An der Schnittstelle von Kunst und Technologie erschafft Miguel Chevalier hybride Welten, die von einem Wechselspiel aus Natur, Mensch und Maschine geprägt sind. Mit „Digital by Nature. Die Kunst von Miguel Chevalier“ widmet sich die Kunsthalle München dem Schaffen des kreativen Pioniers und lädt noch bis zum 1. März 2026 dazu ein, seine immersive Kunst zu erleben.
Kunst 2.0: Miguel Chevalier hat früh die Leinwand gegen den Monitor getauscht und wurde damit zum wichtigen Wegbereiter der digitalen Kunst. So erforscht der französisch-mexikanische Medienkünstler bereits seit den 1980er-Jahren die Möglichkeiten des Computers als kreatives Ausdrucksmittel. Dabei bedient er sich stets neuester Technologien. Auch künstliche Intelligenz kommt mittlerweile bei seiner Arbeit zum Einsatz. Ein zentrales Element seines Schaffens ist die Interaktion zwischen ihm als Künstler und der Maschine. Aber auch das Spiel zwischen System und Zufall prägt seine Arbeit.
Mit „Digital by Nature. Die Kunst von Miguel Chevalier“ widmet die Kunsthalle München dem Vorreiter der Digital Art die bislang größte Einzelausstellung in Europa. Die Schau, die noch zum 1. März 2026 zu sehen ist, verspricht einen umfassenden Überblick über Chevaliers Werk. Dieses erwächst aus dem Digitalen heraus, wird aber dennoch in seinen räumlichen und sensorischen Formen physisch erfahrbar. Präsentiert werden Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Dazu gehören maschinell erstellte Skulpturen, Zeichnungen, Videos und raumgreifende Installationen. Auch partizipative Projekte, die die Besucher:innen dazu einladen, selbst Teil des kreativen Entstehungsprozesses zu werden, sind vertreten.
Miguel Chevalier wurde 1959 in Mexiko-Stadt geboren und lebt seit 1985 in Paris. Früh kam durch sein Elternhaus mit dem Kunst- und Kulturbetrieb in Kontakt. Sein Vater forschte an der Universität zur Geschichte Lateinamerikas. Daher gingen in seinem Elternhaus muralistische Künstler:innen und Intellektuelle ein und aus. In seiner Jugend verbrachte er außerdem Zeit in Madrid und lernte dort die europäische Kunst und Architektur kennen.
Miguel Chevalier absolvierte seine formale Ausbildung an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris. Zudem schloss er ein Studium an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs ab. Außerdem erwarb er einen Abschluss in Kunst und Archäologie an der Sorbonne sowie in Bildender Kunst an der Universität Paris Saint-Charles. 1984 erhielt er ein Stipendium, das ihm ermöglichte, das Pratt Institute in New York zu besuchen. Dort kam er erstmals intensiv mit computergestützten Zeichenprogrammen in Kontakt. Von da an wandte sich Chevalier zunehmend der Computerkunst zu und wurde zu einer wegweisenden Figur auf diesem Gebiet.
Sein wissenschaftlicher Background bildet die Basis für die künstlerische Arbeit von Miguel Chevalier. So steht sein Werk im kontinuierlichen Dialog mit der Kunst- und Kulturgeschichte. Zu seinen historischen Vorbildern zählen dabei Künstler:innen, die mittels Technologie die Kunst in Bewegung versetzt haben und das Publikum dabei mitdachten, wie Marcel Duchamp oder Jean Tinguely. Zudem verbindet Chevalier eine klar definierte Formensprache mit der bewussten Einbindung des Zufalls und bezieht sich dadurch etwa auf Victor Vasarely oder auf die Computerkunst-Pionierin Vera Molnár.
Darüber hinaus spielen Maler wie Claude Monet, Diego Rivera und Lucio Fontana eine wichtige Rolle für seine Auffassung von Bildfläche, Licht und Raum. Für Chevalier ist es ein essenzielles Anliegen, dass die Besuchenden die Werke körperlich erfahren, verändern und damit am Schaffensprozess teilhaben können. Dieser Ansatz verbindet seine Arbeit unter anderem mit der von Yves Klein oder Niki de Saint Phalle.
Miguel Chevaliers Sujets kreisen um das Zusammenspiel von Natur und Technologie, um Wachstumsprozesse, Bewegung und Transformation. So entwickelt Chevalier interaktive Installationen, die natürliche Prozesse simulieren, wie etwa das Wachsen, Blühen und Vergehen von Pflanzen. Neben der Pflanzenwelt inspirieren ihn auch Mineralien und Kristalle, deren geometrische Strukturen er algorithmisch nachbaut und in seine Arbeiten integriert.
Immer wieder stellt Chevalier auch das Verhältnis von Mensch und Maschine ins Zentrum seiner Arbeit und hinterfragt die Grenzen von Kontrolle und Zufall. So sind seine Werke nicht nur technische Experimente, sondern auch philosophische Betrachtungen zu Leben, Vergänglichkeit und schöpferischer Energie. Chevalier zeigt, dass Technologie nicht Entfremdung bedeuten muss, sondern eine Erweiterung der menschlichen Möglichkeiten bietet. Dabei sieht er das Digitale als organische Fortsetzung der Natur.
Indem er Besucher:innen aktiv in seine Installationen einbindet, verwandelt er die reine Betrachtung in ein Erlebnis. So entsteht Kunst, die nicht nur gesehen, sondern verändert und mitgestaltet werden kann. Dadurch wird Miuguel Chevaliers Werk zum Sinnbild für eine Welt, in der Mensch und Maschine gemeinsam die Zukunft gestalten.
Genau in diesem Spannungsfeld zwischen menschlicher Kreativität und maschineller Systematik bewegt sich die Ausstellung „Digital by Nature. Die Kunst von Miguel Chevalier“ in der Kunsthalle München. Die Schau umfasst ungefähr 100 Werke Chevaliers aus seinem Archiv, Leihgaben aus internationalen Sammlungen sowie eigens für die Ausstellung neu entstandene Kreationen. Ergänzt werden die Exponate durch Leihgaben naturwissenschaftlicher Sammlungen, die die natürlichen Inspirationsquellen des Künstlers wie beispielsweise Pflanzen oder Kristalle mit komplexer geometrischer Struktur zeigen.
Neben Skulpturen und Zeichnungen, die Miguel Chevalier mithilfe von 3D-Druck und Robotik herstellt, maschinell produzierten Stickereien und Tapisserien und Videos, zählen vier raumgreifende Installationen zu den Highlights der Ausstellung. Dafür kreieren Algorithmen fortlaufend neue Bilder, die das Publikum mit seinen Körperbewegungen interaktiv mitgestalten kann. Außerdem können die Besucher:innen erstmals an der Entwicklung von Chevaliers bislang größtem virtuellen Garten mitwirken. Dabei gilt es, eigene digitale Pflanzen zu kreieren, die dann in einem Gewächshaus im Ausstellungsraum präsentiert werden. So schließt sich der Kreis aus Technik, Natur und menschlicher Fantasie.
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