diesen Fehler gemacht hat, dann macht man das nicht nochmal. Ich habe noch eine klassische Chanel 2.55 von Karl, die ich nie verkaufen werde.

Marie Claire: Noch eine letzte Frage. Marie Claire steht seit 1937 für Female Empowerment. Gibt es eine Botschaft, die du unseren Leserinnen mitgeben möchtest?

Toni Garrn: Have fun. Wir versuchen alle, so viel zu erreichen und alles perfekt zu machen. Das ist toll, aber wir dürfen nicht vergessen, den Moment zu genießen, mit Freundinnen zu lachen und Spaß zu haben. Was Frauen so besonders macht ist, we are the most fun, so we can bring the most fun.

Toni Garn
Foto: Jeremy Moeller

Diese Projekte werden bei einem Kauf unterstützt

Die Toni Garrn Foundation fördert Bildungs- und Gesundheitsprojekte für Mädchen und junge Frauen in Subsahara-Afrika und schafft sichere Räume für Lernen, Entwicklung und Chancengleichheit.

Re:wild schützt bedrohte Ökosysteme und Arten weltweit. Gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften arbeitet die Organisation daran, Biodiversität zu erhalten und die Natur langfristig zu stärken.

All Hands and Hearts unterstützt Menschen nach Naturkatastrophen. Die Organisation leistet Soforthilfe und begleitet betroffene Gemeinden beim nachhaltigen Wiederaufbau.

The Or Foundation setzt sich für Umwelt- und soziale Gerechtigkeit in der Modeindustrie ein. Die Organisation fördert faire, kreislauforientierte Alternativen und bekämpft die Folgen von Textilüberproduktion.

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions