Wie entsteht echte Nähe? Intimitätskoordinatorin Ita O’Brien gibt in ihrem Buch Intimacy (2025) Antworten – und erklärt im Interview mit Marie Claire, wieso das Setzen von Grenzen der Schlüssel zu Vertrauen und einem erfüllten Sexleben ist.
Dass körperliche Nähe in Serien wie „Normal People“, „Sex Education“ oder „I May Destroy You“ ehrlich, verletzlich und zugleich kraftvoll wirkt, ist vor allem der Verdienst von Ita O’Brien. Als Intimitätskoordinatorin setzt sie sich dafür ein, intime Szenen nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie mit Sorgfalt, Respekt und künstlerischem Anspruch zu gestalten.
Mit ihrem 2025 erschienenen Buch Intimacy überträgt sie ihre Erfahrungen vom Set in unser aller Leben. Darin plädiert sie für einen offenen, neugierigen und selbstbestimmten Umgang mit Nähe, Begehren und Grenzen – und zeigt, dass Intimität keine spontane Magie ist, sondern etwas, das wir lernen, entwickeln und bewusst gestalten können.
Im Gespräch mit Marie Claire erklärt Ita O’Brien, warum Zustimmung sexy ist, weshalb Choreografie Freiheit schaffen kann – und welche Aspekte Film und Fernsehen bei der Darstellung von Lust, Körper und Kommunikation umdenken müssen.
Ita O’Brien ist eine der weltweit führenden Intimitätskoordinatorinnen und hat 2017 die Richtlinien für Intimacy On Set ausgearbeitet, die heute von führenden Produktionsfirmen wie der BBC, HBO, Netflix und Amazon Prime weltweit angewendet werden. Unter anderem hat sie an renommierten Serienproduktionen wie „Normal People“, „I May Destroy You“, „Boys“, „Sex Education“ und „Gentleman Jack“ gearbeitet sowie dem Netflix-Film „Lady Chatterleys Liebhaber“ und dem Kinofilm „We Live in Time“.
Seit der Gründung ihres Unternehmens Intimacy on Set im Jahr 2018 setzt sich Ita für sichere Praktiken bei der Inszenierung intimer Szenen ein – immer mit dem Ziel, einen sicheren, fairen und würdigen Arbeitsplatz für alle Beteiligten zu schaffen.
Als Intimitätskoordinatorin sorgt Ita O’Brien für Veränderung in der Film- und Fernsehbranche. Bild: Nicholas Dawkes
Marie Claire: Frau O’Brien, wie definieren Sie Intimität?
Ita O’Brien: Wenn wir über Intimität sprechen, reduzieren wir sie oft auf Sexualität. Doch Intimität hat viele Facetten: Da ist die emotionale Intimität – das Teilen von Verletzlichkeit. Die intellektuelle Intimität – ein Gedankenaustausch, bei dem man sich geistig herausfordert und inspiriert. Die spirituelle Intimität – gemeinsamer Glaube, Staunen, Transzendenz. Die erlebte Intimität – Dinge zusammen tun, sei es ein Spaziergang im Wald oder sich gegenseitig eine Massage geben. Und natürlich gibt es die körperliche und sexuelle Intimität. All diese Facetten nähren eine Beziehung. Sexuelle Intimität existiert nicht isoliert, sie wird von allem getragen, was sie umgibt.
Wenn ich ein Drehbuch lese, achte ich auf all diese Ebenen. Oft beginnt das erste Knistern von Intimität gar nicht mit einer Berührung, sondern mit einem Blick quer durch den Raum. Im Netflix-Film „Lady Chatterleys Liebhaber“, an dem ich mit Emma Corrin und Jack O’Connell gearbeitet habe, beginnt Intimität lange vor den Sexszenen. Sie beginnt mit dem Beobachten – jemanden in seiner Freiheit, seiner Verspieltheit, seiner Verletzlichkeit zu sehen. Dieses langsame Entzünden gehört zur intimen Reise dazu. Als Intimitätskoordinatorin werde ich direkter eingebunden, wenn Szenen in körperliche Berührung, Nacktheit oder sexuelle Handlung übergehen. Doch der emotionale und visuelle Aufbau ist genauso entscheidend.
MC: In Ihrem Buch vertreten Sie die These, dass Intimität etwas ist, das wir aktiv entwickeln können – und nicht etwas, das allen selbstverständlich zufällt.
Ja – und genau diese Erkenntnis begeistert mich zutiefst. Zu sehen, was Intimitätskoordination in der Branche bewirkt hat, war für mich eine Offenbarung. Ich habe erlebt, wie sich die Qualität des Erzählens veränderte, als man intime Inhalte enttabuisierte – offen darüber sprach, sie vorbereitete und mit Sorgfalt und handwerklichem Bewusstsein anging. Und ich fragte mich: Warum tun wir das nicht auch in unserem eigenen Leben?
Viele von uns wachsen mit einem Gefühl von Scham rund um Intimität auf. Selten stellen wir uns Fragen wie: Was möchte ich? Was genieße ich? Was fühlt sich für mich richtig an? Wenn jemand gut Tennis spielen will, nimmt er Unterricht, lernt Techniken, probiert sich aus und verbessert sich mit der Zeit. Doch bei Intimität erwarten wir oft, dass alles automatisch funktioniert.
Das hat auch mit kultureller Prägung zu tun. Ich stamme aus einem streng katholischen Umfeld, in dem Sexualität lange als etwas galt, das ausschließlich in der Ehe – und vor allem zur Fortpflanzung – stattfinden sollte. Intimität wurde nicht als etwas betrachtet, das man erforschen oder genießen darf. Dabei ist sie ein grundlegender, schöner Teil unseres Menschseins. Deshalb sollten wir beginnen, ihr mit Neugier zu begegnen – sie als etwas zu verstehen, das man erforschen, lernen und entwickeln kann, wie jede andere Fähigkeit auch.
MC: Welche Rolle spielt dabei die Beziehung zu sich selbst?
Eine sehr große. Das Wort „Intimität“ lässt sich spielerisch in „into-me-see“, also „in mich hineinsehen“ zerlegen. Wie verbunden sind Sie mit sich selbst? Mit Ihrer eigenen Sinnlichkeit? Mit Ihrem Körper? Wenn Sie mit Ihrer Sinnlichkeit verbunden sind und Klarheit über Ihre Bedürfnisse, Grenzen und Wünsche haben, können Sie diese Bewusstheit in eine Beziehung einbringen und Ihrem Gegenüber mit Offenheit und Präsenz begegnen.
Ebenso wichtig ist es zu verstehen, wie sich unsere Körper im Laufe des Lebens verändern – insbesondere weibliche Körper. Menstruation, Geburt, Menopause – das sind mächtige physiologische Prozesse, die historisch oft von Schweigen und Scham umgeben waren. Erst seit Kurzem wird beispielsweise offen über die Wechseljahre gesprochen. Lange Zeit wurde von Frauen erwartet, Symptome einfach auszuhalten, ohne wirklich zu verstehen, was in ihrem Körper geschieht. Sich dieses Wissen anzueignen – den eigenen Zyklus, hormonelle Veränderungen und die Übergänge in die Menopause zu verstehen – kann sehr stärkend sein. Auf der anderen Seite wartet Weisheit und Freiheit.
Auch Selbstbefriedigung gehört dazu. Wenn sich der Körper verändert, hilft es, mit dem eigenen Lustempfinden in Verbindung zu bleiben und herauszufinden, was jetzt funktioniert – nicht das, was vor zehn oder zwanzig Jahren funktionierte. Dazu können auch Hilfsmittel wie Vibratoren oder Gleitmittel gehören. Das sind keine Zeichen des Scheiterns, sondern Ausdruck einer sich entwickelnden Intimität.
Emma Corrin und Jack O’Connell im Netflix-Film „Lady Chatterley’s Liebhaber“. Bild: Netflix © 2022
Marie Claire: Wie prägen Film, Fernsehen und Popkultur unser Bild von Sexualität?
Sehr stark. Wenn Menschen etwas über Sex lernen wollen, wenden sie sich oft an Hollywood. Das Problem ist, dass vieles von dem, was wir auf der Leinwand sehen – insbesondere historisch betrachtet – von Männern geschrieben, inszeniert und durch einen männlichen Blick gefilmt wurde. Es geht mir nicht darum, den „male gaze“ zu verteufeln, sondern anzuerkennen, dass unsere Bildschirme lange Zeit vor allem eine männliche Perspektive widerspiegelten – häufig ohne authentische Darstellungen weiblicher Erregung und Lust.
Im Mittelpunkt stehen meist idealisierte, perfekt inszenierte Bilder: junge, makellos gestylte Körper, sofortige Leidenschaft, fehlerlose Szenen ohne jede Spur von Realität. Wenn wir dieses Bild verinnerlichen, beginnen wir, uns selbst von außen zu betrachten. Wir denken darüber nach, wie wir aussehen, statt zu fühlen, was geschieht. Und genau das verhindert echte Verbindung.
Ändert sich denn etwas?
Ich glaube ja. Als ich mit der Drehbuchautorin und Regisseurin Sally Wainwright an „Gentleman Jack“ gearbeitet habe, sagte sie zu mir: „Jetzt, wo ich weiß, dass es dich gibt, kann ich bessere intime Szenen schreiben.“ Genau das ist das Geschenk der Intimitätskoordination. Autor:innen müssen sich nicht länger vor Authentizität scheuen. Sie können detaillierte intime Szenen schreiben, anatomisch präzise und wahrhaftig – im Wissen, dass all das sicher und respektvoll choreografiert werden kann.
Auch in der Darstellung queerer Intimität hat sich viel bewegt. In der Netflix-Serie „Sex Education“ schrieb Laurie Nunn Szenen, in denen ganz selbstverständlich über Hygiene, Schutz und Gleitmittel gesprochen wird. In „Boys“, geschrieben von Russell T Davies wie auch in Michaela Coels Serie „I May Destroy You“ sehen wir Figuren, die explizit über Kondome und persönliche Grenzen verhandeln. Diese Normalisierung von Kommunikation ist entscheidend.
Aber es gibt noch viel zu tun. Ich glaube wir alle sehnen uns nach mehr gelebten Körpern auf dem Bildschirm – nach Körpern mit Falten, mit Rundungen, mit den Spuren eines gelebten Lebens. Sinnlichkeit und Sexualität enden nicht mit einem bestimmten Alter – und genau das müssen wir sehen. Emma Thompson war im Liebesfilm „Meine Stunden mit Leo“ ein außergewöhnliches Beispiel: In ihren Sechzigern steht sie nackt vor dem Spiegel und zeigt uns einen echten, gelebten Körper. Und als Kate Winslet die Serie „Mare of Easttown“ drehte, bestand sie darauf, dass ihr Körper in einer Sexszene nicht digital retuschiert wird. Das ist ein wunderbarer Wandel in unserer Branche – einer, auf dem Autor:innen, Produzent:innen und Regisseur:innen weiter aufbauen können.
Die Netflix-Serie „Sex Education“ bricht mit vielen Tabus, was die Darstellung von Sex angeht. Bild: Samuel Taylor/Netflix © 2023.
Haben Sie das Gefühl, dass die Branche die Rolle der Intimitätskoordinatorin inzwischen angenommen hat – und versteht, was sie einem Projekt bringen kann?
Als ich 2017 begann, die Intimacy On Set Guidelines zu verbreiten, und 2019 damit anfing, Intimitätskoordinator:innen auszubilden, war diese Rolle völlig unbekannt. Und dann, während des Lockdowns, erschienen Streaming-Produktionen, an denen wir gearbeitet hatten, und trafen den Nerv der Zeit – darunter „Sex Education“, „Normal People“ und „I May Destroy You“. Plötzlich begann die Branche zu verstehen: Ach so – das also kann diese Arbeit leisten.
Wenn Sie mit Schauspieler:innen arbeiten, die ein Paar spielen – welche Übung setzen Sie als Erstes ein, um Vertrauen und Leichtigkeit herzustellen?
Es gibt viele Möglichkeiten, aber der entscheidende Unterschied ist: Schauspieler:innen sind nicht sie selbst – sie verkörpern Figuren. Nachdem wir die Tischprobe gemacht und die Intentionen der Charaktere geklärt haben, kommen wir ins Körperliche. Diese Arbeit ist körperbasiert, also muss der Körper wach sein.
Oft beginne ich mit einem einfachen Warm-up: Musik an, und dann den Körper sanft durchbewegen – Schultern, Ellbogen, Hände, Rippen, Hüften, Knie. Es geht darum, Empfindsamkeit und Verbindung zu aktivieren. Eine weitere Übung nennt sich „body pleasuring“: Man liegt auf dem Boden und lässt den Körper sich so bewegen, wie er möchte – strecken, schütteln, rollen –, ohne ihm Anweisungen zu geben. Es geht darum, dem Körper zuzuhören.
Und dann gibt es die einfachste Übung von allen: die Umarmung. Selbst wenn sich die Schauspieler:innen schon kennen, bitte ich sie, sich bewusst zu umarmen – Herz an Herz. Diese schlichte Geste kann sehr kraftvoll sein. Für persönliche Beziehungen im Alltag gilt übrigens dasselbe Prinzip: eine Umarmung, ein kleiner Tanz in der Küche, ein geteilter Moment – all das hält das Knistern lebendig.
Gibt es noch andere Beispiele, wie sich Intimitätschoreografie auf das echte Leben übertragen lässt?
Natürlich. Choreografie bedeutet ja nicht, jede Bewegung festzuschreiben. Es geht darum, Raum und Intention zu schaffen. Man verabredet sich zum Abendessen, geht ins Kino, nimmt sich bewusst Zeit füreinander. Man schafft einen Rahmen – und genau das ist Choreografie. Innerhalb dieses Rahmens kann Spontaneität entstehen.
Am Set schaffen wir einen klaren Rahmen: Welche Berührungen sind vereinbart? Wie sieht die Choreografie aus? Ist das festgelegt, können sich die Schauspieler:innen darin frei bewegen. In Beziehungen gilt dasselbe: Zeit nehmen, Raum schaffen – und dann schauen, was entsteht. Wichtig ist auch, Penetration nicht als Endziel zu betrachten. Jede Form von Intimität hat ihren eigenen Wert. Die gesamte Reise zählt.
Was sagen Sie Menschen, die behaupten, Zustimmung einzuholen sei nicht sexy?
Zustimmung ist ein fortlaufender, lebendiger Prozess. Etwas, zu dem man früher „Ja“ gesagt hat, ist vielleicht heute kein „Ja“ mehr. Und ein früheres „Nein“ kann sich später in ein „Ja“ verwandeln. Wenn jemand im Moment nachfragt, zeigt das Präsenz. Es gibt keine Selbstverständlichkeit, keinen Anspruch – sondern Aufmerksamkeit und Bewusstsein. Und genau diese Präsenz ist unglaublich sexy. Sie schafft Freiheit, weil man weiß, dass die eigenen Grenzen respektiert werden.
Beim Film arbeiten wir mit Time-outs oder Safewords, sodass Schauspieler:innen den Dreh jederzeit stoppen können. Paradoxerweise entsteht dadurch mehr Freiheit. Sie wissen, dass sie gehört und unterstützt werden – und können, wenn sie möchten, weiter gehen. Dasselbe Prinzip gilt im echten Leben.
In „Normal People“ führt eins zum anderen und Connell (Paul Mescal) landet mit Marianne (Daisy Edgar-Jones) im Bett. Bild: ZDF / Enda Bowe
Welche Fragen stellen Sie, bevor Sie ein Projekt annehmen – und wie sieht ihr Arbeitsablauf aus, sobald Sie an Bord sind?
Die allererste Frage, die ich stelle, ist eigentlich ganz einfach: Wie arbeiten Sie? Ich spreche mit Produzent:innen und Regie über ihren Prozess, ihre Erwartungen und darüber, wie sie sich die Zusammenarbeit vorstellen. Intimitätskoordination basiert auf offener Kommunikation, auf einer klaren Identifikation aller intimen Inhalte – und vor allem auf ausreichend Probenzeit vor dem Drehtag, insbesondere wenn es um simulierten Sex oder Nacktheit geht. Die Choreografie sollte immer im Vorfeld entstehen und nicht erst spontan am Set improvisiert werden.
Ein großer Teil der Arbeit ist zudem organisatorisch. Wir erstellen detaillierte Szenenaufschlüsselungen und arbeiten eng mit der Rechtsabteilung zusammen, damit Vereinbarungen und Einverständniserklärungen eindeutig dokumentiert sind. Wenn simulierte Sexszenen oder Nacktheit geplant sind, bereiten wir entsprechende Verzichtserklärungen vor.
Wir stimmen uns mit dem Kostümbild über die Figurengarderobe und notwendige Intimschutzkleidung ab, mit der Maske etwa dann, wenn Tattoos abgedeckt werden müssen oder ein sogenannter Merkin – also eine Schamhaarperücke – zum Einsatz kommt. Manchmal arbeiten wir auch mit der Kameraabteilung zusammen, damit Choreografie und Shotlist präzise ineinandergreifen.
Vor dem Dreh erstellen wir eine Risikoanalyse, die – ähnlich wie bei Stuntkoordination – gemeinsam mit dem Call Sheet verschickt wird. Am Drehtag selbst unterstützen wir das geschlossene Set, danach führen wir Nachgespräche mit den Schauspieler:innen und dokumentieren Feedback zur Szene. Es ist eine Form der Rundum-Begleitung – vom ersten Gespräch bis zur letzten Nachbereitung. Und natürlich betrifft die Arbeit nicht nur die Darstellenden. Sie bezieht das gesamte Team mit ein: Kostüm, Maske, Ton, Kamera, Locations, Spezialeffekte – alle, die an einer Szene beteiligt sind oder von ihr berührt werden könnten.
Es geht also nicht nur darum, die Schauspieler:innen zu schützen?
Ganz genau. Es geht um das Wohlbefinden aller Beteiligten. Ich habe einmal an einer sehr berührenden Geburtsszene gearbeitet – liebevolle Eltern, am Ende ein gesundes Baby. Doch als ich mit einem Crewmitglied sprach, sagte diese Person: „Ich kann an diesem Tag nicht am Set sein.“ Da wurde mir klar, dass selbst Szenen, die oberflächlich freudig wirken, für Menschen mit schwierigen oder komplexen eigenen Erfahrungen zutiefst triggernd sein können.
Statistisch gesehen hat eines von vier Paaren Schwierigkeiten, ein Kind zu bekommen, und jede vierte Schwangerschaft endet in einer Fehlgeburt. Man kennt nie die Lebensrealität eines anderen Menschen. Seitdem weise ich bei solchen Szenen frühzeitig darauf hin: mit Content-Hinweisen, klaren Informationen darüber, was gedreht wird, ob ein Neugeborenes am Set sein wird, ob es ein geschlossenes Set gibt. Und vor allem erhalten Crewmitglieder die Möglichkeit, sich bei Bedarf vertraulich zurückzuziehen – mit entsprechender Unterstützung im Hintergrund. Gerade bei herausforderndem Material ist das ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit.
Wenden Sie ein, wenn eine Sexszene unnötig oder selbstzweckhaft wirkt?
Der Prozess der Intimitätskoordination dient immer dem Drehbuch, der Vision der Regie und den Schauspieler:innen. Am Anfang steht eine grundlegende Frage: Warum gibt es diese Szene? Was erzählt sie über die Figuren? Wie bringt sie die Geschichte voran?
Wenn diese Fragen ehrlich gestellt werden, wird meist schnell deutlich, ob ein Moment notwendig ist. Im Rahmen dieses Prozesses überleben selbstzweckhafte Szenen selten eine solche Prüfung. Wenn etwas weder den Figuren noch der Geschichte dient, dann gehört es schlicht nicht in ein Projekt hinein.
Als Intimitätskoordinatorin hat Ita O’Brien einige der bahnbrechendsten, leidenschaftlichsten und verletzlichsten intimen Szenen in Film und Fernsehen choreografiert. Kaum jemand versteht Intimität und die Kraft echter Verbindung so gut wie sie.
In ihrem Buch Intimacy verrät die Pionierin, was ihre Arbeit uns über unsere eigenen Beziehungen lehren kann – zu uns selbst und zu anderen. Neben spannenden Einblicken in ihre Arbeit hinter den Kulissen, gibt sie ihrer Leserschaft praktische Übungen für mehr Nähe an die Hand und bietet einen Wegweiser, um die eigene Lust und Sinnlichkeit zu entdecken, Bedürfnisse klar zu kommunizieren und wahrhaft intime Beziehungen in jeder Lebensphase zu kultivieren.
Buchcover von Ita O’Briens“Intimacy“. Bild: Penguin UK
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