Supermodel, Mama, Unternehmerin – ein Interview mit Heidi Klum zu ihren Karriere-Erfahrungen

Auch in diesem Herbst lud L’Oréal Paris Ende September erneut zur Modeschau „Le Défilé“ nach Paris ein, wo 2.500 Gäst:innen die Show für „Freiheit, Gleichberechtigung und Schwesternschaft“ bestaunten und feierten. Auf dem Laufsteg internationale Stars wie Kendall Jenner, Helen Mirren, Eva Longoria, Cindy Bruna, Gillian Anderson, Andie MacDowell, darunter auch deutsche Namen wie Iris Berben, Lena Gercke und Heidi Klum. Letztere hatte die Ehre den Geist dieser Show, die Mode, Schönheit und Feminismus zusammenfügt, nach Düsseldorf zu bringen. Marie Claire traf sie dort auf der Königsallee im Pop-up-Store „L’Oréal Paris Le Défilé to Düsseldorf“ zum Interview

Foto: 2025 Getty Images
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Career Learnings von Heidi Klum
Supermodel, Moderatorin und Unternehmerin

Learning 1: Man sollte nur mit Marken / Produkten zusammenarbeiten, die auch wirklich authentisch zu einem passen.

Learning 2: Es lohnt sich neugierig zu sein, mitzudenken und sich einzubringen, statt z.B. bei Wartezeiten mit Kopfhörern in einer Ecke zu sitzen. Zusehen und Fragen stellen, egal wo man ist, eröffnet Möglichkeiten. Auch für seine Finanzen sollte man sich interessieren und sie nicht aus der Hand geben.

Learning 3: Eigene Ideen entwickeln, eigene Ziele verfolgen und sich nicht für jemand anderes verändern.

MC: Liebe Heidi, du bist momentan sehr präsent in Deutschland, und ebenso deine Tochter Leni. Wenn sie so eigenständig unterwegs ist, welchen Rat gibst du ihr für ihre Karriere?

HK: Ich finde es wichtig, nur mit Kunden zu arbeiten, die wirklich zu einem passen. Ein „nein“ ist manchmal besser, wenn etwas nicht authentisch zu einem passt.

MC: Bedeutet das, du würdest auch ein Veto einlegen, wenn sie etwas machen möchte, das du nicht gut findest?

HK: Meine Tochter? Sie sagt sehr oft nein. Manchmal sage ich sogar: „Ich hätte das gemacht“, und sie sagt:„Nee, sorry“. Meine Tochter ist sehr wählerisch. Das finde ich gut so.

MC: Ja, das ist wichtig. Ich denke, du hattest wahrscheinlich auch einen eigenen Kopf, als du jung warst. Ich habe gehört, dass du vor deiner Modelkarriere eigentlich eine Schneiderlehre bei Lore Lang Couture auf der Königsallee in Düsseldorf machen wolltest. Doch dann wurdest du bei einem Modelwettbewerb entdeckt.

HK: Ja, ich erinnere mich an den Namen.

MC: Hast du es jemals bereut, dass du keine klassische Lehre oder Ausbildung gemacht hast, zum Beispiel als Schneiderin?

HK: Wie könnte ich das bereuen? Absolut nicht.

MC: Ich meine, wegen der handwerklichen Fähigkeiten. Kannst du zum Beispiel nähen oder stricken?

HK: Einen Schal könnte ich stricken. (lacht). Ich habe mich immer für Mode interessiert und auch viele Sachen designt. Das hat mir immer viel Spaß gemacht und macht es auch heute noch.

MC: „Man muss nur wissen, wen man fragen kann“ ist eine bekannte Management-Tugend. Deine Karriere ist beeindruckend und daher ist es für uns wichtig zu wissen: Was sind deine „Career-Learnings“ gewesen? Als Model, als Mama und als Unternehmerin? Hast du Beispiele oder Situationen aus deiner eigenen Erfahrung?

HK: Ich glaube, es ist immer wichtig, aufmerksam zu sein und seine Umgebung bewusst wahrzunehmen. Viele meiner Jobs sind entstanden, weil ich mir viele Gedanken gemacht habe und echtes Interesse gezeigt habe. Ein Beispiel ist meine Zeit bei Victoria’s Secret: Als ich damals den 12-Millionen-Dollar-BH tragen durfte, war ich wirklich fasziniert und dachte: „Wow, wie machen die das eigentlich?“

Durch dieses Interesse habe ich die Menschen kennengelernt, die den BH gefertigt haben. Ich habe mich lange mit den verantwortlichen Personen unterhalten, Ideen entwickelt – und daraus ist letztlich meine eigene Linie entstanden. Wäre ich damals nicht neugierig gewesen und hätte ich mich nicht dafür interessiert, wäre all das nie zustande gekommen.

MC: Also Learning: „Mitdenken und sich selbst einbringen“.

HK: Ja, genau. Man kann aus vielen Gelegenheiten vielleicht etwas für sich machen, wenn man interessiert ist, Fragen stellt und seinen Dingen nachgeht, statt sie zu ignorieren. So sind viele meiner Jobs entstanden.

MC: Ein gewisses Mama-Learning. Hast du ein Beispiel dafür?

HK: Von meiner Mutter?

MC: Gerne von deiner Mutter.

HK: Von meiner Mutter habe ich gelernt, nicht abhängig zu sein. Das fand ich immer wichtig. Es war mir immer im Hintergrund präsent, dass ich nicht von einem Mann oder einer anderen Person abhängig bin.

MC: Ich finde es wichtig, dass du das sagst, weil ich glaube, heute gibt es viele junge Frauen, für die es ganz normal ist, alles selbst in die Hand zu nehmen. Aber zu Beginn deiner Karriere in den 90er- und 2000er-Jahren war das nicht selbstverständlich. Welche wichtigen Schritte hast du als Unternehmerin unternommen, um dich durchzusetzen?

HK: Das Besondere an mir ist, dass ich sehr experimentierfreudig bin. Ich möchte keine Dinge machen, die es bereits gibt. Oft habe ich Projekte umgesetzt oder Looks ausprobiert, die vielleicht ein bisschen „too much“ wirkten.

MC: Im Marketing?

HK: Ja, zum Beispiel bei Birkenstock. Das war ein Familienunternehmen ganz in unserer Nähe. Ich habe ihnen damals gesagt: „Ich liebe eure Schuhe, aber man könnte sie ein bisschen aufpeppen.“ Viele Jahre später sieht man, dass genau das inzwischen alle machen – ob Dolce&Gabbana, Michael Kors oder viele andere.

Ähnlich war es bei New Balance. Ich sollte etwas für sie entwickeln, und meine Activewear war sehr bunt. Ich sagte: „Ich möchte keine schwarzen Leggings machen. Jeder macht schwarze Leggings“ Ich wollte coole, interessante Muster, andere Stoffe und passende Schuhe dazu. Damals musste man sich daran gewöhnen (lacht).

MC: Wenn man viele Ideen hat, wie du gerade erklärt hast, gibt es auch mal Misserfolge.

HK: Absolut.

MC: Wie gehst du mit Niederlagen um?

HK: Dann fängt man einfach etwas Neues an.

MC: Du bist Botschafterin von L’Oréal Paris hier für Le Défilé to Düsseldorf. Die Kosmetikmarke bringt mit der Modenschau Le Défilé in Paris, bei der du auch warst, Schönheit, Mode und Feminismus zusammen, um die Kraft des Selbstwertgefühls ins Rampenlicht zu rücken. Was ist für dich eine starke Frau und was zeichnet sie aus?

HK: Für mich ist eine starke Frau jemand, die das tun kann, was sie möchte – und so aussehen darf, wie sie möchte. Eine Frau, die sich nicht für andere verändern muss. Wir haben nur ein Leben, und das sollten wir so gestalten können, wie wir es selbst wollen – because we are worth it!

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