Anselm Kiefer ist bekannt dafür, Geschichte und Mythologie in seinen Werken gekonnt zu verweben. Dabei hat kein Geringerer als Vincent van Gogh seine künstlerische Entwicklung entscheidend beeinflusst. Diese besondere Verbindung beleuchten das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum Amsterdam jetzt mit der Ausstellung „Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“, die bis zum 9. Juni 2025 in beiden Häusern zu sehen ist.
Anselm Kiefer gehört zu den bedeutendsten Künstlern unserer Zeit. Um sein Werk umfassend zu präsentieren, haben sich nun zwei der größten Museen der Niederlande, das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum Amsterdam, zusammengetan. Dabei beleuchtet die Doppelausstellung unter dem Titel „Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“ zugleich Kiefers besondere Verbindung zum Werk von Vincent van Gogh. Gezeigt werden die beliebtesten Werke von Anselm Kiefers aus der Sammlung des Stedelijk Museums. Ergänzt werden diese durch neue, bisher nicht ausgestellte Arbeiten, darunter auch die titelgebende Installation „Sag mir wo die Blumen sind“.
Der Name von Ausstellung und Werk geht zurück auf das Protestlied „Where Have All the Flowers Gone?“ von Pete Seeger aus dem Jahr 1955. Dieses wurde durch Marlene Dietrichs Interpretation von 1962 weltberühmt. Kiefers großformatige neue Installation kombiniert passend zu dem Anti-Kriegs-Song reale Uniformen mit pastöser Farbe, Ton sowie getrockneten Rosenblättern. Es symbolisiert den Kreislauf von Leben und Tod und nimmt zugleich Bezug auf Geschichte und Gegenwart. Der Ausstellungstitel verweist zudem auf die Sonnenblumen von Van Gogh, die Kiefers Schaffen inspirierten.
Um Anselm Kiefers Werk zu verstehen, muss man einen Blick in seine Kindheit werfen. Er wurde 1945 in Donaueschingen in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs geboren. Als kleiner Junge spielte er in den Trümmern seiner zerbombten Heimatstadt. Diese Erfahrung sollte seine künstlerische Arbeit entscheidend prägen. So war er in den späten 1960er Jahren einer der ersten deutschen Künstler, der sich in provokanten Werken mit der schwierigen Geschichte seines Landes auseinandersetzte. Anfangs erntete er dafür heftige Kritik in seiner Heimat. Später, nachdem seine Kunst internationale Anerkennung gewonnen hatte, wurde Kiefer auch hierzulande für seinen Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit gefeiert.
Kiefer versteht es wie kaum ein anderer, historische, mythologische und philosophische Themen in seinen Werken zu verbinden. Nachdem er sich an der deutschen Geschichte abgearbeitet hatte, wendete er sich universellen Themen wie Schöpfung und Vergänglichkeit zu. Durch die Verwendung ungewöhnlicher Materialien wie Blei, Asche, Erde, Stroh, Pflanzen, Glas oder Beton schafft er Werke von einzigartiger physischer Präsenz und Symbolkraft. Sie fordern die Betrachtenden eindrucksvoll dazu auf, sich mit der Geschichte und den fundamentalen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen.
Einen essentiellen Einfluss auf Anselm Kiefers Werk hatte das Schaffen von Vincent van Gogh. Schließlich gewann Kiefer im Alter von siebzehn Jahren ein Reisestipendium und folgte Van Goghs Route von den Niederlanden über Belgien bis nach Frankreich. Diese Reise sollte seine Arbeit entscheidend prägen. So bleibt Van Gogh bis heute eine zentrale Inspirationsquelle für Kiefer. Seine Werke greifen oft ähnliche Motive wie die Sonnenblumen oder weite Landschaften auf, die Kiefer in seine eigene Bildsprache übersetzt. Auch vom pastosen Farbauftrag Van Goghs ließ sich Kiefer zu seiner vielschichtigen Malweise inspirieren.
Um diese künstlerische Verbindung näher zu betrachten, markiert den Ausgangspunkt der Ausstellung „Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“ das Van Gogh Museum in Amsterdam. Hier werden die Werke beider Künstler miteinander in Dialog gebracht. Dafür kombiniert die Werkschau Gemälde Kiefers wie „De sterrennacht“ mit Schlüsselwerken Van Goghs wie dem weltberühmten Gemälde „Weizenfeld mit Krähen“. Durch diese direkte Gegenüberstellung wird der Einfluss des niederländischen Malers auf Kiefers Œuvre auf unmittelbare Weise anschaulich.
Fortgesetzt wird die Ausstellung „Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“ im benachbarten Stedelijk Museum. Hier konzentriert sich die Präsentation auf Kiefers enge Verbindung zu den Niederlanden, insbesondere seine Beziehung zum Museum selbst. Schließlich gehörte das Stedelijk zu den ersten Förderern des im eigenen Land zunächst verkannten Deutschen. So erwarb das Haus bereits früh in Kiefers Karriere seine Werke. Zudem widmete das Museum dem Künstler schon 1986 eine viel beachtete Einzelausstellung, die sein Standing in der internationalen Kunstwelt festigen sollte.
Die aktuelle Werkschau bietet nun die einmalige Gelegenheit, alle Werke der Stedelijk-Sammlung gemeinsam zu sehen. Außerdem kommen neuere Gemälde und zwei Installationen dazu, die Kiefer extra für die Ausstellung angefertigt hat. Dazu gehört auch das monumentale Titelwerk „Sag mir wo die Blumen sind“. Dieses füllt mit einer Länge von insgesamt 24 Metern den Raum um die historische Treppe des Stedelijk Museums. Mit großer physischer und emotionaler Präsenz fesselt es die Betrachter:innen und verkörpert eindrucksvoll die Essenz von Anselm Kiefers künstlerischem Schaffen.
Be the first to know about new arrivals and promotions