Wir verbringen erstaunlich viel Zeit damit, auf Verabredungen zu warten. Auf Freund:innen, die Zeit haben, auf Partner:innen, die Lust haben und auf Menschen, die weder zusagen, noch absagen. Dabei ist der Sommer viel zu kostbar, um ihn im Gruppenchat zu vertrödeln, denn irgendwann ist der Sommer vorbei und die Erlebnisse lassen sich an einer Hand abzählen.
Es ist erstaunlich, wie früh wir lernen, dass die schönsten Dinge im Leben immer Gesellschaft brauchen. Schon als Kinder gehen wir selten allein ins Freibad, Klassenfahrten sind Gemeinschaftserlebnisse und Geburtstage sowieso. Später kommen die ersten Städtetrips mit Freund:innen dazu, der romantische Urlaub als Paar, das Abendessen mit Kolleg:innen, der Weihnachtsmarktbesuch und das große Konzert. Fast jede schöne Erinnerung wird automatisch zu einem Gruppenfoto. Aber warum ist das so?
Wir denken: „Für dieses neue Restaurant brauche ich jemanden.” Oder: „In diese Ausstellung gehe ich, wenn meine beste Freundin Zeit hat und den Sonnenuntergang am See hebe ich mir für ein Date auf.” Und dieses ewige irgendwann hat die unangenehme Eigenschaft, oft gar nicht stattzufinden. Nicht, weil niemand mit uns losziehen möchte oder uns bewusst nicht dabei haben will, sondern weil das Leben dazwischen kommt. Volle Kalender, krank gewordene Kinder, Überstunden und schlichtweg unterschiedliche Urlaubspläne. Menschen, die absagen, weil sie erschöpft sind oder wir selbst verschieben das Treffen, weil doch noch Wäsche gewaschen werden muss. Doch während wir auf den perfekten gemeinsamen Moment warten, zieht ein Sommer nach dem anderen vorbei.
Foto: Anna Keibalo/Unsplash
Gerade Solo-Dates haben in unserer Gesellschaft noch immer ein seltsames Image. Wer allein im Café sitzt, wird gefragt, ob noch jemand kommt, wer allein reist, gilt schnell als ausgesprochen mutig und wer allein essen geht, bekommt manchmal diesen einen mitleidigen Blick, den niemand bestellt hat. Dabei ist das eigentlich absolut absurd, denn niemand würde auf die Idee kommen zu sagen: „Du gehst allein joggen?” Oder: „Du liest ein Buch ganz ohne Begleitung?” Als bräuchten wir jemanden, der bestätigt, dass ein Abend im Open-Air-Kino oder ein Frühstück for One im Café um die Ecke erst dann wirklich als schönes Erlebnis zählt, wenn ein zweites Glas auf dem Tisch steht oder ein weiterer Mensch auf dem Urlaubsfoto zu sehen ist.
Dabei die Wahrheit ist doch eigentlich: Wer lernt, sich mit sich selbst zu verabreden, entdeckt etwas ganz Überraschendes, und zwar, dass Erlebnisse nicht kleiner werden, wenn niemand mitkommt. Im Gegenteil. Sie werden oft intensiver und man hört genauer hin, schmeckt bewusster, bleibt länger oder geht früher. Ein Solo-Date ist deshalb keine Notlösung für Tage, an denen alle anderen beschäftigt sind. Es ist auch keine Prüfung in Unabhängigkeit und erst recht kein Zeichen dafür, dass man alles allein schaffen muss. Es ist eine kleine, aber feine Erinnerung daran, dass das eigene Leben nicht im Wartezimmer des Lebens stattfindet.
Foto: Getty Images/Unsplash
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