Von persönlichen Gefühlen bis zu politischen Statements – die Berliner Künstlerin und Illustratorin Kimiya Justus nutzt die Kraft der Farben als Spiegel ihrer inneren Welt und ihrer Umgebung. Dabei spielen feministische Themen eine große Rolle. Wir werfen einen Blick auf ihr kreatives Schaffen und sprechen mit ihr über Träume, Herausforderungen und die Macht der Kunst.
Starke Farben und starke Emotion machen die Arbeit von Kimiya Justus aus. Egal, ob in digitaler oder analoger Form, die Bilder und Illustrationen der Wahlberlinerin ziehen mit ihren klaren Linien und ihrer kraftvollen Farbgestaltung sofort in ihren Bann. Dabei spielen oft Frauenfiguren die Hauptrolle in ihren ausdrucksstarken Werken mit dem Ziel, die eigene Identität, aber auch Geschlechterrollen zu erforschen. Mit klarer Haltung und großer Offenheit erzählt die 31-Jährige visuelle Geschichten, die ganz private aber auch gesellschaftliche Themen aus allen Bereichen des Lebens – von Sexualität bis Politik – aufgreifen. Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit gelingt es ihr, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und eine kreative Intensität zu erzeugen, die augenblicklich berührt und noch lange im Gedächtnis bleibt.
Geburtsjahr: 1994
Wohnort: Berlin
Akademische Ausbildung:
Bisherige Meilensteine:
Marie Claire: Wann und wie sind Sie zum ersten Mal mit Kunst in Kontakt gekommen?
Kimiya Justus: Für mich ist es ganz schwierig zu definieren, wann ich zum ersten Mal in Kontakt mit Kunst gekommen bin. Du kommst schließlich auf die Welt, siehst und spürst etwas, und da besteht dann schon der erste Kontakt. Auch meine Mutter ist mit mir bereits früh in Ausstellungen gegangen. So habe ich schon immer viel Kunst gesehen – in Magazinen, aber auch draußen – und bin damit aufgewachsen.
Marie Claire: Kam für Sie überhaupt ein anderer Beruf infrage?
Kimiya Justus: Also für mich war schon immer klar, dass ich das tue, was ich tue. Aber ich räume auch total gerne auf und sortiere. Ich würde daher super gerne in andere Wohnungen gehen und dort ästhetische Wohnräume schaffen, die gleichzeitig funktional sind. Ich könnte mir also auch gut vorstellen, Aufräumcoach zu sein. Das wäre die zweite Option zu dem Beruf, den ich jetzt habe.
Marie Claire: Was sind die größten Herausforderungen am Künstlerleben?
Kimiya Justus: Die größte Herausforderung bei der Kunst ist gar nicht die Kunst selbst, sondern der Markt, in dem sie lebt. Man muss sich gewissen Regeln anpassen. Auch das Geldverdienen damit ist nicht leicht. Man ist eigentlich ein Freigeist und möchte sein Ding machen, aber wir leben im Kapitalismus und man muss das Spiel mitspielen. Das ist die größte Herausforderung, die ich sehe und auch spüre.
Marie Claire: Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Kimiya Justus: Mein Stil ist eine Mischung aus Lebendigkeit, Emotionalität und natürlich auch Farbigkeit. Ich werde oft immer in die Richtung Pop Art gedrückt, in der ich mich überhaupt nicht sehe. Ich würde sagen, mein Stil ist einfach, ehrlich, naiv, ein bisschen kindlich und „kimirich“, ein Kunstbegriff abgeleitet von meinem Namen.
Kimiya Justus: Mich beschäftigen vor allem die Themen Frauen, Menschlichkeit, Dialog, Träume, Körper und Politik.
Marie Claire: Woher holen Sie sich Ihre Inspirationen?
Kimiya Justus: Meine Inspiration hole ich von überall her. Mittlerweile gibt es so viele Informationen, die man ständig abbekommt. Ich würde sagen, meine Inspiration bekomme ich offline & online. Also aus Alltagssituationen, aus Gesprächen, die ich höre, aus Themen, die mich, meine Freunde und Familie beschäftigen. Und genauso sieht man auch online, was passiert, was andere Menschen beschäftigt. Dann setze ich mich irgendwann hin, habe das alles in meinem Kopf und male es raus.
Marie Claire: Welche anderen Künstler:innen haben Sie beeinflusst?
Kimiya Justus: Mich haben ganz viele verschiedene Künstler:innen inspiriert, sowohl weiblich als auch männlich. Mich inspiriert und beeinflusst auch meine Mutter sehr. Und jemand, den ich ebenfalls schon immer total inspirierend fand, ist Iris Apfel.
Marie Claire: Welche Ausstellungen und Projekte sind bei Ihnen in 2025 geplant?
Kimiya Justus: Ausstellungen sind noch nicht geplant. Es sind ein paar Sachen in der Überlegung, aber es steht noch nichts Konkretes fest. Ansonsten werde ich seit Anfang des Jahres von einer Illustrationsagentur vertreten und hoffe, dass da ganz viele spannende Projekte dieses Jahr noch auf mich warten, die ich illustrativ umsetzen kann.
Kimiya Justus: Traumprojekte gibt es ganz, ganz viele. Da denke ich lieber immer groß als klein. Gerne würde ich meine Bilder viel, viel größer malen, gestalten und drucken, zum Beispiel auf Häusern. Ich möchte gerne viel mehr draußen, nicht nur in meiner Welt sein. Schließlich bewege ich mich ja sehr viel in meinen eigenen vier Wänden, weil das mein Atelier, Zuhause und alles in einem ist. Mein Traum wäre es, von einer Galerie vertreten zu werden, die richtige Galerie zu finden, die mich auch versteht, und große Bilder zu malen.
Kimiya Justus: Mit meiner Kunst möchte ich eigentlich einfach nur Menschlichkeit ausdrücken und eine gewisse Art von Freiheit und Weiblichkeit. Ich will zeigen: Es ist alles okay, wie es ist. Ich spiegele dir meine Welt, meine Gedanken und Menschsein ist schön.
Marie Claire: Die Rubrik Kunst & Kultur haben wir bei Marie Claire weit vorne im Heft platziert, weil wir glauben, dass das Thema für Frauen immer wichtiger wird. Ist das auch Ihr Eindruck?
Kimiya Justus: Ich sehe das auf jeden Fall auch, dass Kunst für Frauen immer wichtiger wird. Auch wenn die Kunstwelt immer noch sehr männerdominiert ist, gibt es jetzt einfach mehr Frauen, die sich trauen und zeigen. Sie sind selbstbewusst und werden auch endlich ernstgenommen. Kunst ist ja auch was Schönes. Es macht jedem Spaß. Fast jeder guckt sich das gerne an. Wie langweilig wäre die Welt ohne Kunst? Kunst ist auf ganz vielen Ebenen präsent, in der Mode, Musik, Malerei, Illustration, Skulptur. Es kann alles Mögliche sein. Ich glaube, es ist einfach etwas Schönes jetzt in diesen Zeiten, wo viel Negatives und Lautsein stattfindet. Da ist Kunst ein positives Lautsein, das ermutigt und stark macht.
Marie Claire: Wie würden Sie diesen Satz vervollständigen: Kunst ist für mich…
Kimiya Justus: …spielen.
Marie Claire: Hätten Sie noch eine Message, die Sie unseren Leser:innen gerne mitgeben würden?
Kimiya Justus: Den Leser:innen würde ich gerne mitgeben: Seid wild, seid laut, seid nicht zu lieb, aber lieb zu euch und kauft Kunst.
Be the first to know about new arrivals and promotions