Multitalent Abby Roberts im Interview: „Diesen Ratschlag werde ich immer in Ehren halten!“

Sie ist Sängerin, TikTok-Superstar, Beauty-Influencerin und die Erfinderin einiger der größten Make-up-Trends auf Instagram: Die Rede ist von keiner Geringeren als Abby Roberts. Obwohl ihre Bilder Hunderttausende von Likes erhalten und sie vor rund Zwanzigtausend in Stadien auftritt, ist sie trotzdem das Mädchen von nebenan aus Leeds und so bodenständig wie nur möglich. Mit Marie Claire hat sie nicht nur über die Anfänge ihrer Karriere, sondern auch über ihre Wünsche und das Geheimnis ihres Erfolgs gesprochen.

Abby Roberts zeigt einen coolen Make-up-Look in klassischem Schwarz-Weiß.
Mysteriös und geheimnisvoll, das ist die neue Abby Roberts. Foto: Oceane Auclair

16,1 Millionen Follower auf TikTok und 1,5 Billionen Likes – Tendenz weiter steigend – machen sie zur erfolgreichsten Beauty-Content-Schöpferin der Welt und das schon lange bevor sie aus dem Teenageralter raus war. Somit ist sie bereits seit über einem Jahrzehnt Make-up-Artist  –  und ebenso lange Unternehmerin. Abbys Kreativität beschränkt sich aber nicht nur auf Make-up-Looks und Schmink-Tutorials, sondern diese lebenslange Liebesbeziehung schöpft sie auch mit ihrer Musikkarriere voll und ganz aus. Konkret bedeutet das: Auch ihre Songs gehen steil nach oben. Eine Künstlerin, die sich immer wieder neu erfindet und irgendwo zwischen Realität und Illusion existiert.

Wie haben Sie als Influencerin angefangen?

Seit ich 11 Jahre alt war, mache ich verschiedene Online-Sachen. In meinem allerersten Video habe ich meine Schwester geschminkt. Damals war sie neun. Zu der Zeit habe ich mir einige YouTube-Videos von anderen Kindern angesehen, die sich schminken. Ich war einfach sehr neugierig, wie sie ihr Make-up machten. Also dachte ich: ‚Ich will wissen, wie andere 11-Jährige ihr Make-up machen, also warum filme ich mich nicht einfach und lade mich selbst auch hoch?‘. Um ehrlich zu sein, hat das ziemlich viel Aufmerksamkeit erregt, vor allem, weil die Leute schockiert waren, dass wir so jung waren und uns schminkten. Sie lacht. Es gab eine Menge verärgerter Leute. Und am Ende haben wir den Kommentarmodus sogar abgestellt. Aber ja! Es war ziemlich dramatisch, wie alles anfing, und hat von Anfang an viel wirklich Aufmerksamkeit erregt.

Würden Sie sagen, dass sich die Art und Weise wie Kommentare heute im Netz gegeben werden zu damals verändert haben?

Ich denke schon! Heute gibt es diese neue Welle von jüngeren Influencern – diese Kids, die sich wirklich für Hautpflege interessieren. Ich nenne sie die Drunk Elephant-Seite von TikTok. Die Leute sind wirklich empört darüber, aber ich glaube, damals war es die gleiche Wut, nur eben auf Make-up statt auf Hautpflege gerichtet.

How it all begann: Abbys erster Instagram Beitrag aus dem Jahr 2013. Foto: Instagram  @abbyroberts

Sie hatten so viel Erfolg und sind schon so lange im Internetbusiness dabei. Wann, würden Sie sagen, hat die aktuelle Ära ihres Online-Erfolgs als Influencerin begonnen? War es während der Pandemie oder davor?

Ich habe 2019 mit TikTok gestartet, genau zu dem Zeitpunkt, als es sich von Musically zu TikTok geändert hat. Ich hatte einfach großes Glück, denn als anfing, hatte auf TikTok niemand wirklich Make-up gezeigt. Es war immer noch eine App für Tanzen und Lippensynchronisation. Und so dachte ich mir: ‚Niemand macht das hier! Ich kann das, was ich seit Jahren mache, in diese App einbringen‘ und die Leute schienen es wirklich zu mögen, wie ich die allgemeinen Trends mit Make-up verband. Ich glaube, das hat es auch für eine andere Art von Publikum unterhaltsam gemacht, das normalerweise keine Make-up-Inhalte schauen würde. Und dann kam der Lockdown. Jeder war zu Hause und rund um die Uhr am Smartphone. Das war ehrlich gesagt meine verrückteste Zeit bei TikTok. Zuerst ging absolut nichts, bis zu meinem dritten TikTok-Video. Das startete dann innerhalb wenigen Monaten absolut durch.

Check it out: Abbys Make-up-Looks

Kreativ und einzigartig. Mit ihren Looks zeigt Abby nicht nur, wie wandelbar sie ist, sondern auch, was für ein enormes Talent sie hat.

Sie sind ja auch Sängerin. Können Sie uns die Geschichte erzählen, wie es dazu kam?

Ich habe zu Hause immer gerne gesungen, aber ich war ein sehr schüchternes Kind. Meine Mutter hat mich immer supportet und mir gesagt, dass ich mich gut anhöre. Ich habe mich ganz lange nicht getraut – erst durch TikTok, da auf dieser Plattform ja Musik sehr wichtig ist. So habe ich wieder angefangen, mich damit zu beschäftigen. Ich habe über TikTok viele Musikerfreunde kennengelernt, mit denen ich über ihr Make-up gesprochen habe, und das hat mich ermutigt, es dann auch selbst zu versuchen. Also bin ich ins Studio gegangen und habe rumexperimentiert! Eines Tages kam ein Freund vorbei, ein aufstrebender Produzent, und sagte: ‚Ich weiß nicht, ob du von dieser Idee begeistert bist, aber hättest du vielleicht Lust, in mein Studio zu kommen und ein bisschen herumzuprobieren?‘. Ich hatte keine Ahnung, wie man einen Song schreibt! Das war alles völlig neu für mich. An meinem 19. Geburtstag ging ich zu meiner allerersten Studio-Session und verliebte mich in sie.

Wie hat sich der Songwriting- und Produktionsprozess seit dieser ersten Studio-Session verändert?

Meine eigenen Prozesse haben sich sehr verändert. Früher wusste ich nicht, wie man einen Song schreibt. Aber jetzt würde ich sagen, dass das Schreiben sogar mein Lieblingsteil ist. Ich trage immer mein kleines Buch bei mir. Aber nicht nur das, ich fühle mich auch viel sicherer, wenn es darum geht, einen Produzenten um etwas zu bitten, das ich wirklich will. Am Anfang war ich da ziemlich eingeschüchtert. Heutzutage habe ich genug Sessions mitgemacht, um zu wissen, welche Art von Sound ich mag. Und ich habe auch wirklich das Gefühl, dass ich diejenige bin, die das Ganze kontrolliert.

Abby Roberts spielt gerne mit Licht und Schatten, nicht nur bei ihrem Make-up.

Wild, frei, unabhängig – dieses Bild beschreibt den Charakter von Abby Roberts ganz ohne Worte. Foto: Oceane Auclair

Sie sind gerade dabei ihr nächstes Album zu schreiben. Wie läuft es?

Es läuft wirklich gut! Ich habe einen Großteil des Jahres damit verbracht, mit verschiedenen Produzenten zu experimentieren und jemanden zu finden, bei dem es Klick macht. Ich musste einiges ausprobieren, um ehrlich zu sein. Es gab viele Sessions, die gut liefen, aber nicht aufregend oder besonders waren. Jetzt habe ich mich mit einem Produzentenduo aus Manchester namens Soap zusammengetan. Ich bin von der Zusammenarbeit wirklich begeistert! Ich habe das Gefühl, dass sie mich fördern und alles aus meiner Stimme herausholen. Das fühlt sich nicht nur neu an, sondern diese Ebene konnte ich so davor mit anderen Produzenten nicht erreichen.

Mit welchem lyrischen Inhalt beschäftigt sich das neue Album?

Bisher war es eher romantisch angehaucht. In der Vergangenheit waren meine Texte eher introspektiv und die psychische Gesundheit war ein wichtiges Thema. Aber dieses Jahr hatte ich einfach eine Menge Dates! *sie lacht* Es gab Lustige, es gab Schlechte… und es gab natürlich auch ein paar richtig Gute. Ich denke, ich bin einfach aufgeregt, die Liebe von allen Seiten zu erkunden. Auch die platonische Liebe. Ich habe ein paar Songs für meine Freunde geschrieben, auf die ich sehr stolz bin.

Gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede, wenn es um den kreativen Prozess bei der Entwicklung eines Beauty-Looks geht oder darum, einen Song zu schreiben?

Die Ähnlichkeit besteht darin, dass ich sehr inspirationsorientiert bin. In Sachen Beauty suche ich nach allem Möglichen, das mich inspiriert. Es geht für mich darum, etwas zu erschaffen, das sich für mich richtig anfühlt – und das gilt definitiv auch für meinen Arbeitsablauf in der Musik. Auch wenn die Entstehungsprozesse unterschiedlich sind, ist der Teil der Inspiration sehr ähnlich.

Abby Roberts, eine der bekanntesten Beauty-Influencerin der Welt steht Marie Claire im Interview Rede und Antwort.

Schon ganz oben? Zumindest dem Ziel sehr nah! Denn Abby Roberts weiß, was sie will und fokussiert sich immer wieder neu. Foto: Oceane Auclair

Wer sind im Moment Ihre größten musikalischen Vorbilder?

Für mein aktuelles Album habe ich mich sehr von den Neunzigern inspirieren lassen, wie z. B. von Shoegaze. Aber auch Bands wie Mazzy Star, Slow Dive und My Bloody Valentine. Von meiner Jugend an und bis heute ist Lana Del Rey ganz klar die Königin. Vom ersten Tag an und für immer. Übrigens hat mein Vater mich auf sie aufmerksam gemacht. Seitdem ist mein Leben nicht mehr dasselbe.

Was würden Sie sagen, in welchem Genre bewegt sich Ihre Musik?

Zu Beginn war ich, glaube ich, sehr auf Schlafzimmer-Pop fixiert. Ich liebte das niedliche Zeug. Jetzt, wo ich älter geworden bin, ist mein Sound definitiv viel dunkler geworden. Ich habe Indie-Rock schon immer geliebt und mit der Zeit bin ich noch weiter in diese Richtung gegangen.

Ein Traum wurde wahr: Als Support der Halsey-Tour konnte Abby Roberts in den USA in Stadien spielen. Reel: Instagram @abbyroberts

Gibt es einen Moment Ihrer Karriere, auf den Sie besonders stolz sind?

Das Größte für mich war die Halsey-Supporttour, sie war meine erste richtige Tour. Es war eine enorme Lernkurve in so ziemlich jeder erdenklichen Hinsicht. Total surreal, von lokalen Shows in Großbritannien vor 20 Leuten zu spielen und dann diese Stadien mit zwanzigtausend Zuschauern. Um ehrlich zu sein, war es noch beängstigender, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber ich und meine Band haben es gemeistert. Am Ende war es befriedigend, auf eine Art und Weise, die ich gar nicht beschreiben kann. Wenn ich heute zurückblicke, bin ich sehr stolz darauf. Halsey ist einfach die Süßeste und eine richtig aufrichtige Seele. Wir haben durch diese Tour eine Freundschaft aufgebaut und sie war eine echte Mentorin für mich. Zu Beginn der Tournee hatte ich das Imposter-Syndrom. Aber Halsey war immer da, um mich daran zu erinnern, dass es der beste Weg ist, wenn man an sich selbst glaubt. Selbst wenn das bedeutet, dass man sich etwas einreden muss. Ich werde diesen Ratschlag für immer in Ehren halten!

Fotos Abby Roberts: Photographer : Oceane Auclair 
Stylist : Rebecca O’Dwyer 
Wearing : A-Jane, Natasha Zinko, SRVC, Mugler and Gentle Monster

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions