Felicitas Woll im Interview: “Wenn es dem Land gut gehen soll, muss es den Frauen gut gehen”

Felicitas Woll war erst 22 Jahre, als ihr mit der Serie “Berlin, Berlin” der große Durchbruch gelang. Mittlerweile ist sie Schauspielerin, Mutter und vor allem eine Frau, die weiß, was sie will. Das hat die gebürtige Hessin auch im Interview mit Marie Claire deutlich gemacht. 

Felicitas Woll schlüpft für die neuen Folgen von “Neuer Wind im alten Land” wieder in die Rolle von Journalistin Beke Rieper. Foto: ZDF/Boris Laewen.
Felicitas Woll schlüpft für die neuen Folgen von “Neuer Wind im alten Land” wieder in die Rolle von Journalistin Beke Rieper. Foto: ZDF/Boris Laewen.

Über Wurzeln, Mental Load bei Frauen und Romantik

Dramatisch, liebevoll, verrückt, unterhaltsam, facettenreich – so könnte man Felicitas Woll beschreiben. Die heute 45-Jährige ist eines der bekanntesten Gesichter Deutschlands. Und das nichts, weil Felicitas Woll mit ihrem Privatleben von sich reden macht. Im Gegenteil. Die im hessischen Homberg geborene Schauspielerin ist viel eher bei sich, hält ihre Liebe, ihr Leben, ihre Kinder aus der Öffentlichkeit bestmöglich heraus. Viel lieber trumpft Felicitas Woll mit ihrem schauspielerischen Talent auf. So auch in den neuen Folgen von “Neuer Wind im alten Land”, die am 27. April und 4. Mai im ZDF zu sehen sein werden. Erneut schlüpft Felicitas Woll in die Rolle der gescheiterten Star-Journalistin Beke Rieper, die in ihrer alten Heimat bei einem Käseblatt anheuern muss und dabei auch auf ihre Jugendliebe Paul (Steve Windolf) trifft. Wer es vor Spannung nicht aushält, kann die neuen Abenteuer bereits ab dem 19. April in der ZDFmediathek sehen. Vor dem Start durfte Marie Claire mit Felicitas Woll über ihre Wurzeln, Mental Load bei Frauen und Romantik plaudern. 

Felicitas Woll im Gespräch

Marie Claire: Sie stehen seit über 26 Jahren erfolgreich vor der Kamera. Was war Ihre bisher prägendste Rolle? 

Felicitas Woll: Jede Rolle, die ich bisher in meinen Jahren als Schauspielerin hatte, war in ihrer Form prägend. Jede Rolle hat mich in irgendeiner Form wachsen lassen und mich geformt. Ich hatte das große Glück, nicht in einem Genre festzustecken, sondern konnte mich wandeln, frei entfalten und Formen des menschlichen Seins ausprobieren. 

MC: Die Serie „Berlin, Berlin“ hat heute Kultstatus. Glauben Sie, dass die Sendung heute noch funktionieren würde – und was würden Sie Lolle gerne über die Liebe und das Leben sagen? 

FW: „Berlin, Berlin“ passte einfach unglaublich in die Zeit der Anfang 2000er. Da sah ja Berlin auch noch ganz anders aus. Aber ich denke, dass die Geschichten, die wir erzählt haben, zeitlos sind. Wir hatten das Glück, dass wir mutig sein durften. Verrückt sein durften manchmal etwas unbequem. Es hat schon seinen Grund, warum es immer noch auf Netflix läuft und mir immer noch viele Menschen schreiben, wie sehr sie die Serie begleitet hat und durch manchmal schwierige Zeiten geholfen hat. Ich würde Lolle wahrscheinlich sagen: „Bleib so verrückt, wie du bist, bleib mutig und weiterhin jeden Tag neugierig. Folge deinem Herzen, aber auch deinem Bauchgefühl.“ 

MC: Viele Frauen haben immer noch Probleme damit, den Spagat zwischen Muttersein und Karriere zu bewältigen. Oft auch deshalb, weil sie mit dem Mental Load alleine gelassen werden. Wie sieht das bei Ihnen aus? 

FW: Ich hoffe und wünsche den Frauen, dass sie in Zukunft soweit finanziell abgesichert sind, dass sie sich in erster Linie, auch unabhängig von einem Partner, um ihre Kinder kümmern können. Dass sie nicht unter so einem Druck leben müssen, sich sogar eventuell entscheiden zu müssen, ob sie überhaupt ein Kind bekommen können. Immer wieder werden Frauen diese Fragen gestellt. Daran sieht man ja schon das Problem. Wenn es dem Land gut gehen soll, muss es den Frauen gut gehen. Sie müssen in der Lage sein, in der Rolle der Mutter glücklich und entspannt zu sein, aber auch ihre Wünsche und Träume entfalten zu können. 

MC: Sie stehen für die „Herzkino“-Reihe des ZDF nun erneut vor der Kamera. Was glauben Sie, warum diese Filme die Menschen in ihren Bann ziehen? 

FW: Da wir sehr viele Krimis produzieren, die ja sehr erfolgreich laufen und eine große Fangemeinde haben, ist der Wunsch nach Ruhe – ohne Mord und Totschlag – etwas, was Menschen gerne sehen möchten. Es lässt einen kurz zur Ruhe kommen und die Seele entspannen. Das Schöne ist, dass „Neuer Wind im Alten Land“, nicht nur Romantik im Gepäck hat, sondern auch Geschichten, die gesellschaftlich relevant und erzählenswert sind. 

Zwischen Paul (Steve Windolf) und Beke (Felicitas Woll) knistert es nach all den Jahren noch immer. Foto: ZDF/Boris Laewen.

Zwischen Paul (Steve Windolf) und Beke (Felicitas Woll) knistert es nach all den Jahren noch immer. Foto: ZDF/Boris Laewen.

“Viele Menschen sehnen sich nach etwas heiler Welt”

MC: Und wie reagieren Sie, wenn jemand die vermeintlichen Schnulzen, wie sie oft genannt werden, belächelt oder kritisiert?

FW: Diese sogenannten „Schnulzen“ erreichen ein sehr großes Publikum. Woran man ja schon sehen kann, dass viele Menschen sich nach etwas heiler Welt sehnen. Wenn jemand also eine heile und friedliche Welt belächelt oder kritisiert, sagt es mehr über ihn aus, als über den, der diese Geschichte erzählt. Ich bin ein großer Fan davon, eine heile Welt zu erzählen, die trotz allem ihre Ecken und Kanten hat und eine Geschichte zu erzählen hat. Friede, Freude, Eierkuchen ist ja nicht realistisch. 

MC: Wie wichtig ist Romantik in Ihrem Leben und wodurch zeichnet sie sich aus? 

FW: Da stellt sich die Frage: Was ist Romantik? Die ist ja für jeden anders definiert. Einem reicht eine Kerze zu einem schönen Essen. Ein Kuss am Morgen und ein „gute Nacht“ zum Abend. Romantik ist für mich etwas Liebevolles. Ich muss nicht groß ausgeführt werden zu einem Dinner. Kleine Gesten sind oft wirkungsvoller und ernster gemeint. Romantik muss vom Herzen kommen, damit sie das Herz erreicht. 

MC: Sie schlüpfen nun erneut in die Rolle der gescheiterten Star-Journalistin Beke. Welche Gemeinsamkeiten haben Sie und wo würden Sie ihr gerne den Kopf zurechtrücken? 

FW: Ich möchte Beke nicht den Kopf zurechtrücken. Sie hat es als Frau geschafft, zwei Kinder großzuziehen und sich beruflich zu verwirklichen. Auch wenn ihr Leben jetzt auf den Kopf gestellt ist und sie immer noch sehr verwirrt durchs Leben läuft, da sie immer noch nicht realisiert hat, dass alles jetzt nochmal auf null gesetzt ist, versucht sie trotzdem weiter zu gehen. Beke soll immer noch unterhalten. Wenn jetzt alles geradlinig bei ihr laufen würde, hätten wir diese Geschichte nicht. Es gibt kein Geheimrezept, wie man aus Krisen unbeschadet herauskommt. Jeder geht anders mit einer Krise um. Aber Beke macht es auf eine sympathische, humorvolle und trotzdem menschliche Art und Weise. 

MC: Ohne zu viel zu verraten: Worauf dürfen sich die Zuschauer:innen diesmal freuen und was war Ihr persönliches Highlight? 

FW: Die Zuschauer können sich auf zwei neue Folgen freuen, die sich wieder auf humorvolle Art und Weise mit Menschen und ihren Geschichten auseinandersetzen. Natürlich darf das Herz nicht fehlen und Beke zieht es immer wieder zu Paul. Es wird Knistern, es wird Stürmen, es wird darum gehen, hinter Fassaden zu schauen, ob Helden Fehler machen dürfen und ob Frauen und Männer auf Augenhöhe sind. 

MC: Marie Claire möchte starken Frauen eine Stimme geben. Was würden Sie unseren Leser:innen gerne auf den Weg geben? 

FW: Gibt es starke und nicht starke Frauen? Stark wird man vielleicht, wenn man bestimmte Erfahrungen gesammelt hat. Wenn man sich traut, seine Stimme laut werden zu lassen, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Nicht starke Frauen sind vielleicht noch nicht auf dem Weg, auf dem sie gerne wären. Es erfordert immer noch Mut, als Frau seinen eigenen Weg zu gehen und seine Meinung laut und klar zu äußern. Unabhängig zu sein. Und in seiner weiblichen Kraft zu stehen. Der beste Berater, den wir immer bei uns haben, ist unser Bauchgefühl. Darauf zu hören, auch wenn es unangenehm ist, ist der beste Wegbegleiter. 

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions