Musikerin Yvonne Catterfeld: „Ich liebe es, Erwartungen zu brechen“

Seit 25 Jahren auf der Bühne und immer in Bewegung. Mit Marie Claire spricht Yvonne Catterfeld über ihren Werdegang, Selbstzweifel, Mut und ihr neues Album „Move“, das am 7. März 2025 erscheint.

Yvonne Catterfeld
Am 7. März 2025 erscheint Yvonne Catterfelds neues Album "Move". Foto: Adam von Mack

Yvonne Catterfeld im Marie Claire Interview

Seit über 20 Jahren ist Yvonne Catterfeld eine feste Größe in der deutschen Musik- und Entertainment-Szene. Acht Alben, zahlreiche Erfolge als Schauspielerin und Songwriterin – doch Stillstand ist für die 47-Jährige keine Option.

Am 7. März erscheint ihr neues Album „Move“ mit dem sie ab dem 14. Mai auf große Deutschlandtournee geht. Mit Marie Claire spricht sie über ihre musikalischen Anfänge, ihr neues Album, das kleine schüchterne Mädchen in uns und ihren Drang, sich immer wieder neu zu erfinden.

Die musikalischen Anfänge

Musik war schon immer das Ziel von Yvonne Catterfeld. Seit ihrer Kindheit sang sie, nahm Tanzunterricht und entschied sich schließlich für ein Musikstudium in Leipzig.

„Ich habe schon als Kind immer gesungen und das war für mich mein Ausdrucksmittel. Ich habe gemerkt, dass ich mich dadurch anders ausdrücken kann.“ Sie sei sehr schüchtern gewesen und sich am besten über die Schrift ausdrücken. Früher schrieb sie Briefe, heute verpackt sie ihre Gedanken in Songs.

Yvonne Catterfeld und die große Bühne

Trotz ihrer zurückhaltenden Art zog es Yvonne Catterfeld schon früh auf die Bühne. „Ich habe trotzdem vorher schon eine große Sehnsucht gehabt, auf der Bühne zu stehen, habe mich aber eher in den Schatten unten hingestellt und bewundernd und sehnsüchtig nach oben auf die Bühne geguckt. […] Es war für mich kein Problem, nicht aufzufallen. Aber dafür konnte ich zu viel, als ich mich so zu verstecken.“

Und so nahm sie nach ihrem Studium, noch unter dem Künstlernamen Viviane, am Gesangswettbewerb „Stimme 2000“ teil. Nach einer Rolle in der RTL-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ gelang ihr 2003 mit dem von Dieter Bohlen produzierten Song „Für Dich“ der musikalische Durchbruch. Es folgten weitere erfolgreiche Songs wie „Du hast mein Herz gebrochen“ und „Glaub an Mich“ sowie zahlreiche Auszeichnungen.

Yvonne Catterfeld

Foto: Adam von Mack

Der „Catterfelsche Sound“

Für ihre melancholischen deutschen Balladen in hoher Stimmlange wurde sie bekannt. Aber die künstlerische Freiheit war nicht immer selbstverständlich.

Es zeigte sich: Auch einer erfolgreichen Sängerin meinen andere Menschen Dinge vorschreiben zu können. Catterfeld erinnert sich: „Ganz früher hat einmal mein A&R gesagt: Nee, nee, du musst den Catterfelschen Sound machen. Ich selbst habe dann verwundert gefragt: „Was ist denn der Catterfelsche Sound?“ Naja, dieses verhauchte, hochgesungene. Und ich hatte mich davor gerade entschieden, tiefer zu singen.“

Heute ist sie längst ihren eigenen Weg gegangen und bleibt trotzdem wandlungsfähig. In den über 20 Jahren Karriere fand sie ihren eigenen „Catterfelschen Sound“ – und erfand diesen immer wieder neu. „Ich habe eine breite Range und damit mehr Möglichkeiten, aber auch die Qual der Wahl: 5 Töne runter oder 5 Töne hoch. […] Das Studio war für mich wie ein Spielplatz, wo ich wirklich Stimmungen, Stile, die Stimme auch ausprobieren und experimentieren konnte.“

„Es ist noch so ein kleines Mädchen in mir drin, das mir selber das nicht zutraut.“

Heute performt Catterfeld live in Deutschlands größten Hallen, steht für „The Voice of Germany“, Filme und Serien wie „Die Schöne und das Biest“ oder „Keinohrhasen“ vor der Kamera. Wer Yvonne Catterfeld heute auf der Bühne sieht, würde nicht vermuten, dass es für sie noch immer Überwindung kostet, um auf die Bühne zu gehen. Aber das kleine Mädchen sei noch immer da, erzählt sie.

„Ich bin gerade heute in meinem Alter mit 45 oft noch sehr dankbar, mehr denn je eigentlich, dass ich noch auf der Bühne stehen darf. Und gleichzeitig macht sich das Mädchen von früher in mir bemerkbar, das sagt: Du schaffst das nicht.“

So geht Yvonne Catterfeld mit der Pre-Show-Aufregung um

Ein bisschen Aufregung gehört aber immer dazu und das ist auch völlig in Ordnung – oder nicht? Trotzdem wünsche sie sich manchmal etwas von „dieser Rampensau Attitude“, die viele Schauspieler:innen und Sänger:innen haben. Gleichzeitig weiß sie auch „Es ist erstaunlich, wie viele Menschen eigentlich unsicher sind. Aber das überspielen durch eine Haltung. Du kannst so viel mit dem Körper machen. Du kannst so viel vorgeben, vortäuschen.“

Ob es für Catterfeld ein Pre-Show-Ritual gibt? „Pre-Show-Ritual? Nein, ich muss sagen, der Moment vor der Show ist für mich immer der Peak of Anxiety. Das kann ich auch nicht abstellen.“ Sie habe sogar schon darüber nachgedacht, sich hypnotisieren zu lassen. Für die meisten von uns wohl absolut nachvollziehbar.

Yvonne Catterfeld

Foto: Adam von Mack

„Ich liebe es, Erwartungen zu brechen“

Und trotz aller Unsicherheiten beweist sie großen Mut als sie 2016 ihre musikalische Karriere selbst in die Hand nimmt und ihr eigenes Label gründet.

Wie es dazu kam? „2015 war ich bei Sing Mein Song und hatte kein Management. Ich habe meinen Produzenten mitgenommen, mein Sohn war mit dabei und der Papa. Und mir ging es damit total gut.“ Es sei schön gewesen, sich kreativ ausprobieren zu können, ohne Druck neue Musik zu produzieren und Songs in ein selbst ausgewähltes „musikalisches Gewand“ zu kleiden – ein Gefühl von Freiheit. Dieses befreiende Gefühl setzte sich auch weiter durch, als sie ohne großes Plattenlabel ihre zwei nächsten Alben mit den passenden Namen „Guten Morgen Freiheit“ und „Change“ veröffentlicht.

Und wie sieht es heute aus? „Ich fühle mich freier als je zuvor.“ Sie ist eine Künstlerin, die immer wieder Neues wagt, sich weiterentwickelt und dabei konsequent ihren eigenen Weg geht. 

Die Bedeutung von "Move"

Am 7. März erscheint Yvonne Catterfelds neues Album „Move“. Es ist frisch, tanzbar – und ihr zweites Album in englischer Sprache. Der Grundstein sei mit dem Song „Move“ gefallen, der bereits im letzten Jahr veröffentlicht wurde. „Davor hatte ich noch ein paar andere Songs, die eher wieder in eine soulige R’n’B Richtung gingen mit Hip-Hop-Beats, aber ein bisschen aggressiver. Und dann haben wir „Move“ gemacht. Es ist cool, es ist einfach anders, es ist erfrischend.“

Das neue Album entstand aus einem ganz persönlichen Bedürfnis: „Der Gedanke war Motivation. Ich kann sehr gut andere motivieren, aber ich habe keine gute intrinsische Motivation. […] Früher war das anders, ich war sehr ehrgeizig.“

Und die Botschaft kommt an: Der Song „Move“ taucht in unzähligen Workout-Playlists auf – und habe sogar einen Fan dazu motiviert, mit dem Rauchen aufzuhören.

Albumcover "Move" von Yvonne Catterfeld

„Es war einfach der Wunsch nach Good Vibes“

Trotzdem war es ihr wichtig, ein vielseitiges Album zu produzieren, in welchem „jeder Song sein eigenes Leben hat und trotzdem alles irgendwie zusammenpasst. […] Einfach ein Album, was nicht schwer ist, sondern Spaß macht und zum Tanzen animiert, sich zu bewegen und alles nicht so ernst zu nehmen.“ Die letzten Jahre waren für Catterfeld geprägt von Veränderung und Neuorientierung.

Wie sie das Album in 3 Worten beschreiben würde? Es sei gar nicht so leicht, Worte für etwas zu finden, was man ohne Worte kreiert habe. Verständlich. Trotzdem bekommen wir sie: „MOVE“ ist „disco-tauglich, funky-groovy und trotzdem modern. Eine Mischung aus Retro 70s mit modernen, treibenden Beats und bewegend.“ Plus: Mit dem gekonnten Mix aus R&B, Soul und Dance ist ganz anders als ihre vorherigen Alben. Das passe aber auch zu ihrer aktuellen Lebenssituation: Glücklich, fröhlich und leicht fühle sie sich. Und das wollte sie an die Hörer:innen weitergeben.

„Ich würde mir wünschen, dass wir wieder offener aufeinander zugehen“

Die Message ihrer Songs sei immer songabhängig. Die größte Freude sei dabei, wenn ein Song eine Bedeutung für die Hörer:innen hat, etwas bewirkt oder verändert.

Während „Move“ motivieren soll, ging es bei ihrem Album „Change“ „um den Mut zur Veränderung mit all den unschönen Gefühlen, die diese mit sich bringt.“ „Wenn man intuitiv etwas spürt, was einem nicht guttut oder ein Mensch tut einem nicht gut, dass man diese Intuition nicht in die Tasche steckt, ignoriert“, merkt sie an.

Besonders wichtig sei ihr außerdem, dass wir als Gesellschaft nicht vorschnell verurteilen: „Ich würde mir wünschen, dass man nicht immer alle über einen Kamm schert.“ Um mutig zu sein und etwas zu verändern brauche es auch die anderen Menschen – unsere Freund:innen und Partner:innen. „Und ja, wir brauchen Männer. […] Es gibt so viele tolle Männer, die es verdient haben, respektiert zu werden, die sehr emotional sind, auch emotional intelligent.“

Träume sind zum Leben da: Ein Rat an junge Frauen

Die Sängerin war Coachin bei The Voice of Germany, Mitglied für den Vorentscheid des Eurovision Song Contest und ist liebevolle Mutter. Eine starke Frau. Ihr Rat? „Wenn man einen Traum hat, sollte man ihn auch wirklich verfolgen. […] Manchmal bereuen wir nichts mehr als das, was wir nicht getan haben.“

Der Erfolg komme aber nicht einfach von allein: „Wenn man ein Ziel hat, sollte man daran und an sich arbeiten, Unterricht nehmen, sich weiterbilden, weiterentwickeln und konsequent dranbleiben, besser zu werden, um dann das Beste geben zu können und die beste Version von sich zu sein.“

Tour oder Dancefloor? Beides!

Ab dem 14. Mai geht es für Yvonne Catterfeld auf Deutschlandtournee. Performen wird sie in Köln, Frankfurt, München, Hamburg, Berlin, Dresden und Leipzig.

Ihr Wunsch? „Dieses Mal ist mein Ziel, die Leute zum Tanzen zu bewegen. Ich wünsche mir eigentlich, dass wenn wir auf Tour gehen, der ganze Saal eine riesige Tanzfläche wird und die Leute einfach wirklich schwitzend, fröhlich rausgehen, ausgelassen und gute Laune haben, mitfeiern und zwei Stunden einfach eine gute Auszeit haben vom Stress des Alltags.“

Yvonne Catterfeld bleibt in Bewegung

Für sie selbst sei die schönste Auszeit die Momente mit ihrem Sohn, ihrem Freund und ihrer Familie. Und sie wolle sich mehr Zeit für Dinge zu nehmen, die ihr Spaß machen. „Ich habe mir vorgenommen, endlich in eine Danceclass zu gehen und Streetdance Hip-Hop zu machen. Ich liebe das – es ist so ausgelassen, es ist so fröhlich und das ist meine temperamentvolle Natur, die manchmal auf der Strecke bleibt und die ich gerne ausleben möchte – wenigstens einen Tag in der Woche.“ Yvonne Catterfeld bleibt also in jeder Hinsicht in Bewegung.

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