Die Kunst des Layerings: Aus Linien und Zeichen, die sich in multidimensionalen Ebenen überlagern, entwickelt Jana Schröder ihre besondere Bildsprache. Ihre ausdrucksstarken Werke leben von ihrer Vielschichtigkeit, kraftvollen Gesten und dem Mut, dem Zufall zu vertrauen. Im Interview mit Marie Claire verrät die Künstlerin, wie ihre Bilder entstehen, worin sie ihre Aufgabe sieht und was ihre größte Herausforderung beim Malen ist.
Expressiv und energiegeladen: Jana Schröder verwandelt Leinwände in vibrierende Oberflächen aus Linien, Zeichen und Farbschichten. Die in Düsseldorf lebende Künstlerin setzt dabei auf das kreative Zusammenspiel von Kontrolle und Zufall, spontaner Geste und gezielter Überarbeitung. Auf großformatigen Leinwänden entstehen so Kompositionen, die gleichermaßen die körperliche Arbeit während des Malprozesses wie die geistige Konzeption sichtbar werden lassen.
Jana Schröder arbeitet in Serien. Dabei entwickelt sie für jede Werkgruppe eine eigene Farbwelt. Bei ihrem experimentellen Ansatz entstehen die Formen, die das Bild prägen, erst im Prozess. So erzählt jedes fertige Bild auch etwas über seine Entstehungsgeschichte. Ihre abstrakten Malereien spielen dabei immer wieder mit Erinnerungen an bekannte Formen, ohne eine klare Lesart vorzugeben. Im Interview mit Marie Claire spricht Jana Schröder über ihre Arbeit und die Bedeutung der Kunst für unsere heutige Gesellschaft.
Geburtsjahr: 1983
Wohnort: Düsseldorf
Akademische Ausbildung:
Bisherige Meilensteine:
Marie Claire: Wann und wie sind Sie zum ersten Mal mit Kunst in Kontakt gekommen?
Ich mochte Kunst in einer niedlichen Art schon seit jeher und hab nach der Grundschule einfach nicht aufgehört zu malen. Als älteres Kind findet man dann Max Beckmann und Egon Schiele gut. Da muss man durch. Über die Musik kam ich auf Andy Warhol und war entflammt! Den ersten leiblichen Crush hatte ich ein paar Jahre später. Ein befreundeter Antiquitätenhändler meiner Eltern hatte ihnen zwei Immendorff Bilder aufgeschwatzt. Es hat mich damals umgehauen. Meine Eltern haben sie nicht gekauft, aber ab da wollte ich Kunst studieren.
Marie Claire: Kam für Sie überhaupt ein anderer Beruf infrage?
Jana Schröder: Ich wäre gerne in einer Band gewesen, aber konnte nur schlecht Gitarre spielen und nicht gut singen. Ansonsten wäre noch Schriftstellerin oder Schauspielerin für mich in Frage gekommen.
Marie Claire: Was sind die größten Herausforderungen am Künstlerleben?
Jana Schröder: Weitermachen und den Affentanz ertragen.
Marie Claire: Wie sehr planen Sie ein Bild und wie viel ergibt sich während des Malens?
Jana Schröder: Zufall, Planung. Langsam, schnell. Clever, doof. Technisch, Organisch. Zäh, flüssig. Stabil, fragil. Nichts geht ohne das andere.
Marie Claire: Wie genau läuft der Entstehungsprozess Ihrer Werke ab?
Jana Schröder: Eigentlich genauso wie oben. Man muss einfach reagieren und trotzdem tierisch aufpassen.
Marie Claire: Brauchen Sie ein bestimmtes Mindset oder eine besondere Atmosphäre zum Arbeiten?
Jana Schröder: Es ist ja ein Beruf und man macht ihn einfach jeden Tag. Atmosphäre stört mich eher. Struktur wäre mein Ziel, aber daran scheitere ich.
Marie Claire: Welche Rolle spielt Farbe für Ihre Werke?
Jana Schröder: Ich würde so weit gehen, dass Farbe für eine:n Künstler:in eine entscheidende Rolle spielt. Und lässt man sie weg, geht es ja auch um die Entscheidung.
Marie Claire: Wie entscheiden Sie, wann ein Bild fertig ist?
Jana Schröder: Das ist tatsächlich so ein Stoß. Es gibt dann nichts mehr hinzuzufügen und das Bild ist fertig und alle Anforderungen, die ich an es gestellt hatte, sind abgehakt.
Marie Claire: Welche anderen Künstler:innen haben Sie beeinflusst?
Jana Schröder: Das ist so schwer zu beantworten wie die Frage nach der Musik, die ich mag. Ist immer alles so wichtig und richtig zu der jeweiligen Zeit. Mir hat es sehr gut gefallen, bei Albert Oehlen zu studieren, und aufgrund meiner Jugend war das schon die größte Beeinflussung. Und danach kam alle 3 Monate ein:e neue:r Künstler:in hinzu. Ich hab die alle lieb. Die Alten und die Neuen. Ich will schnell Mucha hervorheben. Da flipp ich aus. Obwohl er rein gar nichts mit meiner Arbeit zu tun hat.
Marie Claire: Welche Ausstellungen und Projekte sind bei Ihnen im Jahr 2026 geplant?
Jana Schröder: Meine Show „Synthetic Existence – The Gaze of the Circuited Collective“ in der G2 Kunsthalle Leipzig läuft noch bis Ende Mai. Bei Bärbel Grässlin eröffne ich im April und freue mich bei Jahn & Jahn München meine Arbeiten im Mai neben Arbeiten von De Kooning zu zeigen.
Marie Claire: Was sind Ihre Ziele und Träume für die Zukunft?
Jana Schröder: Ich finde mein Leben extrem gut. Am tollsten wäre es, wenn jetzt einfach keine Scheiße passiert.
Marie Claire: Möchten Sie eine Message mit Ihrer Kunst vermitteln?
Jana Schröder: Message ist ein schwieriges Wort. Künstler:innen haben die Aufgabe, Fragen zu stellen. Und ich kümmere mich gerne um die Gegenwart. Das was dabei rumkommt, können die Menschen dann wieder verwursten in ihren lieben Köpfen.
Marie Claire: Wie würden Sie diesen Satz vervollständigen: Kunst ist für mich…
Jana Schröder: Das i unter dem Tüpfelchen! …
Marie Claire: Wir bei Marie Claire haben die Rubrik Kunst & Kultur weit vorne im Heft platziert. Weil uns das Thema wichtig ist und wir glauben, dass das Thema auch für Frauen immer wichtiger wird. Ist das auch ihr Eindruck?
Jana Schröder: Es war schon immer wichtig für Frauen. Ich finde es vollkommen korrekt, Kunst und Kultur vorne zu platzieren. Ohne Kultur verschimmeln die Gehirne. Durch Dummheit entsteht meist nichts Gutes. Und je abgestumpfter die Kultur wird, weil alles verwurstet und in schimmelig aufgekocht wird, desto gefährlicher wird es.
Marie Claire: Marie Claire möchte Frauen und ihren Themen eine Stimme gebe, welche Botschaft würden Sie unseren Leser:innen gerne mit auf den Weg geben?
Jana Schröder: Junge Frauen sollten Melissa Febos „Girlhood“ lesen. Frauen in der Lebensmitte können Nick Cave in den „Red Hand Files“ ihre Fragen schicken. Ältere Frauen sollten auf Joan Didion hören. Geht auch alles andersherum.
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