Fernost im Fokus: Best-of der Art Basel Hong Kong 2025 

Lokal und global zugleich – die Art Basel Hong Kong 2025 beleuchtet künstlerische Perspektiven aus der Asien-Pazifik-Region im internationalen Spannungsfeld. Dabei präsentiert die Messe in diesem Jahr eine große Bandbreite an kreativen Formaten und baut eine Brücke zwischen bildender Kunst und anderen Kulturbereichen.

Ausstellungsansicht der Art Basel Hong Kong 2025
Außergewöhnliche Werke von Künstler:innen aus aller Welt gibt es auf der Art Basel Hong Kong 2025 zu sehen. Foto: © Art Basel

Frische Perspektiven im Blick

Vom 28. bis 30. März wird das Hong Kong Convention and Exhibition Centre wieder zum Treffpunkt der internationalen Kunstszene. So wartet die Art Basel Hong Kong 2025 mit insgesamt 240 Galerien aus 42 Ländern auf, darunter 23 Neuzugänge. Dabei spiegelt die Messe wie gewohnt nicht nur die Vielfalt der globalen Kunstwelt wider, sondern legt auch einen besonderen Fokus auf die Asien-Pazifik-Region.

Neben einem hochkarätigen Ausstellungsprogramm setzt die 13. Ausgabe der Art Basel Hong Kong verstärkt auf kulturelle Vernetzung. So werden Teile des Programms in Offsite-Locations präsentiert, die für ein breiteres Publikum zugänglich sind. Außerdem erweitert die Messe ihr Spektrum um den MGM Discoveries Art Prize, der in diesem Jahr erstmals an aufstrebende Künstler:innen verliehen wird. Neben den klassischen Ausstellungs-Sektionen erwartet die Besucher:innen zudem wieder ein Film-Programm mit Werken von 30 internationalen Filmemacher:innen. Dieses breite Spektrum – von bildender Kunst über Film bis Performance – macht die Art Basel Hong Kong 2025 zu einem wichtigen Knotenpunkt der Kultur im asiatischen Raum.

Stand der Galerie Nanzuka auf der Art Basel Hong Kong 2025.
Die Galerie Nanzuka zeigt unter anderem Werke des japanischen Pop-Art-Künstlers Keiichi Tanaami. Foto: © Art Basel

„Galleries“ – kunstvolle Hauptdarsteller der Art Basel Hong Kong 2025

Das Herzstück der Art Basel Hong Kong 2025 bildet der „Galleries“-Sektor. Hier präsentieren renommierte Galerien aus aller Welt etablierte Künstler:innen des 20. und 21. Jahrhunderts.

So zeigt zum Beispiel die Galerie Aeneas Bastian Fine Art aus Berlin, die zum ersten Mal bei der Messe vertreten ist, Werke von Andy Warhol und Joseph Beuys. Spannend ist auch die Gruppenschau „Empathy“ der Nanzuka Galerie aus Tokio, die japanische und internationale Künstler:innen in Dialog setzt. Mit dabei sind unter anderem Keiichi Tanaami, Pex Pitakpong oder Daniel Arsham. Der asiatische Kunstraum wird außerdem repräsentiert von den farbenfrohen Holzarbeiten des Japaners Katsumi Nakai, die die Londoner Ronchini Gallery ausstellt. Außerdem sind in der diesjährigen „Galleries“-Sektion Werke von weiteren großen Namen wie Pablo Picasso, Francis Bacon, Edgar Degas, George Condo oder Keith Haring zu sehen.

Das Bild "Joseph Beuys" von Andy Warhol und die Holzarbeit "Untitled" von Katsumi Nakai.
Links: Andy Warhol, "Joseph Beuys", 1980, Acryl, Siebdruckfarbe, Diamantstaub auf Leinwand, © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc., Courtesy Galerie Bastian; Rechts: Katsumi Nakai, "Untitled", 1984, Acylöl auf Sperrholz, Courtesy Gallery Ronchini

„Discoveries“ – neue Positionen

Junge, aufstrebende Künstler:innen gibt es in der Sektion „Discoveries“ der Art Basel Hong Kong 2025 zu entdecken. Diese werden je von ihren Galerien in Solo-Ausstellungen präsentiert. Neu in diesem Jahr ist der MGM Discoveries Art Prize zur Förderung neuer Talente.

Zu den Nominierten gehört die koreanische Künstlerin Shin Min, vertreten durch die Galerie P21 in London. Mit ihren ausdrucksstarken Pappfiguren greift sie kritisch die Ausbeutung von Frauen im Niedriglohnsektor auf. Auch der amerikanische Künstler Kayode Ojo, der von der Berliner Streetwater Galerie repräsentiert wird, steht auf der Short-List. Für seine Skulpturen und Installationen verwendet er oft Alltagsgegenstände. Dabei erforscht er Klassenunterschiede und das Streben nach Luxus in der heutigen Gesellschaft. Der dritte Nominierte ist schließlich der indische Künstler Saju Kunhan. Er wird von der Galerie Tarq in Mumbai vertreten. Kunhan behandelt in seiner Kunst Themen wie Migration und Vertreibung und nutzt dafür eine besondere Technik, mit der er seine Bilder auf Teakholz überträgt.

Pappfiguren der koreanischen Künstlerin Shin Min am Stand der Galerie P21 auf der Art Basel Hong Kong 2025
Mit ihren Pappfiguren ist die koreanischen Künstlerin Shin Min für den MGM Discoveries Art Prize nominiert. Foto: © Art Basel

„Insights“ – fernöstliche Inspirationen

Der Sektor „Insights“ der Art Basel Hong Kong ist ganz der Kunst aus dem asiatisch-pazifischen Raum gewidmet. In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt der Präsentationen auf der Entwicklung der Fotografie in dieser Region. Dabei werden insgesamt 24 kuratierte Projekte von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart vorgestellt.

Zum Beispiel zeigt die Galerie Each Modern aus Taipeh Fotografien von Nakahira Takuma. Der Japaner hinterfragte mit seiner körnigen, unscharfen Optik die Regeln der traditionellen Dokumentarfotografie. Extra für die Art Basel Hong Kong 2025 hat zudem der taiwanesische Fotograf Huang Po-Chih, der von Yiri Arts in Taipei vertreten wird, die Präsentation „Elephant in the Closet“ zusammengestellt. Diese zeigt eine Reihe von Fotografien und Videoinstallationen, in denen er unter anderem die Erfahrungen seiner Mutter als Textilarbeiterin verarbeitet.

Für den Hongkonger Künstler Chow Chun Fai dienen Film und Fotografie als Basis seiner Arbeit. So nutzt er Standbilder aus Filmen, die er in Malereien umsetzt. Auf der Art Basel zeigt die SC Gallery 25 Gemälde sowie eine Reihe von Archivmaterialien. Für seine fotorealistischen Arbeiten ist auch der philippinische Künstler Soler Santos bekannt. Er beschäftigt sich mit der Natur in Form von Assemblagen, Fotografie und Skulptur. Seine neue Serie „Amalgam“ wird von der New Yorker Galerie The Drawing Room präsentiert.

Arbeiten von Chow Chun Fai, Nakahira Takuma, Huang Po-Chih und Soler Santos in der Sektion „Insights“. Fotos: © Courtesy of the artists 

„Encounters“ – große Formate bei der Art Basel Hong Kong 2025 

Der „Encounters“-Bereich auf der Art Basel Hong Kong 2025 ist groß angelegten Projekten gewidmet. Hier werden 18 raumgreifende Installationen gezeigt, die von digitaler Kunst über Design bis Architektur reichen und das Publikum teils zur direkten Interaktion einladen. Dabei wurde in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Werke speziell für die Messe geschaffen. Kuratiert von der Australierin Alexie Glass-Kantor gliedert sich der „Encounters“-Sektor unter dem Titel „As the World Turns“ in vier Plattformen. Zusätzlich können Kunstinteressierte auch abseits der Messe im Einkaufszentrum Pacific Place die Installation „Lanternfly Ballet“ der britischen Künstlerin Monster Chetwynd bewundern. Sie zeigt drei übergroße Laternenfliegen-Skulpturen, inspiriert von den in Hongkong heimischen Insekten, und eine dazu passende Performance. 

Im Bereich „Passage“ auf dem Messegelände sind drei monumentale Gemälde der verstorbenen filipino-amerikanischen Künstlerin Pacita Abad zu sehen. Die Plattform „Alteration“ bietet unter anderem einer Serie von 30 Bronzeskulpturen des Hongkonger Künstlers Christopher K. Ho. Platz. Unter der Rubrik „Charge“ wird zudem eine neue Arbeit von Lu Yang aus Tokio gezeigt. Diese besteht aus einem Pop-up-Store, in dem Kunstwerke eines digitalen Avatars verkauft werden. Zudem entführt eine Installation des in China geborenen Künstlers Frank Wang Yefeng in einen abstrahierten Garten. In der Rubrik „The Return“ ist schließlich ein Projekt des Georgiers Vajiko Chachkhiani zu sehen, das sich mit den Zyklen von Migration und Vertreibung auseinandersetzt.

Installationen von Monster Chetwynd, Christopher K. Ho, Frank Wang Yefeng und Lu Yang. Fotos: © Courtesy of the artists  | Art Basel

„Kabinett“ – künstlerische Narrative

Im Messebereich „Kabinett“ bespielt jede Galerie ihren Ausstellungsraum zu einem bestimmten Thema. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Projekten aus der Asien-Pazifik-Region und der asiatischen Diaspora. In diesem Jahr nimmt eine Rekordzahl von 38 Galerien an dem Sektor teil und inspiriert mit fein kuratierten Werkschauen.

Zu den Highlights gehört zum Beispiel eine Gruppenausstellung mit Tuschemalereien aus der Zeit nach Mao, die von Ink Studio präsentiert wird. Zu sehen sind unter anderem Werke von Liu Dan, Li Jin und Yang Jiechang, die das ganze Spektrum dieses Medium abbilden. Zudem zeigt die Tokyo Gallery + BTAP Keramikarbeiten von Takahiro Kondo. Diese hat der Japaner mit seiner „Silver Mist“-Technik gefertigt, wobei er die wandelbaren Eigenschaften von Wasser erforscht.

Eine Serie gestischer Keramiken und Gemälde des verstorbenen chinesisch-amerikanischen Künstlers Martin Wong gibt es am Stand der Galerie P.P.O.W. zu bewundern. Wong setzte sich in seinem Werk mit Themen wie ethnischer Identität, queerer Sexualität und urbanem Zerfall auseinander. Die Galerie gdm hingegen fokussiert sich auf das Schaffen von Cheung Yee. Dieser kombinierte traditionelle chinesische Ästhetiken mit westlicher zeitgenössischer Kunst und gilt damit als einer der ersten modernen Bildhauer Hongkongs. 

Artists in der Rubrik „Kabinett“: Liu Dan, Vũ Dân Tân, Takahiro Kondo und Cheung Yee. Fotos: © Courtesy of the artists 

„Film“ – bewegte Visionen bei der Art Basel Hong Kong 2025 

Das Filmprogramm der Art Basel Hong Kong 2025 bietet eine spannende Mischung aus Fakten und Fiktion. Die Präsentation unter dem Titel „In Space, It’s Always Night“ umfasst Werke von 30 Filmemacher:innen. Billy Tang, der Direktor des Hongkonger Ausstellungshauses Para Site, hat das Programm kuratiert.

Das thematische Spannungsfeld erstreckt sich in diesem Jahr von Science-Fiction über Ökologie bis Technologie. Herzstück des Programms ist der 75-minütige Spielfilm „Vampires in Space“ der Portugiesin Isadora Neves Marques. Sie erzählt die Geschichte einer Vampirfamilie auf einer Reise ins All und beschäftigt sich dabei mit queerer Identität und Familienstrukturen. Ein weiteres Highlight ist das Videokunstwerk „Ensemble“ der australischen Künstlerin Mel O’Callaghan. Die tonlose, 7-minütige Videoinstallation wird auf zwei großen Projektionsflächen gezeigt. Sie thematisiert die menschliche Widerstandsfähigkeit am Beispiel eines Mannes, der gegen den Strahl eines Feuerwehrschlauchs ankämpft. Die Vorführungen sind kostenlos und finden sowohl im Hong Kong Convention and Exhibition Centre als auch an externen Veranstaltungsorten statt. So wird die Kunst auch für neue Zielgruppen zugänglich.

Filmstill aus "Ensemble" von Mel O’Callaghan
Mel O’Callaghan, "Ensemble", 2013, 2-Kanal-HD-Farbvideo ohne Ton, 7 Min., 15 Sek., Courtesy of the artist and Galerie Allen, Paris

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions