Literarische Lippenbekenntnisse: Autorin Ulrike Zeitlinger über die Kunst und Kraft des Küssens

Eine kleine Berührung mit großer Wirkung: In ihrem Buch „Kiss me, Baby!“ nimmt uns die renommierte Journalistin Ulrike Zeitlinger mit auf eine ebenso humorvolle wie wissenschaftlich fundierte Reise durch Kulturgeschichte und Biologie des Küssens. Im Interview mit Marie Claire erklärt die Autorin, warum wir eigentlich küssen, was dabei im Körper passiert und welche Zutaten es für einen perfekten Kuss braucht.

Porträt der Autorin Ulrike Zeitlinger "Kiss me, Baby!"
Ulrike Zeitlinger schreibt in ihrem Buch "Kiss me, Baby!" über das wohl zärtlichste Ritual der Welt. Foto: © Privat

Ulrike Zeitlinger teilt spannendes Wissen über das Küssen

Was macht einen Kuss unvergesslich? Warum kann eine einzige Berührung der Lippen Nähe, Begehren, Trost oder Abschied bedeuten? Und weshalb ist der Kuss bis heute eines der intimsten Rituale unserer Kultur? Mit ihrem Buch „Kiss me, Baby!“ widmet sich Ulrike Zeitlinger einem Thema, das ganz alltäglich und dabei doch geheimnisvoll ist – dem Küssen!

Dabei führt die langjährige Journalistin und Medienexpertin humorvoll, kenntnisreich und sehr persönlich durch die Geschichte, Biologie und gesellschaftliche Bedeutung des wohl zärtlichsten Zeitvertreibs der Welt. Sie nimmt ihre Leser:innen mit auf eine Reise von antiken Liebesbeweisen über Hollywoods berühmteste Filmküsse bis hin zu der neusten Forschung über die neurochemischen Prozesse im Gehirn. Sie zeigt, warum Küssen uns glücklich macht, warum es kulturell so unterschiedlich gelebt wird und weshalb ein Kuss manchmal mehr sagt als tausend Worte. Im Interview mit Marie Claire spricht Ulrike Zeitlinger über die besondere Magie des Kusses, evolutionäre Unterschiede zwischen den Geschlechtern, gute sowie schlechte Küsse und plädiert dafür, dass wir alle wieder mehr küssen sollten.

Ulrike Zeitlinger im Gespräch mit Marie Claire

Marie Claire: Was hat Ihnen den Anstoß dazu gegeben, dem Kuss ein ganzes Buch zu widmen?

Ulrike Zeitlinger: Der Kuss fasziniert mich aus verschiedenen Gründen. Zum einen gleicht kein Kuss jemals dem anderen. Selbst wenn ich einen festen Partner wieder und wieder küsse, sind die Küsse immer verschieden – aber in ihrer Wirkung oftmals ähnlich. Das finde ich per se schon einmal faszinierend. Dann kann ein Kuss so vieles: Ein Kuss kann dich verführen, kann dir etwas versprechen, kann ein Abschied sein, er kann sogar Verrat bedeuten, wenn wir an den Judas-Kuss denken. Da gibt es so viele Aspekte, das fand ich irre spannend. Und ich küsse einfach gerne.

Cover des Buchs "Kiss me, Baby!" von Ulrike Zeitlinger
"Kiss me, Baby!" von Ulrike Zeitlinger ist im Piper Verlag erschienen. Foto: © Piper

Die Evolution des Kusses

Marie Claire: Warum küssen wir Menschen überhaupt?

Ulrike Zeitlinger: Wir küssen aus verschiedenen Gründen. Wir kennen alle den familiären Kuss, den freundschaftlichen Kuss, mit dem wir einfach Verbundenheit, Nähe, Liebe ausdrücken. Dann kennen wir unter Paaren den romantischen Kuss, der etwas Zärtliches hat, zum Beispiel abends zum Einschlafen. Und dann kennen wir natürlich – und davon handelt ein Großteil meines Buches – den erotischen, leidenschaftlichen Kuss, der uns Menschen tatsächlich ganz eigen ist. Also nur wir als Spezies küssen mit eindeutig erotischer Absicht. Das tut keine andere Spezies, kein anderes Tier.

Das Küssen ist keine angeborene Eigenschaft. Aber tatsächlich hat es sich das über die Jahrtausende entwickelt, und zwar an unterschiedlichen Stellen der Erde, zu unterschiedlichen Epochen. Wenn wir über den Zugehörigkeitskuss sprechen, gab es den vermutlich schon in der Steinzeit. Zum erotischen Kuss finden wir die frühesten Aufzeichnungen zum Beispiel im heutigen Syrien vor etwa 5.000 bis 6.000 Jahre oder in Indien vor 3.500 Jahre.

Dabei gibt es fünf, sechs gängige Theorien, wie es zum Küssen kam. Die vermutlich bekannteste ist, dass es sich aus dem Kiss-Feeding ergeben hat. Dabei hat die Mutter die Nahrung vorgekaut und sie dann Mund zu Mund weitergefüttert. Und daraus ist mit der Zeit das zärtliche und irgendwann auch das leidenschaftliche Küssen entstanden. Eine andere Theorie besagt, dass es vom Aneinanderriechen kommt. Bevor Menschen sprachliche Fähigkeiten hatten, haben sie viel aneinander gerochen, um zu wissen wer zum eigenen Stamm gehört. Je mehr sich unsere sprachlichen Fähigkeiten entwickelt haben, hat sich das ursprüngliche Riechen dann zum Kuss entwickelt – zumindest in der westlichen Welt. Wenn wir uns heute die Inuit angucken, dann ist es bei dem Aneinanderriechen und dem Aneinanderreiben der Nasen oder der Wangen geblieben.

Die Autorin über Fakten und Mythen rund um den Kuss

Marie Claire: Was sind die überraschendsten Fakten, die Sie bei der Arbeit an Ihrem Buch selbst über den Kuss gelernt haben?

Ulrike Zeitlinger: Es waren wirklich viele. Ich fand es zum Beispiel ganz spannend, dass sich bei einem Kuss nach etwa 30 Sekunden unsere Gehirnwellen synchronisieren und das zu noch mehr Nähe führt. Interessanterweise ist das ein ähnlicher Effekt wie bei einem Orchester, das ein Musikstück spielt. Auch dort gleichen sich die Gehirnwellen an, synchronisieren sich irgendwann. Das war ein Fakt, den ich spannend fand. Es gab aber auch noch einiges anderes, wie zum Beispiel, dass im alten Rom die Männer ihre Frauen auch deshalb geküsst haben, um zu überprüfen, ob die Damen Alkohol getrunken hatten. Denn das war nicht erlaubt.

Marie Claire: Welches Kuss-Klischee hält sich hartnäckig und entspricht überhaupt nicht der Wahrheit?

Ulrike Zeitlinger: Dass gut aussehende Männer auch gut küssen!

Die Wissenschaft hinter dem Kuss

Marie Claire: Was geschieht beim Küssen aus biologischer Sicht im Körper?

Ulrike Zeitlinger: Es ist eine ganze Menge, die da passiert. Wenn es zum Kuss kommt, und zwar schon nach etwa sechs, sieben, acht Sekunden, feuern unser Hirn und unser Körper ein unfassbares Feuerwerk ab. Also wir sind sofort in allerhöchster Rauschbereitschaft. Vernunft, Anstand, Verstand – alles auf der Ersatzbank. Der archaische Teil des Gehirns, das limbische System, übernimmt und mixt einen unfassbar hochpotenten körpereigenen Drogencocktail. Da sind Endorphine drin, da ist Oxytocin drin und alles Mögliche, was die Bildung des Stresshormons Cortisol hemmt. Das Hirnareal, das unter anderem für Depressionen verantwortlich ist, wird quasi stillgelegt. Zum Mix kommt auch Testosteron dazu. Dadurch werden unsere Geschlechtsteile besser durchblutet, die Arterien weiten sich. Daher kommt auch dieses leichte Erröten, das man oft beim Küssen hat. Das Herz schlägt schneller, wir atmen schneller. Damit sagt unser Körper: Hey, es ist wunderschön, dir geht’s gut, lass uns weitermachen.

Jetzt könnte man medizinisch noch hinzufügen, dass wir bei einem längeren Kuss rund einen Teelöffel, also so sieben Milliliter Speichel austauschen und rund 80 Millionen Bakterien den Besitzer wechseln. Was tatsächlich ein bisschen unappetitlich klingt und man sich dann schon fragt: Liebe Evolution, was hast du dir dabei gedacht? Aber es ist tatsächlich so, dass diese Bakterien für uns wahnsinnig nützlich sind, weil sie unser Immunsystem stärken. Den Großteil schlucken wir übrigens einfach runter, und der wird dann im Magen neutralisiert.

Porträt der Autorin Ulrike Zeitlinger "Kiss me, Baby!"
Mit ihrem Buch "Kiss me, Baby!" macht Ulrike Zeitlinger Lust auf den Kuss. Foto: © Privat

Warum Küssen gelernt werden will

Marie Claire: Ist Küssen reiner Instinkt oder eine Kunst, die man erlernen kann?

Ulrike Zeitlinger: Küssen ist tatsächlich kein Instinkt, der uns innewohnt, sondern es ist etwas, das wir lernen – und das wir lieben lernen und deswegen wiederholen. Jetzt können wir zu Freud zurückgehen, der sagt: Ja, dieses Küssen ist die ewige Suche nach der Brust der Mutter, die uns einst gestillt hat, und so weiter. Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Man muss aber sagen, wenn es ums Küssen geht: Übung macht den Meister. Unsere Zunge ist der beweglichste Muskel im ganzen Körper. Die kann unheimlich viel, aber man muss halt auch üben, sie zu benutzen. Also niemand mag so eine hektische kleine Eidechse.

Ulrike Zeitlinger über den Gender-Gap beim Küssen

Marie Claire: Hat das Küssen für Frauen eine andere Bedeutung als für Männer? Gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern?

Ulrike Zeitlinger: Ja, es gibt einen Unterschied – und der ist evolutionär bedingt. Für Männer ist der Kuss oft – sehr flapsig gesagt – eine Auffahrrampe zu mehr. Also denen ist die Qualität des Kusses letztlich wumpe. Männer wollen gerne zum nächsten Schritt kommen – früher Fortpflanzung, heute gepflegter, schöner Sex.

Für Frauen dagegen ist die Qualität von so einem Kuss total entscheidend dafür, ob überhaupt noch mehr geht. Also wenn jemand schlecht küsst, und das kennt man ja auch von sich selber, dann denkt man sich: Jetzt noch mit dem irgendwie nach Hause gehen? Nee, auf gar keinen Fall. Also wenn das schon schlecht ist, wie kann das andere gut sein?

Evolutionär gesehen ist da eine ganze Menge dran, weil Frauen natürlich ein viel kürzeres, schmaleres Fenster hatten, um sich fortzupflanzen, und viel mehr Energie in so ein Kind stecken mussten. Sie müssen es austragen, müssen es großziehen. Also sie konnten bei der Partnerwahl nicht so oft danebenliegen wie die Männer.

Das ist heute natürlich nicht mehr so. Nicht jede Frau, die einen Mann küsst, ist auf der Suche nach einem potenziellen Kindsvater. Nur die Evolution nimmt halt nicht unbedingt Rücksicht auf unser neues Genderverständnis und auf die Tatsache, dass auch Frauen heutzutage Sex als hedonistisches Hobby und nicht unbedingt als Weg, Kinder zu kriegen, betrachten.

Die kulturellen Codes des Küssens

Marie Claire: Sie zeigen in Ihrem Buch, wie unterschiedlich weltweit geküsst wird. Kann das Küssen auch etwas über eine Gesellschaft aussagen?

Ulrike Zeitlinger: Ja, auf jeden Fall. Dabei muss man aber erst einmal sagen: Es wird ja, so wie wir es kennen, nur in ein bisschen weniger als der Hälfte der Welt geküsst, also vor allem in der westlichen Hemisphäre. Dann gibt es einige Länder, da ist der Stirnkuss bekannt und zum Teil auch der Wangen- oder Lippenkuss, aber der erotische Kuss nicht. Weite Teile Afrikas und Asiens finden diese Knutscherei befremdlich, unappetitlich, gar gefährlich.

Aber auch in unserer Gesellschaft hat sich der Kuss immer wieder geändert und wurde immer wieder anders betrachtet. Wenn wir allein in Deutschland sehen, dass wir heute öffentlich knutschen können, wo immer wir wollen – außer vielleicht in der Kirche –, ist das der Tatsache zu verdanken, dass es irgendwann die sexuelle Revolution gab. Davor war dieses öffentliche und unverheiratete Küssen natürlich auch nicht bekannt. Im viktorianischen Zeitalter wurde das Küssen unter dem Mistelzweig tatsächlich deshalb erfunden, damit wenigstens einmal im Jahr sich unverheiratete Paare in allem Anstand näher kommen konnten. Im Mittelalter war der Kuss erst Teil der christlichen Liturgie, dann wurde er ketzerisch, ein Werk des Teufels. Der Kuss hat da schon eine Achterbahnfahrt hinter sich, könnte man sagen.

Auch heute ist das Küssen oft mit der im Lande vorherrschenden Religion in Verbindung zu bringen. Also in vielen muslimischen Ländern, womöglich in allen muslimischen Ländern, ist das öffentliche Küssen natürlich nicht erlaubt. Dann gibt es Indien, wo einerseits das Kamasutra den Kuss – ich glaube – auf 30 verschiedene Arten feiert, öffentliches Küssen aber bis vor zwei Jahrzehnten noch verboten war. Also auch die Widersprüche, die in einer Gesellschaft herrschen, bilden sich beim Thema Küssen ab.

Küssen – gestern, heute und morgen

Marie Claire: Wie hat sich das Küssen im Laufe der Geschichte gewandelt – und wie könnte die Zukunft des Kusses aussehen?

Ulrike Zeitlinger: In vielen Gesellschaften, wie bei den Persern oder den Griechen, war der Kuss als Begrüßungsritual durchaus bekannt. Später dann im alten Rom ist er so richtig in Mode gekommen. Die Römer waren es auch, die zum ersten Mal diese Unterscheidung getroffen haben zwischen dem freundschaftlichen, dem familiären und dem leidenschaftlichen Kuss.

Wenn man sich die Epochen anschaut, wird klar: Je freier eine Gesellschaft war, umso freier war auch der Kuss. Je prüder eine Gesellschaft wurde, vor allem wenn die Kirche das Sagen hatte, wurde der Kuss wieder verdrängt. Im Ausgang des Mittelalters ging es ihm schlecht, aber dann kam die Renaissance, und da wurde alles wieder gefeiert, was damals auch im alten Rom und im antiken Griechenland toll war. Und da gehörte – Gott sei Dank – auch der Kuss dazu.

„Am Ende aller Tage hat der Kuss etwas Magisches, und dieses Geheimnis gibt er nicht preis.“

Die Zukunft des Küssens ist eine sehr, sehr spannende Frage. Es laufen gerade viele Forschungen daran, dass man einen Kuss ohne menschliches Gegenüber spürbar machen kann. Also sei es über VR-Brillen, die einen kleinen Aufsatz haben, der quasi via Ultraschall Bewegung, Druck und Wärme auf meine Lippen übertragen kann. Es wurde auch zur Corona-Zeit ein Silikonmund erfunden, den man aufs Handy aufsetzt. Ich mache das, Sie machen das, wir synchronisieren unsere Handys, und wenn ich den Silikonmund küsse, würden Sie die Bewegungen auch spüren. Kleiner Fun-Fact am Rande: Es wurde kein Verkaufsschlager. Die Probanden haben alle gesagt, da fehlt die Zunge. Allein nur dieses Gebussel hat anscheinend nicht den wirklichen Durchbruch gebracht.

Aber im Silicon Valley sitzt man ohnehin an humanoiden Robotern, eben auch ganz explizit mit dem Forschungsziel, Erotik, Nähe, emotionale Nähe auch irgendwie mit einem Nichtmenschen erlebbar zu machen. Und laut neuen Studien können sich ganz viele Menschen, vor allem Männer, das auch durchaus vorstellen, dass sie mit einem humanoiden Roboter oder in einer Virtual Reality Sex haben oder küssen. Crazy, aber ich habe da wenig Sorge, weil, wenn wir uns die Jahrtausende angucken, hat es der Kuss ja immer geschafft zu überleben. Er hat ja auch eine Zutat, die sich nicht wirklich entschlüsseln lässt. Wir können jetzt über Hormone reden und über Bewegungen und über Stimmungslagen. Aber am Ende aller Tage hat der Kuss etwas Magisches, und dieses Geheimnis gibt er nicht preis. Und deswegen ist er auch so spannend.

Ulrike Zeitlinger erklärt, wie unsere Idealvorstellung vom Kuss entsteht

Marie Claire: Wie sehr haben Filme und Serien oder auch heute die Sozialen Medien unsere Erwartungen an den Kuss geprägt?

Ulrike Zeitlinger: Wenig hat den Kuss so verändert und so populär gemacht und auch in Teile der Welt getragen, die vorher mit dem Kuss nichts anfangen konnten, wie die Erfindung des Films. Warum ist das so? Zum einen konnte man zum allerersten Mal einen Kuss beobachten. Und das hat natürlich die Vorstellung davon sehr geprägt, wie wir beim Küssen aussehen wollen, wie wir geküsst werden wollen.

Diese sehr typische Pose – also die Frau wird leicht nach hinten gebogen, das eine Bein geht nach oben – das ist ein absoluter Hollywoodkuss. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand vorher so geküsst hat. So hat man sich dann vor allem auch als Frau vorgestellt, dass Küssen eben gehen soll. Ich weiß noch, wie wir ins Kino gegangen sind und „Dirty Dancing“ dreimal geguckt haben, damit wir das mit dem Küssen auch wirklich kapieren. Also der Film hat da schon sehr, sehr viel verändert und Boundaries gepusht.

Social Media hat, denke ich, einen ähnlich großen Effekt, wenn auch in einer etwas anderen Richtung. Der Kuss ist ja eine zutiefst intime Geste. Durch Social Media wird er zu einer öffentlichen Geste, fast zu so einer Art Glücksbeweis: Guckt mal, wie happy wir sind, wir knutschen vor dem Taj Mahal oder vor dem Sonnenuntergang in L.A.

Und ich habe früher immer gesagt, Küssen kann man nicht alleine. Man kann es nur zu zweit, weil bei drei Leuten wird es schon schwierig. Aber auch da ist durch dieses berühmte Kuss-Selfie diese unerschütterliche Regel gebrochen worden, das zeigt: Ich kann in die Kamera küssen, ich kann das mit der Welt teilen, ich kann der Welt zeigen: Hey, hier, ich biete euch meinen Kuss an, liked mich. Das hat, glaube ich, viel von der Intimität dieser Geste weggenommen. Es hat sie auf der anderen Seite aber auch liberalisiert.

Worauf es beim Küssen wirklich ankommt

Marie Claire: Welche Zutaten braucht es für einen perfekten Kuss?

Ulrike Zeitlinger: Der perfekte Kuss ist letztlich ein Mythos, weil der perfekte Kuss für jeden anders ist. Und sogar für uns selbst ist er immer wieder anders. Mal wollen wir zärtlich geküsst werden, mal leidenschaftlich. Aber ich glaube, man kann schon ein paar Dinge, die auf jeden Fall dazu beitragen beziehungsweise nicht dazu beitragen, benennen.

Für mich ist das Wichtigste beim Küssen tatsächlich, im Moment zu sein. Ich hasse es, wenn ich das Gefühl habe, der Mann denkt schon an den nächsten Schritt oder der guckt über meine Schulter, ob nicht noch eine attraktivere Frau in der Bar ist. Dieses Im-Moment-Sein, dieses Gefühl, es gibt gerade nichts Wichtigeres als diesen Kuss, dich, mich und unsere Lippen, das ist das eine.

Dazu kommt: Mundhygiene! Ich muss das nicht weiter erwähnen. Wer gerade beim Griechen war, muss sich nicht wundern, wenn er ungeküsst nach Hause geht. Ich persönlich bin auch kein Fan von superfeuchten Küssen. Es ist aber so, dass Männer zum Feuchtküssen tendieren, weil über den Speichel Testosteron weitergegeben wird, was uns wiederum anregen soll. Man muss ihnen, glaube ich, ab und zu auch verzeihen.

Ulrike Zeitlinger plädiert für mehr sinnliche Lippenbekenntnisse

Marie Claire: Was würden Sie den Leser:innen von Marie Claire zum Schluss gerne noch mit auf den Weg geben?

Ulrike Zeitlinger: Wir müssen alle wieder mehr küssen. Ein Kuss ist die einfachste Art, tatsächlich Nähe herzustellen, Vertrauen herzustellen, Intimität herzustellen. Im Laufe einer Beziehung küsst man in der Regel weniger, aber sich immer mal wieder Zeit zu nehmen und mal wieder so richtig teeniemäßig zu knutschen – ich glaube, es gibt wenig, was für eine Beziehung besser und gesünder ist, darüber hinaus einfach Spaß macht und legal ist.

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions