Kleinstadtflair, dunkle Geheimnisse und eine jugendliche Heldin, die nicht locker lässt: Der Young-Adult-Krimi „A Good Girl’s Guide to Murder“ startet am 27. Mai in die zweite Staffel. Marie Claire hat Hauptdarstellerin Emma Myers zum Interview getroffen.
Als treudoofer Werwolf in „Wednesday“ wurde sie über Nacht zum Weltstar – jetzt zeigt sich Emma Myers von einer ganz anderen Seite: In der zweiten Staffel von „A Good Girl’s Guide to Murder“ spielt sie eine junge Ermittlerin, die sich in gefährlichen Kleinstadtgeheimnissen verliert. Im Gespräch mit Marie Claire erzählt sie von langen Drehtagen in Bristol, ihrer Liebe zu Krimis und davon, wie der plötzliche Ruhm ihr Leben verändert hat.
Die Verfilmung von Holly Jacksons gleichnamiger Romanreihe verbindet Krimi und Coming-of-Age zu einer mitreißenden Story: In Staffel 2 macht sich die jugendliche Hobbydetektivin Pip (Emma Myers aus „Wednesday“) daran, einen neuen Fall in ihrer Kleinstadt zu lösen. Diesmal muss sie das Verschwinden eines Zeugen im Prozess gegen den Vergewaltiger Max Hastings aufklären. Mit nur sechs Episoden à rund 45 Minuten eignet sich die zweite Staffel perfekt zum Bingen an einem unaufgeregten Wochenende. Sie ist ab dem 27. Mai im ZDF-Streamingportal verfügbar und wird ab dem 24. Juni wöchentlich in Doppelfolgen bei ZDFneo zu sehen sein.
Portraitbild Emma Myers. Bild: Storm Santos
Marie Claire: Ihre Figur Pip wird zur Hobbydetektivin, weil sie einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat. Gibt es etwas, in das Sie sich endlos hineinsteigern könnten?
Emma Myers: Ich glaube, ich lande sehr, sehr leicht in irgendwelchen Rabbit Holes – genau wie Pip. Wenn man mich einmal bei einem Thema packt, habe ich wahrscheinlich auch irgendwann eine Wand mit roten Fäden und Hinweisen in meinem Zimmer. Ich denke, was Pip so besessen macht, ist ihr extremes Schuldgefühl, wenn es ein Problem gibt, das sie nicht lösen kann – selbst wenn es eigentlich gar nicht ihr Problem ist. Es ist fast so, als fühle sie sich verantwortlich dafür, dass etwas passiert, wenn sie es nicht richten kann. Und damit kann ich mich schon identifizieren, denn auch ich möchte unbedingt, dass Menschen, die Schlechtes tun, dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
In Staffel 2 startet Pip einen Podcast über die Fälle, die sie untersucht. Hören Sie selbst auch gern Podcasts oder True Crime?
Als ich noch ein Kind war, zählte „Criminal Minds“ zu meinen absoluten Lieblingsserien, ich habe also definitiv eine Vorliebe für gute Krimis. Podcasts höre ich besonders gern auf langen Flügen. Was True-Crime-Podcasts angeht, mag ich sie dann, wenn sie respektvoll gemacht sind und sensibel mit ihrem Thema umgehen. Leider werden viele auf eine sehr ausbeuterische, sehr clickbaitige Art produziert.
Apropos Hörvorlieben: „A Good Girl’s Guide to Murder“ sticht unter anderem durch ihren hervorragenden Soundtrack heraus. Welche Rolle spielt Musik für Sie, wenn Sie sich in eine Figur hineinfinden?
Ich erstelle normalerweise für jede meiner Figuren Playlists. Immer wenn ich ein neues Projekt beginne, stürze ich mich regelrecht in musikalische Tiefenrecherchen, weil es einfach Spaß macht, sich in die Figur hineinzuversetzen und herauszufinden, was sie wohl hören würde. Ich glaube, Pip ist deprimiert und traurig – sie würde wahrscheinlich Indie-Musik lieben. Vielleicht Phoebe Bridgers oder TV Girl. Und ganz sicher hätte sie auch Songs meiner Co-Darstellerin Asha Banks auf ihrer Playlist, die in der Serie Pips beste Freundin Cara spielt.
Pip (Emma Myers, l.), Cara (Asha Banks, 2.v.l.), Lauren (Yali Topol Margalith, 2.v.r.) und Connor (Jude Morgan-Collie, r.) sind füreinander da. Bild: ZDF / Jonathan Birch
Wie Sie schon sagen, ist die Serie stellenweise ziemlich düster und schwer. Wie gelingt es Ihnen die Arbeit nach einem langen Drehtag wieder loszulassen?
Ich würde nicht sagen, dass ich besonders gut darin bin, abzuschalten. Es hängt davon ab, was wir drehen und wie mein Tag danach aussieht. Manchmal kann ich sehr gut nach Hause gehen und nicht mehr darüber nachdenken. An anderen Tagen nehme ich den Stress von bestimmten Szenen mit nach Hause und fühle mich immer noch irgendwie seltsam deswegen. Ich glaube, ich muss einfach müde genug sein, um sofort einzuschlafen – dann fällt es mir leichter, die Figur loszulassen.
Was hoffen Sie, dass die Zuschauer:innen aus der Serie mitnehmen?
Ich finde, dass es sowohl dem Buch als auch der Serie gut gelingt, Aufmerksamkeit auf wirklich schwierige Themen zu lenken. Es geht um Mord, Missbrauch, Drogen, Vergewaltigung und viele andere schlimme Dinge, die jungen Menschen passieren können. Wenn die Leute etwas daraus mitnehmen, dann hoffentlich ein größeres Bewusstsein für solche Situationen. Und selbst wenn man von außen nicht sieht, dass jemand so etwas durchmacht, sollten wir Menschen ernst nehmen, wenn sie sagen, dass es ihnen so geht.
Hobbydetektivin Pip Fitz-Amobi (Emma Myers) bringt sich durch ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn oft in Gefahr. Bild: ZDF / Jonathan Birch
„A Good Girl’s Guide to Murder“ wurde in Großbritannien gedreht – an Orten, die außerhalb des Landes nicht unbedingt bekannt sind. Wie beeinflussen diese Schauplätze die Serie?
Ich habe es geliebt, in und rund um Bristol zu drehen – gerade weil die Orte nicht so bekannt sind. Dadurch fühlt es sich an, als hätte unsere Serie ihren ganz eigenen Vibe. Außerdem verleihen die kleinen Dörfer und Landstraßen, die wir genutzt haben, um Little Kilton zu erschaffen, der Serie genau dieses Kleinstadtgefühl, das auch das Buch hat. Und das ist entscheidend, weil in kleinen Städten jeder jeden kennt.
Gibt es bestimmte Orte dort, die Sie empfehlen würden?
Wenn man in der Nähe von Bristol ist, sollte man Ashton Court besuchen. Das ist ein wunderschöner, riesiger Park auf einem alten Anwesen, in dem wir ein paarmal gedreht haben. Man kann dort toll spazieren gehen und es gibt einen süßen kleinen Stand mit Kaffee und Snacks. Oder man leiht sich ein Fahrrad und fährt herum – vielleicht sieht man sogar Rehe. Im Sommer findet dort, glaube ich, auch ein Musikfestival statt.
Übrigens: Ihr Englischer Akzent ist sehr beeindruckend.
Oh, vielen Dank, das freut mich sehr.
Haben Sie einfach ein gutes Gehör dafür oder gab es bestimmte Tricks, die Ihnen geholfen haben?
Ich glaube eigentlich nicht, dass mir Akzente besonders leichtfallen, und der, den ich in der Serie spreche, ist auch noch sehr spezifisch. Er heißt Standard Southern British, kurz SSB. Deshalb habe ich wirklich hart daran gearbeitet, ihn richtig hinzubekommen. Zum Glück habe ich eine fantastische Dialekttrainerin namens Elspeth. Sie ist die Beste. Aber ehrlich gesagt hat vieles auch damit zu tun, komplett in dieses Umfeld einzutauchen. Ich habe in den letzten Jahren viel Zeit in Großbritannien verbracht und viele meiner Freunde sind Engländer. Es hilft außerdem enorm, die Drehbücher immer und immer wieder im Akzent der Figur laut zu lesen.
Als „Wednesday“ 2022 bei Netflix erschien, wurden Sie innerhalb kürzester Zeit weltweit bekannt. Welche Veränderung in Ihrem Leben war die größte Umstellung?
Der Teil meines Jobs, an den ich mich am schwersten gewöhnt habe, ist wahrscheinlich, ständig aus dem Koffer zu leben. Ich wurde zu Hause unterrichtet und war deshalb rund um die Uhr bei meiner Familie. Und plötzlich war ich quasi über Nacht auf Pressetouren und bei unzähligen Events unterwegs. Das war viel auf einmal, weil ich eigentlich ein totaler Stubenhocker bin. Ich mochte es immer, einen festen Ort zu haben, es mir gemütlich zu machen und anzukommen statt ständig unterwegs zu sein. Aber in den letzten Jahren ist mein Leben genau das Gegenteil geworden. Und lustigerweise fühle ich mich inzwischen fast unwohl, wenn ich zu lange an einem Ort bin, weil ich mich so sehr daran gewöhnt habe, ständig weiterzuziehen.
Wenn Sie Projekte annehmen, die potenziell über mehrere Staffeln laufen könnten – was überzeugt Sie davon, dass Sie wirklich Jahre Ihres Lebens damit verbringen können?
Mir ist wichtig, Mitspracherecht bei einem Projekt zu haben. Wenn man so viel Zeit damit verbringt, eine Figur zu spielen, hat man irgendwann das Gefühl, sie besser zu kennen als alle anderen am Set. Wenn es also eine Zeile gibt, bei der man denkt, dass die Figur sie niemals sagen würde, sollte man das ansprechen können. Bei „Good Girls“ wollte ich natürlich das Ausgangsmaterial respektieren. Aber ich durfte bei Pips Dialogen und beim Schreiben viel mitreden, weil Holly Jackson sehr kollaborativ arbeitet und Input liebt. Genauso wichtig sind Cast und Crew. Wenn man mehrere Staffeln dreht, möchte man das Gefühl haben, mit diesen Menschen eine gute Beziehung aufbauen zu können. Ich hatte bisher unglaublich viel Glück mit den Leuten, mit denen ich arbeiten durfte – deshalb würde ich am liebsten so viele Staffeln wie möglich drehen.
Ein langfristiges Projekt bringt natürlich auch eine gewisse finanzielle Sicherheit mit sich. Was waren Ihre ersten größeren Anschaffungen nach dem ersten Gehaltsscheck?
Ich bin tatsächlich sehr sparsam mit meinem Geld. Meistens kaufe ich Dinge für andere Menschen. Ich glaube, das ist eine meiner Love Languages. Wenn jemand, der mir wichtig ist, Geburtstag hat, gebe ich alles – dafür habe ich wahrscheinlich bisher am meisten Geld ausgegeben.
„A Good Girl’s Guide to Murder“, Staffel 2: Ab 27. Mai im ZDF-Streamingportal.
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