Die Ausstellung „GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection“ bringt zwei außergewöhnliche Sammlungen zusammen. Rund 300 Schmuckkreationen von Van Cleef & Arpels begegnen etwa 200 Objekten aus der Sammlung des MAK. Es ist ein Tribut an die Meisterhaftigkeit und Schönheit der Kunstformen – und an die Stadt Wien.
Die Kooperation vereint die traditionsreiche Haute Joaillerie von Van Cleef & Arpels mit der Sammlung des MAK. Die Wiener Institution ist eines der ältesten Museen für angewandte Kunst weltweit. Während Estelle Arpels und Alfred Van Cleef 1906 die Schmuckmaison gründeten, prägten junge Künstler:innen wie Gustav Klimt, Koloman Moser und Josef Hoffmann die Wiener Moderne.
120 Jahre später finden die beiden Welten zusammen. Ihre Sammlung bestehe aus mehr als 700.000 Objekten von vor Christi bis in die Gegenwart, erzählt Lilli Hollin, Kuratorin und Generaldirektion des MAK. Etwa 300 davon werden in der Ausstellung den Schmuckkreationen von Van Cleef & Arpels entgegengestellt. „Das ist wirklich etwas, was es in der Form noch nicht gab“, so ein Experte der französischen Maison.
Die vom Atelier Tsuyoshi Tane entwickelte Szenografie führt Besucher:innen durch ein räumliches Labyrinth, das überraschende Verbindungen zwischen Schmuckkunst und Design- sowie Kunstobjekten sichtbar macht. Die Ausstellung gliedert sich in sechs Kapitel.
Fotos: Courtesy of Van Cleef & Arpels
Das Thema „Reise“ spielt seit den Anfängen eine große Rolle für die Maison. Im Gründungsjahr schuf Van Cleef & Arpels ein detailgetreues Modell der Segelyacht Varuna. Ihr wird in der Ausstellung der sogenannte Portugiesen-Teppich aus dem frühen 17. Jahrhundert aus der MAK-Sammlung gegenübergestellt. Dieser zeigt Schiffspassagier:innen sowie Menschen im Wasser, umgeben von Fischen und Seeungeheuern.
Links: Kleinmaßstäbliches Modell der Yacht Varuna, 1906, Gelbgold, Silber, Jaspis, Holz, Email © Sammlung Van Cleef & Arpel; Rechts: Sogenannter Portugiesen-Teppich, Khorasan, Anfang 17. Jahrhundert, Baumwolle, Wolle © MAK
Architektonische Konstruktion prägt das zweite Kapitel. Zahlreiche Objekte aus der Sammlung von Van Cleef & Arpels zeichnen sich durch eine klare geometrische Formensprache aus. Besonders deutlich wird dies bei Kreationen aus der Art déco Zeit der 1920er- und 1930er-Jahre. Ikonische Schmuckobjekte wie die Minaudière sowie die Mystery Set Technik von Van Cleef & Arpels treten in Dialog mit ebenso raffinierten Möbelstücken.
Links: Minaudière, 1935, Stryptor, Gelbgold, Silber, Diamanten, © Sammlung Van Cleef & Arpels; Rechts: Koloman Moser, Prunkkassette, 1906, Ausführung: Wiener Werkstätte, Silber, Email, Holz, Halbedelsteine, © MAK/Georg Mayer
Optische Illusionen, Handwerkstechniken wie das Mystery Set und fein ausgearbeitete Goldstrukturen erzeugen Bewegung. Doch Dynamik entstehe nicht allein durch Form und Material: Insbesondere wiederkehrende Motive erzeugen Rhythmus, wie Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony und Exhibtions Director bei Van Cleef & Arpels, betont. Dem entgegengestellt werden Entwürfe der Wiener Werkstatt, einer wegweisenden Gemeinschaft bildender Künstler:innen.
Links: Armband aus der Garnitur Op Art, 1970, Gelbgold, © Sammlung Van Cleef & Arpels; Rechts: Dagobert Peche, Wiener-Werkstätte-Stoff Marina, 1912, Baumwolle, bedruckt, © MAK/Branislav Djordjevic
Wien rückt in dieser Themenwelt in den Mittelpunkt. Die österreichische Hauptstadt entwickelte sich im 19. Jahrhundert (nicht zuletzt durch den Wiener Kongress von 1815) zu einem bedeutenden Zentrum der Ballkultur. Oper und Tanz treten hier in einen Dialog mit der engen Verbindung von Van Cleef & Arpels zur Welt des Tanzes. Ausdruck findet diese Beziehung in Kreationen wie dem „Ballerina Clip“ oder dem „Little Winged Fairy Clip“.
Links: Little Winged Fairy Clip, 1941, Platin, Gold, Smaragde, Rubine, Diamanten, © Sammlung Van Cleef & Arpels; Rechts: Fritz Zeymer, Illustration für das 1. Programmheft des Cabaret Fledermaus, 1907, Gouache, © MAK/Georg Mayer
Neuinterpretation und Wandelbarkeit zählen zu den gestalterischen Prinzipien, die sowohl Van Cleef & Arpels als auch die MAK-Sammlung prägen. Das Zip Collier ist bis heute Sinnbild dieser Innovationskraft. Die technische Meisterleistung der Haute Joaillerie lässt sich mit raffinierter Präzision von einer Halskette in ein Armband transformieren. Wandel zeigt sich jedoch nicht nur in der Funktion, sondern auch in der Formensprache. Etwa wenn vergangene Ästhetiken in die Moderne übersetzt werden.
Links: Doppel-Clip, 1937, Platin, Osmior, Diamanten, © Sammlung Van Cleef & Arpels; Rechts: Tischdecke, England, um 1900, Baumwolle, bedruckt, © MAK/Branislav Djordjevic
Die Natur ist eine gestalterische Konstante, die sich wie ein roter Faden durch die Kollektion der Maison Van Cleef & Arpels zieht. Den Abschluss der Ausstellung bildet passenderweise eine Hommage an Flora, Fauna und Kosmos. Blütenmotive und florale Ornamente stehen neben botanischen Studien, bedruckten Textilien und sogenannten Wunderkammer-Objekten wie die Armillarsphäre von 1553.
Links: Armband Leaf, 1950, Gelbgold, Platin, Saphire, Diamanten, © Sammlung Van Cleef & Arpels; Rechts: Martha Alber, Wiener-Werkstätte-Stoffmuster Blätter (Andruck), um 1911, Papier, bedruckt, © MAK
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