Zwischen Vorlesungen, langen Drehtagen und spannenden Charakteren – Tomomi Themann pendelt innerhalb zweier Leben hin und her. Klar ist: Die 21-Jährige zählt schon jetzt zu den Newcomer:innen des Jahres. In einem persönlichen Interview erzählt die Schauspielerin über ihre aufregenden Karriereanfänge, schwierigen Schulzeiten und Entspannungsrituale nach stressigen Tagen.
In einem herbstlichen Cardigan mit Argyle-Muster und einer eleganten Bundfaltenhose von Gant sitzt sie da. Umgeben von Licht, einem Mikrofron und mehreren Kameras. Sie lächelt und ihre warme, herzliche Art ist direkt spürbar. Das Interview ist kein klassisches Interview, es ist eher wie ein Gespräch. Ein Gespräch mit einer guten Freundin. Tomomi Themann stand zuletzt für den Film „Die Schule der magischen Tiere“ vor der Kamera und verkörperte die Hauptrolle Miriam. Wenn sie nicht gerade dreht, studiert sie unter anderem Kommunikationswissenschaften an der Uni Münster. Heute ist sie in Berlin und spricht exklusiv über ihre Ängste, Träume und persönlichen Herausforderungen.
Ich glaube, es kommt ein bisschen darauf an, was für ein Stress das war. Wenn ich unter vielen Menschen bin, wie zum Beispiel heute Abend, freue ich mich sehr auf ein bisschen Zeit für mich. Ich habe einen Balkon, da setze ich mich drauf und trinke einen Tee. Wenn ich aber den ganzen Tag in der Uni sitze und lerne, dann brauche ich auf jeden Fall danach Leute um mich herum.
Ich fand die Schauspielerei schon immer spannend. Als ich für den Film gecastet wurde, sagte mein Bruder zu mir, „Ja, war klar, dass du Schauspielerin wirst. Du hast dein ganzes Leben lang schon geschauspielert.“. Da wusste ich nicht, ob er das positiv oder negativ meint und ich habe einfach gelacht. Ich habe früher im Kindergarten gerne bei Musicalaufführungen mitgemacht, da hatte ich schon immer Spaß dran. In der Schulzeit kam mir dann eher die Überlegung, so etwas wie Jura oder Psychologie zu studieren. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich das tun muss. Ich glaube aber, die meisten Leute wussten schon vor mir, dass ich Schauspielerin werde. In meinem Abi Buch stand: „Tomomi wird Kommunikationsexpertin oder Schauspielerin.“.
Meine erste Rolle hatte ich bei der ZDF-Serie „Club der Dinosaurier“. Das war für mich das aller erste Mal für so ziemlich alles. Es war mein erstes E-Casting, mein erstes Live Casting und das erste Mal Dreh. Ich bin mit der Devise vorangegangen „Fake it till you make it“. Ich habe so getan, als wüsste ich, wovon alle reden: „Ach ja Steadicam, kenne ich. Close-Up? Klar, gar kein Problem!“, aber es hat einfach auch super geholfen, das so viele so erfahrene Menschen um mich herum waren. Hannah Schiller, Alessandro Schuster, Diyar Ilhan – die haben mich alle an die Hand genommen und durch die Szenen geführt. Ich weiß noch vor meiner aller ersten Szene saßen wir in einem Schulbus. Diyar hat meine beiden Hände genommen und meinte: „Tomomi, du bist cool, du schaffst das!“, und so lief der komplette Dreh. Das war total supportive von allen. Aber ich war trotzdem sehr aufgeregt!
Ich bin generell ein sehr aufgeregter Mensch. Jetzt gerade bin ich auch aufgeregt, weil ich mich freue. Ich freue mich auf das Interview und auf die Premiere. Ich bin ehrlich gesagt auch vor jedem Drehtag aufgeregt, weil es jeden Tag etwas Neues gibt, worüber ich mich freuen kann. Sei es auf irgendjemanden, mit dem man zusammenspielt oder eine Szene, auf die ich mich freue. Die Aufregung kann man dann mit in den nächsten Tag nehmen und sich auf wiederum neue Dinge freuen. Für mich ist Aufregung daher gar nichts negatives, sondern ein sehr positives Gefühl.
Ich bin ein sehr verkopfter Mensch. Bei mir geht alles immer erst durch den Kopf, bevor es ins Fühlen gehen kann. Bei „Club der Dinosaurier“ zum Beispiel habe ich mir seitenlange Dokumente geschrieben, in denen ich meinen Charakter analysiert habe. Bei jeder einzelnen Szene habe ich versucht herauszufinden, worum es da genau geht. Bei meinem jetzigen Charakter Miriam habe ich mit einer Coachin zusammengearbeitet. Wir haben eine Vorgeschichte erdacht und uns überlegt, wo Miris Gefühle herkommen. Warum hat sie so große Angst und warum ist sie so unsicher? Darüber hinaus hat auch unser Regie-Team Maggie Peren und Bernhard Jasper mit mir daran gearbeitet, Miris Emotionen spürbar in Szene zu setzen. Und dann gibt es da natürlich auch noch die körperlich-sportlichen Szenen, in denen ich extrem viel mit meinem Stunt-Double Silke gearbeitet und einiges gelernt habe.
Ich denke, das Thema generell war einfach eine sehr große Herausforderung – gerade bei meinem Charakter ging es viel um Mobbing. Ich habe selbst in meiner Schulzeit solche Erfahrungen machen müssen und konnte mich da sehr mit Miri identifizieren. Das alles noch einmal zu durchleben und einen neuen Umgang damit zu finden. Am Ende traut sich Miri auch mit ihrer besten Freundin Ida darüber zu sprechen und sich der magischen Gemeinschaft anzuvertrauen. Aber das generell noch einmal zu erleben, gerade die Szenen, in denen Thorben Miri konfrontiert, waren schon schwerer, als ich anfangs gedacht hätte. Es war aber auch wieder eine Erinnerung daran, wie schön es ist, stark zu sein. Sich zu trauen, offen mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Niemand ist damit allein.
Ja schon. Es kommt vor, dass mich die simpelsten Dinge aus dem Konzept bringen. Wenn mir etwas passiert, bei dem ich mir sofort denke „Ah, das hätte ich wissen müssen!“, dann macht mich das manchmal schon ängstlich. Ich denke dann ok, jetzt habe ich diesen einen Fehler gemacht, habe ich vielleicht noch etwas falsch gemacht? Und dann gerät das schnell in eine Abwärtsspirale. Ich glaube aber auch, dass das menschlich ist. Es ist normal, dass man hin und wieder an Dingen zweifelt. Aber die Entscheidung, dass ich auf jeden Fall in dieser Branche arbeiten möchte, habe ich sehr bewusst getroffen und natürlich habe ich auch Momente, in denen ich verunsichert bin, klar.
Die Frage ist schwer, weil ich mich nicht so gut entscheiden kann.
Darf ich auch vier nehmen? Ok, nein, ich versuche drei zu nehmen! Also: Ich liebe Gummibärchen, die machen mich richtig glücklich, deswegen würde ich auf jeden Fall Gummibärchen mitnehmen. Und ein gutes Buch. Das klingt jetzt so, als wäre ich eine richtige Leseratte, bin ich tatsächlich leider gar nicht. Aber wenn ich auf einer einsamen Insel wäre, hätte ich endlich mal die Zeit, mich so richtig auf dieses Buch einzulassen. Und das dritte? Vielleicht noch etwas Witziges. Einen Discman oder so etwas, mit dem ich Musik hören kann.
Wenn ich ein Buch lese, dann lese ich meistens eher leichtere Kost. Bücher, in denen es um eine Liebesgeschichte geht. Aber ich glaube, wenn ich wirklich auf eine einsame Insel gehen müsste, dann würde ich was richtig Anspruchsvolles lesen. Ich hätte Lust auf einen Krimi, bei dem man als Leser richtig dabei ist und gedanklich den Fall mit lösen muss.
Das ist eine gute Frage. Ich würde gerne eine Geheimagentin spielen. Aber eine richtig richtig coole, die Räder schlägt, dabei hohe Absätze trägt und immer einen lockeren Spruch draufhat. Die stark und mutig ist. Auf so eine Rolle hätte ich richtig Lust!
Fotos: Lars Nitsch
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