Es gibt diese eine Lüge, die wir uns seit Jahrzehnten selbst erzählen: „Solange ich keinen Sonnenbrand habe, ist alles gut.” Die Haut ist schließlich nicht rot und vielleicht ist da im ersten Moment sogar ein gewisser Glow – doch genau darin liegt das Problem. Während wir glauben, die Sonnenstrahlen haben uns verschont, arbeiten sie längst im Verborgenen. Sie hinterlassen Spuren, die wir anfänglich weder sehen noch fühlen, doch früher oder später machen sich eben diese Schäden bemerkbar.
Die Haut vergisst nichts. Sie erinnert sich an jeden einzelnen Sommer, jede Mittagspause auf der Terrasse und jeden Spaziergang ohne Sonnenschutz. Nicht auf einer emotionalen Ebene, sondern biologisch. Sie speichert UV-Strahlung in Form winziger Veränderungen in der DNS und in den Zellen. Viele bleiben unsichtbar, doch andere sammeln sich über Jahrzehnte zu dem an, was Dermatologen heute das UV-Gedächtnis der Haut nennen. Je häufiger Schäden an den Zellen entstehen, umso weniger vergisst sie.
Auch äußerlich kann sich übermäßiges Sonnenbaden mit der Zeit bemerkbar machen. Photoaging heißt das Phänomen und wer bei dem Begriff an einen coolen Selfie-Trend denkt, irrt. Es geht um Hautalterung, die nicht durch das biologische Alter, sondern durch UV-Strahlung entsteht. Vor allem UVA-Strahlen dringen tief in die Haut ein und fördern die Bildung freier Radikale. Diese wiederum aktivieren Enzyme, die Kollagen und Elastin abbauen. Genau die Helferlein, die der Haut Spannkraft und Elastizität verleihen. Die Folge sind Falten, schlaffere Haut, ein unebenes Hautbild und eine lederartige Hauttextur.
Foto: Diana Light/Unsplash
Pigmentflecken sind ebenfalls keine zufälligen Makel, die irgendwann einfach da sind. Sie sind wie kleine Archive der Haut, die vergangene Sonnenstunden schriftlich festhalten. Über Jahre hinweg regen UV-Strahlen die Melanozyten immer wieder zur Melaninproduktion an. Mit zunehmendem Alter gerät dieser Prozess aus dem Gleichgewicht und einige Bereiche produzieren dauerhaft zu viel Pigment, andere zu wenig. Das Ergebnis sind Altersflecken, unregelmäßige Pigmentierungen oder ein fleckiger Teint. Was oft als rein kosmetisches Problem wahrgenommen wird, ist eigentlich Ausdruck einer Haut, die über Jahrzehnte versucht hat, sich vor UV-Strahlung zu schützen.
Da gibt es noch ein Problem, denn kaum eine Krebserkrankung hat in den vergangenen Jahrzehnten so deutlich zugenommen wie Hautkrebs. Laut dem Statistischen Bundesamt sind die Fälle innerhalb der letzten 20 Jahre um rund 87,5 Prozent gestiegen. In Deutschland erkranken somit jedes Jahr mehrere Menschen an hellem Hautkrebs, im Jahr 2023 waren es knapp 91.000. Die Zahlen steigen seit Jahren, das liegt auch daran, dass wir älter werden und Hautkrebs mittlerweile häufiger erkannt wird. Vor allem aber trägt unsere Haut die Folgen eines Lebensstils, der sich verändert hat: Sonnige Urlaube, Outdoor-Sport und die jahrzehntelange Vorstellung, sonnengeküsste Haut sei DER Ausdruck von Gesundheit und Attraktivität.
Das Tückische daran ist allerdings die Zeit. Hautkrebs entsteht nicht direkt nach einem einzigen Sommer, denn er ist oft das Ergebnis vieler kleiner UV-Schäden, die sich über Jahrzehnte ansammeln. Jedes intensive Sonnenbad, jeder Sonnenbrand und jede ungeschützte Stunde in der Sonne hinterlassen Spuren. Eben diese bleibenden Veränderungen können Jahre oder sogar Jahrzehnte später der Ausgangspunkt für Hautkrebs sein. Es geht nicht darum, der Sonne konsequent aus dem Weg zu gehen, sondern darum, die Haut so gut es geht zu schützen, dass sie ihre Geschichte möglichst lange ohne bleibende Schäden erzählen kann. Dazu zählt ein hochwertiger Sonnenschutz mit modernen UV-Filtern, regelmäßiges Nachcremen und eine lange Zeit unter der prallen Sonne möglichst vermeiden.
Foto: Renato Leal/Unsplash
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