WINNDance vereint die besten Balletttänzer:innen der Welt – alle über vierzig. Bei der Biennale di Venezia feierte die Kompanie ihre Weltpremiere mit Standing Ovations
Im Teatro Malibran in Venedig am 31. Juli war ein besonderer Zauber zu spüren. An diesem Abend feierte WINNDance Weltpremiere, eine Kompanie, die es so noch nie gegeben hat: internationale Spitzentänzer:innen, ehemalige Erste Solist:innen der größten Häuser der Welt – und alle über vierzig.
In einer Industrie, die Karrieren mit Mitte dreißig für beendet erklärt, ist das ein Statement. Gegründet von den ehemaligen Ersten Solotänzern Marijn Rademaker und Slava Tutukin in Stuttgart, stellt WINNDance eine einfache Frage: Was passiert, wenn jahrzehntelange Bühnenerfahrung nicht in den Ruhestand geschickt, sondern in einen neuen künstlerischen Kontext gesetzt wird?
Die Antwort gab die Premiere im Rahmen der Biennale di Venezia. Scirocco: Death in Venice – Bridge of Sighs verbindet Choreografie, Film, Originalmusik und Literatur zu einer atmosphärischen Reise durch Schönheit, Sehnsucht und Transformation – inspiriert von Thomas Manns Der Tod in Venedig. Drei choreografische Handschriften – Imre & Marne van Opstal, Omar Román De Jesús und Rainer Behr – treffen auf Filme von Javier De Frutos. Den Abschluss bildet eine Uraufführung von John Neumeier, Bridge of Sighs, inspiriert von der venezianischen Seufzerbrücke und der Musik Dmitri Schostakowitschs.
„Zu sehen, wie diese Produktion genauso zum Leben erwacht ist, wie wir sie uns vorgestellt haben – und in vielerlei Hinsicht sogar darüber hinaus – war unglaublich bewegend“, sagen Rademaker und Tutukin. „Aus einer Idee ist ein fortlaufender Dialog zwischen der außergewöhnlichen Erfahrung der Künstler:innen und künstlerischer Innovation entstanden. Und das ist erst der Anfang.“
Dass diese Kompanie ausgerechnet jetzt entsteht, ist kein Zufall. Die Debatte um Artistic Longevity, um den Wert von Erfahrung gegenüber Jugend, wird in der Kulturwelt gerade laut geführt – in der Mode ebenso wie im Tanz. WINNDance macht daraus keine Kampagne, sondern Kunst. Keine Nostalgie, kein Rückblick auf vergangene Karrieren, sondern ein Blick nach vorn: Was können diese Körper, diese Persönlichkeiten, diese Geschichten heute erzählen?
Auch visuell setzt die Produktion eigene Akzente: BOSS hat als Kostümpartner die Bühnengarderobe entworfen und die Schnitte gemeinsam mit der Kompanie an die Anforderungen der Bewegung angepasst.
Die Standing Ovations in Venedig waren deutlich. Die internationale Tournee – mit Stationen in Deutschland, den Niederlanden, Monaco und Japan – wird die Frage, die WINNDance stellt, weitertragen: Wann ist ein:e Tänzer:in am stärksten? Vielleicht genau dann, wenn die Branche aufgehört hat hinzuschauen.
Mehr Informationen: winn-dance.com
Video: Siegersbusch
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