Gute Bücher für den Sommer müssen nicht immer anspruchsvoll sein, sie dürfen auch einfach Spaß machen. Unsere Autorin hat Romane aus ihrem eigenen Bücherregal ausgesucht, die bestens in die sonnige Jahreszeit passen.
Manche Leser:innen nutzen die langen Tage und lauen Abende des Sommers, um Literaturklassiker zu schmökern und sich zu bilden. Andere sind einfach nur auf der Suche nach einem Wohlfühl-Roman für den Strand oder den heimischen Balkon. Ich habe 10 Leseempfehlungen aus meinem eigenen Bücherregal für Sie ausgesucht, die einem dieser Bedürfnisse gerecht werden.
The Cheerleaders von Kara Thomas lässt sich an einem Wochenende verschlingen. Bild: Penguin Randomhouse
Vor fünf Jahren erschütterte eine Reihe mysteriöser Todesfälle die Kleinstadt Sunnybrook – mehrere Cheerleader kamen ums Leben, darunter auch Monicas Schwester. Offiziell gelten die Fälle als geklärt, doch Monica beginnt zu zweifeln, als neue Hinweise auftauchen. Sie gräbt tiefer und stößt auf ein Netz aus Lügen, Geheimnissen und verdrängten Wahrheiten.
Kleinstadtatmosphäre, rätselhafte Ereignisse und verbotene Affären: Der YA-Thriller von Kara Thomas dürfte vor allem Fans von Serien wie „Pretty Little Liars“, „Veronica Mars“ oder „Riverdale“ abholen. Denn der Roman spielt gekonnt mit dem Kontrast seiner Kulisse: eine Ortschaft, in der das Leben scheinbar stillsteht – und in der doch hinter zugezogenen Gardinen Abgründe lauern. Falls Sie nach der letzten Seite noch nicht genug von Sunnybrook haben, können Sie die Fortsetzung The Champions nahtlos anschließen.
In einem Sommercamp in den Adirondack Mountains verschwindet im August 1975 die jugendliche Barbara Van Laar – 14 Jahre nachdem bereits ihr Bruder als vermisst gemeldet wurde. Während die Suche läuft, kommen dunkle Geheimnisse über die wohlhabende Familie der Jugendlichen und die Vergangenheit der Ortschaft ans Licht.
Wenn Sie mich fragen, eignet sich dieser atmosphärische Thriller hervorragend zum Einkuscheln während eines Sommergewitters. Ich habe ihn im Frühsommer 2025 in einer Bahnhofsbuchhandlung in München entdeckt, während ich auf eine Freundin gewartet habe. Schon beim Anlesen war ich gefesselt von Moores charakterstarken Erzählung, die sich auf mehrere Perspektiven rund um die Ermittlungen aufsplittet und sich zum Schluss auf meisterliche Weise zu einem Ganzen zusammenfügt. Aktuell verfilmt Netflix den Roman mit „Stranger Things“-Star Maya Hawke in einer der Hauptrollen.
Die Supermarktkassiererin Julie Chan kommt gerade so über die Runden, während ihre Zwillingsschwester Chloe sich ein glamouröses Leben als Social-Media-Star aufgebaut hat. Als Julie Chloes Leiche in deren New Yorker Apartment entdeckt, tauscht sie kurzerhand die Identität mit der Toten und schlüpft in deren sorgfältig inszeniertes Leben voller lukrativer Werbedeals, eingefleischter Follower:innen und einem Netzwerk aus blonden It-Girls. Als die elitäre Clique sie jedoch zu einem einwöchigen Digital Detox Trip auf eine abgelegene Privatinsel einlädt, kommt Julie finsteren Machenschaften auf die Spur, die sie in Gefahr bringen.
Scharf, düster und schmerzhaft nah am Zahn der Zeit: Liann Zhangs schwarzhumorige Satire zerkratzt die schillernde Oberfläche des Influencer:innen-Kults. Ich würde den Roman als unterhaltsame Kreuzung aus Rebeca F. Kuangs Yellowface und Mona Awads Bunny beschreiben, der zudem popkulturelle Elemente wie den Mordprozess von Amanda Knox und Taylor Swifts „Girl Squad“ aufgreift.
Eine bissige Satire auf die Influencer:innen Kultur: Julie Chan is Dead. Bild: Simon & Schuster
Ich habe lange gebraucht, um dieses Buch zu lesen, weil es voller großer Ideen und Überlegungen über Lebensentscheidungen und Identitäten steckt. Aber gerade deshalb löst der Gedanke daran ein warmes und tiefes Gefühl der Dankbarkeit in mir aus.
Eine Gruppe von Studienfreund:innen verbringt eine Woche in einer Sommerhütte im ländlichen Dänemark. Eine Gelegenheit zum Schwimmen, Sonnenbaden, Flirten, Lesen und zum gemeinsamen Zeitverbringen wie in alten Zeiten. Zumindest hatte Sylvia das gehofft. Doch als Gry mit ihren Kindern auftaucht und Esben und Karen ihre Hochzeit ankündigen, fragt sich Sylvia, was aus den radikalen Lebensentwürfen geworden ist, die sie sich an der Universität ausgemalt hatten. Was sie nicht ahnt: Auch der Rest der Gruppe ringt mit Sehnsucht und innerer Unruhe – denn alle scheinen sich jeder auf seine Weise dieselbe Frage zu stellen: Wie lässt es sich am besten leben und lieben?
Linea Maja Ernsts Debüt ist der quintessenzielle Millennial-Roman. Bild: S. Fischer Verlag
Eigentlich bin ich kein Fan von Taylor Jenkins Reid – ihr Bestseller Die Sieben Männer der Evelyn Hugo hat mich wahnsinnig gelangweilt und ich habe sie deshalb als überbewertet abgestempelt. Dann hat mir eine Freundin letzten Sommer diesen Roman als „seichte Lektüre“ empfohlen, um mir aus meiner Lesefaulheit zu helfen – und es hat funktioniert: Ich habe ihn an einem Wochenende verschlungen.
Im Mittelpunkt stehen die Riva-Geschwister, die im Malibu der 1980er eine legendäre Hausparty veranstalten. Im Lauf dieses einzigen Tages kommen Familiengeheimnisse ans Licht, persönliche Konflikte spitzen sich zu und alte Wunden brechen neu auf – parallel dazu wird in Rückblenden die bewegte Geschichte ihrer Kindheit erzählt, die vor allem von der dysfunktionalen Beziehung ihrer Eltern geprägt war.
Besonders berührt hat mich, wie sehr die Hauptfigur Nina als ältestes der Riva-Kinder unter der Verantwortung für ihre Geschwister leidet und wie liebevoll und komplex die Beziehungen zwischen den Geschwistern geschrieben sind. Abgesehen davon, versteht es Jenkins Reid unheimlich gut, bildstarke Szenen zu entwerfen, die wie ein Film vor dem inneren Auge ablaufen. Fast hatte ich das Gefühl, auf dieser verrückten Party dabei gewesen zu sein.
Die Geschichte springt zwischen Zeiten und Orten: vom Italien der 1960er-Jahre, wo ein junger Hotelbesitzer sich in eine geheimnisvolle Schauspielerin verliebt, bis ins heutige Hollywood. Über Jahrzehnte hinweg verweben sich ihre Lebenswege zu einer Erzählung über verpasste Chancen, Träume und die Frage, was bleibt. Ein nostalgisches, weitläufiges Buch voller Sehnsucht – ideal für den Sommer, wenn man sich gern in Geschichten verliert, die nach Meeresluft und großen Gefühlen schmecken.
Wasser, Magie, ein Hauch Märchen: Dieses Buch ist perfekt für alle, die im Sommer gern in träumerische Welten eintauchen. In einer von Mythen geprägten alten Welt opfert sich die tapfere Mina, um den Meeresgott zu besänftigen, der angeblich für zerstörerische Stürme verantwortlich ist. Doch statt zu sterben, gelangt sie in eine geheimnisvolle Unterwasserwelt voller Götter, Geister und Intrigen. Dort versucht sie, den schlafenden Meeresgott zu erwecken – und kommt dabei dessen geheimnisvollem Diener Shin näher…
Schöne Ruinen nimmt uns mit an die Mittelmeerküste. Bild: Kampa Verlag
Wenn ich Ihnen ein Buch nennen soll, das jeder Mensch einmal gelesen haben sollte, so würde ich diesen Literaturklassiker von Harper Lee als Antwort nennen. Denn fast 100 Jahre nach seinem Erscheinen, hat die Botschaft von Wer die Nachtigall stört kein bisschen an Aktualität verloren.
Die Geschichte spielt in den 1930er-Jahren im amerikanischen Süden und wird aus der Perspektive der jungen Scout erzählt. Ihr Vater Atticus Finch verteidigt eines Sommers einen schwarzen Mann, der beschuldigt wird, eine weiße Frau vergewaltigt zu haben. Während des Prozesses werden Scout und ihr Bruder Jem mit Rassismus, Vorurteilen und moralischen Fragen konfrontiert.
Neben den ernsten Themen lebt das Buch von seiner starken Sommeratmosphäre: Ein kühles Glas Eistee auf der Veranda, lange Ferientage, Streifzüge durch die Nachbarschaft. Diese Mischung aus Unbeschwertheit und gesellschaftlicher Realität macht Wer die Nachtigall stört zu einer intensiven, aber zugänglichen Sommerlektüre – ideal für lange, nachdenkliche Lesetage.
Ein zeitloser Roman von trauriger Aktualität: Harper Lees Literaturklassiker Wer die Nachtigall stört. Bild: Rowohlt Verlag
Der 17-jährige Elio verbringt den Sommer mit seinen Eltern in Norditalien. Als der Harvard-Absolvent Oliver für sechs Wochen bei ihnen einzieht, steht die Welt des Jugendlichen plötzlich Kopf: Oliver ist weltgewandt, intelligent und schön. Er ist alles, was Elio will, und das vom ersten Moment an. Tatsächlich beruht die Zuneigung auf Gegenseitigkeit doch Schüchternheit und Unsicherheit veranlassen beide zur Zurückhaltung. Ein fast unerträgliches Spiel von Verführung und Zurückweisung beginnt. Die Verfilmung mit Timothée Chalamet aus dem Jahr 2017 wurde mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch geehrt.
Die Geschichte folgt zwei Außenseitern, die sich in den 1980ern im Schulbus kennenlernen. Zwischen Mixtapes, Comics und vorsichtigen Gesprächen entsteht eine erste große Liebe – während die schüchterne Eleanor gleichzeitig mit einem schwierigen und teils gewalttätigen Zuhause kämpft.
Eleanor & Park ist eine zarte, nostalgische Coming-of-Age-Romanze, die sich leicht und emotional liest – genau die Art von Geschichte, in der man sich an einem warmen Nachmittag in der Balkon-Hängematte verlieren kann.
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