Vor rund 30 Jahren waren Unternehmensgründerinnen und umweltfreundlich denkende Firmen lange nicht so selbstverständlich wie heute.
Umso interessanter ist es, sich mit Mathilde Thomas zu unterhalten. Ich traf sie auf dem wunderschönen Weingut und Hotel ihrer Familie in Bordeaux,
der Stadt in Frankreich, in der auch ich zu Hause bin
Marie Claire: Liebe Mathilde, sind Sie an diesem wunderschönen Ort aufgewachsen?
Mathilde Thomas: Nicht genau, ich bin in den französischen Alpen aufgewachsen, weil meine Eltern dort wohnten. Dieses Anwesen haben sie erst 1990 erworben, da war ich schon 20 Jahre alt. Ich kam meistens nur an den Wochenenden hierher, da ich bereits auf einer Fachhochschule in Nizza (SKEMA) Wirtschaft & Business studierte. Ich studierte dort, da ich eigentlich Parfümeurin werden wollte. Ich liebe gute Düfte. Ich konnte schon als Kind die Parfummarken der Mütter meiner Freundinnen erkennen.
MC: Und wie kam dann die Idee zustande, Inhaltsstoffe der Weintrauben für Kosmetikprodukte zu nutzen – für die Ihre Firma ja bekannt ist?
MT: An einem der Wochenenden war ein Professor zu Besuch auf dem Weingut, der uns erzählte, dass die Traubenkerne, die bei der Weinherstellung übrig bleiben, sehr mächtig seien. Für uns waren diese Traubenreste Abfall, für ihn das Gegenteil. Wir vertieften das Thema und er stellte uns einigen Wissenschaftlern vor. Die Idee, Essenzen von Traubenkernen für Kosmetik zu nutzen, wurde geboren. Nach viel Forschung waren wir überzeugt und starteten, trotz vieler Warnungen wie „Tut das nicht!“, mutig unser erstes Kosmetikprodukt C40, den Vorgänger vom heutigen „Vinoperfect“.
MC: Wie kamen Sie auf den Namen Caudalie (es ist ein Insiderbegriff von Sommeliers und bezeichnet das Aroma, das der Wein anhaltend im Mund hinterlässt)?
MT: Tatsächlich suchten wir nach einem Namen, der französisch und feminin klingt und eine starke Verbindung zum Weinstock hat. Caudalie ist ein önologischer Begriff, der noch nicht einmal im Wörterbuch stand. Wir fanden ihn sehr passend und haben ihn uns markenrechtlich schützen lassen. Er symbolisiert den anhaltenden Effekt der Creme.
MC: Hatten Sie nie Bedenken, so eng mit Ihrem ehemaligen Freund, jetzt Ehemann, zusammenzuarbeiten?
MT: Nein, es liegt tatsächlich in der Familie, weil meine Großeltern zusammen ihren eigenen Supermarkt gegründet haben. Meine Großmutter und mein Großvater und meine Eltern arbeiteten zusammen. Ich war es somit gewohnt, Paare in der Familie zu sehen, die zusammenarbeiteten.
MC: Haben Sie dieses Miteinander auch an Ihre drei Kinder weitergegeben?
MT: Ich hatte nicht viel Zeit für die Erziehung meiner Kinder, weil wir hart arbeiteten und mit Leidenschaft bei der Sache waren. Aber ich denke, Vorleben ist auch Erziehung. Gemeinsam in der Familie essen, Freunde treffen, zusammen reisen bildet auch.
MC: Was ist Ihnen bei der Zusammenarbeit mit Angestellten wichtig?
MT: Wir schauen bei Einstellungen gerne auf die „Soft Skills“, schließlich sind wir kein Großunternehmen. Unsere Mitarbeiter müssen unternehmerisch denken, sich einbringen und mit Leidenschaft bei der Sache sein. Deswegen versuche ich jedem meine Geschichte zu erzählen, woran ich glaube, die Mission von Caudalie.
MC: Wie gelingt es, dass Sie als familiengeführtes Unternehmen die Kraft haben, immer wieder mit echten Innovationen auf den Markt zu kommen, zum Beispiel dem Resveratrol?
MT: Wir arbeiten seit 20 Jahren mit der Universität für Pharmazie von Bordeaux zusammen. Ein langjähriger Partner, und wir haben fünf verschiedene Moleküle patentiert. Zusätzlich haben wir Projekte mit der Harvard University in den USA umgesetzt. Grundsätzlich haben wir vier Kernprodukte und wir machen ständig klinische Studien, um tiefer zu graben und effektiver zu werden.
MC: Gibt es etwas, das Sie als Geschäftsfrau heute anders machen als vor 20 oder 30 Jahren?
MT: Wir haben jetzt eine Personalabteilung, die wir 20 Jahre lang nicht hatten. Es hat so lange gedauert, zu verstehen, dass Menschen entscheidend sind.
MC: Was würden Sie jungen berufstätigen Frauen gerne mitteilen?
MT: Zuerst denke ich, es ist wichtig, dass Frauen eine Karriere haben. Sonst kümmern sie sich nur um ihre Kinder, was fantastisch ist, weil sie das Wichtigste im Leben sind. Aber eines Tages sind die Kinder erwachsen. Sie verlassen das Haus und was macht die Frau dann? Du musst ein Familienleben haben, aber du musst auch Freunde haben und du musst auch eine Karriere haben.
MC: Kümmern Sie sich heute immer noch um das Parfum in den Produkten von Caudalie?
MT: Ja! Um jede einzelne Zutat, die hineingeht.
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