Nicht nur Hautpflegeprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, sondern zunehmend digitale Produkte, wie z.B.
- Oura-Ringe, die nicht nur jede Schlafphase messen, sondern gleich das ganze Leben überwachen von Herzfrequenz bis Stresslevel
- Meditations-Apps, die innere Ruhe versprechen
- Digitale Fitness-Abos und Online-Workouts, die sich per App direkt ins Wohnzimmer streamen lassen und
- Neuerdings sogar Blutzuckersensoren, die kontinuierlich den eigenen Stoffwechsel tracken.
Auch Wellness Retreats auf Bali oder in den Alpen boomen. Wellness ist kein Zusatz mehr. Es ist ein Lebensstil und meist auch ein Statement. Wer achtsam lebt, postet es, trackt es, teilt es. Selfcare wird zum Statussymbol.
Fast 30 Prozent der jüngeren Generationen geben an, Wellness heute „viel stärker“ zu priorisieren als noch vor einem Jahr. Wellness bedeutet dabei nicht den Sauna-Besuch am Wochenende, sondern komplette Wellness-Reisen über mehrere Tage.
Doch während das Geschäft weiter wächst, entsteht ein immer größeres Paradox. Die permanente Selbstoptimierung stresst. Wer morgens seinen Schlafscore checkt, mittags die nächste Atemübung tracked, abends die To-do-Liste für Dankbarkeitsrituale abarbeitet und jedes Quartal ein Retreat bucht, landet schnell in einem Hamsterrad der Selbstoptimierung.
Wellness wird zum Pflichtprogramm, Selfcare zum Wettbewerb. Digital Detox, einst Randerscheinung, ist heute Luxus. Das Handy weglegen, nicht erreichbar sein, keine App, die den Puls misst, das klingt für viele fast exotischer als ein Flug nach Bali. Vielleicht ist es genau das, was wir wieder lernen müssen. Erholung benötigt kein High-Tech, High-End oder High-Budget. Es reicht ein Spaziergang im Wald, ein Wochenende ohne Bildschirm und das bewusste Gefühl, einfach mal nichts zu müssen.
In ihrer Arbeit erlebt Madeleine Saar regelmäßig ein erschreckendes Phänomen. Erfolgreiche Frauen kommen zu ihr und sind erschöpft; trotz oder gerade wegen den unzähligen Wellness-Routinen.
Der Tag beginnt meist mit Meditation und Journaling, dann checken sie zwischendurch den Oura-Ring, nehmen die ersten Supplemets, zum Frühstück gibt’s einen Proteinshake, dann geht’s ab zum Yoga, Laufen oder Kraftsport und danach ins Eisbad.
Sie glauben in ihre Gesundheit zu investieren. Doch in Wahrheit lässt genau dieser Selbstoptimierungs-Stress sie schneller altern als die meisten mit ungesunden Lifestyles.
Die typische Klientin hat die nach außen perfekte Morgenroutine und sieht danach müder aus als zuvor. Warum? Ihr Nervensystem ist im Dauerstress, auferlegt durch die eigenen Gesundheitsregeln. Je länger die Wellness-To-Do-Liste, desto erschöpfter das System. Diese Routinen können mehr Stress erzeugen als ein normaler chaotischer Morgen.
Madeleine Saar bringt es nach vielen Jahren Arbeit mit Führungskräften und im Top-Management auf den Punkt. Selfcare ist zum neuen Hamsterrad geworden. Es ist Zeit für einen radikalen Realitätscheck über die dunkle Seite der Longevity-Bewegung.
„Wir messen, tracken und optimieren uns zur Erschöpfung und merken dabei nicht, dass genau das uns krank macht. Was früher Erholung war, ist heute ein To-do auf der Selfcare-Liste. Ruhe ist zum Luxusgut geworden“ erklärt Madeleine Saar.